Mittwoch, 18. September 2013

TERRA SF 074 - Karl Herbert Scheer : Kommandosache HC 9


Karl Herbert Scheer : Kommandosache HC 9
TERRA SF 074, 24.07.1959
ZBV 02
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1957
Titelbild : Karl Stephan


Ein Mann sieht die aufleuchtende Kontrollampe des automatischen Post-Aufzugs. Ein Mann erhält einen ganz unscheinbaren Geschäftsbrief, und ein Mann beginnt zu handeln. Hinter ihm stehen die unheimlichen Machtmittel einer Spezialorganisation, die man "Geheime-Wissenschaftliche-Abwehr" nennt. Captain Thor Konnat, Spezialagent der GWA, erhält einen Auftrag, der die Tarnbezeichnung "Kommandosache HC-9" erhalten hat. Thor Konnat erlebt keine Abenteuer im Sinne des Wortes. Er ist kein brutaler, unüberlegter Schläger, sondern ein Mensch, den man in einer zehnjährigen Schulung zu einem Wissenschaftler und Techniker gemacht hat. Es ist unglaublich, wie logisch, exakt und unbedingt wahrscheinlich eine Handlung abläuft, die unser utopischer Spitzenschriftsteller K. H. Scheer um dreißig Jahre vorverlegt hat. Es ist der Kampf der Geheimdienste hinter den Kulissen, der vor den Augen des Lesers abläuft. Die Sprache ist hart und realistisch, doch in keiner Weise roh und unwirklich. Sie erleben den Einsatz eines Spezialagenten, der zwar von einer Riesenorganisation gedeckt wird, der aber trotzdem ganz alleine ist. Niemals war Thor Konnat so einsam und verloren, als er entdeckt, daß ein U-Boot nicht unbedingt ein Unterwasser-Fahrzeug sein muß. Auch ein geheimer Stützpunkt ist nicht mehr geheim, wenn es Leute gibt, die den Unterschied zwischen Geheimnis und klingender Münze nicht begreifen können oder wollen. Warum ist der Mond, der doch so weit von der Erde entfernt ist, eine Schlüsselposition? Wissen Sie, wie es ist, wenn man dicht neben einem Plutonium-Meiler steht, der gegen Radioaktivität nicht abgeschirmt ist?

Captain Thor Konnat ist ein Mann, der darüber sehr gut informiert ist, und er weiß auch, daß von seinem Auftrag sehr viel abhängt. "Kommandosache HC 9" ist kein Roman, den man als leichte, oberflächlich überfliegbare Unterhaltungslektüre ansprechen könnte. Der Leser wird mit Dingen vertraut gemacht, die es heute noch nicht gibt, die es aber in dreißig Jahren geben wird. Unfaßbar kompliziert und doch präzise ist die gefährliche Arbeit der GWA, die in letzter Instanz für die Sicherheit eines Landes verantwortlich ist, in dem es zuviel Geheimnisse und zuviel machthungrige Menschen gibt. Sie lesen... , nein, Sie erleben eine Schilderung, die sich würdig an den Roman "Zur besonderen Verwendung" anreiht. Wir sind davon überzeugt, daß Sie das vorliegende Werk nachdenklich und etwas verstört aus der Hand legen werden.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Bei diesem Roman sind mir die Kürzungen extrem negativ aufgefallen. Was sicherlich auch daran liegt, daß ich eben diesen Roman vor Kurzem erst zur Erholung von den nicht empfehlenswerten ersten 50 TERRA SF-Heften gelesen habe. Es fehlt vieles, was die ZBV-Serie die Jahrzehnte hat überdauern lassen, das Heft ist auf das absolut Notwendige zusammengestrichen. Trotzdem macht das Lesen Spaß, ist eben Scheer in Hochform. Inhaltlich nehmen die ZBV-Romane viel von der später erscheinenden PR-Serie vorweg und mich würde es wenig wundern, wenn die Bond-Macher (die Filme erschienen ja auch "erst" ab Mitte der 60er) sich hiervon nicht haben inspirieren lassen.

Was mir auch jetzt beim Lesen auffällt, ist die Verfilmungsreife der ZBV-Geschichten. Das Kino-Publikum, mit den Bonds, "24" sowie den SF-Blockbustern der letzten Zeit schon sehr stark auf solche Plots eingestimmt, dürfte eine ZBV-Verfilmung durchaus goutieren. Eher jedenfalls als den seit 30 Jahren projektierten Perry-Rhodan-Film.

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