Mittwoch, 11. September 2013

Alastair Reynolds : Die Arche (Redemption Ark)



Alastair Reynolds : Die Arche (Redemption Ark)
Heyne 2007
Aus dem Englischen von Irene Holicki
896 Seiten, 9,95 €
ISBN: 978-3-453-52288-6


Die Unterdrücker sind geheimnisvolle Maschinenwesen, die seit Milliarden Jahren in der Leere des Alls lauern, um aufkeimendes intelligentes Leben zu vernichten. Nun sind sie auf die Menschheit aufmerksam geworden und bedrohen deren Existenz. Als die Synthetiker trotz ihres langen Krieges gegen die Demarchisten begreifen, in welcher Gefahr sie schweben, beschließen sie zu ihrem Schutz lang verloren geglaubte Waffen aus einem Raumschiff zu bergen, dass nahe dem Planeten Resurgam gestrandet ist. Daraus erwächst ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit, denn die Synthetiker sind nicht die einzigen, die in den Besitz der Waffen gelangen wollen.
Klappentext

Mehr noch als bei den beiden vorherigen Romanen stellt Alastair Reynolds hier die Physik in den Vordergrund. Es gibt keinen Überlichtgeschwindigkeitsantrieb. Nicht dass das nicht geht, nein, FTL-Antriebe zerstören die vierdimensionale Raumzeit und eliminieren die Kausalität. Mit unangenehmen Ergebnissen. Deshalb werden mögliche Methoden wie Trägheitsunterdrückung etc. nicht für derartige Überlichtgeschwindigkeiten benutzt. Jedes Raumschiff unterliegt also der guten alten Zeitdilatation - an die man sich gewöhnt hat, Innen wie Außen. Storytechnisch gelingt es Reynolds auch hervorragend, diese Beschränkungen deutlich zu machen, in "Die Arche" noch stärker als in den vorigen Romanen.

Hauptpersonen in "Die Arche" sind unter anderem eine Gruppe Synthetiker. Die sich gegenseitig in einer Art Telepathie unterhalten können. Dies macht Alastair Reynolds auch im Schriftbild (kursiv oder in []) klar, ohne sich in Schiggimiggi zu verlieren. Derartig präzise und doch reduziert habe ich das zuletzt in den Tarot-Romanen von Piers Anthony gelesen.

Diese beiden Punkte haben mich, neben den wirklich faszinierenden Plots und der gut erzählten Geschichte, dann endgültig zum Reynolds-Fan gemacht. Obwohl ich bei ihm etwas vermisse, das ich zum Beispiel bei Heinlein in erheblichen Maße finde : Optimismus. Heinlein glaubte an das Gute im Menschen. Zumindestens prinzipiell. Für ihn war die Zukunft ein Utopia, auf das man unausweichlich hinmarschierte. Reynolds sieht das nicht so. Im Gegensatz zu Heinlein ist Reynolds wesentlich realistischer und sieht in der Zukunft "nur" eine modernere Gegenwart. Seine, Reynolds, Zukunft ist deutlich stärker von den heutigen menschlichen Macken geprägt als die Heinleins, eine psychische und gesellschaftliche Evolution, wie sie Heinlein vorschwebte, ist ihm suspekt.

Insgesamt sind die drei Romane, "Chasm City", "Unendlichkeit" und "Die Arche" moderne SF auf einem Niveau, das das Lesen fast zu einem Muß werden lässt. In keinem Fall kommt derjenige, der sich mit zeitgenössischer SF beschäftigt, um diese Sagas herum.

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