Mittwoch, 21. Dezember 2011

Gelesen im Juni / Juli 2011 (II)

Und weiter geht's mit den ollen Schinken :


Gordon R. Dickson : Der Wolfling
(Wolfling)
Aus dem Amerikanischem von Wolfgang Crass
Ungekürzte Taschenbuch-Neuausgabe 1984, Originalausgabe 1968/69
Moewig-SF 3648, 175 Seiten

Sein Name ist James Keil, sein Beruf Anthropologe. Aufgrund seiner körperlichen Konstitution und seiner geistigen Fähigkeiten gehört er zur einsamen Spitzenklasse - jedenfalls für irdische Begriffe. Die Hochgeborenen hingegen, die von der Thronwelt aus das galaktische Reich regieren, dem unlängst auch die Erde und das Solsystem einverleibt wurden, sehen in James Keil nur einen unwissenden Barbaren. Sie nennen ihn Wolfling und reihen ihn in die Kategorie Haustier oder nützlicher Sklave ein. Doch sobald der Erdenmann die Thronweit erreicht hat, zeigt er, was in ihm steckt. James Keil beginnt sein eigenes Spiel zu spielen. Der Einsatz in diesem Spiel ist die Freiheit für Terra. (Klappentext)
Einer der wenigen Fälle, in dem man vom Klappentext exakt auf den Inhalt schließen kann : "Der Wolfling" ist eine Space Opera mit Space Babes, Aliens und Raumschiffen, ein reiner Abenteuerroman ohne tiefere Bedeutung. Brilliant geschrieben von einem Altmeister der Hardcore SF, macht es Spaß, ein solches Abenteuer zwischendurch zu lesen. Und es ist interessant zu sehen, wie weit sich die SF weiterentwickelt hat. Heutige Space Operas sind deutlich gehaltvoller und arbeiten einzelne kritische Aspekte eines derartigen Themas (scheinbare rassische Überlegenheit, dynastische Machtkämpfe, Degeneration) deutlicher, detaillierter und ambitionierter heraus.


Jerry Pournelle : Mars, ich hasse dich !
(Birth of Fire)
Aus dem Amerikanischem von Marcel Bieger
Deutsche Erstveröffentlichung 1980, Originalausgabe 1976/1978
Bastei-Lübbe 21124, 200 Seiten

Garrett Pittston wird als gewalttätiges Mitglied einer Straßengang vor die Wahl gestellt - Gefängnis oder Kolonie. Er wählt die Deportation auf den Mars und trifft dort eine von Konzernen beherrschte und ausgebeutete Gesellschaft vor. Drangsaliert von den Konzernen auf der einen und schikaniert von der Erd-Administration auf der anderen Seite, beginnen die Marsianer um ihre Freiheit zu kämpfen.
Nach Heinlein Pournelle - das passt. Das ist vor allen Dingen deshalb so passend, weil mit "Birth of Fire" ein Roman vorliegt, der nicht nur in Nichts dem großen Altmeister nachsteht, sondern den gleichen Drang der individuellen Freiheit ausdrückt. Jerry Pournelle betont in seinem Roman das Handeln des einzelnen Individuums, dessen Entscheidung für den einen oder den anderen Weg die Gesellschaft maßgeblich mitgestalten. Und ebenso wie Heinlein (und ganz anders als beispielsweise Gordon R. Dickson) sagt er auch deutlich, daß man keine Helden braucht, sondern ganz normale Leute, die ihre Freiheit verteidigen. Und bei aller Liebe zu den Superhelden-Filmen der letzten Zeit, diese Aussage gefällt mir deutlich besser.
Das Buch ist vor dreißig Jahren geschrieben worden, aber aktuell wie nie zuvor. Deutlich stellt Pournelle hier das unsinnige Steuersystem der westlichen Welt an den Pranger, das nur vorgeblich für die gerechtere Umverteilung von Vermögen sorgt, tatsächlich aber Kapital und Konzerne begünstigt. Dies wird deutlich, als die unabhängigen Marssiedler Vermögenssteuer zahlen sollen, die wiederum den Konzernen und der überflüssigen Erdverwaltung zugute kommt.
Ein weiterer, heutzutage wieder ziemlich aktueller Blickwinkel des Romans ist der auf die Wissenschaftler, die die Mars-Ökologie untersuchen. Die Unabhängigkeitsbewegung versucht, mit Atombomben Vulkane zu aktivieren, um dem Mars wieder eine Atmosphäre zu geben, damit alle Marsianer außerhalb der Kuppeln frei leben können. Dies wird von den Wissenschaftlern sabotiert, die "studieren, wieso es auf der Erde zu Eiszeiten gekommen ist und wie Planeten entstehen. Ihr macht uns das alles kaputt. Das dürft ihr nicht ! Ihr dürft es einfach nicht!" Kommt mir ziemlich bekannt vor.
Zu Jerry Pournelle ist einiges zu sagen, ein bißchen kommt noch bei meinen Kommentaren zu weiteren Romanen von ihm. Zu seiner Biographie empfehle ich zum ersten Lesen die englische Wikipedia. In diesem Artikel aus "Le Monde diplomatique" wirft Norman Spinrad ihm vor, ursächlich verantwortlich für das Star Wars-Programm von Ronald Reagan zu sein. In seinem Blog, Chaos Manor, geht er meines Wissens schon seit Jahren nicht allzu nett mit der amerikanischen Regierung um, die seiner Ansicht nach diverse Fehler gemacht hat und macht. Auch wenn man ihm nicht zustimmt, liest sich der Blog doch sehr interessant. Insbesondere der aktuelle Kommentar zum Kompromiss beim Schuldenstreit ist meiner Meinung nach lesenswert.


