Mittwoch, 16. Juli 2014

Ernst Vlcek / Helmuth W. Mommers : Traumwelten



Ernst Vlcek / Helmuth W. Mommers : Traumwelten
Blitz Utopische Klassiker 1510
BLITZ-Verlag 2002
Titelbild : F. Miklis


Enthält die Stories
Androb 14431
Arenenspiel
Das Problem Epsilon
Der Feuertod
Der Opfergang
Der Traumpalast
Der Zahnersatz
Der zeitgeteilte Mann
Ein Tropfen Schicksal
Finale für Mr. Synclisst
Heisshunger
Hüter des Hauses
Hütet Euch - Sirenen
Monster
Traumwelt
Treffpunkt der Mutanten
Wenn trügerisch Besuch kommt
Wolfsrachen


Wie ich bereits früher schrieb, bin ich aktuell in Frankfurt im Einsatz. Wenn ich auf der Hin- und Rückfahrt von bzw. nach Hamburg nicht arbeite, lese ich gerne Kurzgeschichten. Als Sammler und Horter habe ich da diverses, das mir noch fehlt, bereits im Regal. Und, wie der Zufall so spielt, in der Woche, in der TERRA 361 drankam, hatte ich die "Traumwelten" im Gepäck.

"Traumwelten", der bedauerlicherweise letzte Band der BLITZ-Reihe, ist als "Originalausgabe" gekennzeichnet. Das ist nicht ganz unberechtigt, denn obwohl die Stories aus den 60ern sind, sind sie doch damals in den unterschiedlichsten Reihen erschienen, bei TERRA ebenso wie bei Fanzines. Hier liegen sie das erste Mal gesammelt vor und ich kann nur jedem Fan klassischer SF diesen Band empfehlen. Denn er ist genau das, was ich mir immer von solchen Ausgaben erhoffe : Kommentiert und neu nach Sachgebieten der Kurzgeschichten sortiert. Es fehlt eigentlich nur noch eine kritische Betrachtung der einzelnen Geschichten von Außen.

Die Geschichten selber sind das, was moderne Stilisten wie Uwe Post und Michael K. Iwoleit immer fordern : Handwerklich perfekt. Im Gegensatz zu anderen, modernen Anthologien, die ich in letzter Zeit gelesen habe, merkt man den Stories an, daß beide Autoren ihr Handwerkszeug verstehen. Ich kann nur jedem angehenden Kurzgeschichten-Schriftsteller im SF-Bereich dieses Buch nahelegen, rein organisatorisch ist es schon ein Genuß.

Hinzu kommt ein grundsätzlich optimistischer, lebensbejahender Grundton der Geschichten, ein flotter, in sich geschlossener Stil und eine inhaltliche Qualität, die sich deutlich vom Durchschnitt abhebt. Dabei bleiben die beiden Autoren allerdings eher ernst, mir fehlt so ein bißchen der angelsächsiche Humor, den ich aus ähnlichen Kurzgeschichten-Sammlungen kenne. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf die einzelnen Stories eingehen, das hat nämlich Thomas Harbach an anderer Stelle bereits ausführlich getan. Ich kann mich ihm nur anschließen und möchte auch mit seinen Worten enden :
Unternehmen wir also 18 Reisen in die Zeit des aktiven Wiener Fandoms, betrachten alles bitte durch den Schleier von 40 Jahren, lehnen uns zurueck und treten diese Reise an, wie in ein altes schwarzweiss Foto, leicht angegilbt, ein bisschen wellig und ausgebleicht, aber immer mit einer eigenen Geschichte ausgestattet.






TERRA SF 361 - Ernst Vlcek / Helmuth W. Mommers : Treffpunkt der Mutanten


Ernst Vlcek / Helmuth W. Mommers : Treffpunkt der Mutanten
Terra SF 361, 11.09.1964
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Enthält die Kurzgeschichten
Traumwelt
Der Feuertod
Hüter des Hauses
Der Opfergang
Androb 14431
Heißhunger


Dazu sag' ich hier mal nix, Kommentare kommen gleich im nächsten Beitrag.

Dienstag, 15. Juli 2014

TERRA SF inside - Umfrage TERRA Sonderbände

Ganz interessant die Wertung der Leser zu den TERRA Sonderbänden :

LKS von Band 328 vom 14.02.1964

Neben einer deutlich höheren Beteiligung des damaligen Fandoms ist der Sieger mit Abstand vorne. Andere, bekanntere Namen sind deutlich abgeschlagen. Wird interessant, wenn ich die Sonderbände am Wickel habe, mal einen Vergleich zum heutigem Geschmack zu ziehen.

TERRA SF 360 - Lan Wright : Die feindlichen Mächte


Lan Wright : Die feindlichen Mächte (Assignment Luther)
Terra SF 360, 04.09.1964
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe serialized in NEW WORLDS 1955-1957
Aus dem Englischen von Heinz F. Kliem
Titelbild : Karl Stephan


Witzige Pointen-Stories aus der Johnny-Dawson-Serie. Der Held ist ein terranischer Agent, der im Kalten Krieg zwischen Terra und dem Planeten Luther in absurde Situationen gerät und sich durch Intelligenz und Mutterwitz daraus befreit. Ein SF-James-Bond sozusagen, man kann diese Geschichten durchaus als Kontrapunkt zu den seit 1952 erscheinenden Bond-Romanen betrachten. Der Kalte Krieg der Realität wird hier fiktional als absurdes Theater leicht kindischer Bürokraten dargestellt. Sehr amüsant und auch heute noch aktuell und stilistisch nicht wirklich gealtert.

