Sonntag, 25. Oktober 2015

Klassiker in Neuauflage - Robert E. Howard : Das Blut Belsazars



Robert E. Howard : Das Blut Belsazars
Deutsche Erstausgabe
Edition Phantasia 2012
Phantasia Paperback Pulp Fiction 5002
Originalausgabe ORIENTAL STORIES 1931
mit einem Nachwort von Christian Endres
Aus dem Amerikanischen von Joachim Körber
Paperback, ca. 150 Seiten, 12,90 €
ISBN 978-3-937897-52-3

enthält die Stories
Joachim Körber : Vorbemerkungen zur Edition
Die Falken von Outremer (Hawks of Outremer, Oriental Stories, 04-06/1931)
Das Blut Belsazars (The Blood of Belshazzar, Oriental Stories Herbst 1931)
Die Sklavenprinzessin [Fragment] (The Slave Princess, Paradox 2010)
Die Sklavenprinzessin [Synopsis] (The Slave Princess, Paradox 2010)
Christian Endres : Nachwort


Irland im zwölften Jahrhundert: In höchster Gefahr flieht Cormac Fitzgeoffrey aus dem von blutigen Kriegen und Stammesfehden gezeichneten Land. Da der hünenhafte, jugendliche Krieger nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll, schließt er sich Richard Löwenherz auf dessen drittem Kreuzzug ins Heilige Land an und findet ein gleichermaßen belagertes und umkämpftes Reich vor, in dem die unterschiedlichen Macht- und Interessensgruppen um die Vorherrschaft kämpfen. Um einen gefallenen Freund zu rächen, tötet er einen französischen Lord im Zweikampf und wird fortan nicht nur von den Arabern gehetzt und gejagt, sondern gilt auch als Außenseiter und Verfemter seiner eigenen Leute. Einsam kämpft Cormac fortan für sich und gegen alle – lediglich von den hohen Idealen ritterlicher Tugend und Tapferkeit geleitet.

Mit Cormac Fitzgeoffrey schuf der Vollblut-Geschichtenerzähler Howard eine von zahlreichen historischen Figuren, die, was Spannung und Abenteuer angeht, seinen großen Fantasy-Helden in nichts nachstehen. Die Geschichten um Cormac Fitzgeoffrey erscheinen erstmals in deutscher Übersetzung.
Klappentext

Ist ja nicht ganz richtig, wenn ich dieses Buch hier unter "Klassiker in Neuauflagen" einordne. Denn Joachim Körber hat hier - auch zu meiner eigenen Überraschung, und ich habe schon einiges an Romanen und Stories von REH gelesen - die Geschichten um Cormac Fitzgeoffrey nicht nur in genauer Übersetzung, sondern auch in deutscher Erstausgabe verlegt. Ich hab' da ziemlich verblüfft geguckt, als weder in meiner eigenen SF-Bibliothek noch bei Christian Pree dort etwas zu finden war. Zusammen mit dem Festa-Verlag ist also in diesem Jahrtausend die Edition Phantasia einer DER Anlaufpunkte für deutsche Übersetzungen der Howardschen Phantastik.

Die Edition Phantasia konzentriert sich dabei auf die originären Howardschen Werke. Vieles von dem, was unter dem Namen "Howard" (zu Recht, wie ich anmerken möchte, nur damit keine Mißverständnisse entstehen) vermarktet wird, lag nach Howards Tod nur als Fragment oder Konzept vor. Diese Konzepte wurden von den Nachlassverwaltern liebevoll und sorgfältig ausgeführt, zuende geschrieben und in den Kanon der Howardschen Geschichten integriert. Insbesondere L. S. de Camp hat sich hier deutlich hervorgetan. Aber es gibt da ein Problem : Robert E. Howard kannte seine Helden aus der Realität. Das heisst nun nicht, daß er tatsächlich mit Conan durch die Gegend gelatscht ist, aber die Menschen, nach denen er seine Helden modellierte, lebten tatsächlich, waren auf Ölplattformen oder als Cowboys beschäftigt und echte tough guys. Howard, geboren 1906 in Texas, lebte sozusagen in der Übergangsphase zur Neuzeit und hat aus den weniger zivilisierten Tagen noch einiges mitbekommen. De Camp, geboren 1907 in New York, lebte zwar zur gleichen Zeit, jedoch in deutlich zivilisierteren Umgebungen. Und diesen Unterschied in den zivilisatorischen Umgebungen und Erfahrungen merkt man deutlich. So ist zum Beispiel der Unterschied der klassischen Conan-Stories zwischen einer rein Howardschen und einer von de Camp bearbeiteten eklatant. Nicht besser, nicht schlechter, einfach anders. Ich persönlich bin bei jeder Komplettlesung der Conan-Stories immer wieder hin- und hergerissen : Einerseits sind die Howardschen Originale viel unmittelbarer, viel "barbarischer" in den Beschreibungen, andererseits ist es schade, daß Howard seine Ideen nicht ausführen konnte und ich bin de Camp dankbar, daß er die Fragmente zuende schrieb.

Die Edition Phantasia konzentriert sich in ihrer Ausgabe voll auf das Original. Das hat den Vorteil, daß man - anders als bei den Conan-Anthologien - nicht durch einen Stilbruch irritiert wird. Der Nachteil ist, daß man von dem Fragment "Die Sklavenprinzessin" und der sich anschließenden Synopse, beides original howardsch, etwas unbefriedigt zurückgelassen wird. Ich zumindest hätte gerne die Geschichte zuende gelesen. Aber die Alternative wäre eine Verwässerung der howardschen Charaktere gewesen, ein Abdruck der 1979 von Richard L. Tierney finalisierten Geschichte. Und das ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Die Konzentration auf originales Material von Howard ist daher meiner ganz persönlichen Meinung nach eine durchaus zielführende Entscheidung der Edition Phantasia. Ich bin einmal gespannt, was da noch kommt.

Die Geschichten selbst sind typischer Pulp der 30er. Nicht sehr selbstreflektierend, eher direkte Action-Geschichten, in denen der Held (und jeder andere Protagonist) erst zuschlägt und dann überlegt. Elric ist eben noch Jahrzehnte entfernt. Spannend sind die Stories auch, wie alles von Howard - und interessanterweise nicht rassistisch. Was mir hier wieder einmal aufgefallen ist, ist die Gleichbehandlung Howards vom Christentum und anderen Religionen und von Menschen aller Hautfarben und Tönungen. Cormac Fitzgeoffrey ist kein hehrer Ritter, einem Ideal des Christentums verpflichtet, sondern ein mittelalterlicher Raufbold, der sich mit jedem anlegt, der ihm und seinen Zielen - meistens Geld - im Weg steht. Seine Kampfgenossen können ebenso Könige (Löwenherz und Saladin haben Auftritte in den Geschichten) wie Kreuzritter, Diebe, Mörder, Glücksritter jeglicher Religion und Hautfarbe sein. Seine Gegner ebenso. Howard schildert fröhlich eine sich von niemandem vereinnamen lassenden Persönlichkeit, die sich in grimmiger Fröhlichkeit durchs Leben schlägt. Und auch wenn mich Cormac doch sehr stark an Howards andere Helden erinnert, hat es schon Spaß gemacht, die Geschichten das erste Mal auf Deutsch zu lesen.

Rezension auf sf-radio von Thomas Harbach

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