Jerry Pournelle : Der letzte Söldner
(The Mercenary)
Aus dem Amerikanischem von Marcel Bieger
Deutsche Erstveröffentlichung 1980, Originalausgabe 1977
Bastei-Lübbe 21128, 200 Seiten

Die Erde ist unter dem CoDominium vereinigt, einem Zusammenschluß der USA und der UdSSR. Militärisch wird sie von der Nachfolgeorganisation der französischen Fremdenlegion verteidigt. Die Menschheit ist zu den Sternen aufgebrochen und siedelt auf fernen Planeten, beschützt von der Legion. Konzerne, bürokratische Verwaltungsbeamte und Nationalpolitiker tun ihr Bestes, um diese friedliche Koexistenz zu beseitigen.
2058 tritt John Christian Falkenberg der Legion bei. In den folgenden Jahren wird das Budget der Legion immer mehr gekürzt, so daß sie ihren Aufgaben, die Menschen auf den verschiedensten Planeten zu schützen, nicht mehr richtig bzw. gar nicht mehr wahrnehmen können. 2087, nach einer geglückten Militäroperation, siedelt Falkenberg sich mit seinen Soldaten auf Sparta an und heiratet.
Dies ist der erste echte Military SF-Roman, den ich gelesen habe. Und er ist ziemlich gut. Was mir damals beim ersten Mal als auch beim jetzigen Lesen auffällt ist die Tatsache, daß er den Krieg und militärische Operationen nicht beschönigt. Sicher, er ist kein Antikriegsroman, aber er stellt Krieg sehr wohl schon als ziemlich blutig und dreckig dar, keinesfalls glorios. Mein subjektiver Eindruck geht sogar so weit, daß ich Honor Harrington deutlich militärverherrlichender finde als die CD-Serie von Jerry Pournelle. Das ist aber, und das möchte ich ausdrücklich betonen, ein rein subjektiver Gesamteindruck, durch nichts objektiviert.
Wie schon bei "Birth of Fire" lässt Jerry Pournelle hier seiner Antipathie gegen korrupte und/oder ideologisch verblendete Politiker freien Lauf. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht ein paar Fanatiker unbedingt versuchen würden, Nationalstaaten mit nationalen Armeen und nationalem Gedankengut wiederherzustellen. Die negativen Folgen einer solchen Politik im Vergleich zu einer geeinten Menschheit werden deutlichst dargestellt. Pournelle stellt auch eindeutig dar, daß dieser Typ Politiker immer korrupt ist und nur die Wirtschaftspolitik der Großkonzerne gegen die Interessen der Menschheit fördert. Mein Eindruck, der sich durch mein aktuelles Wiederlesen alter Romane nur gefestigt hat, ist der, daß Jerry Pournelle eigentlich ziemlich links, ich möchte sogar sagen linksradikal, ist.