Montag, 14. Juli 2014

TERRA SF inside - Umfrage Titelbilder

So, nachdem ich aus beruflichen Gründen für die "TERRA SF inside"-Rubrik in den letzten Wochen nicht genügend Zeit hatte und letzte Woche den Schock über Marion Zimmer Bradley erst einmal verdauen musste, will ich diese Woche wieder etwas mehr aus dem Innenleben der Hefte bringen. Den Anfang machen ein paar Umfrageergebnisse, die in den 300er Heften veröffentlicht wurden. Zunächst die Titelbild-Ergebnisse aus Heft 326 vom 31.01.1964 :


Ich kommentier' das nicht, ich sag' nur, daß sich der Geschmack seitdem verändert hat.

TERRA SF 358/359 - Robert Silverberg / Randall Garrett : Nidor



Robert Randall (= Robert Silverberg / Randall Garrett) : Nidor
Terra SF 358, 21.08.1964 - Der verborgene Planet (The shrouded Planet)
Terra SF 359, 28.08.1964 - Nidor erwacht (The dawning Light)
Deutsche Erstausgabe
Originalausgaben ASTOUNDING 1957/1959
Aus dem Amerikanischen von Wulf H. Bergner und Horst Mayer
Titelbilder : Johnny Bruck


Bei ihren Forschungsflügen durchs All entdecken die Raumfahrer Terras den wolkenverhangenen Planeten Nidor - und ein Brudervolk, das noch nicht die Sterne kennt ...
Vorankündigung in TERRA 357

Ein einerseits sehr konventioneller, andererseits recht moderner Roman um die edelmütigen Terraner, die einer anderen Rasse helfen. Im Vorwort der Buchausgabe beschreiben die beiden Autoren, wie es eigentlich zu diesen Geschichten kam. In den 50ern war John W. Campbell mit ASTOUNDING einer der führenden Herausgeber. Allerdings hatte er so seine eigenen, teilweise erzkonservativen Ideen, was SF sei und was er in seinem Magazin veröffentlichen wollte. Das hat die beiden Schriftsteller genervt und sie setzten sich hin und schrieben Kurzgeschichten, die exakt in Campbells Raster passten. Daraus entstanden die ersten drei Nidor-Geschichten, im Original "The Chosen People" (Astounding Juni 1956), "The Promised Land" (Astounding August 1956) und "False Prophet" (Astounding Dezember 1956), die den ersten Nidor-Roman ausmachen. Die Fortsetzung "The Dawning Light" erschien dann 1959 bei Gnome Press als Hardcover.

Thematisch einerseits sehr konservativ, die klassischen amerikanischen Werte der Upper Middle Class hochhaltend. Andererseits wird die Story nicht aus der Sicht der Terraner, sondern aus der der Nidorianer erzählt, die sich keineswegs im Campbellschen Sinn edelmütig verhalten. Von daher fand ich die beiden Hefte sehr angenehm und interessant zu lesen.

Sonntag, 13. Juli 2014

TERRA ASTRA 357 - Kurt Mahr : Das Gestirn der Einsamen


Kurt Mahr : Das Gestirn der Einsamen
Terra SF 357, 14.08.1964
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Ausbruch aus der Isolation - Menschen erfahren die Wahrheit über ihre Welt
Teaser TERRA ASTRA 442

Während die menschlichen Kolonien im Weltraum ihre Frische bewahrt haben, hat auf Terra selbst eine Degenartion eingesetzt. Um die Bewohner der Erde wieder fit zu machen, wurden sie voneinander isoliert und mittels Mechanohypnose in einzelnen, vollautomatischen Häusern betreut. Da schlägt ein Meteor ein und die Menschen der Erde erkennen, daß sie nicht alleine sind ...

Kurt Mahr gelingt es hier, einen nicht uninteressanten Abenteuerroman mit einer fast schon sentimental zu nennenden Liebesgeschichte zu einem großem Ganzen zu verschmelzen. Die Story - auch wenn der Plot seeehr in seiner Zeit verhaftet ist - liest sich als Pageturner runter und die Protagonisten sind gut charakterisiert.

Dieser Roman wurde 1980 noch einmal innerhalb von TERRA ASTRA neu aufgelegt und verschwand dann im Orkus der klassischen deutschen SF. Schade drum.

Samstag, 12. Juli 2014

TERRA SF 356 - Donald A. Wollheim (Hrsg.) : Die Erde in Gefahr


Donald A. Wollheim (Hrsg.) : Die Erde in Gefahr (The Earth in Peril)
Terra SF 356, 22.05.1964
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1957
Aus dem Amerikanischem von Heinz Zwack
Titelbild : Karl Stephan


Enthält die Kurzgeschichten
Cyril M. Kornbluth : Sauregurkenzeit (The silly season, 1950)
Murray Leinster : Kosmobeben (Things pass by, 1945)
Bryce Walton : Gegenschlag (Mary Anonymous, 1954)


Eine weitere gelungene Zusammenstellung des großen Anthologisten. In "Sauregurkenzeit" werden solange Zeitungsenten über die Invasion von Aliens gebracht, bis sie tatsächlich kommen. Mit einem großem Sense of Wonder kommt "Kosmobeben" daher und erzählt von riesigen Aliens, die sich gar nicht um die Erde kümmern und im Vorbeifliegen vernichten würden. "Gegenschlag" erzählt vom Krieg der Erde gegen die Marsianer - die ganz anders sind, als man sie sich gemeinhin vorstellt.

Stilistisch sehr unterschiedlich sind es doch alles Geschichten aus dem Golden Age der amerikanischen SF, als die gelungene Short Story das Nonplusultra eines Schriftstellers darstellte. Von den drei Schriftstellern ist Bryce Walton der unbekannteste, zu Unrecht, wie ich meine. Bryce Marvis Walton (1918-1988) war ein US-Schriftsteller, der erst nebenberuflich und nach seiner Kriegsteilnahme als Navy-Korrespondent ab 1945 in Vollzeit als freiberuflicher Schriftsteller tätig war. Im Genre SF hat er nur wenig veröffentlicht, er war hauptsächlich im Krimi-Bereich und für das Fernsehen tätig. Die Stories aber, die ich von ihm kenne, sind alle bemerkenswert, weil sie sich so ein bißchen dem Mainstream verweigern.

