Montag, 12. September 2016

Farina de Waard : Zähmung



Farina de Waard : Zähmung
Das Vermächtnis der Wölfe 01
Fanowa 2013
Taschenbuch, 788 Seiten, 13,90 €
Titelbild : Farina de Waard
ISBN 978-3945073001
Leseprobe


Tyarul – Diktatur und grausame Unterdrückung prägen die fremde Dimension, von der wir nichts wissen.

Sina wird erst mit ihrem Schicksal und der mittelalterlichen Welt konfrontiert, als die Tyrannin Zayda sie entführen lässt. Sie wird verschleppt, in ein unterirdisches Gefängnis gesteckt und bekommt erst eine neue Chance, als man sie heimlich befreit. Und obwohl sich die Welt im Würgegriff der Unterdrücker befindet, gibt es doch einen winzigen Lichtblick.

Sina entdeckt schlummernde Kräfte in ihrem Inneren und bekommt eine Aufgabe, die alle betrifft: Ihre Magie zu bezähmen und die Schreckensherrschaft zu beenden.

Wird sie es schaffen, ihr Schicksal anzunehmen und zur Retterin ‚Zenay‘ zu werden?
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Klappentext

Sie presste das in Lumpen gewickelte Bündel gegen ihre Brust und eilte stolpernd fort von der dunklen Straße und dem fremden Haus.

Der Atem brannte ihr in den Lungen und der Schmerz ihrer geprellten Rippen ließ sie keuchen, aber sie zwang sich trotzdem, noch schneller zu laufen.

Um sie herum erstreckte sich eine Stadt, mit all den verwirrenden Eindrücken einer ihr unbekannten Welt: glühende Glasgefäße, in denen kein Feuer brannte; bunte Metallkutschen, die sich ohne Pferde bewegen konnten...

So viel Fremdes, das ihr die Entscheidung, wohin sie am besten fliehen sollte, erschwerte. Sie verließ das dunkle, schlafende Viertel und kam ungewollt in eine Gegend, die heller erleuchtet war. Verdammt! Sie musste verschwinden, fort aus der Stadt und dem verräterischen Licht.

Sie suchte nach einem Weg, der ihr bessere Deckung bieten würde, als sie plötzlich Rufe hinter sich hörte. Hektisch warf sie einen Blick über ihre Schulter und entdeckte die hochgewachsenen Gestalten der Wachen, denen sie erst vor Kurzem entflohen war.

Trotz der großen Entfernung konnte sie die gelb glühenden Augen der Männer nur zu gut erkennen. Ratken!

Hatten sie sie gesehen?! Fast wäre ihr ein Ächzen entwichen und sie duckte sich rasch hinter eine dieser Kutschen. Ihr Herz raste und sie kauerte sich in den dunkelsten Schatten, den sie erreichen konnte.

Die Rufe wurden lauter. Jetzt kamen sie aus der entgegengesetzten Richtung. Sie war umzingelt! Wie hatten die Wächter sie nur so schnell wieder aufgespürt?

Ohne zu zögern, sprang die Frau aus ihrem Versteck und rannte zu dem einzigen Ausweg, den sie erkennen konnte: ein dunkler Abgang am Rand der Straße. Hinab in die unbekannte Tiefe der schlafenden Stadt.

Sie stolperte die rutschigen Treppenstufen eines Tunnels hinunter und sah sich um. In dem langen Gewölbe war es heller, als sie erhofft hatte. So schnell wie möglich versuchte sie, die neuen Eindrücke einzuordnen und den besten Weg zu wählen. In der Mitte stützte eine Reihe dicker grauer Säulen die Decke ab und zwei parallele, tiefer gelegene Schächte führten rechts und links neben ihr am Boden entlang.
Aus dem Prolog

Man merkt bereits an dieser Einleitung, daß Farina de Waard einen sehr dynamischen Roman vorgelegt hat. Jedoch zeigt der Klappentext auf einen klassischen Damsel-in-Distress-Plot, der schon Jahrzehnte vor der Geburt der Autorin nix Neues mehr war. Derartige Standard-Plots sind heutzutage nur noch lesbar, wenn das Szenario innovativ und der Stil mindestens sehr gut ist.

Und beides trifft ohne Einschränkung zu. Tatsächlich gelang es Farina de Waard, mich mit "Zähmung", dem ersten Band einer auf sechs Teile angelegten Fantasy-Saga, praktisch vom Prolog an (der in keinster Weise das tatsächliche Szenario vorwegnimmt) zu fesseln. Die Fantasy-Umgebung, die die Autorin aufbaut ist modern und divers, es gelingt ihr auch von Beginn an, simple Klischees (die sich eigentlich anbieten) zu vermeiden und ihre Fantasy-Welt als komplexes und nicht-triviales Gebilde darzustellen. Mir hat insbesondere die soziologische und rassische (und eben nicht rassistische) Komponente gefallen, mit der Farina de Waard die verschiedenen Wesen ihrer Welt schildert. Dabei reisst sie im ersten Band die verschiedenen Gesellschaften zusammen mit ihren Strukturen nur an, doch man erkennt schon den großen Wurf, den die Autorin mit dieser Saga macht.

Stilistisch gesehen ist Farina de Waard voll auf der Höhe der Zeit, ihre modernen Fantasy-Schilderungen entsprechen nicht nur dem heutigem Standard von Fantasy-Schmökern, sie schafft es auch, ein präzises Gleichgewicht zwischen Detailschilderungen und der Dynamik der Geschichte zu halten. Das fand ich im ersten Band sehr gelungen und hat mich dann motiviert, sofort mit dem zweiten, den ich ebenfalls bereits vorliegen habe, weiterzumachen. Dies hatte dann heftige Lesekonsequenzen für meinen Urlaub, aber dazu morgen mehr.

Insgesamt ein überaus gelungener Auftakt einer jungen Autorin, von der ich mir auf jeden Fall keinen Roman entgehen lassen werde. Und das erinnert mich an eine andere Autorin, deren erste Romane ich mit Begeisterung verschlungen habe - aber dazu mehr übermorgen.

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