Samstag, 12. November 2016

Peter Lancester : Das blaue Portal



Peter Lancester : Das blaue Portal
Die Chroniken der Anderwelten 01
Eldur-Verlag 2004
Paperback, 372 Seiten, 9,95 €
Titelbild : Peter Lancester
ISBN 3-937419-01-2


Eine Burg in Hessen zu Beginn der 80er Jahre. Sitz einer verschrobenen Adelsfamilie, deren jüngster Sproß die fünfzehnjährige Eva ist. Mit dem Auftauchen merkwürdiger Wesen im Keller hält der Wahnsinn im Gemäuer Einzug. Eine scheinbar unendlich in die Tiefe reichende Treppe führt zurück ins Mittelalter - und noch weiter, tief in das Herz uralter Sagen, Mythen und Legenden.

"Das blaue Portal" ist der Auftakt eines abgeschlossenen, fünfteiligen Epos um eine Parallelwelt, die mit der unseren eng verbunden ist. Die geheimen Zugänge sind in der ganzen Welt verstreut, doch nur wer die Bücher ihrer Erbauer besitzt, kann sie finden.
Klappentext

Wie das Cover vielleicht schon vermuten läßt, ist das keine sogenannte klassische Fantasy mit Elfen, Orks und Drachen in der Hauptrolle. Es streift eher die Bereiche der Phantastik und des historischen Romans. Zumindest dieser erste Band. Die späteren Teile werden sich der klassischen Fantasy etwas annähern, was Schauplätze und Figuren angeht, jedoch auf eine sehr eigenwillige Weise.

In seiner Gesamtheit befaßt sich das Werk neben allen vordergründigen Abenteuern immer wieder mit der beunruhigenden Frage, was den Menschen eigentlich zum Menschen macht, und ob Gottes Existenz wirklich eine so wünschenswerte Sache ist.
Verlagsinfo

"Keine klassische Fantasy mit Elfen, Orks und Drachen in der Hauptrolle" - nun ja, Urban Fantasy gab es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Romans schon mehrere Jahrzehnte. Nix Neues also. Eigenwillig kreierte Fantasywesen, in diesem Fall Mini-Pferde mit Händen statt Hufen : Auch nix, was ich nicht in dieser oder ähnlicher Form schon mal gelesen habe. Exotische Welten mit faschistischen Regimes : In der Fantasy altbekannt. Vom Plot und Szenario hat mich der Roman also nicht so vom Hocker gehauen. Altbekanntes neu vermengt. Aber gut vermengt.

Denn das ist der Vorzug dieses Auftaktromans eines über mehr als zehn Jahre geschriebenen Zyklus : Das Storytelling. Peter Lancester gelingt es, eine zumindestens für mich altbekannte Geschichte interessant und flüssig zu erzählen. Seine Charaktere sind detailliert beschrieben und gewinnen im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe. Der Wechsel zwischen der Moderne der 80er und den fast 600 Jahre früher geschehenen Ereignissen um Wilhelm von Grauenfels sowie die häufigen Perspektivenwechsel, in denen die Geschichte aus der Sicht der verschiedensten Protagonisten erzählt wird, machen das Buch schon zu einem Pageturner. Allerdings bleibt Peter Lancester im Mittel auf dem Niveau des Heftromans, diverse Ausschläge des Niveaus nach oben werden leider nicht weiter aufgenommen.

Die Geschichte ist also simpel, aber nicht trivial. Und gut erzählt, das kann man gar nicht oft genug betonen. Diverse humorvolle, erotische, zynische oder blutrünstige Episoden lockern die Geschichte auf und machen Lust auf mehr. Vielleicht ist der Stil an manchen Stellen etwas maniriert, aber mir hat der Roman insgesamt gefallen und ich bin einmal gespannt, ob sich die Geschichte in den nächsten Bänden noch zu neuen Höhen aufläuft. Daß ich gut unterhalten werde, weiss ich schon jetzt.

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