Samstag, 16. August 2014

Frank W. Haubold : Das Todes-Labyrinth



Frank W. Haubold : Das Todes-Labyrinth
Götterdämmerung 2
Atlantis 2013
Titelbild : Timo Kümmel
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 280 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich


Auf der Suche nach der verschollenen Nemesis erhalten Kommandant Raymond Farr und seine Gefährten unverhofft Unterstützung von den wehrhaften Sikhanern, einer humanoiden Spezies, die seit dem Großen Krieg ein Nomadendasein führt. Während die Hemera tief in Feindesland ihre Feuertaufe besteht, nehmen die mysteriösen Angels Kontakt zu dem Dichter auf, der in einem von der Außenwelt abgeschirmten Refugium außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelt hat. Doch auch ihre Gegenspieler bleiben nicht untätig, und so mehren sich die Anzeichen für einen Konflikt, der nicht nur den Bestand der Föderation, sondern das gesamte Gebäude der Weltenordnung bedroht ...
Klappentext

Es gibt klassische Space Operas wie "Die Sternenkönige" von Edmond Hamilton. Es gibt moderne Space Operas wie die Geschichten um die "Verlorene Flotte" von Jack Campbell. Und dann gibt es Frank W. Haubold, der einen ganz eigenen Stil hat, eine Space Opera zu erzählen. Und ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Romane zu besorgen.

"Das Todes-Labyrinth" ist der zweite Teil einer Trilogie. Soweit ich jedenfalls weiss. Denn mir ist vollkommen unklar, wie der Autor die Geschichte im nächsten Band auflösen will. Der ist auch noch nicht raus, eigentlich wollte ich dieses Jahr alle drei Bände hintereinander lesen und dann für den DSFP nominieren, denn eine Nominierung hat die Geschichte mindestens verdient. Ich habe selten einen so literarischen Stil innerhalb der SF gelesen und bin selten einer solchen absoluten Skupellosigkeit gegenüber äonenlangen Verwicklungen, dem PCs-retten-die-Welt-Syndrom und vor allen Dingen dem "Ich schreibe die Geschichte so, wie ich sie gerne lesen würde" begegnet. Und das will bei mir als Jemandem, der nicht nur seit Jahrzehnten SF liest, sondern auch "Perry Rhodan"-Fan ist, schon einiges heissen.

Das Buch beginnt als klassische Space Opera, wobei ich nach den ersten Seiten ernsthaft überlegt habe, es wieder zuzuklappen und erst einmal den ersten Teil, "Die Gänse des Kapitols" nochmal zu lesen. Nicht, daß sich Haubold nicht Mühe gibt und eine Kurzzusammenfassung in den Roman hineingeschrieben hat, aber der Roman ist eben komplex, man sollte sich an die verschiedenen Handlungsfäden schon genau erinnern. Denn praktisch jeder einzelne wird wieder aufgegriffen und weitergeführt. Dazu kommen neue Protagonisten und neue Ausblicke, die plötzlich ein ganz anderes Licht auf einzelne Ereignisse des Vorgänger-Bandes werfen. Das ist, mit Verlaub, so richtig geil.

Vollkommen umgehauen hat mich jedoch der Stilwechsel mitten im Roman. Denn Raymond Farr ist die Hauptfigur (glaube ich jedenfalls) und im Wesentlichen folgt die Geschichte doch seinen Aktionen. Eben klassische lineare SF. Und urplötzlich, unvermittelt, mittendrin blättert man um und es wird etwas von einem Dichter erzählt, der in einem Haus auf einer undefinierbaren Ebene lebt, für den scheinbar keine Zeit vergeht und dessen Gedanken und Gedichte sich materialisieren. Es wechselt sozusagen von der wissenschaftlichen zur wundersamen SF - und wieder zurück. Und ja, es bleibt Hardcore-SF, an keiner Stelle bewegt sich Haubold auch nur ein Quentchen in Richtung Fantasy. Dieser Wechsel zwischen den beiden stilistischen Ausrichtungen ist ziemlich genial in die Geschichte integriert, man wünscht sich, daß einige andere Möchtegern-Autoren auch nur ein Quentchen von Haubolds Fähigkeiten hätten. (Ich habe in letzter Zeit ziemlich miese moderne SF gelesen, merkt man das?)

Ganz besonders deutlich wird es dort, wo Haubold sich mit religiösen Fragen auseinandersetzt. Kann es das Paradies auf Erden geben ? Wie wäre es dann designed ? Und wenn der Mensch immer gottähnlicher wird : Was passiert dann mit den Engeln ? Hier hat der Autor einige sehr schöne und höchst innovative Denkanstösse in diesen zweiten Teil integriert, ich bin schon darauf gespannt, ob und wie er dies in Zukunft ausführen wird.

Dass Frank W. Haubold auch ganz anders kann, zeigt er in dem Handlungsstrang von Johnny und Ailin, den er locker-flockig vor sich hin erzählt. Dabei ist er sich nicht zu schade, Sex, Verschwörungstheorien und Versatzstücke etwas aus B5 ("Seelensammler") zu benutzen, um eine einfache und spannende Geschichte mit relativ einfacheren Charakteren zu erzählen, bevor er sich wieder dem Heroen Raymond Farr, der zwangsläufig viieel ernster sein muß, hinzuwenden. Auch diese Wechsel sind ausnehmend gut gelungen, ich habe das Buch einfach genossen.

Einige Facetten habe ich nicht angesprochen, möchte ich hier auch nicht. Das würde nämlich doch etwas zuviel spoilern. Ich sag' nur : Der Cliffhanger am Ende ist Spitze, das war ganz große SF. Wie auch der Rest des Romans, den ich mit Begeisterung gelesen habe. Ich kann diesen Roman nur jedem warm ans Herz legen, den Hardcore-MilSF-Liebhabern ebenso wie den Esoterik-SF-Fans. Er bietet für beide etwas und dürfte meiner Meinung nach auch von beiden gemocht werden.

Frank W. Haubold : Götterdämmerung
Die Gänse des Kapitols
Das Todes-Labyrinth

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