Mittwoch, 21. Dezember 2011

Gelesen im Februar und März 2011

Etwas verspätet poste ich hier einmal meine Leselisten von Februar und März zusammen. Nachdem ich die letzten Bände von "Rettungskreuzer Ikarus" gekauft habe, standen diese Monate voll im Zeichen von Romanserien und Serienromanen. Gerade dieses Hintereinanderlesen von sehr unterschiedlichen Serientypen war für mich eine interessante Erfahrung. Aber im Detail :



Lin Carter : Callisto-Zyklus
Jandar von Callisto
Die schwarze Legion von Callisto
Die Himmelspiraten von Callisto
Zamara, die Herrscherin von Callisto
Goldmann SF 23287 / 23293 / 23309 / 23314
München 1978 / 1979, jeweils ca. 150 Seiten


Während des Korea-Krieges durchschreitet ein durchtrainierter Amerikaner ein uraltes Portal und findet sich auf dem Jupiter-Mond Callisto wieder. Hier trifft er auf insektoide barbarische Ureinwohner und eine menschliche Prinzessin, in die er sich verliebt und die er vor den Bösen retten muß …

Nein, das war keine Beschreibung von Edgar Rice Burroughs' "John Carter of Mars", das hat Lin Carter tatsächlich als Jandar-Romane veröffentlicht. Er gibt auch zu, die Jandar-Romane ebenso wie die Venus-Geschichten ("Im Licht des Grünen Sterns" etc.) als Hommage an Burroughs verfasst zu haben. Allerdings geht die Hommage hier so weit, daß man die Jandar-Romane durchaus als einfache Nacherzählung werten kann. Ganz im Gegensatz zu etwa der Highlander-Hommage von Hohlbein ("Chronik der Unsterblichen") wird hier weder etwas Neues noch etwas Tiefergehendes als das Original erzählt. Und dies stilistisch deutlich weniger ausgefeilt als die Carter-Romane von Burroughs. Ich kann jedem nur empfehlen, lieber das Original zu lesen als diese Nacherzählung.




Thomas R.P. Mielke : Die Varus-Legende
Ein historischer Roman um den römischen Feldherrn Varus und seine Kämpfe in Germanien, Intrigen in Rom und um einen heutigen Geheimbund, der aus diesen Ereignissen hervorging.
Alternierend Vergangenheit und Gegenwart erzählend fand ich den Roman langweilig und nervig. Was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß ich seit Umberto Ecos "Foucaultsche Pendel" solche Geheimbundszenarien nicht mehr ernst nehmen kann. Ich habe Mielkes "Varus-Legende" dann nach der Hälfte abgebrochen, der Roman machte mir einfach keinen Spaß mehr. Aber, wie gesagt, das ist ein ganz persönlicher Eindruck und entspricht überhaupt nicht meinen Erfahrungen mit anderen historischen Romanen von Mielke.




Rettungskreuzer Ikarus 01-40
Dirk van den Boom (Expose), Sylke Brandt, Irene Salzmann, Martin Kay und andere
Atlantis-Verlag 2000-heute


Irgendwann in der Zukunft : Die Menschheit hat sich im Weltraum ausgebreitet und viele intelligente Rassen getroffen. Es gab es eine Natur(?)katastrophe, die die überlichtschnelle Raumfahrt für mehrere hundert Jahre unmöglich machte. Seit 400 Jahren sind Menschen und Außerirdische aber wieder im Weltraum unterwegs und klauben die Bruchstücke des früheren Imperiums wieder auf.
Neben zwei großen Machtblöcken, dem diktatotrisch geführtem Multiimperium und der kapitalistisch orientierten Händler-Allianz gibt es eine Vielzahl kleinerer und kleinster Staatengebilde, so unterschiedlich wie die menschliche Entwicklung auf den einzelnen Planeten. Die Geschichte beginnt mit der Organisation einer Rettungseinheit für das Raumkorps durch Sally Mclennane, eine an die Grenze der menschlichen Besiedlung abgeschobene Direktorin der Händler-Allianz. Da ihr von ihren Mitdirektoren nur ein Minimalbudget zur Verfügung gestellt wird, ist die Besatzung dementsprechend :
- Captain Roderick Sentenza : Unehrenhaft aus der imperialen Raumflotte entlassen
- Chief Sonja diMersi : Wegen schlampiger Arbeit hatte sie den Unfall eines Raumschiffs mit diversen Toten verursacht
- Doktor Jovian Anande : Nach illegalen Genexperimenten von seiner Firma lobotomisiert und ausgesetzt
- Arthur Troid : Ein Androide als Navigator
- Darius Wenderveen : Pleite gegangen hat er sich und seinen Androiden an das Raumkorps verkaufen müssen
- Thorpa : Ein Student der Xenopsychologie im 2. Semester (seines Heimatplaneten) aus der Rasse der baumähnlichen Pentakka

