Donnerstag, 28. April 2016

TERRA EXTRA 047 - Philip K. Dick : Griff nach der Sonne


Philip K. Dick : Griff nach der Sonne (Solar Lottery)
Terra Extra 47, 10.07.1964
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe SEMRAU Abenteuer Weltraum 07 (1958)
Originalausgabe ACE 05/1955
Aus dem Amerikanischen von H.G. Zimmerhäckel
Titelbild : Johnny Bruck


Die Welt hat sich eine neue Ordnung gegeben: Die Bewohner aller neun Planeten nehmen an der solaren Lotterie teil, Quizspielen, deren Preis nicht in Konsumgütern besteht, sondern in Macht und sozialem Status - und der Hauptgewinn ist es, der Quizmeister selbst zu sein, der durch Zufall bestimmte absolute Diktator des Sonnensystems.Doch mit der neuen Ordnung ist es nicht weit her, die alten Mächte, die Konzerne und Trusts, halten immer noch die Fäden in der Hand. Und auch um die absolute Macht des Quizmeisters ist es nicht allzu gut bestellt, wie Cartwright feststellen muß, als er sich die Position durch Manipulation der Lotterie aneignet. Öffentliche Attentäter haben es auf ihn abgesehen, und die Konzerne haben andere Pläne als er.
Klappentext Semrau

Dicks erster veröffentlichter Roman, geschrieben 1954, veröffentlich im Jahr darauf, nachdem Donald Wollheim dem jungen Dick diverses ins Stammbuch geschrieben hat. Mit diesem Roman bin ich nie so recht warm geworden, doch erst jetzt, wo ich einen Kommentar dazu schreiben muß, wird mir klar, warum : Er ist einfach schlecht.

Dabei ist die grundlegende Idee schon faszinierend. Die Menschheit wählt nicht mehr, sondern überlässt alles dem Zufall :
Solar Lottery takes place in a world dominated by logic and numbers. Loosely based on a numerical military strategy employed by U.S. and Soviet intelligence called minimax (part of game theory), the Quizmaster, head of world government, is chosen through a sophisticated, computerized lottery. This element of randomization in the society serves as a form of social control since nobody, in theory at least, has any more of an advantage over anybody else in becoming the next Quizmaster.
Wikipedia

Dies alleine wäre schon ausreichend, einen Roman zu füllen. Dick hätte diese Gesellschaft beleuchten und die Unterschiede zum jetzigen System elegant formulieren können. Doch was kommt stattdessen ? Das System wird durch die gleichen korrupten Kräfte ausgehebelt wie das heutige. Tatsächlich spielt der Zufallsfaktor innerhalb des ganzen Romans keine Rolle, obwohl doch die Gesellschaft darauf basieren soll. Ebenso sind die Charaktere zeitgenössische Leute, der Einfluß einer anderen Gesellschaft wird in keinster Weise dargestellt. Anyway, hätte ja auch eine intelligente Darstellung des "Korruption - gestern und heute" sein können, doch auch das wird nicht herausgearbeitet. Stattdessen überfrachtet Dick den Roman mit einer zusätzlichen Nebenhandlung - wie er das ja gerne gemacht hat - und macht ihn effektiv praktisch unlesbar.

Man sollte "Solar Lottery" gelesen haben, wenn man sich für Dick interessiert, darf aber keine großen Erleuchtungen erwarten. Man erkennt viele der typisch Dickschen Wendungen, die er in späteren Romanen eleganter ausformuliert hat, bereits in diesem Erstling. Ich empfehle entweder das Original oder die bei BASTEI erschienene Übersetzung von Leo P. Kreysfeld (Bastei-Lübbe SF Action 21183), die früheren deutschen Ausgaben sind schon arg gekürzt.

Links
Jens-Christoph Nolte : Vor dem Anfang in der Heftzeit
Jens-Christoph Nolte : Terra@Moewig

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