Dienstag, 1. März 2016

Frank W. Haubold : Das Licht von Duino



Frank W. Haubold : Das Licht von Duino
Götterdämmerung 3
Atlantis 2015
Originalausgabe
Titelbild : Timo Kümmel
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 450 Seiten, 16,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich
Leseprobe


Jenseits der bewohnten Welten, im Grauen Land, drohen tödliche Gefahren. Doch Raymond Farr und seine Gefährten sind fest entschlossen, die Suche nach der verschollenen Mannschaft der Nemesis fortzusetzen. Noch ahnen sie nichts von der gewaltigen Streitmacht des Feindes, die nur ein Ziel kennt: die Vernichtung der Föderation. Aber auch die Menschen finden Verbündete wie den Dichter Rilke oder den zwielichtigen Mr. Morrison, dessen Rolle sich erst nach und nach offenbart. Selbst aus der Zukunft versuchen Rückkehrer Einfluss zu nehmen und die sich anbahnende Katastrophe doch noch zu verhindern. Und auch die Odyssee der Hemera geht weiter und führt direkt in das Herz der Finsternis, wo sich das Schicksal der Menschheit entscheidet ...
Klappentext

Nach Die Gänse des Kapitols und Das Todes-Labyrinth legt Frank W. Haubold mit "Das Licht von Duino" hier den drittel Teil der Götterdämmerung-Saga vor.

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass Frank Haubold den Mittelteil seiner "Götterdämmerung"-Trilogie veröffentlicht hat, die nun mit "Das Licht von Duino" abgeschlossen ist. Da lagen eine Menge gelesene Bücher dazwischen, sicherheitshalber bin ich also erst einmal meine alten Rezensionen und anschließend die Kurzzusammenfassung am Beginn des Abschlussbands durchgegangen. Motive und Atmosphäre der vorangegangenen Bände sind mir klar in Erinnerung geblieben, aber für die Namen all der auftretenden Figuren – und derer gibt es viele! – brauchte es natürlich eine Auffrischung.
Josefson

Hätt' ich man auch machen sollen. Aber da war ich nun in Frankfurt im Hotel, mehrere hundert Kilometer zwischen mir und den anderen beiden Bänden... sollte ich da den dritten Haubold aus der Hand legen ? Das konnte ich nu auch nicht. Also rein ins Vergnügen, zumindestens eine Kurzusammenfassung gibt es am Anfang.

Infodumps sind nicht so Haubolds Stärke, tatsächlich muß man schon sehr intensiv lesen, um die kurzen, präzisen Gesamtinformationen zu den Protagonisten zu erfassen. Auch hier, ebenso wie insgesamt, befinde ich mich in voller Übereinstimmung mit Josefsons Kommentar im "Standard". Ebenso wie Josefson bin ich fasziniert vom Plot. Frank W. Haubold ist einer der Autoren, die etwas Anderes schreiben. Wie schon seine Kurzgeschichten ist auch seine Space Opera anders als der Mainstream. Jedenfalls der heutige. Haubolds Darstellung von Wesen und Überwesen erinnert mich an die große Zeit der Perry-Rhodan-Romane von 700 - 1000, also vor 1900 Bänden fast 40 Jahren. Da gab es schon mal diese Mischung aus High und Low Science Fiction mit religiös-philosophischen Obertönen, genial dargestellt von einem briliantem Autorenkollektiv. Haubold schafft das alleine, was an sich schon bemerkenswert ist.

Es werden tendenziell sciencefictioneske Erklärungen für einige der Mysterien hier gereicht – zum Beispiel ein See, der eine Art biologische Ursuppe enthält, aus der sich Klone historischer Persönlichkeiten züchten lassen. Vieles belässt Haubold aber mit voller Absicht im metaphysischen Bereich. Etwa was nicht verortbare Schauplätze wie das Graue Land oder einen Yggdrasil-artigen Weltenbaum betrifft, von dessen Stamm aus man Einblick ins gesamte Universum erlangt. Noch stärker in Richtung Fantasy ziehen den Roman religiöse Motive, ob sie nun aus der nordischen oder – vor allem gegen Ende hin – aus der christlichen Mythologie stammen. Passend dazu wird dann auch von einem "Auserwählten" die Rede sein, der allerdings kaum noch eine Rolle spielen wird.
Josefson

Stärker noch als im zweiten Teil springt Haubold auch im "Licht von Duino" von Stil zu Stil, wechselt das Tempo wie andere ihre Unterhosen, bringt auf der einen Seite eine hocherotische Passage mit John und Ailin, während sich auf der nächsten Seite bereits eine tiefgründige philosophische Diskussion zwischen Rilke (ja, dem Dichter) und Miriam entspinnt. Alleine wegen dieser Tempo-Wechsel lohnt es sich, diesen Roman zu lesen, am besten sich die ganze Trilogie reinzuziehen.

Und obwohl der Autor viele Dinge naturwissenschaftlich erklärt und entmystifiziert, bleiben noch ausreichend Geheimnisse über, die sich (zunächst?) einer rationalen Erklärung entziehen. Tatsächlich spielen viele Teile des Romans in den Bereich "Religion" hinein. Meine Frau - die sich den Roman mit "Oh, ein neuer Haubold!" sofort als erste geschnappt hatte - prägte dafür den Begriff "religiöse SF", um den Roman irgendwie einzuordnen. Finde ich durchaus passend, Haubold geht hier weg von naturwissenschaftlich-mechanistischen Darstellungen und versucht eine metaphysisch-philosophische Betrachtung des Lebens an sich. Dafür ist die Science Fiction gemacht, so muß die wirklich große SF gestrickt sein.

Ein Nebenkriegsschauplatz dabei ist die Emanzipation. Was mir erst auffiel, als ich Josefsons diesbezüglich irritierten Kommentar las, ist die komplette Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Haubolds Roman. Es ist egal, ob weiblicher oder männlicher Protagonist, Haubold sieht da keinen qualitativen Unterschied. Er definiert den feinen Unterschied zwischen Männern und Frauen aber auch nicht weg, was für Puritaner durchaus irritierend sein kann.

Insgesamt ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Aber nicht alleine, der Roman ist Teil eines Ganzen, kein in dem Sinne eigenstehendes Werk. Etwa so, wie "Die Rückkehr des Königs" - der dritte Band des "Herrn der Ringe" - sich nicht wirklich alleine lesen lässt. Man sollte schon von vorne anfangen und alle drei Bücher hintereinanderlesen. Das ist nämlich ein schön kompaktes Werk, das sich meiner persönlichen Meinung nach ganz hervorragend in einer Schmuckbox machen würde. *mitdemZaunpfahlGuidoLatzvordeNaseherumwinke*

Die Götterdämmerungstrilogie von Frank Haubold ist ganz große SF und wird von mir auch für den diesjährigen DSFP nominiert werden. Da war ich mir - schließlich ist der zweite Teil bereits von 2013 - praktisch schon vorher fast ganz sicher. Und ich wurde auch in keinster Weise enttäuscht, Haubold ist wieder einmal ein Garant für ein wunderschönes Lesevergnügen.

Frank W. Haubold : Götterdämmerung
01 - Die Gänse des Kapitols (2012)
02 - Das Todes-Labyrinth (2013)
03 - Das Licht von Duino (2015)
04 - angekündigt, ohne Titel (2017?)

Keine Kommentare:

Kommentar posten