Donnerstag, 10. Juli 2014

TERRA SF 355 - Hans Kneifel : Die Barbaren kommen


Hans Kneifel : Die Barbaren kommen
Das zweite Imperium der Menschheit 05
Terra SF 355, 31.07.1964
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Ihre Raumflotten stoßen bis nach Terra vor, bis ins Herz des Imperiums — da aber beginnen die auf Sakkara ausgebildeten Wissenschaftler zu handeln ...
Höhepunkt und Abschluß des Zyklus vom ZWEITEN IMPERIUM DER MENSCHHEIT.
Klappentext

Kneifel nimmt hier die Begegnung mit den Fremden aus Band 2 wieder auf. Das zweite Imperium der Menschheit befindet sich im Krieg, zwei Supermächte bekämpfen sich. Bevor es jedoch zur Eskalation kommen kann, tun sich die mit dem Khorsabad-Virus infizierten Wissenschaftler zusammen und bilden die Dritte Macht, die den Krieg verhindert, indem sie beide Seiten lahmlegt.

Nicht ganz so innovativ wie die ersten Bände schildert Hans Kneifel hier ein zweites Perry-Rhodan-Szenario. Für PR-Fans und -Leser ein unbedingtes Muß, denn Parallelen als auch Unterschiede sind für den Kenner einfach faszinierend. Meinem Gefühl nach hat sich der Autor allerdings bei diesem Band drängen lassen, den Zyklus zu beenden. Im Gegensatz zu den vorigen Romanen treten hier auch viele bekannte Protagonisten auf, es wird kein neues, exotisches Szenario vor dem Leser ausgebreitet, sondern stattdessen auf Bekanntes zurückgegriffen. Der Sense of Wonder, der insbesondere bei den ersten drei Romanen einen Großteil des Charms ausmachte, kommt hier nicht so ganz rüber. Allerdings war Hans Kneifel zu diesem Zeitpunkt bereits mit anderen Romanen und Roman-Zyklen beschäftigt, von daher bin ich mir nicht so ganz sicher, wie ich diesen letzten Roman des Zyklus um "Das Zweite Imperium der Menschheit" werten soll.


Das zweite Imperium der Menschheit
Der Götze des Untergangs
DIm Licht der gelben Sonne
Das verlorene System
Die Welt der stählernen Spinnen
Die Barbaren kommen
Zyklus-Resumee

Dienstag, 8. Juli 2014

TERRA SF 354 - Jeff Sutton : Die Atomverschwörung


Jeff Sutton : Die Atomverschwörung (The Man who had no Brains)
Terra SF 354, 24.07.1964
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe AMAZING 1961
Aus dem Amerikanischem von Walter K. Baumann
Titelbild : Johnny Bruck


Er soll die Atomverschwörung aufdecken — dabei ist er nur ein Polizeiagent mit einem niedrigen Intelligenzquotienten ...
Der Schauplatz dieses spannenden SF-Krimis ist die Erde, die aus dem Chaos atomarer Zerstörung wiedererstanden ist.
Klappentext

Nach dem drittem Weltkrieg ist Kernenergieforschung absolut verboten. Die Menschen werden nach ihrem Intelligenzquotient bewertet, je höher, desto höher auch in der Administrationshierarchie. Die durch den nuklearen Fallout entstandenen Mutanten werden ausgegrenzt und verfolgt - doch gerade sie sind es, die mit einer geheimen Forschungsanlage die Raumfahrt wieder möglich machen.

Ein typischer SF-Action-Roman dieser Zeit, der zwar interessante Themen enthält, aber sie nur sehr oberflächlich behandelt. Jeff Sutton (1913-1979) war nebenberuflicher Schriftsteller, der seine beruflichen Erfahrungen - er war Journalist und diente bei den Marines - stark in seine Romane einfliessen lies. Er schrieb nicht schlecht, aber die meisten seiner Romane waren doch Durchschnitt, er untersuchte, wie beim vorliegenden Roman, die Themen einfach nicht intensiv genug.

Montag, 7. Juli 2014

TERRA SF 352/353 - K. H. Scheer : Offensive Minotaurus



Karl Herbert Scheer : Offensive Minotaurus
ZBV 17
Terra SF 352/353, 17.07.1964
Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1964
Titelbilder : Karl Stephan


"Erledigen Sie die Kleinigkeit und kommen Sie sofort zurück! Ich brauche Sie im Hauptquartier!"

Oberst HC-9 führt den Befehl aus, nur wird aus der "Kleinigkeit" ein Fall, der die Möglichkeiten der Geheimen-Wissenschaftlichen-Abwehr erschöpft. Das Gewissen des GWA-Agenten beginnt zu schlagen, als ein Major der Abwehr erblaßt. Stana Sergejewitsch lmorgin, fähigster Astrostatiker der Europäischen Raumfahrtkoalition, beschreitet den Weg der Dunkelheit, um dort das Licht zu finden. Ein Uranprospektor wird verschüttet. Seine Lebensretter erscheinen nicht zufällig. Unbekannte ahnen nicht, daß die sagenhafte Wandelfeldkanone nur in der Phantasie eines Mannes existiert, der alleine weiß, wie sehr die Menschheit bedroht ist.

Oberst HC-9 wird gezwungen, nach eigenem Ermessen zu handeln. Als die Wölfe des sibirischen Urwaldes zu heulen beginnen und Major Ludinow unbekannte Flugobjekte mit einem Wasserfall verwechselt, schreitet der letzte einsatzbereite Telepath der GWA in die Schneewüste hinaus. Oberst HC-9 ahnt, daß es keine Rückkehr mehr geben kann. Der grüne Zwerg GORMAT lockt mit suggestiven Rufen; Irrlichter weisen den Pfad.

'Es ist eine Routineuntersuchung', vermutet HC-9, doch der Fall Offensive Minotaurus wird von Stunde zu Stunde undurchsichtiger.

