Montag, 9. März 2015

Andreas Brandhorst : Das Kosmotop



Andreas Brandhorst : Das Kosmotop
Heyne 2014
Originalausgabe
Paperback,560 Seiten, 14,99 €
alternativ als eBook erhältlich
ISBN: 978-3-453-31544-0
Leseprobe


Die Zukunft: Die Galaxie wird von einem gewaltigen interstellaren Bündnis regiert, das aus neunundzwanzig hoch entwickelten Zivilisationen besteht: der Kompetenz. Sogenannte Pazifikatoren bereisen im Auftrag der Kompetenz die gesamte Galaxie, um mögliche Konflikte diplomatisch beizulegen. Einer von ihnen ist Corwain Tallmaster, der nach mehrfachem Klonen bereits Hunderte von Jahren alt ist.

Als seine jüngste Mission kläglich scheitert, wird Corwain zu Unrecht des Mordes beschuldigt. Er ist sich sicher, dass er einem Komplott zum Opfer gefallen ist, doch noch bevor er das beweisen kann, passiert etwas völlig Unvorhergesehenes: das Kosmotop – ein gigantisches Weltenschiff, dessen Ziel es ist, »Proben« aus jeder Zivilisation zu integrieren – dringt in die Galaxie ein und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Für Corwain ist die neue Situation ganz besonders prekär, denn die einzige Person, die seine Unschuld beweisen kann, sitzt im Kosmotop fest.

Corwain braucht sein ganzes Geschick und seine jahrhundertelange Erfahrung, um einen Plan zu entwickeln, von dessen Gelingen nicht nur sein eigenes Schicksal abhängt, sondern das der ganzen Galaxie …
Klappentext

Es gibt viele SF-Romane, die in der Nahen oder der näheren Zukunft spielen. Dies ist keiner davon. Ebenso wie Frank Herberts "Dune" geht Andreas Brandhorst mit seinem "Kosmotop" Jahrtausende in die Zukunft. Es existieren noch 14.722 Menschen, die von Aliens, den Incera, gejagt werden. Unsterblich, aber unfruchtbar und unfähig, sich fortzupflanzen, werden sie nach und nach immer mehr dezimiert. In ihrer zivilisatorischen Hochzeit haben die Menschen KIs erschaffen, die sich jetzt in gigantischen Maschinenzivilisationen im Kern der Galaxis weiterentwickeln.

Als das Kosmotrop, ein Gebilde, das Perry-Rhodan-Leser unproblematisch als "Schwarm" identifizieren, in die Galaxis eindringt, werden alle Zivilisationen aufgestört und lange schwelende Ressentiments plötzlich offen ausgetragen. Ein (!) Mittelpunkt dieser Konflikte ist Corwain Tallmaster, 18. Klon dieses Namens. Um ihn herum erzählt Andreas Brandhorst eine faszinierende Geschichte, die mit einer neuen Hoffnung für die am Ende nur noch 2.500 Köpfe zählenden Letzten Menschen abschliesst.

Wie in seinen bisherigen Romanen auch wird der Leser von Brandhorst sofort, unvermittelt und ohne Infodumps in das Geschehen hineingeworfen. Das ist nicht jedermanns Sache, viele SF-Fans, die alles haarklein und exakt erklärt haben möchten, haben das Buch nach einigen Seiten wieder beiseitegelegt. Aber genauso wie "Dune" oder "Ringworld" erschliesst sich das Brandhorstsche Universum nach und nach im Verlaufe der Story, ohne daß allerdings alles und jedes erklärt und historisch abgeleitet wird. Für viele Leute ein No-Go, für den beleseneren SF-Liebhaber allerdings genau das Richtige.

"Das Kosmotop" liest sich über weite Strecken sehr schwermütig. Die Lage der Menschheit ist deprimierend und Andreas Brandhorst fängt diese Stimmung genial ein. Erst als sich Corwain vom Friedensstifter zum Krieger wandelt, kippt auch die Stimmung nach und nach in eine optimistischere Sicht der Dinge um. Weniger durch die Action an sich, sondern mehr durch die Unmittelbarkeit des Lebens, die Corwain, seiner Unsterblichkeit beraubt, plötzlich ausstrahlt. Ich bin mir nicht sicher, ob das vom Autor so beabsichtigt ist, mir hat es jedenfalls gefallen.

Ebenso wie die Sexszenen. Andreas Brandhorst gelingt es, intime Momente detailliert und doch nicht schlüpfrig zu zeichnen, obwohl da nix ausgeblendet wird, sind diese Szenen weniger pornographisch als mehr romantisch. Das finde ich bemerkenswert, ein wirklich gelungenes Detail.

Und auch insgesamt ist der Roman gelungen, an keiner Stelle kommt Langeweile auf, die Schilderung der galaktischen Zivilisationen, tausende von Jahren von heute entfernt, ist das ganze Buch hindurch ein einziger Sense of Wonder. Ähnlich wie bei "Dune" ahnt man ganz vage etwas von den historischen Entwicklungen, insbesondere wenn man den Vorläufer-Roman "Kinder der Ewigkeit" gelesen hat. In meinen Augen ist "Das Kosmotop" ganz große geniale SF und wird von mir für den DSFP nominiert werden.

Lesezirkel zu "Das Kosmotop"

Keine Kommentare:

Kommentar posten