Samstag, 24. Dezember 2011

Stefan Burban : Nahende Finsternis



Stefan Burban : Nahende Finsternis
Der Ruul-Konflikt #3
Atlantis-Hardcover 2011
280 Seiten

Das Asalti-System scheint von den Ruul annektiert worden zu sein. Zwei terranische Erkundungsteams werden zur Aufklärung ausgesandt. Insbesondere das Schicksal der Bevölkerung, der pazifistischen Asalti, ist unklar. Die Entdeckungen der Terraner sind schockierend : Die Asalti werden als biologische Steuereinheiten der Ruul-Kampfschiffe mißbraucht. Und die Großinvasion beginnt ...

Der dritte Band des Ruul-Konflikts, der zweite, der bei Atlantis als Hardcover herausgegeben wurde. Und wie schon sein Vorgänger, "Düstere Versuchung", ist auch dieser Roman spannende Military SF der intelligenteren Art.

Deutlicher noch als beim ersten Hardcover lässt Stefan Burban hier seine Protagonisten plastisch werden und vermeidet billige Klischees. Und dies nach beiden Seiten hin : Weder beschreibt er dumpfe "Yessir"-Soldaten noch oktroyierte er jedem Handlungsträger eine tiefe seelische Krise auf. Diese "Normalität" hat mir besonders gut gefallen.

Die Idee der biologischen Schiff-Prozessoren ist klar und deutlich von "Babylon 5" geklaut. [Die diese Idee übrigens wiederum von Anne McCaffrey übernommen hatten, dazu demnächst mehr.] Der Autor führt dies aber im vorliegendem Band nicht weiter aus und da die Ruul auch deutlich anders als die Schatten beschrieben werden, bleibt abzuwarten, was Stefan Burban in den nächsten Romanen aus diesem Konzept macht. Da keine Telepathen in Sichtweite sind, hat dieses Szenario durchaus das Potential, zu einer innovativen Hommage zu werden.

Genau wie im ersten Hardcover ist die Handlung spannend und bietet einiges an überraschenden Wendungen. Mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist die geringe Eindringtiefe in die Gesellschaft der Ruul. Gerade im Vergleich mit dem von mir erst vor kurzem gelesenen Roman "Eobal" und dem "Dominic Flandry"-Zyklus fällt dieses Manko deutlich auf. Hier hätte ich mir eine stärkere Charakterisierung der "Bösen" gewünscht.

Auch die Gesellschaftsstruktur des Asalti bleibt blaß. Dies ist aber offenbar auch genau die Intention des Autors, denn ihr Hauptmerkmal, der Pazifismus, wird deutlich dargestellt und beleuchtet. Im Rahmen der Invasion der Ruul wird er auf die Probe gestellt und Stefan Burban nimmt hier deutlich Stellung gegen einen absoluten Pazifismus bis hin zur Selbstaufgabe. Das hat mir gefallen, denn ich persönlich teile genau diesen Standpunkt. Wie aber Gandhi gezeigt hat, ist dieser Standpunkt keinesfalls der einzig funktionierende, wie es im Roman suggeriert wird. Auch hier hätte ich mir eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht.

Als Fazit kann man festhalten, daß die Ruul-Romane bisher spannende und angenehm lesbare MilSF-Geschichten sind, die sich nicht hinter ihren amerikanischen Vorbildern verstecken müssen. Im Gegenteil : Da jeder Roman eigenständig lesbar ist und nicht die Detailkenntnis seiner Vorgänger erfordert, ist der Ruul-Zyklus eine angenehme Abwechslung zu den aktuellen Fortsetzungsromanen angloamerikanischer Provenienz. Ich warte auf jeden Fall schon ungeduldig auf den nächsten Band.

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