Mittwoch, 13. August 2014

Michael Schmidt (Hrsg.) : Am Ende des Regens



Michael Schmidt (Hrsg.) : Am Ende des Regens
AndroSF 41, Murnau, März 2014
p.machinery, Taschenbuch, 220 Seiten, 8,90 €
Titelbild : Björn Craig
ISBN 9783942533973


"Am Ende des Regens" ist die zweite Anthologie mit Fantasyguide-Kurzgeschichten. Wie der Herausgeber Michael Schmidt im Vorwort schreibt hat sich die erste – "Der wahre Schatz" - trotz positivem Feedback nicht gut verkauft. Also ging man bei der vorliegenden Anthologie andere Wege und versuchte, ein reines SF-Projekt auf die Beine zu stellen.

Hätte man lieber lassen sollen, denn das Ergebnis ist selbst bei positivster Betrachtung doch eher suboptimal. Immerhin sind es meistens echte Kurzgeschichten und keine Fragmente. Auch war nur ein Romananfang enthalten, was bei den Anthologien, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, keinesfalls selbstverständlich ist. Aber die Stories waren nicht wirklich gut, bestenfalls mittlerer Durchschnitt. Meistens einfach nur schlecht. Selbst Ernst-Eberhard Manski, einer meiner Lieblingsautoren, legt eine nur durchschnittliche Story über intelligent gewordene Tiere vor.

Ich sehe diese suboptimale Anthologie jedoch nicht als Problem der Autoren, sondern als ein Herausgeber-Problem. Da man innerhalb der deutschen SF-Szene sehr miteinander verbandelt ist, ist es schwierig, einem Freund oder einer guten Bekannten zu sagen, daß ihr Beitrag massive Fehler enthält. Und aufzuzeigen, welche es sind und wie man die Geschichte verbessern kann. Denn das zeichnet einen guten Herausgeber aus, nicht das Aufnehmen unqualifizierter Wort-Diarrhoe, um bloß niemanden vor den Kopf zu stoßen.

Es gibt – national ebenso wie international – nur einige wenige wirklich gute Anthologisten. Wenn diese eine Sammlung zusammenstellen, kann man sie blind kaufen und wird nie enttäuscht. H. W. Mommers beispielsweise hat das in diesem Jahrtausend sehr schön mit seinen VISIONEN-Bänden geschafft. Dazu gehört aber deutlich mehr, als einfach nur Kurzgeschichten zu sammeln und abzudrucken. Dies ist den wenigsten Kurzgeschichten-Herausgebern heutzutage aber wirklich klar, sie drucken einfach jeden Scheiß, der nicht schnell genug auf den Baum kommt. Und mich als Leser nervt das ziemlich.

Es tut mir leid für Michael Schmidt, der meinen ganzen Frust über vertane Lebenszeit beim Lesen diverser Anthologien der letzten Zeit jetzt abbekommen hat. "Am Ende des Regens" ist vielleicht nicht gut, aber von den schlechten Anthologien der letzten Zeit eine der besseren. Aber man merkt deutlich, was für eine tiefe Lücke der Weggang von Mommers und dem Herausgeber-Duo Jänchen/Rößler gerissen hat. Und diese Lücke wird meiner Wahrnehmung nach in absehbarer Zeit nicht geschlossen werden können.

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