Die wirkungsvollste Waffe der Erde ist ein Mensch - Oberst Thor Konnat, Chef der GWA-Raumgarde. Die letzte Verbindung reißt ab. Die Technik der Unbekannten ist überwältigend.

Mit dein Roman "Offensive Minotaurus" schildert K. H. Scheer den Anbruch eines Zeitalters, in dem die Menschheit gezwungen wird, über sich selbst hinauszuwachsen.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Die Hypnos tauchen auf und versuchen die Erde zu übernehmen. Spätestens mit diesem Roman ist endgültig Schluß mit den einfachen Agentenabenteuern, mit denen die ZBV-Serie gestartet ist. Scheer gelingt es auch, den Kontakt mit den Aliens mt einem gehörigem SoW zu würzen, so daß sich der Leser, der die Romane hintereinanderweg in der Blach-Ausgabe liest, nicht mehr davon losreißen kann. Interessant finde ich, daß die TERRA-Hefte nur die Zweitverwertung darstellen, die Erstausgabe kommt bei ZBV in diesen Jahren immer als Leihbuch heraus.

Was mir auffiel, gerade beim Hintereinanderlesen der TERRA-Romane, ist die Unmittelbarkeit der Geschichte. Während Kneifel, Ewers, Mahr und andere eher etwas distanziert schreiben, ist man bei KHS mitten drin. Die Perspektive des Protagonisten, Thor Konnat, lässt einen die Geschichte sozusagen als Ego-Shooter miterleben. Ganz anders die (ebenso guten) Romane von Hans Kneifel um "Das zweite Imperium der Menschheit". Hier fiebert man zwar ebenfalls mit (Axarnea!), sieht bzw. liest das Geschehen aber sozusagen von Außen, aus der Sicht eines auktorialen Erzählers. Dies ist kein Qualitätsmerkmal, der Unterschied zwischen diesen beiden stilistischen Ansätzen ist aber im Kontext der TERRA-Romane ziemlich deutlich.

Sonntag, 6. Juli 2014

Marion Zimmer Bradley

Als ich vorgestern diesen Thread aus dem Perry-Rhodan-Forum aufmachte, ist mir die Kinnlade runtergefallen.

Heiko Langhans hat dort einen Blogeintrag von Jim C. Hines verlinkt, in dem er darstellt, daß Marion Zimmer Bradley, ihr Ehemann Walter Breen und ihre spätere Lebensgefährtin Elizabeth Waters jahrzehntelang Kinder mißbraucht haben und dies von der amerikanischen SF-Schriftstellervereinigung gedeckt wurde. Ich habe mich dann zwei Tage im Netz durchgewühlt und Folgendes rausgefunden :

Walter Breen wurde 1954 bereits wegen Kindesmißbrauch in Atlantic City verurteilt. Anfang der 60er kam er nach Berkeley und heiratete dort 1964 Marion Zimmer Bradley. Diese war bereits früher aufgrund des Besitzes von Kinderpornographie in Haskell, Texas, aufgefallen, meines Wissens auch verurteilt worden. Zusammen haben die beiden sich in den nächsten Jahrzehnten regelmäßig an Kindern vergangen, ihre eigenen nicht ausgenommen. Dies wurde von der SFFWA, der amerikanischen SF&F-Schriftstellervereinigung gedeckt, man wollte es sich nicht mit diesen prominenten Persönlichkeiten verderben. Und das, obwohl Breen mehrfach wegen Kindesmißbrauch verurteilt wurde und ebenso Verfahren gegen Marion Zimmer Bradley liefen.

Nach Marion Zimmer Bradleys Tod übernahm ihre Lebensgefährtin, Elizabeth Waters, die Vermögensverwaltung. Sie ist auch alleinige Erbin, die Kinder von Marion Zimmer Bradley sehen von dem Geld keinen Cent. Stephen Goldin, dessen Stiefsohn ebenfalls mindestens von Walter Breen mißbraucht wurde, hat Ende des letzten Jahrtausends eine (weitere) detaillierte Darstellung dieser Straftaten inklusive Vernehmungsprotokolle von Marion Zimmer Bradley und Elizabeth Waters ins Netz gestellt.

Doch es kümmerte niemanden und Leute wie Heiko und ich, die ihre Romane gelesen haben, fanden zwar einige Passagen fragwürdig, aber sind nie auf die Idee gekommen, einen Zusammenhang zwischen den Romanen und dem RL herzustellen und dementsprechend zu googeln. Das ging solange gut, bis Tor.com Anfang Juni 2014 einen naiven Artikel zu Marion Zimmer Bradleys Geburtstag ins Netz gestellt haben. Als dort mehrere Fans und Schriftsteller darauf hinwiesen, daß der von Marion Zimmer Bradley begangene Kindesmißbrauch nicht unterschlagen werden dürfte, kam die Lawine ins Rollen. Meiner persönlichen Wahrnehmung und subjektiven Interpretation nach war Tor.com davon (ebenso wie wir) vollkommen überrascht, hat die ersten Kommentare noch gelöscht und dann (schockiert?) den Artikel zurückgezogen und auch aus dem Google-Cache gelöscht.

