Samstag, 17. Dezember 2011

Dirk van den Boom : Eobal




Dirk van den Boom : Eobal
Atlantis-Verlag 2011
170 Seiten
ISBN 978-3-941258-58-7 (Paperback)


Casimir Daxxel ist Konsul der "Galaktische Akte" auf Eobal, einer Randwelt zwischen dem terranischen Hoheitsgebiet und dem Imperium der reptiloiden Meraner. Eines Tages erhält er nicht nur Unterstützung durch den Marine-Sergeant Josefine Zant als Leibwächterin, sondern findet auch die Leiche seines Freundes Dhloma, des turulianischen Botschafters, im Foyer seines Konsulats vor. Auf der Suche nach seinem Mörder überstürzen sich die Ereignisse …

Ein Diplomat der Sterne ? Das erinnert mich sofort an James Retief. Reptiloide Meraner, turulianische Welten als Puffer zwischen ihnen und den Terranern ? Das hat doch eine starke Ähnlichkeit mit der Umgebung von Dominic Flandry. Einen Roman zu schreiben, der inhaltlich so nah an den klassischen Romanserien von Keith Laumer und Poul Anderson ist, finde ich mutig. Und so habe ich mich neugierig mit den beiden Serien im Hinterkopf ans Lesen von "Eobal" gemacht.

Und wurde ausnehmend positiv enttäuscht. Denn die Ähnlichkeiten sind nur sehr oberflächlich, Dirk van den Boom vermeidet jegliche tiefergehende "Hommage" an diese großen Serien. Stattdessen ist "Eobal" ein eigenständiger und flüssig lesbarer SF-Kriminalroman mit einigen ganz eigenen Vorzügen. Casimir Daxxel ist kein omnipotenter Held, der mit Witz und Charme jede Situation elegant meistert, sondern ein Mensch wie Du und ich, der aus einer verfahrenen Lage das Beste macht. Dabei nutzt Dirk van den Boom diesen "Mr. Everybody" aus, um augenzwinkernd einige Seitenhiebe auf das männliche Geschlecht loszuwerden. So wird unser Daxxel regelmäßig durch den Hüftschwung weiblicher Wesen (menschliche als auch menschenähnliche Außerirdische) von seinen Untersuchungen abgelenkt – eine zwangsläufige Reaktion, wie jeder Mann bestätigen kann.

Ein weiterer Vorzug dieses Romans ist die kompromißlose emanzipierte Darstellung der Frauen. Sie reden nicht über Emanzipation, sondern sind emanzipiert, gleichberechtigt den männlichen Konterparts gegenüber. Dabei stellt van den Boom keine utopische Idealgesellschaft dar, sondern weist auch deutlich auf antiemanzipatorische, biologisch bedingte Traditionen hin, die Männer immer noch bei der Karriere bevorzugen. Nichtsdestotrotz wissen sich van den Booms Protagonistinnen zu behaupten und ihre männlichen Kollegen zu manipulieren und oftmals auch zu dominieren. Die Lösung des Kriminalfalls unterstreicht dies nochmals deutlich.

Im Unterschied zu Keith Laumer und Poul Anderson stellt Dirk van den Boom die reptiloiden Meraner deutlich differenzierter dar und gibt im Verlauf der Geschichte auch Einblicke in die Geschichte und Sozialstruktur dieser außerirdischen Gesellschaft. Daß Daxxel von einem tödlich verwundeten, mit klassischen Vorurteilen gegen diese ausländischen Menschen behafteten Meraner, adoptiert wird, fand ich sehr faszinierend und lässt mich auf eine eventuelle Fortsetzung hoffen.

Ein letzter, nicht zu unterschätzender Vorzug von "Eobal" ist seine Länge. Mit Seite 170 ist die Geschichte abgeschlossen, keine Cliffhanger oder ungeklärte Handlungsstränge. Das oben angesprochene lose Ende ist das Einzige, daß eine Fortsetzung andeutet. Also kein Ziegel, keine Trilogie, maximal der Beginn einer Reihe unabhängiger, in sich abgeschlossener Romane. In dieser Form erinnert mich "Eobal" an die glorreichen Zeiten der "Heyne Science Fiction und Fantasy", als in den 60ern und 70ern auch kürzere, in sich abgeschlossene Romane noch eine Chance hatten, veröffentlicht zu werden.

Insgesamt ein lesenswerter Roman, als Weihnachtsgeschenk sehr zu empfehlen. Speziell als Hardcover, die edle Ausführung mit Lesebändchen der "Edition Atlantis" macht beim Lesen einfach mehr Spaß als ein "einfaches" Taschenbuch. Ich selber hoffe, demnächst mehr von Casimir Daxxel und Josefine Zant alias "Schnuppsi" zu lesen.

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