Donnerstag, 3. März 2016

TERRA EXTRA 014 - K. H. Scheer : Flucht in den Raum

Karl Herbert Scheer : Flucht in den Raum
Centauri 01
Terra Extra 14, 15.03.1963
Neuauflage
Originalausgabe BALOWA 1955
Titelbild : Johnny Bruck


Eine Weltraumodyssee, eine tolle Abenteuerfahrt von morgen, ist das Thema dieses aufregenden, ja haarsträubenden Romans, der mit viel technischem Verstand geschrieben ist.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei weltberühmte Wissenschaftler, Prof. Homer und Ing. Katmann, die zunächst in den Atomkämpfen des dritten Weltkrieges unterzugehen drohen. Aber eines Tages starten sie doch - und landen, durch unbegreifliche Kräfte gezwungen, auf einem Himmelskörper, der gar nicht ihr Ziel ist.

Was sie dort erwartet, übersteigt das Fassungsvermögen der Wissenschaftler und verlangt ihnen allen Mut und alle Klugheit ab. In dramatischer Zuspitzung erleben wir hier den Zusammenstoß zweier Welten, den Kampf zwischen Vertretern zweier Himmelskörper, in dem die Gesandten dieser Erde keine Chance zu haben scheinen...
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Im Jahre 2009 bricht der 3. Weltkrieg aus. Er wird von der Europäisch-Asiatischen Union mit Hilfe der neuen C-Bombe entschieden, die über viele Teile der Welt das atomare Chaos bringt. So auch über Australien, das schließlich von Truppen der EAU besetzt wird, die in Strahlenschutzanzügen Jagd auf die neuesten gegnerischen Errungenschaften der Raumfahrttechnik und deren Schöpfer machen. Einige der gesuchten Wissenschaftler und Techniker entgehen ihren Häschern. Sie fliehen in den Weltraum und landen auf dem Jupitermond Ganymed, wo ein neuer Gegner sie erwartet.
Klappentext des UTOPIA-Taschenbuchs

Eine düstere und pessimistische Geschichte, ganz anders als die sonstigen Geschichten, die ich von KHS kenne. Der Roman springt sofort in die Handlung, in ein Gefangenenlager, in dem unsere Helden zu Beginn der Geschichte festsitzen. Der 3. Weltkrieg hat stattgefunden, die USA und weite Teile der freien Welt sind von der Europäisch-Asiatischen Union radioaktiv verseucht worden. KHS stellt klar, daß dieser Krieg unausweichlich gewesen ist, hätte die eine Seite nicht damit begonnen, hätte es die andere Seite getan. Er muß einen heftigen Depressionsanfall gehabt haben, um einen solchen Roman zu publizieren.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war der II. Weltkrieg gerade einmal 10 Jahre her. Und obwohl die Schrecken des Krieges allen noch deutlich vor Augen standen, wurde 1953 der Aufstand in der DDR mit Waffengewalt niedergeschlagen und im Oktober 1954 der Beitritt der BRD zur NATO bekanntgegeben. In der bundesdeutschen Gesellschaft wurden ehemalige Nazis weiterbeschäftigt, nur die schlimmsten Excesse wurden juristisch verfolgt. Bei diesem politischen Klima ist es kein Wunder, daß KHS sich genötigt sah, in Fom der Centaurier rassistische Faschos zu thematisieren und als übermächtigen Gegner der Menschen sich ebenso wie noch vor einem Jahrzehnt die Nazis danebenbenehmen zu lassen.

Statt positiver Denk- und Gesellschaftsmodelle, die praktisch in fast allen anderen utopischen Romanen Scheers vorkommen, haben wir in der Centauri-Trilogie eher negative Modelle vorliegen, die es zu eliminieren gilt. Das wird in den Folgebänden auch noch heftiger.

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