Aber jetzt war es zeitgenössischen Fans und Schriftstellern bekannt, die weiter recherchierten. Eine Schriftstellerin, Deirdre Saoirse Moen, nahm Kontakt zu Moira Greyland, Marion Zimmer Bradleys Tochter, auf. Diese bestätigte diverse Fakten und schrieb :
The first time she molested me, I was three. The last time, I was twelve, and able to walk away. [...] I had been living partially on couches since I was ten years old because of the out of control drugs, orgies, and constant flow of people in and out of our family “home.” [...] None of this should be news. Walter was a serial rapist with many, many, many victims (I named 22 to the cops) but Marion was far, far worse. She was cruel and violent, as well as completely out of her mind sexually. I am not her only victim, nor were her only victims girls.
Quelle

Wie sie so richtig sagte : Keine dieser Informationen war neu. Tatsächlich wurden Jugendliche bei Cons, an denen Marion Zimmer Bradley und / oder Walter Breen teilnahmen, vor diesen gewarnt und bekamen die ganz klare Ansage : "Geh' nicht mit einem von denen mit. Bleib' in einer Gruppe. Wenn Du siehst, daß einer von denen mit einem Kind weggeht, schlag' Alarm. DIES IST NICHT HARMLOS." (Aus den Erinnerungen eines Con-Besuchers, veröffentlicht in einem abgeschlossenem Forum) Auch Anfang der 60er in Berkeley wusste man Bescheid über die beiden. Es gab eine Aktion, die dazu führte, daß Walter Breen vom Weltcon 1964 ausgeschlossen wurde. Der Initiator dieser Aktion wurde allerdings danach aus dem Fandom ausgeschlossen.

Schockierend, nicht wahr ?
Insbesondere die Rolle der SFFWA ist hier kein Ruhmesblatt amerikanischen Schriftstellertums.
Man könnte jetzt aber argumentieren (und ja, das Argument ist mir schon entgegengeschlagen), daß Marion Zimmer Bradley und Walter Breen beide tot sind und man über Tote je nichts Schlechtes sagen soll.
Bedauerlicherweise sind Marion Zimmer Bradley, Walter Breen und Elizabeth Waters keine Einzelfälle. Auch heutzutage deckt die SFFWA Leute, die Kinder mißbrauchen und belästigen, die sich auf Cons Frauen gegenüber ungebührlich (ich bin hier extra etwas zurückhaltend um Vulgärsprache zu vermeiden) benehmen. Wer mehr wissen will, der möge googeln oder den unten angegebenen Links folgen.

Stephen Goldins Website, unter anderem mit den Vernehmungsprotokollen von Marion Zimmer Bradley und Elizabeth Waters : Link
Blog der Pagan Society
moderne Fälle von Kindesmißbrauch innerhalb der SFWA
Breendoggle Wiki, enthält die Ereignisse Anfang der 60er in Berkeley
"Schweigen ist Komplizentum", ein Blogeintrag von Natalie Luhrs
"Eine richtige Art zu handeln", ein Blogeintrag von Janni Lee Simner
"Warum lassen wir das Schweigen zu?", ein Blogeintrag von Jason Sanford
Ein Internet-Eintrag von 1999

Und wem jetzt noch nicht schlecht ist, der sollte einmal danach googeln, was Samuel R. Delany über NAMBLA, die Vereinigung amerikanischer Pädophiler, denkt.


Update
08.07.
Christoph Jarosch hatte bereits am 19. Juni über dieses Thema gebloggt : Link

Man (ich) hätte sich vielleicht ein deutlicheres Statement gewünscht, aber eigentlich ist die Stellungnahme der Victor Gollancz Ltd. ganz okay :
Allegations about Marion Zimmer Bradley have surfaced in the last couple of weeks, including a statement from her daughter, Moira Greyland, that she was sexually abused by her mother. Ms Bradley died in 1999 and therefore cannot answer these charges, nor are we in a position to comment on them; we are also mindful of the dangers of drawing a link between any writer’s personal life and their work. Further, we are aware that royalties from the sales of her work are mainly distributed between a range of charities, including Save the Children. We have considered carefully what response, if any, we – as publishers of her digital backlist – should make in this situation. We have decided that we will henceforth donate our income from sales of her Gateway e-books to Save the Children. We will be making no further comment on the matter.

Während die englische Wikipedia das Thema "Kindesmißbrauch" bereits in ihrem MZB-Artikel integriert hat, hält sich die deutsche Wikipedia wie üblich sehr bedeckt und hat nur einen Absatz drin. Walter Breen wird immer noch als "Autor und Numismatiker, der auch zur Geschichte der Homosexualität forschte" bezeichnet, und nicht als perverser, gewalttätiger Kinderficker, der er war. Ebenso wird die Bisexualität von Marion Zimmer Bradley, die mit zwei Männern vereheiratet war und mit einer Frau zusammenlebte, in der deutschen Wikipedia bezweifelt. Nun ja.

12.07.
Soweit mir bekannt ist (war), bestand die Gruppe um Marion Zimmer Bradley, Walter Breen und Elizabeth Waters aus mehreren, nicht ganz unbekannten SchriftstellerInnen. Mir ist nicht bekannt, ob und wie weit diese in die Machenschaften verwickelt waren, ich habe im Netz auch nichts dazu gefunden. Jedenfalls nichts substantielles. Ich finde es aber sehr schön, daß sich Diana Paxson zu Wort gemeldet hat und einige wichtige Details, etwa "Was ist Greyhaven?" geklärt hat. Nein, es ist nicht nur "schön", es ist wirklich hilfreich. Zumindestens für mich und meinen Seelenfrieden.
Blogeintrag von Diana Paxson
Kommentar von Christoph Jarosch

17.07.
Moiras Bruder, der Sohn von Marion Zimmer Bradley, hat sich gemeldet und die Vorwürfe bestätigt : Interview
Vox Day hat dies kommentiert : Link
Ich kann mich ihm nur anschließen : "If I could tell Mark one thing, it would be this: You did the right thing. You broke the spell of silence. You have made it harder for others to do what was done to you. You don't have my pity or even my sympathy. You have my respect."
A.a.O. gibt es ein interessantes Gespräch mit Samuel R. Delany : Link
Eine ausführliche Analyse des Verhältnisses von Delany zu NAMBLA findet man bei Anubis aka Christoph Jarosch : Link. Hier werden auch die Kommentare von Vox Day kritisch beleuchtet.