Jerry Pournelle : Jenseits des Gewissens
(West of Honor)
Aus dem Amerikanischem von Jens Rösner
Deutsche Erstveröffentlichung 1981, Originalausgabe 1976/78
Bastei-Lübbe 21136, 200 Seiten

2064. Auf dem Agrarplaneten Ararat droht der Bürgerkrieg, nachdem BuRelock zehntausende von Kriminellen auf diese bäuerlich orientierte Welt deportiert hat. 2069 trifft Falkenberg mit seiner Legion ein und beendet den Konflikt mit Waffengewalt.
Genau wie im ersten Falkenberg-Roman wendet sich Jerry Pournelle hier deutlich gegen korrupte Politiker und inkompetente Bürokraten. Er stellt die Situation derartig verfahren dar, daß nur eine brutale Lösung, die mehrere hundert Tote fordert, eine Wendung zum Positiven bringen kann. Dabei nimmt er bei der Darstellung der beiden Konfliktparteien, Siedler und Deportierte, nicht Partei für die eine oder die andere Seite, sondern stellt klar, daß es auf beiden Seiten zu Ausschreitungen kommt, sobald man die Oberhand hat. Falkenberg und seine Legionäre sind hier die Einzigen, die als Gruppe positiv erscheinen. Das liegt ganz klar daran, daß der Korpgeist und die Prinzipien des Militärs auch eine gewisse Ethik selbst bei den einfachen Soldaten hervorrufen. Eine Sichtweise, die sich von Robert A. Heinleins "Starship Troopers" direkt zu Jerry Pournelles CoDominium-Romanen durchzieht, wobei Pournelle deutlich desillusionierter und frustrierter schreibt. Dies dürfte nicht zuletzt seiner Nähe zur US-amerikanischen Administration zu verdanken sein.
Beide Falkenberg-Romane kann ich den Fans von klassischer Military SF empfehlen. Jerry Pournelle hat diese beiden Falkenberg-Geschichten erweitert und in eine Future History integriert, Details siehe beispielsweise hier auf der (übrigens auch sehr empfehlenswerten) Wesite Chronology.


Jerry Pournelle : Die entführte Armee
(Janissaries)
Aus dem Amerikanischem von Annette von Charpentier
Illustrationen von Bermejo
Deutsche Erstveröffentlichung 1980, Originalausgabe 1979
Bastei-Lübbe 24013, 360 Seiten

Afrika in den 70ern. Eine Söldnerarmee ist von ihren kommunistischen Gegnern umzingelt und wartet auf ihre Auslöschung, Hilfe ist nicht in Sicht. Da werden sie von einem Raumschiff gerettet. Vor die Wahl gestellt, auf der Mondbasis der Außerirdischen eingesperrt zu werden oder für eben diese Außerirdischen auf einem Planeten Pflanzen anbauen zu lassen, entscheiden sie sich für Letzteres. In einem mittelalterlichen Ambiente [Ich muß unbedingt 'mal wieder "Icerigger" lesen] versuchen sie, sich zu behaupten.
Military SF ohne große Hintergedanken, rein zum Spaß an der Freude geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist schön illustriert von Luis Bermejo, hat Spaß gemacht, den Schmöker wieder einmal zur Hand zu nehmen. Pournelles Kritik an bürokratischen Strukturen ist zwar vorhanden, wird aber im Gegensatz zu den obigen Romanen nicht ausgelebt. Es gibt noch zwei Fortsetzungen davon, muß ich mir bei Gelegenheit einmal besorgen.


Jerry Pournelle : König Davids Raumschiff
(King David's Spaceship)
Aus dem Amerikanischem von Barbara Heidkamp
Deutsche Erstveröffentlichung 1983, Originalausgabe 1980
Bastei-Lübbe 22061, 350 Seiten

Den Kolonisten von Samuals Welt droht die Besetzung durch Truppen des Erdimperiums. Einzige Chance dies abzuwehren ist der Beweis, das sie zur eigenständigen Konstruktion(und Flug) eines Raumschiffs in der Lage sind. Jorge
Die Langfassung eines Romans von 1973, in deutsch erschienen als Terra Astra 154. Ein lesenswerter Roman, der die Entwicklungshilfebestrebungen der Ersten Welt deutlich aufs Korn nimmt. Im Endeffekt allerdings wesentlich weniger hintergründig als andere Romane von Pournelle. Könnte daran liegen, daß ich diesen Roman nicht sauber in den Kontext seiner Future History einordnen kann, ich müsste da doch einmal etwas mehr lesen ...

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