Samstag, 22. Oktober 2016

Martin Ulmer : Dunkellicht



Martin Ulmer : Dunkellicht
Papierverzierer 2014
Originalausgabe
Paperback, 425 Seiten, 14,95 €
ISBN 9783944544618
Leseprobe


Seit langer Zeit wahren die verfeindeten Bruderschaften des Lichtes und der Dunkelheit im Verborgenen das Gleichgewicht der Kräfte. Doch kurz vor der zweiten Jahrtausendwende droht beiden die Auslöschung, da Ordensbrüder ermordet werden oder spurlos verschwinden. Gejagt von den Söldnern des ominösen Büro 13 geraten Johannes Sturm, ein Krieger des Lichtes, und Antoine Chevallier, ein Gelehrter der Dunkelheit, gemeinsam zwischen die Fronten.

Hilfe erhalten sie von einem neugierigen Magiker und von der geheimnisvollen Ella, die sich den beiden auf ihrer Suche nach Antworten anschließen.
Mitten im Ruhrgebiet, in der Stadt Dortmund, kommt es zum letzten Gefecht, als auch noch eines der letzten Dunkellichtwesen in das Geschehen eingreift...
Klappentext

Passt !
Nämlich in meine Reihe der Klassiker-Lesungen, von denen "Dunkellicht" einiges mitbekommen hat. Das war schon nett, hat echt Spaß gemacht, den Roman durchzuschmökern. Aber der Reihe nach, angefangen mit dem Klappentext.

Denn selbiger Klappentext deutet darauf hin, daß der Autor nicht wirklich das Fantasy-Genre neu erfindet. Und nachdem ich den Roman gelesen habe, kann ich bestätigen, daß Ulmer das definitiv nicht tut. Plottechnisch gesehen ist "Dunkellicht" der übliche Standard.

Und auch die Erzählstruktur mit knappen, kurzen Sätzen habe ich schon mal gelesen. Erinnerte mich stark an Chandler und Hammett, wenngleich Ulmer noch nicht an ihre Ausdruckskraft heranreicht. Was sicher auch daran liegt, daß der Autor stark durch das klassische ebenso wie das moderne Hollywood-Kino geprägt ist, Tempo, Action und insbesondere der Cliffhanger erinnern den geneigten Leser schon sehr an seine Lieblingsfilme der letzten Jahrzehnte. [Sagte ich schon, daß das Buch nix für introvertierte Woody-Allen-Fans ist? Wenn nicht, sei das hier nachgeholt.] Und um ehrlich zu sein, hörte ich spätestens nach dem ersten Drittel des Romans Bogey als Stimme aus dem Off.

Während die Geschichte als bildhafter Action-Film im positivsten Sinne vor mir ablief. Denn bei aller Kritik (die kommt noch), eines muß man dem Autor lassen : Er versteht es, mitreißend einen gelungenen Action-Roman zu erzählen. Ganz überraschend – soviel hatte ich nun wirklich nicht erwartet – entwickelte sich "Dunkellicht" bei mir etwa nach dem ersten Viertel zum Pageturner, ich wollte jetzt wirklich wissen, wie es weitergeht. Und wie es endet, eigentlich. [Hier stelle man sich bitte einen durchdringenden Blick in Richtung des Autors vor. Sehr durchdringend !!!] Was unzweifelhaft auch daran liegt, daß mir im Gegensatz zu einigen Amazon-"Rezensenten" [Ich weiss schon, warum ich da nix zum Besten gebe. Perlen vor die Säue, aber echt!] weder das Multiversum als philosophisches Konzept neu ist, noch ich Schwierigkeiten mit dynamisch wechselnden Erzählperspektiven habe. Hatte also was, die Geschichte, mich erinnerte der Stil an die große SF der 60er und 70er.

Und da liegt auch mein einziger Kritikpunkt am Roman : Ebenso wie in diesen früheren Jahrzehnten sind die Protagonisten ziemlich oberflächlich dargestellt. Man erahnt zwar, daß da mehr ist, doch unsere vier Helden bleiben irgendwie in den Rollenspiel-Charakterklassen hängen. Daß Ulmer auch anders kann, zeigt er an den menschlichen Gegenspielern, die im Gegensatz zu Johannes, Antoine, Martus und Elsa überraschend detailliert geschildert werden. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, Steiner oder Dorn als tiefgründigen Charakter zu bezeichnen, aber ich fand sie schon detaillierter ausgearbeitet.

Nichtsdestotrotz stört diese oberflächliche Charakterschilderung in keinster Weise, der Roman bleibt spannend, ja vielleicht wäre eine differenzierte Charakter-Darstellung sogar irritierend gewesen. Ich habe jedenfalls lange keinen derartig angenehm kurzweiligen Trivialroman (im positivsten Sinne des Wortes) gelesen. Martin Ulmer konzentriert sich darauf, eine spannende Geschichte flüssig zu erzählen - und das ist genau die Eigenschaft, die den professionellen Autor vom Hobby-Schriftsteller unterscheidet. Ich werde mir auf jeden Fall die weiteren Romane von Martin Ulmer besorgen, gut erzählten Geschichten konnte ich noch nie widerstehen. Von daher : Mission accomplished. :-)

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