Nachdem ich mir endlich die Anschlußbände besorgt hatte, habe ich die Romanserie "Rettungskreuzer Ikarus" von Anfang an bis zum Beginn des zweiten Zyklus noch einmal hintereinander gelesen. Und wie beim ersten Lesen gefiel mir diese Romanserie außerordentlich, auch und gerade im Hinblick auf die Parallelen zu "Perry Rhodan". Daher werde ich einmal versuchen, zumindestens den ersten Zyklus im Detail zu rezensieren. Die ersten 18 Bände habe ich schon aufbereitet, hier die Links:
Rettungskreuzer Ikarus - Vorbemerkungen
Rettungskreuzer Ikarus 1-3
Rettungskreuzer Ikarus 4-6
Rettungskreuzer Ikarus 7-12
Rettungskreuzer Ikarus 13-15
Rettungskreuzer Ikarus 16-18
Ich kann nur jedem empfehlen, sich zumindestens den ersten Sammelband zu besorgen, in dem der Atlantis-Verlag die ersten drei Einzelbände zusammengefasst hat. Alle Bände gibt es übrigens auch als eBooks bei beam, dort finden sich auch massenhaft Leseproben.




Perry Rhodan - Blaubände
107 : Die Terra-Patrouille
108 : Das Modul
109 : Abschied von Terra
110 : Die Kaiserin von Therm
111 : Mensch aus dem Nichts
112 : Die Gravo-Katastophe
113 : Rebell gegen ES


Nach dem Genuß von "Rettungskreuzer Ikarus" habe ich meine Blaubände, die teilweise noch ungelesen im Regal stehen, weitergeschmökert. Es ist schon faszinierend, einen Zeitsprung von dreißig Jahren zu machen und in die Perry Rhodan-Welt der 70er einzutreten. Um so mehr, als ich erstens den direkten Vergleich mit moderner deutscher SF habe und ich andererseits erst vor kurzem die Hefte 1000-1350 durchgelesen habe.
Diese Romane sind noch genauso frisch wie damals, als ich sie das erste Mal in der Erstauflage gelesen habe. Man merkt, daß sich zu diesem Zeitpunkt die gesamte PR-Redaktion auf einem kreativem Höhepunkt befand. Nach dem grauenhaften ES/Anti-ES-Zyklus ist das Lesen von PR ab Band 650 einfach nur schön. Der Sense of Wonder, den die Serie damals enthielt, ist ungebrochen.
Es wird interessant zu sehen, wie, wo und wann der Einschnitt kommt. Denn die Bände ab 1000 waren nicht mehr so prickelnd, hier machte sich eine gewisse inhaltliche Überkandideltheit und (meinem Empfinden nach) eine organisatorische Suche nach einem neuen Weg breit. Irgendwo zwischen 850 und 1000 muß die Serie nachgelassen haben. Oder spielt mir meine Erinnerung einen Streich, ist beim Lesen dieser Bände das persönliche nostalgische Element (das ich gar nicht abstreiten will) relevanter geworden als der eigentliche Inhalt ? Mal sehen.
Was mir aber aufgefallen ist (und dieser Teil scheint auch bei der aktuellen Erstauflage 2500ff. stark zu Buche zu schlagen), ist der Stilwechsel durch die Buchbearbeitung. In meiner Erinnerung ist einer der großen Faszinationspunkte dieser Zyklen die Unvorhersehbarkeit des nächsten Romans gewesen. Man wusste nie, welcher Schauplatz der nächste (bzw. übernächste, wenn man die Vorschau gelesen hat) sein würde. Die vielen verschiedenen Handlungsorte und -träger sorgten immer wieder für Überraschungen. Das ging durch die Neuaufteilung in den Silberbänden zu einem großem Teil flöten, hier werden komplette Geschichten erzählt, bevor man zum nächsten Schauplatz wandert. Das ist, auch in der Rückschau, deutlich weniger kreativ, auch wenn die Geschichten genau die gleichen sind. Und, wenn ich mir so einige Kommentare zu den Romanen ab 2500 ansehe, ist dies vielleicht auch eines der Probleme, mit denen die aktuelle Erstauflage zu kämpfen hat : Zu vorhersehbar, zu strukturiert ? Jedenfalls nicht mehr mein Ding. Aber die nächste Generation steht schon in den Startlöchern (Link folgt).
Ach so, die Bilder oben sind nicht die Blaubände, sondern die Originalhefte mit den Covern, die für die Blaubände benutzt wurden. Diese weichen nämlich von denen der Silberbände ab. Und ich fand es eine gelungene Idee der Perrypedia, statt der Blauband-Cover die Hefte abzubilden. War mir auch neu, daß sich die Cover von Silber- und Blauband unterscheiden.