26.07.
Auch als SF-Schriftstellerin scheint Marion Zimmer Bradley nicht wirklich eine angenehme Person gewesen zu sein : Link
Man beachte, daß dieser Blogeintrag von 2008 ist, also nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat. Ebenso beachtenswert ist, daß das Verhalten von MZB in den Kommentaren bestätigt wird. Ich sehe da einen Widerspruch zu andern Berichten, nach denen MZB im persönlichen Gespräch mit Fans sehr nett gewesen sein soll. Oder ist das doch keiner ?

Samstag, 5. Juli 2014

Schriftsteller 2. Klasse

J. Michael Straczynski ist ein Schriftsteller 2. Klasse.

Schließlich ist nicht einzusehen, warum so ein L.A.-Fuzzy, der tausende von Dollars für eine Skritseite bekommt, die gleiche Wertschätzung erfahren soll, die ein Schriftsteller, der für ein paar Pennies pro Wort schreibt, erhält. Da muß man doch mal eine Grenze ziehen, jawoll, und zwar eine ganz klare.

D.C. Fontana, Harlan Ellison, David Gerrold, Mike Cassutt - um nur ein paar zu nennen - sind eben Schriftsteller 2. Klasse.
Jedenfalls aus Sicht der SFFWA, wie Straczynski, der Erfinder von "Babylon 5" es in seinem Blog beschreibt.
Link (nach ganz unten scrollen)

Liebe SF-SchriftstellerInnen, ihr seid veraltet !

Jawoll, und das nicht zu knapp.
Ihr schreibt binär, was heutzutage vollkommen überholt und durch die ...äähh Forschung ? ... egal, ist jedenfalls widerlegt.
Was "binär" heissen soll ?
Aber ich bitte euch, liebe SF-SchriftstellerInnen, ihr müsst euch schon über den aktuellen Stand der literarischen SF auf dem Laufenden halten :
I want an end to the default of binary gender in science fiction stories.

What do I mean by “post-binary gender”? It’s a term that has already been used to mean multiple things, so I will set out my definition:

Post-binary gender in SF is the acknowledgement that gender is more complex than the Western cultural norm of two genders (female and male): that there are more genders than two, that gender can be fluid, that gender exists in many forms.

People who do not fit comfortably into the gender binary exist in our present, have existed in our past, and will exist in our futures. So too do people who are binary-gendered but are often ignored, such as trans* people who identify as binary-gendered. I am not interested in discussions about the existence of these gender identities: we might as well discuss the existence of women or men. Gender complexity exists. SF that presents a rigid, unquestioned gender binary is false and absurd.
Alex Dally MacFarlane : Post-Binary Gender in SF: Introduction

Habt ihr verstanden ? Ihr schreibt falsche und absurde SF. Und auch wenn ultrakonservative Schreiberlinge sich über die genialen Ausführungen von Frau MacFarlane lustig machen, wie man es beispielsweise hier nachlesen kann, so ändert das doch nix daran, dass eure Männlein/Weiblein-Interaktionen für den modernen Leser veraltet sind. Ich erwarte also von euch das Gleiche, dass Frau MacFarlane in ihrem Artikel fordert :
I want more writers to stop defaulting to binary gender in their SF—I want to never again read entire anthologies of SF stories or large-cast novels where every character is binary-gendered. I want this conversation to be louder.

Ich hoffe, das ist jetzt klar. Ich erwarte also in den nächsten "Kaiserkriegern" mindestens 3 Geschlechter bei den Römern, und bei "Zoe Lionheart" endlich richtig innovativen Sex! Und D9E könnte auch etwas näher am ...äääh aktuellem Stand der SF-Literatur dran sein. Jawoll !


TERRA SF 351 - Hans Kneifel : Die Welt der stählernen Spinnen


Hans Kneifel : Die Welt der stählernen Spinnen
Das zweite Imperium der Menschheit 04
Terra SF 351
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Ein fremder Planet als Schlachtfeld riesiger Robot-Armeen!
Die Kommandogehirne hetzen ihre mechanischen Geschöpfe gegeneinander — bis Menschen kommen.
Der vierte, völlig in sich abgeschlossene Band des Zyklus vom ZWEITEN IMPERIUM DER MENSCHHEIT.
Klappentext

Der Klappentext fasst den Roman eigentlich sehr schön zusammen : Auf einem Planeten kämpfen zwei riesige Roboter-Armeen, gelenkt von den letzten beiden Überlebenden einer Alien-Rasse, gegeneinander. Die beiden Überlebenden existieren nur noch als Gehirne in Nährlösung, einer der beiden ist wahnsinnig. Als die Menschen den Planeten erreichen, können sie zwar den Wahnsinnigen ausschalten, doch auch das andere Gehirn ist am Ende seiner Lebenskraft und stirbt. Gelenkt von einem Gigant-Computer stehen die Roboter jetzt den Menschen zur Verfügung.

Hans Kneifel schafft sich hier seine eigene Posbi-Version. Dabei kann er der Versuchung, eine uuuuuralte Rasse zu erschaffen, nicht widerstehen. Liest sich, insbesondere mit der Kenntnis der ersten 200 Perry-Rhodan-Romane im Hinterkopf, ganz interessant. Allerdings scheint Kneifel mit den Robots mehr vorgehabt zu haben und wenn ich den Epilog richtig interpretiere, scheint er den gesamten Zyklus auch größer konzipiert zu haben, als er tatsächlich geworden ist. Es blieb aber dann bei fünf Romanen.

