Samstag, 14. November 2015

LASSITER 2242 - Jack Slade : Der Killer ohne Gesicht



Jack Slade : Der Killer ohne Gesicht
LASSITER 2242
Originalausgabe
Titelbild : Boada/Norma


Dwight Ellis keuchte und schwitzte. Er peitschte seinen Rappen über den schmalen staubigen Pfad, schaute mehrmals gehetzt über seine Schulter, nur um sich zu vergewissern, dass sein Verfolger ihm immer noch an den Fersen klebte.

Das Herz pochte Ellis bis zum Hals. Er wusste, dass er seinen Jäger nicht abschütteln konnte. Hundert Meilen war der Fremde von Santa Fé aus seiner Fährte gefolgt und der Abstand hatte sich zunehmend verringert. Jetzt würde er ihn bald eingeholt haben - und einer von ihnen würde diese Begegnung mit dem Leben bezahlen!
Intro

Facebook ist für einen Buch- und Autoren-Nerd wie mich nicht ganz ungefährlich. Obwohl ich hauptsächlich Science Fiction und Fantasy lese, kommen in der Gruppe "Heftromane" doch auch alle anderen Genres vor. Man liest dort von SF&F ebenso wie von Horror, Western, Mystery, teilweise auch Liebesromanen, Piraten- und Abenteuergeschichten und und und. Ist ganz interessant, auch periphere Genres (von meinem Standpunkt aus gesehen) zeigen ja teilweise faszinierende Entwicklungen.

Und wenn man in so einer Gruppe ist, kommt man ja fast schon zwangsläufig ins Gespräch mit den anderen Lesern und Autoren. Was beispielsweise Thomas Jeier oder Alfred Wallon [Von dem habe ich immer noch einen Roman auf Halde liegen, ich muß den endlich mal lesen!] zu sagen haben, ist eigentlich immer lesenswert. Auch sonst erhält man von beiden Seiten teilweise sehr präzise Einblicke in andere Genres und andere Serien.

Ich selber habe schon immer quer durch alle Genres gelesen, heute lese ich zwar hauptsächlich, aber nicht nur SF&F. Wobei ich darunter durchaus auch die Phantastik eines Gunter Arentzen ("Die Schatzjägerin" & "Christoph Schwartz") subsummiere, Berührungsängste hab' ich da nicht wirklich. Und zwischendurch geht's auch immer mal in andere Genres rein, Abwechslung schadet nicht. So kam es auch, daß ich mich in eine LASSITER-Diskussion (mehr oder minder unqualifiziert, den letzten hab' ich vor dreißig Jahren gelesen) einmischte und auf jemanden mit dem Namen "Des Romero" stiess. "Jack Slade" ist ein Verlagspseudonym, Des Romero der eigentliche Autor des vorliegenden Romans. Ich war neugierig, wie sich denn die Serie in den Jahrzehnten nach meiner letzten Lektüre entwickelt hat und bin jetzt im Besitz eines signierten (!) und gelesenen Lassiters der Moderne.

"Lassiter" ist eine ursprünglich US-amerikanische Western-Serie (ja, es gibt auch Übersetzungen), die 1972 von Bastei eingekauft und seit dieser Zeit in Deutschland weiterentwickelt wurde. Zusammen mit "Ronco" war sie damals die Abkehr vom klassischen Western im "Rawhide"-Stil und die Hinwendung zum literarischem Italo-Western à la "Für eine Handvoll Dollar". ["Going to Europe for Recreation" galt offenbar nicht nur für Schauspieler.] Von den klassischen Western unterscheidet sich Lassiter aber hauptsächlich durch die Tatsache, daß der Held sich nicht nach der Heroine verzehrt, sondern immer Zeit für einen Quickie hat. Sex sells, und der Sex bei Lassiter verkaufte sich schon immer. Mit mehr oder minder deutlichen Sex-Szenen wurde die nie wirklich aufregende und stark schematisch ablaufende Handlung deutlich aufgepeppt, so daß Lassiter sich mit diesem Mehrwert bis heute halten konnte.

So auch hier, die eigentlich Handlung ist mehr Staffage. Im Gegensatz zu meinen Lieblings-Western-Autoren, G. F. Unger und Lois L'Amour, ist die Handlung eher profan. Das ist aber auch der auf 64 Seiten abgeschlossenen Geschichte geschuldet, es lässt sich in dieser Form einfach nicht mehr darstellen. Dabei wird der Held selber schon recht gut charakterisiert, Klischees weitestgehend vermieden. Was ich persönlich aber wirklich bemerkenswert fand, waren die beiden expliziten Sex-Szenen, die auf diesen 64 Seiten vorhanden sind. Während die frühen Lassiter noch in den Bereich "Erotik" passten, kann man dieses Heft durchaus als "Porno" bezeichnen. Des Romero geht da hart zur Sache, explizit, deutlichst, ausführlich - und an keiner Stelle vulgär. Ein gelungener Balanceakt, wie ich finde. Wenn die anderen Lassiter-Ausgaben auch von diesem Niveau sind wundert es mich nicht, daß sich die Serie bis heute gehalten hat.

"Lassiter" ist reine "Gebrauchsliteratur", lesen, sich amüsieren und vergessen. Aber - und da unterscheidet sich die Serie von vielen Möchtegern-Anspruchsvollen in der SF&F - gut und flüssig geschrieben, trivial zwar, doch an keiner Stelle billig. Ich habe mich sehr amüsiert und zu keiner Zeit den Eindruck von verschwendeter Lebenszeit. Im Gegenteil, ich fand es angenehm, daß ein Held meiner Jugend heute immer noch durch die Betten tobt und immer noch begeistert geschrieben und gelesen wird. Besser als die n-te Unger-Neuauflage seiner suboptimalen Romane ist Lassiter allemal, wer sich für moderne Genre-Serien interessiert, sollte hier in jedem Fall einmal reingucken.

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