Montag, 19. Dezember 2011

Thomas Thiemeyer : Nebra



Thomas Thiemeyer : Nebra
Knaur 63850, München 2010
500 Seiten


Rund um den Brocken im Harz bereiten sich die Hotels und Gemeinden auf den Touristenrummel zu Walpurgis vor. Auch die Archäologin Hannah ist dorthin unterwegs; im Auftrag des Landesmuseums soll sie die geheimnisumwitterte Himmelsscheibe von Nebra erforschen. (Klappentext)
Dabei stösst sie auf eine uralte Sekte, die mit der Scheibe und ihren drei Geschwistern ein Dimensionsportal öffnen wollen. Im Showdown tief unten im Brocken wird diese Sekte ein für allemal besiegt.

Im Rahmen einer Diskussion auf SF-Fan stieß ich mit Thomas Thiemeyer zusammen, der im Laufe des Disputs äußerte, daß seine Thriller als Jugendbücher bezeichnet wurden. Das machte mich neugierig und ich besorgte mir ein paar seiner Bücher. "Nebra" ist der erste Roman von TT, den ich gelesen habe, und er ist definitiv kein Jugendbuch. Und auch kein Thriller, wie es von Knaur behauptet wird. Sondern schlicht und einfach gute alte Phantastik, in diesem Fall sogar Fantasy meines Erachtens, die bedauerlicherweise unter falscher Flagge segelt. Nachdem schon "Ausgebrannt" von Andreas Eschbach als "Thriller" firmierte, scheint es so zu sein, daß man als Genre-Fan in jedem Fall diese sogenannten Thriller unter Beobachtung halten sollte.

"Nebra" ist jedenfalls lupenreine Phantastik. Fast schon klassisch wird eine realistische Szenerie mehr und mehr um phantastische Elemente angereichert, der Showdown am Ende des Romans ist dann reine Fantasy. Spannend geschrieben wird der Genre-Fan an diesem Roman seinen Spaß haben, wenn auch die Geschichte fast schon klassisch zu nennen ist. Eine Geheimgesellschaft, die ihre dunklen Ziele zu erreichen sucht und von der (gutaussehenden) Heldin daran gehindert wird. Wie man sieht, erfindet Thomas Thiemeyer die Phantastik nicht neu, Szenario und Plot sind altbekannt.

Was diesen Roman über die Durchschnittsware hinweghebt, sind drei Dinge : Erstens die bereits oben angesprochene flotte Schreibe, zweitens die dem Thriller-Genre entlehnten Passagen und drittens das Setting. Aus dem Thriller-Genre hat Thomas Thiemeyer die "lehrhaften Passagen" seines Romans entnommen. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser mehr und mehr über die Altertumsforschung, steinzeitliche Geschichte und, last but not least, die Geschichte des Funds der Himmelsscheibe. Dies macht den Roman (zumindestens für mich) überaus interessant.

Sehr angenehm ist aber das Setting : Der Brocken und Umgebung, bis auf zwei Kapitel spielt die ganze Geschichte in Deutschland. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Kurzgeschichten und Romanen aus Deutschland, die auch in Deutschland spielen, ist dies meistens eine Kaufempfehlung. Auch Thomas Thiemeyer gelingt es, dieses Setting sauber in die Geschichte zu integrieren. Man merkt, daß der Autor genau weiss, wovon er schreibt, viele einzelne (nebensächliche) Details werten den Roman deutlich auf. Mir hat das hier bei Thiemeyer ebenso gut gefallen wie bei Iwoleit und Arentzen. Nach meinem subjektivem Eindruck verwendet ein Autor, der eine ihm bekannte deutsche Umgebung für seinen Roman nimmt, deutlich mehr Zeit auf stilistische Feinabstimmungen als auf Recherchen.

Insgesamt ein lesenswerter phantastischer "Standard"-Roman, den man als Genre-Fan nicht verpassen sollte.

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