Montag, 19. Dezember 2016

Stefan Burban : Im Zeichen der Templer



Stefan Burban : Im Zeichen der Templer
Atlantis 2016
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 320 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Mark Freier
auch als Paperback und eBook erhältlich


1187 nach Christus.

Im Heiligen Land tobt ein erbitterter Kampf zwischen Salah ad-Din, bei seinen Feinden unter dem Namen Saladin bekannt, und den Kreuzfahrerstaaten unter der Führung von Guy de Lusignan, dem König von Jerusalem.

Nachdem Saladin das christliche Heer in der Schlacht bei Hattin vernichtend schlägt, ist der Weg frei, der Fall Jerusalems nur noch eine Frage der Zeit.

Der junge Tempelritter Christian d’Orléans wird tödlich verwundet auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Doch dort erfährt er größere Schrecken, als der Krieg ihm je hätte zeigen können. Eine dunkle Kreatur fällt über ihn her und macht ihn zu einem Wesen der Nacht – einem Vampir.

Schon bald darauf verdichten sich die Hinweise, dass hinter Saladins Invasion der Kreuzfahrerstaaten wesentlich mehr steckt als nur der Wunsch, Jerusalem zu erobern.

Hin und her gerissen zwischen dem mit seiner neuen Existenz verbundenen Blutdurst und dem Eid, den er seinen Brüdern vom Templerorden gab, macht sich Christian auf, die Verschwörung hinter dem blutigen Krieg im Heiligen Land zu ergründen, wohl wissend, dass er in eine verlorene Schlacht zieht …
Klappentext

Es gibt offenbar einen knallharten Wettbewerb zwischen Dirk van den Boom und Stefan Burban. In diesem geht es darum, pro Jahr möglichst viel Romane zu veröffentlichen. Dirk hat da zwar noch die Nase vorn, spannt aber unfairerweise seine Schwester Sylke Brandt mit ein, während Stefan heroisch als Einzelkämpfer vor sich hin schreibt.

Soweit die Verschwörungstheorie. Wenn man aber die Veröffentlichungsliste beider Autoren betrachtet, scheint diese Idee allerdings gar nicht so abwegig zu sein. Stefan Burban schreibt momentan Space Operas in Form der MilSF-Serien des Ruul- und Drizil-Zyklus. Und Fantasy in Form der Dämonenkrieg-Serie. Von jeder dieser drei Serien sind dieses Jahr ein bis drei Ausgaben bei Atlantis erschienen. Von den Battletech-Romanen bei FanPro einmal ganz abgesehen. Und jetzt beginnt er mit einer neuen Vampir-Serie – oder wird dies ein Einzelroman bleiben? Ich glaube es nicht, die Geschichte ist zwar schön abgeschlossen, das Setting bietet aber noch Stoff für diverse weitere Erzählungen.

Die ich auch gerne lesen würde. Denn neugierig wie ich war, habe ich mir den neuen Roman von Stefan Burban gleich nachdem er bei mir aufgeschlagen ist vorgenommen. Die Vampir-Darstellung ist nicht neu, hebt sich aber angenehm von dem kitschigen Geschmachte der Vampirschlampenromanen in der Nachfolge von "Twilight" ab. Burbans Vampire sind ursprünglicher, böser und unmenschlicher, der sie zu jeder Zeit beherrschende Blutdurst ist ein zentrales Thema. Doch auch sie haben die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu differenzieren, die Entscheidungsfreiheit dieser Wesen ist ein zentraler Punkt des Romans.

Was mir fehlte, ist der religiöse Aspekt der Verwandlung, der im Roman nur extrem kurz angerissen wird. Haben Vampire eine Seele und sind sie auch nach ihrer Transformation weiter Geschöpfe Gottes? Über diesen Aspekt geht Stefan Burban leider zu leichtfertig drüber hinweg, wenngleich die Geschehnisse an sich eben diese Frage durchaus beantworten könnten.

Aber das ist dann schon Kritik auf ganz hohem Niveau. Bis auf diesen mir persönlich fehlendem philosophischen Aspekt liest sich der Roman nämlich ganz hervorragend, Stefan Burban führt das Szenario der Kreuzzüge im Heiligen Land so gelungen ein, daß man sich schon nach wenigen Seiten in dieser Zeit und diesem Setting zuhause fühlt. Auch die Geschichte selbst ist spannend erzählt und hat zwischendurch sehr schöne überraschende Wendungen. Das Ende ist fast schon klassisch zu nennen.

Köstlich amüsiert habe ich mich allerdings über die Darstellung von Robin Hood, den ich – der ich sonst nicht so der Blitzmerker bin – bereits beim ersten Auftritt erkannte. Ein echt gelungener Gimmick, gerne wieder, gerne mehr von dem Kaliber.

Insgesamt also ein Romika-Roman : Reinlesen und sich wohlfühlen. Und wer noch ein Weihnachtsgeschenk in letzter Sekunde sucht, ist hier gut bedient.

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