Mittwoch, 31. Juli 2013

K.H. Scheer : ZBV



Karl Herbert Scheer : ZBV

Dieser utopische Kriminalroman, dessen Handlung in einer Zeit spielt,die wir noch nicht erreicht haben, stammt aus der Feder eines deutschen Schriftstellers, dessen Name auf dem deutschen und auch auf dem internationalen Büchermarkt nicht mehr zu übersehen ist.

Thor Konnat, Offizier und Spezialagent einer Sonderabteilung, die man "Geheime Wissenschaftliche Abwehr" genannt hatte, wird zur Lösung eines Falles abgestellt, dessen Aufdeckung selbst das berühmte FBI nicht ermöglichen konnte. GWA-Agenten sind wissenschaftlich geschulte Spezialagenten, die mehr Wissenschaftler und Techniker als ausgesprochene Kriminalisten sind. GWA-Beamte arbeiten mit Mitteln, die selbst gigantische Elektronengehirne zur Lösung schwierigster Rechenexempel umfassen.

Thor Konnat erlebt zu Beginn des Falles die Hölle, und anschließend wird er durch die Geschehnisse gezwungen, durch eine Hölle zu gehen. Unfaßbar für die heutigen Begriffe sind die technischen und rein wissenschaftlichen Möglichkeiten , die seinen Gegnern zur Verfügung stehen. Wissen Sie, was ein Thermo-Rak-Geschoß ist ? Wissen Sie, das ein Mann innerhalb seines Großhirns einen winzigen Nervenstrang besitzt, dessen chirurgische Durchtrennung bewirkt, das er für hypnotische und bewußtseinsspaltende Einflüsse unempfindlich wird?

Thor Konnat ist ein Mann, der in seiner Tasche die Marke der GWA trägt. Warum wird er gezwungen, sein eigenes Ich zu besiegen? Kann ein toter Mann nochmals sterben? In diesem unglaublich fesselnden, ungewöhnlichen und direkt faszinierenden Roman werden Sie lesen, daß unmögliche Dinge möglich werden können. Sie erleben eine Handlung, die am Ende des 20.Jahrhunderts spielt, und die deshalb einen unwiderstehlichen Reiz ausstrahlt. Sie erleben, das es Mikroorganismen gibt, die nicht von dieser Erde stammen und deshalb unter Einwirkungen weiterleben können, die selbst die zähesten irdischen Viren vernichten könnten. Thor Konnat erzählt in einer Sprache, die Sie überraschen . . . die sie verblüffen wird.

Zusammen mit Thor Konnat arbeitet ein anderer GWA-Agent, der Konnats eigenen Worten nach wie ein mißratener Homunkulus aussieht, der aber trotzdem unglaublich rasch denken und handeln kann. Sie kämpfen gegen eine Organisation, die mit einer herkömmlichen Gangsterbande gar nichts zu tun hat. Diese Leute sind gefährlich, weil sie über Waffen verfügen, die eine ganze Erde entvölkern können. Nur zur Lösung solcher Fälle werden Leute wie Thor Konnat eingesetzt, denn dafür haben sie eine zehnjährige Spezialschulung erhalten.

Es sind Könner "Zur besonderen Verwendung". Auch der vorliegende Roman heißt "Zur besonderen Verwendung".

Damit hat unser utopischer Spitzenschriftsteller K.H.Scheer ein Werk geschaffen, das man mit dem besten Willen nicht oberflächlich überfliegen kann. Von dem Leser wird viel gefordert, doch er wird befriedigt sein.
Klappentext des Balowa-Leihbuchs von 1957

Nach diesem Schock der ersten TERRA-Romane war Heinlein nicht ausreichend. Ich wollte wissen, ob meine Erinnerung mich täuschte oder ob die ZBV-Romane tatsächlich so anders waren als der antidemokratische Kladderadatsch, den ich von diversen Autoren gelesen hatte.

Ich habe die ZBV-Romane jetzt endgültig in der Weltbild-Hardcover-Edition. Das ist eine der vielen Ausgaben, in denen die ZBV-Romane erschienen sind. Im Original kamen sie zunächst als Leihbuch heraus, dann gekürzt als Heftroman bei UTOPIA, überarbeitet und auf ein halbes Hundert Romane erweitert als Taschenbuch-Serie und, last but not least, bei Weltbild als Hardcover.

Man kann viel zu den Romanen sagen, inhaltlich als auch interpretativ geben sie eine Menge her. Aber das hat Thomas Harbach schon ausführlich in seinem Artikel "Die ZBV-Serie" im von Kurt Kobler herausgegebenem TCE-Sekundärwerk zu K.H. Scheer gemacht. Ich möchte zwei Sachen herausgreifen. "Scheer ist ein konservativer Autor", sagt Thomas Harbach in seinem Artikel. Zweifelsohne, von heute betrachtet in jedem Fall. "Den Romanen fehlt auch deutlich die rechtsradikale und demokratiefeindliche Tendenz [...]", sagt Thomas Harbach etwas später. Das habe ich beim ersten Lesen so empfunden und heute, als ich die ersten beiden Bände noch einmal sehr kritisch diesbezüglich las, kann ich das bestätigen. Ich sehe das so, daß Scheer vielleicht von heute aus betrachtet als konservativer Autor eingeordnet werden muß, zu seiner Zeit (die ersten ZBV-Romane erschienen 1957, in den gleichen Jahren wie die von mir gelesenen TERRA-Hefte) aber wohl eher als revolutionärer Jungspund angesehen worden ist. Mein persönliches Fazit daraus : Der große Erfolg von K.H. Scheer erklärt sich auch daraus, daß er sehr wohl auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stand, stärker als viele seiner zeitgenössischen Autorenkollegen, und das in seinen Romanen auch implizit oder explizit vermittelte. Mir kommen da neben der ZBV-Serie spontan auch die Siedler-Romane von Perry Rhodan in den Sinn. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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