Das zweite Imperium der Menschheit
Der Götze des Untergangs
DIm Licht der gelben Sonne
Das verlorene System
Die Welt der stählernen Spinnen



Freitag, 4. Juli 2014

TERRA SF 350 - Alfred Elton van Vogt : Das Monster


Alfred Elton van Vogt : Das Monster
Terra SF 350, 03.07.1964
Originalzusammenstellung
Zusammengestellt und aus dem Amerikanischem übersetzt von Helmuth W. Mommers
Titelbild : Johnny Bruck

Enthält die Texte
Das Monster (Resurrection, 1948)
Die schlafende Bombe (Dormant, 1948)
Rebellion im Sternenschiff (The Expendables, 1963)
Die Herren der Welt (The Rulers, 1944)


Was Donald A. Wollheim für den angloamerikanischen Sprachraum ist, stellt Helmuth W. Mommers für den deutschen dar. Mit einer nicht zu unterschätzenden Präzision hat er hier eine Reihe van Vogtscher Geschichten herausgesucht, die nicht nur an sich bemerkenswert sind, sondern das Oeuvre des Autors auch sehr gut darstellen. Die deutsche SF wäre eine andere geworden und die Kurzgeschichte hätte in den zurückliegenden Jahrzehnten einen höheren Rang bekommen, hätte Mommers sich nicht von der SF abgewandt. Ich empfehle jedem die "VISIONEN"-Bände, die er in diesem Jahrtausend zusammengestellt hat, dort liest man die große deutsche moderne SF geballt in vier Bänden.

Die hier vorliegenden van-Vogt-Stories kannte ich noch nicht, was nicht unbedingt verwundert, sind sie doch seit diesem TERRA-Heft in Deutschland nicht nachgedruckt worden. Aber sie kennzeichnen van Vogt sehr schön als – im wahrsten Sinne des Wortes – phantastischen Autor. Seine Geschichten, Romane als auch Stories, waren nie "nur" Science Fiction, sondern hatten immer auch ein phantastisches, oftmals Fantasy-nahes Element. van Vogt und Kurt Mahr hatten auch einen netten Spleen gemeinsam : Sie konnten locker mit äoooonenlangen Zeiträumen um sich werfen. Merkt man etwa bei "Dormant", bei der es um einen mehrere hunderttausend Jahre zurückliegenden Krieg geht. Ist weder störend noch unbedingt positiv zu nennen, es ist einfach ein gewisses Markenzeichen, ein Spleen, den beide Autoren genußvoll ausgelebt haben.

Donnerstag, 3. Juli 2014

TERRA SF 349 - H. G. Ewers : Der Scout im Reich der Schatten


H. G. Ewers : Der Scout im Reich der Schatten
Weltraumscout 02
Terra SF 349, 26.06.1964
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Der Raumscout und sein Robotgefährte landen auf einer Welt, auf der es eigentlich gar keine Menschen geben dürfte ...
Ein neues, spannendes Weltraumabenteuer mit Lester Velie.
Klappentext

Ein weiterer Roman der Weltraumscout-Reihe, mit der H. G. Ewers seine Karriere in Westdeutschland begann. Auch dieser ist zwar nett, gut lesbar und nicht uninspiriert, das große Thema aber fehlt, Ewers bleibt bis zu einem gewissem Grad im Bereich des Trivialen.

Allerdings ist – unabhängig von der Güte des Romans – ein weiteres Detail interessant. Im Gegenzug zu den angloamerikanischen Autoren sind die deutschen SF-Schriftsteller wesentlich weniger auf Action erpicht. Inwieweit dies eine Reaktion auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, der Teilung Deutschlands und der Atomkriegsdrohung ist, vermag ich nicht zu beurteilen, hier wäre eine sozialwissenschaftliche Studie gefragt. Ich stelle nur fest, daß viele der neu veröffentlichten deutschen SF-Romane die Erforschung von "fremden Galaxien, neuem Leben und neuen Zivilisationen" zum Thema haben. Dies erklärt in meinen Augen auch den Riesenerfolg von "Star Trek" in Deutschland ein paar Jahre später, das nämlich eben diese Sehnsucht bediente.


Der Weltraumscout
Intrige auf Chibbu (TERRA SF 294)

Mittwoch, 2. Juli 2014

TERRA SF 348 - Hans Kneifel : Das verlorene System


Hans Kneifel : Das verlorene System
Das zweite Imperium der Menschheit 03
Terra SF 348, 19.06.1964
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Acht Planeten, durch Materietransmitter miteinander verbunden, werden zur Todesfalle — für Wissenschaftler und Weltraumpiraten ...
Der dritte, völlig in sich abgeschlossene Band des Zyklus: DAS ZWEITE IMPERIUM DER MENSCHHEIT.
Klappentext TERRA

Menschen in Axars Reich - der Tod erwartet sie
Teaser TERRA ASTRA 462


Gary Viper, der Entdecker des Khorsabad-Virus und Protagonist des ersten Bandes, ist im System Axarnea verschollen, dessen Koordinaten niemand kennt. Als das Wrack der ECHNATON, Vipers Schiff, gefunden wird, geht eine Gruppe von Abenteurern auf Schatzsuche.

Axarnea ist ein Acht-Planeten-System, verbunden durch Transmitter. Auf einem der Planeten leben knuddelige Pelztiere - die eine tödliche Seuche übertragen. Alle Abenteuerer sterben, der letzte macht das Licht aus und sprengt die Planeten, um diese Gefahr für das Imperium zu bannen.

Auffallend sind hier die Ähnlichkeiten zur Perry-Rhodan-Serie. Allerdings sind diese nur äußerlich, vom Plot her. Szenerie und Erzählweise sind ganz anders als bei PR, so daß man sich, auch wenn man die ersten 150 Bände "Perry Rhodan" gelesen hat, nicht langweilt. Stilistisch ist der Roman auch wesentlich düsterer und es gibt keinen deus ex machina, der den Abenteurern hilft. Eine deutliche Abwechslung zu PR, wo man weiss, daß die Hauptprotagonisten nicht sterben können. (Man denke auch nur einmal an den Aufschrei bei Tekeners Tod.)

Auch dies ist wieder ein faszinierend erzählter Roman, wie oben gesagt wurde auch völlig in sich abgeschlossen. Dies unterscheidet diesen Zyklus eben von vielen anderen, es gibt keine durchlaufende Handlung. Und das macht die Geschichten nur um so besser, der bzw. die Helden werden nicht bis zum letzten Quant ausgelutscht, sondern es treten immer neue auf. Lohnt sich wirklich, dieser Zyklus.

