Montag, 4. August 2014

TERRA SF 382/383 - Poul Anderson / Gordon R. Dickson : Alexander Jones - Diplomat der Erde



Poul Anderson / Gordon R. Dickson : Alexander Jones-Diplomat der Erde (Earthman's Burden)
Terra SF 382/383, 22.01.1965
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1957
Aus dem Amerikanischen von Heinz F. Kliem
Titelbild : Johnny Bruck


It could almost have been Earth - or so thought Ensign Alexander Braithwaite Jones, who crash-landed on the planet Taka, 500 light-years from the Solar System. Then he met the Hokas, a race of teddy-bear-like aliens, with the astounding ability to transform outdated Earth stories into riotous real life adventures.

From the guns and slang of an Old West saloon to a hair-raising drug bust in Victorian England led to the by a button-nosed, pipe-puffing Hokan Sherlock Holmes, the Hokas demand that Alex Jones live it all along with them.

Suddenly his ordinary military career is changed into a crazy world of intergalactic adventure, as he tries, without much success, to bring his furry, alien charges along the road to civilization, sanity, and a m ore respectable social rating in the Interbeing League.
Klappentext des SF-Gateway eBooks

Des Erdenmannes schwere Bürde (so der Titel der Neuauflage Moewig 3530 in den 80ern) lastet auf den Schultern von Alexander Jones. Bei einer Erkundungsmission gestrandet und vom Mutterraumschiff abgeschnitten, versucht er zunächst, im Notfallkoffer ein Funkgerät zu finden. Oder irgendetwas ähnlich Hilfreiches. Doch neben "fünftausend fest verschnürten Formularen des Typs CD5/H-a-6-LKR" zusammen mit den "Formblättern G 776 802 und W-2-ZGU" findet er nur noch das "Handbuch zur Orientierung von Beamten, von Adalbert Parr, Chefkommissar für Kultur". Also macht er sich auf den langen Weg zum Mutterschiff. Dabei trifft er auf die Eingeborenen dieser Gegend. Teddybär-ähnliche Wesen, unheimlich stark und fast unverwüstlich. Sie treten ihm gegenüber mit Chaps, 45ern, Stetsons und Cowboy-Stiefeln und reiten auf ... nun ja, Pferde sind diese echsenähnlichen Viecher nicht wirklich. Und sie treiben Longhorns - ebenfalls Echsen mit einem gaaaanz langen Horn. Bedroht werden sie von den Grünhäuten (eine weitere eingeborene Echsenrasse), der Allereinsamste Reiter (der von der X-Bar, nicht der von der Three Fork-Ranch) versucht die Herden in Sicherheit zu bringen ...

Das Problem mit den Hokas vom Planeten Toka ist, daß sie beim Erstkontakt noch eine Art Steinzeitwilde waren. Da sie eine extrem rege Phantasie und überhaupt kein Unterscheidungsvermögen zwischen Fiktion und Realität haben, nehmen sie alles für bare Münze, was ihnen von den Terranern vorgesetzt wird. Und als das Erstkontaktschiff abhob, liess es eine Reihe von klassischen Western (aber alles B-Movies) zurück. Alexander Jones muß damit zurechtkommen und wird der "Sheriff von Canyon Gulch" (ein Job, der immer an den unfähigsten Hoka geht, denn jeder "Mensch" weiss doch, das der Spieler aus dem Saloon die Stadt beherrscht). Da es ihm gelingt, die Hokas vor dem Angriff der Slishii (der Grünhäute) zu retten, wird er zum Botschafter auf Toka ernannt.

In der zweiten Geschichte begleitet er eine Delegation der Hokas auf die Erde. Die in eine Oper geführt werden und sofort Alexander Jones mit Don Juan identifizieren. Was bei seiner Verlobten, seiner Kollegin und seinem Vorgesetztem zu einigen Verwicklungen führt. Aber die sind immer noch harmloser als die, die einige Zeit später auftraten, als Alexander Jones mit seiner Frau die Teddies versehentlich "Tom Bracken von der Weltraumstreife" sehen lassen. Unser Held streitet danach ausdrücklich ab, daß seine Hokas irgendetwas mit dem mysteriösen Weltraumstreifenschiff, das einen galaktischen Agressor in die Knie gezwungen hat (moderne Waffen waren nicht auf stellare Steinschleudern eingestellt), zu tun hat.

Die Hoka-Geschichten von Poul Anderson und Gordon R. Dickson gehören zu den besten humoristischen Werken der SF. In kurzen, zwar prinzipiell voneinander unabhängigen, aber nach und nach die Entwicklung der Hokas als auch Alexander Jones und Tanni Hostrup-Jones schildernd, nehmen die beiden Autoren alle Genres, die nicht schnell genug auf den Baum kamen,auf die Schippe. Hier sind die Leser mit einem gut ausgebildetem visuellem Vorstellungsvermögen stark im Vorteil - man denke nur an den Hoka-Holmes oder den Dialog mit den die Galaxis bedrohenden Pornianern, als Alexander Jones alias Der Chef der Weltraumpatrouille per Funk das Mißverständnis aufklären will :

"Geben Sie mir ihren Kapitän."
"N-n-nein, wir werden unseren Kapitän bis zum letzten Blutstropfen verteidigen!"
"Dann geben Sie mir ihren Admiral.
Ich muß sofort ihren Admiral sprechen.
Dieser Angelegenheit muß sogleich ein Ende gemacht werden!"
"Iiiiiiiiks!"

Wie man sieht, ist der Humor nicht unbedingt feinsinnig, aber herrlich, mit einigen bissigen Spitzen in andere Genres und in die damals aktuelle amerikanische Gesellschaft. [Die Slishii sind nach den Ereignissen von Canyon Gulch ausgewandert, gut versorgt von der terranischen Bürokratie, und wenn sie überhaupt noch arbeiten, halten sie Vorträge wie "Der letzte Slishii" vor wohlmeinendem Publikum.] Ich hab' die jetzt ungefähr zum zehnten Mal gelesen und kann mich immer wieder über die Stories amüsieren. Inbesondere, wenn ich es mir bildlich vorstelle ...


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