Thomas Thiemeyer : Nebra / Magma / Korona
Knaur Verlag 2008-2010


Während einer Diskussion auf SF-Fan sagte Thomas Thiemeyer, das einige Leute seine Thriller als "All Age"-Romane betrachten. Das machte mich neugierig und ich begann, seine Romane zu lesen. "All Age" ist absoluter Quatsch, "Thriller", wie auf dem Cover abgedruckt, ebenfalls unpräzise. Thiemeyers Romane sind lupenreine Phantastik. Genauer ist Nebra Fantasy, Magma und Korona Science Fiction. Diese drei habe ich mir im Detail vorgenommen :
Nebra
Magma
Korona
Magma ist ganz nett, Nebra ist sehr gut und Korona ist einfach brilliant. Eine angenehme Neuentdeckung unter den deutschen Autoren. Das zeigt nur einmal mehr, das man sich nicht auf die deutschen SF-Schriftsteller beschränken sollte. Praktisch alle modernen deutschen Genre-Autoren schreiben zumindestens interessante Romane. Ich werde mir diesen Monat in jedem Fall Hardebusch und Hennen vornehmen, auf die bin ich neugierig (und habe außerdem einige Wälzer günstig antiquarisch bekommen). Meine Frau hat von mir zum Geburtstag die Regionalkrimis aus dem Blitz-Verlag geschenkt bekommen und findet sie ausnehmend gut. Es ist also nicht nur in der SF momentan so, daß deutsche Autoren herausragende Romane schreiben. Bemerkenswert.




Wolfgang Hohlbein : Die Chroniken der Elfen
Band 1 : Elfenblut
Band 2 : Elfenzorn
Otherworld-Verlag Wien, 2009 & 2010
je ca. 750 Seiten

Die junge Pia wird aus den brutalen Slums von Rio in eine mittelalterliche, winterliche Welt katapultiert. Dort ist die junge Frau plötzlich die schöne Gaylen , und eine große Elfen-Prophezeiung wartet darauf, in Erfüllung zu gehen. (Klappentext "Elfenblut")
Pia ist zurück in Rio auf dieser Seite der Albträume, wie sich rasch zeigt. Denn nach ihren Abenteuern in der fantastischen Welt WeißWalds beginnen sich auch hier die Ereignisse zu überschlagen: Mafia-Boss Peralta nimmt Pia gefangen und will sie nun büßen lassen. Doch plötzlich tauchen mitten in Rio Wesen wie aus einer anderen Welt auf und in Pia regt sich eine uralte Kraft In höchster Not gelingt ihr die Flucht auf die andere Seite. Dort hat ihr Todfeind Hernandez sowohl die Barbarenstämme als auch die Orks hinter sich versammelt und ist drauf und dran, die Welt der Elfen und Zwerge dem Erdboden gleichzumachen. (Klappentext "Elfenzorn")
Hohlbein ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Nach den enttäuschenden Templer-Romanen habe ich etwas gebraucht, bis ich mich an "Elfenblut" ransetzte. Und habe mir dann sofort den Folgeband gekauft. Ich mein, gut, das ist ein klassisches Szenario, das ich in ähnlicher Form schon x-mal gelesen habe. Aber Hohlbein gelingt es wie bei der Chronik der Unsterblichen hier wieder Neues rauszukitzeln und die Geschichte spannend und interessant zu erzählen. Das erste, das mir auffiel, waren die plastischen Figuren, die der Autor dem Leser präsentiert. Keine Abziehbilder, sondern Protagonisten mit Ecken und Kanten. Ebenso plastisch war die Beschreibung der Slums von Rio de Janeiro, in der die Geschichte beginnt. Ich sah die einzelnen Schauplätze deutlich vor meinem geistigem Auge - Kompliment an den Autor. Wichtiger als dies ist allerdings die Beschreibung der Anderen Seite, des Elfenlandes, einer Parallelerde, in der Technik nur begrenzt funktioniert. Hier werden die einzelnen Gesellschaften keineswegs als gut oder böse beschrieben, Hohlbein versucht hier dem Leser zu verdeutlichen, daß jede Gesellschaft differenziert betrachtet werden muß und nicht pauschal beurteilt werden darf. Zumindestens hat er dies in den ersten beiden Teilen mit den Menschen und Elfen so gemacht, ich bin einmal gespannt, ob er im dritten Teil differenzierter auf die Orks eingeht.
In jedem Fall ist dies angenehm zu lesende Fantasy mit interessanten Ideen und überraschenden Wendungen. Und einem Running Gag : Am Ende jedes Romans ist Pia/Gaylen wieder zurück in den Slums von Rio. Lesenswert.

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