Das zweite Imperium der Menschheit
Der Götze des Untergangs
DIm Licht der gelben Sonne
Das verlorene System


Dienstag, 1. Juli 2014

TERRA SF 347 - Poul Anderson : Raumfahrer, Vorsicht !


Poul Anderson : Raumfahrer, Vorsicht ! (Let the spacemen beware)
Terra SF 347, 12.06.1964
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1963, in kürzerer Form 1960 unter dem Titel "A Twelvemonth and a Day"
Aus dem Amerikanischem von Wulf H. Bergner
Titelbild : Johnny Bruck


Der Planet Gwydion erscheint auf den ersten Blick wie ein Paradies, und die dort lebenden Menschen wirken wie Engel.
Und doch verbergen sie vor den Raumfahrern der QUETZAL, die auf Gwydion zu Gast sind, ein schreckliches Geheimnis ...
Ein spannender SF-Thriller! Kurz: Ein echter Poul Anderson-Roman!
Klappentext des TERRA-Hefts

To the men of the starship Quetzal their task seemed routine: to establish diplomatic relations and enter into trade negotiations with the people of a newly discovered planet. Since to all appearances the folk of Gwydion were the most thoroughly amiable in all the galaxy - words for such concepts as war, theft, anger, murder and jealousy did not even exist in their language - there could hardly be a problem. But as the season changed on Gwydion, so did the people...
Klappenetext des SF-Gateway eBooks


At first this was a novelette called "A Twelvemonth and a Day." I revised and expanded it for book publication, whereupon the then editor stuck it with the ridiculous title "Let the Spacemen Beware". My thanks to Jim Baen, now in charge, for recognizing that readers have more intelligence than they were once given credit for having. In return, I admit that he's probably right in considering the original name too cumbersome; hence the new one.

Otherwise the tale is unchanged. It can stand alone, without reference to anything else. However, you may be interested to know that it does fit into the same "future history" as the Polesotechnic League and the Terran Empire. Nicholas van Rijn, David Falkayn, Christopher Holm, Dominic Flandry, and quite a few more characters lived in its past. Now the Empire has fallen, the Long Night descended upon that tiny fraction of the galaxy which man once explored and colonized. Like Romano-Britons after the last legion had withdrawn, people out in the former marches of civilization do not even know what is happening at its former heart. They have the physical capability of going there and finding out, but are too busy surviving. They are also, all unawares, generating whole new societies of their own.

I do not, myself, believe that history will necessarily repeat itself to this extent. Nor do I deny that it might. Nobody knows. Equally uncertain, at the present state of our knowledge, is the validity of some assumptions about human genetics and psychobiology which I made for narrative purposes. Here is just a story which I hope you will enjoy.
Vorwort von Poul Anderson zur 1978er Baen-Ausgabe

Eine lesenswerte Geschichte, in Poul Andersons Future History nach dem Fall des Empires von Dominic Flandry angesiedelt. Sie hat viele Facetten, die heutzutage vielleicht nicht mehr so ganz en vogue sind. Von daher bin ich mir nicht sicher, wie die Story auf jüngere Leser wirkt, ich habe sie aber wieder einmal genossen.

Ein zentraler Punkt der Geschichte ist das gegenseitige Un- und Mißverständnis der verschiedenen Kulturen, die hier aufeinandertreffen. Sandra Miesel sagt dazu im Nachwort der Baen-Ausgabe : The novel's plot is a-whirl with misinterpretations as the three central characters and the cultures they represent go spinning along in fruitless, uncomprehending pursuit of each other. They are like the three spokes of the triskelion Fire Wheel, tips curling in separate directions, destined never to link. " 'We have been making unconscious assumptions about each other,' "says Raven to his rival Tolteca at the novel's opening. This comment sets the scene for all that follows. Poul Anderson setzt diese Shakespearsche Tragödie in ein keltisch geprägtes Umfeld, auch seine Protagonisten sind in ihren Namen bereits schicksalhaft festgelegt. Es lohnt sich, hier einmal ein Quellenstudium zu betreiben und die keltischen Sagen in ihrer ursprünglichen Ausprägung mit der Interpretation von Anderson zu vergleichen.

In der Kulmination der Tragödie, als Raven den Heldentod stirbt, zeigt Anderson auch den tiefen Humanismus, den seine Geschichten auszeichnet. Seine Helden, von David Falkay über Holger Danske bis Diana Flandry, sind bei allem Heldentum nur allzu menschlich, mit allen Vorzügen und allen Fehlern. So auch hier in "Let the Spacemen beware" : Der Autor lehnt das rein rationale Lebensbild der Namerikaner ebenso ab wie die Rosarote-Brillen-Lebensweise der Leute von Gwydion. Nur derjenige, der neben dem Tag- auch sein Nachtgesicht kennt und als Teil seines Lebens akzeptiert, ist ein vollständiger Mensch - und kann sich, wie Raven, gegebenenfalls auch seinen Idealen opfern, um andere zu schützen.

Es ist heute nicht mehr gesellschaftlich akzeptabel, sich vor seine Mitmenschen zu stellen und sie zu beschützen, notfalls auch mit negativen Konsequenzen für die eigene Gesundheit. Damals, in den 60ern, als Poul Anderson die obige Geschichte schrieb, galten diese Ideale noch, Zivilcourage wurde durchaus großgeschrieben. Ich bin mit dieser Ideologie aufgewachsen, von daher hat mir das (Wieder-)Lesen
dieser Andersonschen Story viel Spaß gemacht. Für Jüngere, aufgewachsen in einer von Egozentrik und Ellenbogenmentalität dominierten Gesellschaft, dürfte diese Geschichte vielleicht etwas zu verstörend, in Teilen sicher unverständlich sein. Trotzdem würde ich sie jedem SF-Fan empfehlen, und sei es nur, um einmal eine andere Sicht der Dinge präsentiert zu bekommen.