Dienstag, 10. Dezember 2013

TERRA SF 219/220 - K.H. Scheer : Diagnose negativ



Karl Herbert Scheer : Diagnose negativ
ZBV 14
Terra SF 219/220, 16.03.1962
Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1961
Titelbild : Johnny Bruck


Major Thor Konnat, Spezialagent der Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr und Kommandeur des GWA-Raumkorps, hält nicht viel von Leuten, die man gemeinhin als "Erbschleicher" bezeichnet. Um so bedrückender erscheint ihm die Tatsache, daß sich unbefugte Elemente ausgerechnet für jenes Erbe interessieren, das nach seiner, Konnats, Meinung nur der gesamten Menschheit gehören darf.

Major Konnat, eben dabei, in die Tiefen des Weltraumes zu starten, erhält einen Einsatzbefehl, der mehr einer Panikmeldung als einer dienstlichen Anweisung gleicht. Auf dem fernen Mars, der bisher als tote und entvölkerte Welt angesehen wurde, brechen sehr aktive Vulkane aus. Auf dem irdischen Mond beginnt es zu grollen, und - was das Chaos zu vollenden scheint - in den Tiefen eines irdischen Meeres erwacht seltsames Leben. Ein verdienter Forscher kann nur noch als Toter geborgen werden. Wieso konnte Dr. M. Fabulin in den eiskalten Gewässern verbrüht werden? "Wasser auf dem Mars!" ist eine Meldung, die sogar das positronische Supergehirn der GWA in mechanische Verwirrung bringt. Ein Kommandant der US-Unterseeflotte dreht durch. Ganz im Gegensatz zu seinen Torpedoschüssen donnern neuartige Raumschiffe der Space-Force über die Startpisten. Die Hölle ist los auf Terra und im bisher erforschten planetarischen Raum. Ein hochspezialisierter Wissenschaftler macht in sachlich kühler Auslegung der Geschehnisse einen Vorschlag. Die Logik triumphiert, doch die unterbewußten Gefühle und Ahnungen beginnen zu revoltieren.

"Diagnose negativ!" sagt der positronische Rechenautomat. "Finger davon lassen!" stöhnt ein beamteter GWA-Physiker. General Reling nimmt dennoch an, und eine unheimliche Armee erwacht. Da bringt die Menschheit ihre besten Männer aus allen Nationen zum Einsatz. Die GWA erhält Alarmstufe 1. Major Konnat greift an. Seine Befehle waren selten so klar und selten so kompromißlos. Es geht um die Menschheit, um die Mutter Erde und um das geschändete Erbe der fernen Vergangenheit.

"Diagnose negativ" ist einer der erregendsten ZBV-Romane aus Scheers grandios geführter Feder. Das Unmögliche und noch nicht Vorhandene dennoch möglich und durchaus wahrscheinlich werden zu lassen, ist eine Kunst, die nur durch dos Können des Autors verwirklicht werden kann.

"Diagnose negativ" ist ein Roman von erregender Spannung, eiskalter Logik und sachlicher Beweisführung. Er ist eine Mischung aus Utopie und Gegenwart von höchster Gestaltungskraft.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Jo, jetzt geht die ZBV-Serie in die vollen. Diesmal nicht bzw. weniger gekürzt, stattdessen auf zwei Heftnummern aufgeteilt. Immer interessanter wird das Erbe des Mars, immer spannender und faszinierender die Romane. Was auch von den damaligen Lesern goutiert wurde, "ZBV" hatte eine große Fangemeinde. Mir gefällt dieser Roman auch deshalb besonders gut, weil Scheer hier explizit darstellt, was implizit schon immer in der ZBV-Serie immanent war : Das Intelligenz plumpe Gewalt immer dominiert. "Brute Force"-Lösungen, wie sie in diversen anderen Space Operas gang und gäbe sind, war nie so wirklich Scheers Ding, in "Diagnose negativ" triebt er sein Faible für geschickt geplante und ebenso geschickt durchgeführte ZBV-Einsätze auf einen neuen Höhepunkt. Wäre mal interessant zu wissen, welche SF-fremden Romane ihm für seine ZBV-Romane strukturell als Vorbild dienten.


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