Montag, 30. März 2015

TERRA SF 522 - Winfried Bauer : Der Mann aus dem Weltraum


Winfried Bauer : Der Mann aus dem Weltraum
Terra SF 522, 02.06.1967
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Eine modernisierte, ziemlich bittere Nacherzählung des Films "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Hier wie dort trifft ein technologisch überlegener Außerirdischer auf der Erde ein. In Bauers Roman ist er allerdings einer der Nachfahren der atlantischen Hochkultur, die vor zigtausend Jahren ein Raumschiff nach Proxima Centauri schickten. Im Gegensatz zum Film sieht Bauer aber keine hochintelligenten und deshalb auch ethisch hochstehenden Wissenschaftler, sondern stellt die Wissenschaft als genau den gleichen Klüngel wie Wirtschaft und Politik dar. [Nach meinen eigenen Erfahrungen muß ich ihm auch nur allzu Recht geben. Ich wette, der Mann hat ein naturwissenschaftliches Studium hinter sich.] Im Verlauf des Romans merkt man mehr und mehr den Einfluss der Präastronautik, dessen bedeutendster Vertreter, Erich von Däniken, ja auch enge Beziehungen zum deutschen Fandom hatte. Sein erstes Buch, "Erinnerungen an die Zukunft", erschien zwar erst 1968, doch bereits vorher vertrat von Däniken seine Thesen in Zeitungsartikeln. Diese Thesen werden in Winfried Bauers Roman aufgegriffen und umgesetzt. Es werden Städte des alten Atlantis besucht und Quipus als Hightech-Speichermedium dargestellt.

Sehr gelungen finde ich das Ende, in dem der Extraterrestrier zusammen mit einem Terraner von der Erde flieht und sich auf den Weg nach Proxima macht. Und fast noch besser gelungen als das ist eine bitterböse Szene in der Mitte des Romans, in dem ein Mensch von der Erde dem Außerirdischen sagt, man wolle seine Technik nicht, man interessiere sich nicht für die Möglichkeiten, die sich bieten könnten, man wolle das alles selber erforschen und er möge sich doch bitte wieder dahin scheren, wo er hergekommen wäre. Ein sehr bitterer Kommentar, wie auch insgesamt der Roman eine ziemlich negative Sicht auf die meisten Menschen hat. Einige wenige Menschen, die ein Gewissen haben, anders sind, sich von dem durchschnittlichen, phobienbehafteten und xenophoben Menschen abheben, werden auch genau als die Ausnahmen dargestellt, die sie auch damals ebenso wie heute sind.

Wie gesagt, der Roman ist nicht wirklich innovativ, von heute aus gesehen wirkt er doch recht altbacken und ziemlich bekannt, was die Story an sich angeht. Doch viele der bitterbösen Kommentare und Kritikpunkte an Gesellschaft, Politik und Wissenschaft sind präzise und gut formuliert und bis heute gültig. Von daher kann ich den Roman vielleicht nicht unbedingt dem Durchschnittsleser empfehlen, der auch an der Geschichte der SF in Deutschland interessierte Fan sei aber hiermit auf diesen Roman aufmerksam gemacht.

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