Montag, 7. Oktober 2013

Andreas Eschbach : Todesengel



Andreas Eschbach : Todesengel
Bastei Lübbe
Originalausgabe 2013
Hardcover, 541 Seiten, 19,99 €
ISBN: 978-3-7857-2481-1
Lesungen


Ein strahlend weißer Racheengel geht um in der Stadt, heißt es, der überall dort auftaucht, wo Unschuldige in Gefahr sind, und diejenigen, die ihnen Gewalt antun, brutal bestraft: Ist das wirklich nur die Schutzbehauptung eines alten Mannes, der Selbstjustiz geübt hat?
Ein Journalist deckt auf: Es gibt diese Gestalt tatsächlich – er kann es beweisen.
Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf …
Klappentext

Kurz gesagt : Dieses Buch ist ein Muß !

Dabei kam es mir lange überhaupt nicht so vor. Das Buch hat insgesamt 540 Seiten, doch auf den ersten 440 Seiten ist die Geschichte "nur" eine gelungene Neuauflage von "Death Wish" und "Network". Ich war schon gedanklich bei der Formulierung eines Verrisses - und dann kamen die letzten 100 Seiten. In einer Tour de force zeigt Andreas Eschbach die Denkfehler der Selbstjustiz auf und präsentiert dem Leser das hässliche Gesicht des Deutschen Stammtisches, das er bis dahin gezeichnet hat. Dabei beschreibt Eschbach keine einfachen Lösungen, in einem Universum der Superhelden zeigt er die realistischen Probleme der Vigilanten auf, ohne eine (irreale) Patentlösung parat zu haben.

Inhaltlich hatte ich das Gefühl, das der Roman eine sehr persönliche Betroffenheit des Autors enthält, zusammen mit der Hilflosigkeit, keine wirkliche Lösung zu finden. Auf SF-Fan sagte er dazu :
Ich hab mich während der Niederschrift dieses Romans ein Jahr lang mit Schicksalen befasst von Leuten, die wegen einem Euro, zwanzig Cent oder gar nichts niedergestochen, zu Krüppeln oder zu Tode geprügelt worden sind, von Fällen, in denen diejenigen, die ihnen das angetan haben, mit minimalsten Gefängnis-, Bewährungsstrafen oder Freispruch davongekommen sind, von Leuten, die Geldstrafen bekommen haben oder ins Gefängnis gekommen sind dafür, dass sie sich gegen solche Angriffe verteidigt (und dabei einen ihrer Angreifer verletzt) haben, und getan, was ich konnte, um meine Fassungslosigkeit in Romanform zu bringen.
Quelle

Das Generalthema der Lynchjustiz wird allerdings stark vereinfacht dargestellt, relevante Nebendiskussionen (Herkunft, Umfeld, Diskriminierung) nur rudimentär angerissen. Sehr positiv aufgefallen ist mir allerdings der Detailreichtum, der sehr stark zur Lebendigkeit der Geschichte beiträgt. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Roman. Wäre er SF, würde er in jedem Fall für den DSFP nominiert werden.

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