Montag, 5. Dezember 2016

Guido Krain : Das Herz des Kriegers



Guido Krain : Das Herz des Kriegers
O.R.I.O.N. Space Opera 03
Arunya-Verlag 2015
Originalausgabe
Hardcover, 270 Seiten, 14,90 €
Titelbild und Innenillustrationen : Shikomo
ISBN 978-3-95810-004-6
auch als eBook erhältlich (4,99 €)


Die Erkenntnis, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, macht das Schicksal zuweilen erfinderisch.

Auch für eine erfahrene Besatzung ist es ein Abenteuer, mit seinem Raumschiff hunderte von Lichtjahren von Zuhause entfernt festzusitzen. Richtig unerfreulich wird es erst, wenn nicht nur jeder Kontakt nach Hause unmöglich ist, sondern auch jeder Rettungsversuch nur zu einem weiteren festsitzenden Raumschiff führen würde. Der Gipfel ist jedoch erreicht, wenn die einzig mögliche Hilfe von einem Todfeind kommen könnte, der Menschen als Haustiere hält und gegen den man wenige Tage zuvor noch um sein Leben kämpfen musste.

Für einen alten Krieger wird die Reise jedoch zu mehr als nur einem Abenteuer. Für ihn wird sie zu einer Irrfahrt in die Tiefen der eigenen Seele.
Klappentext

"Yep. irgendwann in den 80ern." Das war Guido Krains Antwort auf meine Frage, ob er in seiner Jugend Alfred Elton van Vogt und Philip José Farmer gelesen hatte. Das merkt man diesem Roman deutlich an. Und klassische Pulp-Titel dürfte er auch zur Genüge bewundert haben :
Raven hatte ein Oberteil an, dass man eher als Reklame bezeichnen konnte. Ihr Busen war hinter zwei reich verzierten gelborangen 'Muscheln' verborgen, aus denen lange goldene 'Zweige' wuchsen, die mit filigranen Ausläufern ihren Oberkörper schmückten. Waren die Dinger aufgeklebt? Pali war nicht einmal sicher, ob sie ein wenig durchsichtig waren oder nicht. Es war sehr hübsch, aber auch sehr unanständig. Das gleich galt für die Bekleidung - wenn man das so nennen konnte - von Ravens Unterleib. Sie trug einen langen, reichverzierten Lendenschurz, der nur an den intimsten Stellen undurchsichtig war. Um die schlanken Unterschenkel wanden sich elegante goldene Schlangen.
Für männliche Fans klassischer SF also ein unbedingtes Muß, dieser Roman. Denn der Harem, den Lorn sich da anlacht, hat durchaus etwas. Mir kam er nicht wirklich chauvinistisch vor, allerdings habe ich im Netz keine Rezension einer Frau gefunden, die dieses Thema beleuchtet. Am besten zusammengefasst hat das Ralf Steinberg in seinem privatem Blog : "Das Herz des Kriegers ist tatsächlich sehr extrem. Trotz aller ironischen Brechung und der bewussten Wahl, die Handlung größtenteils aus der Sicht des Machos zu erzählen, bleibt das ungute Gefühl in mir zurück, mich hier über die falschen Dinge zu amüsieren. Denn Spaß macht das schon. Auf eine unzivilisierte, böse, schmutzige Art. Doch das ist alles nur zur Unterhaltung gedacht. Ein kleiner SF-Quicky für zwischendurch."

Aber der Roman reduziert sich nicht auf puren Sex, Guido Krain gelingt es ebenso wie früher Farmer, diesen als wichtigen Bestandteil der Geschichte, jedoch nicht als alleiniges Plotelement darzustellen. Und so sind im "Herzen des Kriegers" die amüsanten Diskussionen zwischen Lorn und seiner KI ebenso enthalten wie der Sense of Wonder, der schon den Auftakt der Serie bildete. Die Entdeckung der Thauleen und ihrer gänzlich anders gearteten Gesellschaftsstruktur fand ich faszinierend. Ralf Steinberg schreibt dazu : "Dabei kreiert Krain eine Alien-Welt, die stark an das frühe Arkon der Perry Rhodan Serie erinnert. Ein uraltes Imperium, technologisch weit überlegen, jedoch am Rande der dekadenten Devolution. Feudale Machtspiele inklusive." Derartige Zivilisationen kenne ich auch aus früheren Geschichten als PR, bemerkenswert ist hier, daß es Guido Krain gelingt, gleichzeitig die absolute Andersartigkeit und die faszinierende Erotik der Thauleen darzustellen. Gerade dieser Sense of Wonder hat mich stark an die gute alte Science Fantasy eines A. E. van Vogt erinnert, schön, daß jetzt jemand diesen Aspekt der SF wieder aufnimmt.

Insgesamt hat mir der Roman ausnehmend gut gefallen. Irritierend fand ich die Haremsgeschichte, da musste ich erst die nächsten Romane abwarten, um zu sehen, ob mir das so wirklich gefällt. [Ja, tut es.] Aber auf jeden Fall ein herrliches Raumfahrergarn, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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