Freitag, 24. Januar 2014

TERRA SF 007 - K. H. Scheer : Und sie lernen es nie


Karl Herbert Scheer : Und sie lernen es nie
Terra SF 007, 08.11.1957
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1957
Titelbild : Johnny Bruck


"Sie lernen es nie", hatte der Mann gesagt, und ein freudloses Lächeln legte sich über seine Lippen.

Nein ... wenn man diesen ganz ungewöhnlichen Roman von K. H. Scheer liest, so kann man irre wenden an der Menschheit und an den Gesetzen, die ihr vom Schöpfer mitgegeben wurden. Ein Raumschiff von ungeahnter Vollkommenheit durchrast die interstellaren Weiten zwischen den Sternen. Die Menschen in ihm sind unterworfen den Gesetzen der vierten Dimension. Sind es überhaupt noch Menschen, oder haben sie sich in den Jahrhunderttausenden ihrer Reise zu unsterblichen Göttern entwickelt? Die Zeit ist für sie stehengeblieben, und sie wissen es. Sie sind die Letzten ihrer Rasse, geflüchtet von einem Planeten, den man einmal "Erde" nannte. Sie suchen nach neuen Lebensmöglichkeiten, bis sie auf einem fremden Himmelskörper Wesen treffen, die ebensolche Menschen sind wie sie selbst. Es erscheint ihnen unfaßbar, als ihr Raumschiff mit Waffen angegriffen wird, deren Wirkungsweise unser Autor mit grausamer und unerbittlicher Konsequenz schildert. Technische Wunder tauchen im Zuge der Handlung auf, doch es sind Wunder, die man zum Verderben anderer Lebewesen erschaffen hat.

Es geht um das planetarische Reich einer Sonne, die am Rand der Milchstraße zu finden ist. Es ist ein Stern, den man früher nicht kannte und der nun die Planeten erwärmt, auf denen sich Menschen angesiedelt haben, die keine Menschen mehr sind. Sie lernen es nie ... weil sie innerlich doch noch Menschen sind.

Der Leser erlebt Handlungen, die so präzise und logisch geschildert sind und deren technische Grundlagen trotz aller Phantasie so glaubwürdig und ausgereift erscheinen, daß man sich schließlich fragt, wo die Wirklichkeit aufhört und die Erzählung beginnt. "Und sie lernen es nie" ist ein Roman, der aus der Feder unseres deutschen Spitzen-Schriftstellers K. H. Scheer stammt. Wir, als kritisch eingestellte Verleger, sind davon überzeugt, daß dieses neue Werk einen bevorzugten Platz in jedem Bücherschrank einnehmen wird.

Prädikat: Spannung, atemberaubende Geschehnisse, Logik, einzigartige technische Feinheiten ... wertvoll
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Die "Interstellar", ein Fernraumschiff von ungeahnter Vollkommenheit, das vor dem Untergang Terras erbaut wurde, durchstreift die Weiten des Raumes zwischen den Sternen. Kommandant Thor Koler ist auf der verzweifelten Suche nach einem Planeten, der den Menschen an Bord geeignete Lebensmöglichkeiten bieten kann. Ein Robotgehirn im Kugelsternhaufen M 13 weist den Umherirrenden der "Interstellar" einen Weg - doch die Chance der Wiedergeburt einer neuen Menschheit ist denkbar gering ...
Klappentext des UTOPIA-Bestsellers von 1977, bearbeitete Neufassung

Der direkte Anschlußroman an TERRA SF 006. KHS erzählt weiter die Geschichte der letzten Menschen auf der Suche nach Lebensraum. Statt jedoch den düsteren Ton des ersten Romans weiterzuführen, plätschert die Geschichte weiter in Richtung eines relativ uninteressanten Trivialromans. Die Mannschaft um Thor Koler trifft auf die Nachfahren russischer und chinesischer Flüchtlinge, die ebenfalls kurz vor dem Angriff der Radios von der Erde entkommen konnten. Und die ganze im ersten Roman aufgebaute Stimmung löst sich in Nichts auf. Das heisst aber nicht, daß der Roman schlecht geschrieben ist. Er liest sich spannend, ein typischer Scheer eben. Nur inhaltlich ist so ein bißchen die Luft raus.

Aufgefallen ist mir aber die Tatsache, daß Scheer hier Frauen als den Männern gleichberechtigt darstellt. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, einen Roman zu lesen, der eigentlich sehr gut in das Orion-Universum gepasst hätte. Auch hier waren Frauen (halbwegs) gleichberechtigt und dienten auf Raumschiffen als Funkerin, Sicherheitsbeauftragte oder Kommandantin. Die ganze Darstellung erinnerte mich irgendwie an diese klassische Serie - allerdings war sie ziemlich genau ein Jahrzehnt später. Ich frage mich, ob Scheer da teilweise seiner Zeit voraus war ?

Kommentare:

  1. Scheer war nicht so rückwärtsgewandt, wie man ihn gerne von Kritikerseite aus dargestellt hat ...

    Wobei ich den Roman hier nicht kenne; klingt ja sehr interessant.

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  2. Schwache und überflüssige Fortsetzung. Und dass die Frauen bewusst als Gleichberechtigt dargestellt wurden bezweifele ich. Denn Scheer hat es fertig gebracht die Männer millionenfach in Fetzen fliegen zu lassen.

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  3. Öööh... ich kann Dir nicht ganz folgen, hast Du den Roman gelesen ? Woran machst Du Deine Kritik fest ?

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  4. " Die größten Schwierigkeiten des Honda lagen in der Katastrophalen Unterbevölkerung. Es wurde immer schwieriger, die unzähligen Industrie und Kraftanlagen ausreichend zu besetzen, da der interplanetarische Krieg unerhörte und unerträgliche Opfer forderte. Seit Jahren war man auf Honda gezwungen wichtige Schlüsselpositionen in der Raumflotte mit Frauen zu besetzen. Das Verhältnis der Geschlechter betrug zur Zeit hundertzwanzig zu eins zu Gunsten der Frauen "
    Tja, der fantastische Thor Koler hat ja nun Frieden geschaffen und mein nächster Urlaubsplanet dürfte klar sein.

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  5. Und ? Was hat das mit Emanzipation oder Nicht-Emanzipation zu tun ? Das ist exakt das, was in den Staaten im II. Weltkrieg geschehen ist, allerdings nur in den Fabriken (gottseidank). Und das Ergebnis davon war eine massive Emanzipations-Offensive, da die Frauen ihren gleichberechtigten Status nicht einfach so hergaben.

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