Freitag, 17. Januar 2014

Perry Rhodan 2725 - Christian Montillon : Preis der Gerechtigkeit


Christian Montillon : Preis der Gerechtigkeit
Perry Rhodan 2725, 08.11.2013
Originalausgabe
Titelbild : Dirk Schulz


Das Attentat auf Vetris-Molaud wird vorbereitet.
Details

Christian Montillon blendet vom Sol-System um zu den Tefrodern. Hier versucht der Widerstand gegen Vetris-Molaud ein Attentat vorzubereiten, mehr oder minder williger Attentäter ist der Tomopath Schechter. Schön werden hier Details der tefrodischen Gesellschaft geschildert, aufgrund der Platzbeschränkung bleibt es leider oberflächlich. [An solchen Stellen fehlen die Planetenromane, in denen gerade solche Themen, die in der EA zwangsläufig zu kurz kommen müssen, in der Vergangenheit teilweise herausragend aufbereitet wurden.] Die Idee mit der Simulation des Attentats durch die Messinghaube ist zwar etwas sehr "Enterprise-Holodeck", passt aber in den weiteren Verlauf gut hinein. Man merkt auch, daß frühere, scheinbar nebensächliche Handlungsstränge, für die Geschichte unentbehrlich waren, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Perry Rhodan 2724 - Wim Vandemaan : Zeitzeuge der Zukunft


Wim Vandemaan : Zeitzeuge der Zukunft
Perry Rhodan 2724, 31.10.2013
Originalausgabe
Titelbild : Dirk Schulz


In einem Gerichtsverfahren, das einer Farce gleicht, verurteilt der Atope Matan Addaru Dannoer Perry und Bostich zu 500 Jahren Gefängnis. Während der "Untersuchungshaft" erhält Perry erste Ideen zu den eigentlichen Motiven der Atopen.
Details

Eigentlich ein nicht weiter bemerkenswerter Roman, der die Handlung massiv nach vorne treibt und neue Höhepunkte vorbereitet. Es plätschert alles so vor sich hin - und langweilt in keinster Weise. Und das ist das Bemerkenswerte dieses Expokraten-Romans, er ist schon ein Pageturner, ohne den Kollegen "etwas wegzunehmen". Man merkt so ein bißchen, daß hier ein Expokrat Leitlinien für die folgenden Romane auslegt, früher hätte Scheer sich solche Romane vorbehalten. Macht auf jeden Fall neugierig auf die Folgeromane.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Perry Rhodan 2723 - Michael Marcus Thurner : Nur 62 Stunden


Michael Marcus Thurner : Nur 62 Stunden
Perry Rhodan 2723, 25.10.2013
Originalausgabe
Titelbild : Alfred Kelsner


Zusammen mit dem TLD sucht Gucky den entführten Bostich. Zwar kann er Toia Zindher gefangennehmen, doch Bostich finden sie nicht. Auch aus diesem Grund stellt sich Perry Rhodan dem Atopischen Tribunal, nachdem diese Forderung der Entführer erfüllt ist, entlassen sie Bostich ebenfalls in die Obhut der Atopen und flüchten nach Neu-Tefrod.
Details

Da isser wieder ! Unser Mann im All, der Sofortumschalter. Der Captain, der sich von der Teilnahme an gefährlichen Aktionen noch nie abhalten liess. Und so begibt sich Perry ganz bewusst, willentlich und auch ohne die Erpressung der tefrodischen Mutanten schon dazu entschlossen, in die Gewalt der Atopen, um sie auszuspionieren und endlich aufzuklären, was hier eigentlich abgeht. Das entspricht nicht dem gesellschaftlichen Konsens des Deutschland von 2013, mein Prä-Jahrtausend-Herz jubelte aber ob dieser individuell unklugen Entscheidung. Man merkt vielleicht, daß ich diesen Twist hier für sehr gelungen halte.

Aber der Roman hatte für mich persönlich noch eine andere Überraschung parat : MMT kann Gucky. Und ich dachte immer, das wäre eine Domäne von Leo Lukas, der – so sehr ich den Überallzugleichtöter auch geliebt habe – bisher der einzige war, der die depressive Einsamkeit des letzten Ilt für mich darstellen konnte. Wobei sich dies auf die Hefte seit 2500 beschränkt und mein persönlicher, absolut individueller und in keinster Weise objektivierbarer Eindruck war. Aber MMT kann das auch, einmal mehr ein Markenzeichen für die Qualität zeitgenössischer PR-Autoren. Aber zu Gucky sage ich noch extra etwas hier im Blog. Und zu den PR-Autoren ebenfalls.

Dienstag, 14. Januar 2014

Perry Rhodan 2722 - Michael Marcus Thurner : Altin Magara


Michael Marcus Thurner : Altin Magara
Perry Rhodan 2722, 18.10.2013
Originalausgabe
Titelbild : Swen Papenbrock


Bostich erhält Asyl auf Terra. Zusammen mit Ronald Tekener als seinem Leibwächter versteckt er sich vor dem Atopischen Tribunal und den Onryonen. Von dem tefrodischem Mutantenkorps aufgespürt wird Bostich entführt und Tekener getötet.
Details

Der Vorteil, wenn man die Romane so wie ich erst Wochen nach ihrem Erscheinen liest, ist, daß man genug Zeit hatte, sich eine eigene Meinung zu bilden, ohne die der anderen PR-Fans zu vernachlässigen. Das ist insbesondere bei diesem Roman der Fall, in dem Tekener stirbt.

Hier wurden massive Beschwerden laut, die teilweise bis ans Unverschämte grenzten. Denn Tekener war vielen Altlesern ans Herz gewachsen. Er war gerade in den ersten 200 Heften von "Atlan" einer der Haupt-Sympathieträger, sein Wechsel in Heft 680 zur EA wurde damals von vielen Lesern begrüsst. Mit den Jahren erwuchs ihm eine relativ große Fangemeinde unter den Lesern.

Doch die Figur des Tekener ist für die PR-Autoren nicht unproblematisch, auch und gerade von ihrer Anlage her. Denn "der Captain geht nicht auf gefährliche Agentenmissionen, er schickt stattdessen seinen besten Mann". Und so wurde Tekener nach dem Vorbild der Atlan-Figur modelliert und übernahm in der PR-Schwesterserie sozusagen auch dessen Part. Beide Figuren zusammen in der EA zu führen und sie trotzdem voneinander abzugrenzen war für die Autoren noch nie so ganz einfach, meistens hat es nicht wirklich funktioniert.

Michael Marcus Thurner hat ihm einen würdigen Abgang verschafft. Mitten im Geschehen stirbt Tekener en passant, nicht als kitschiger Heroe, sondern als Profi, der bei einer Aufgabe sein Bestes gibt, doch aufgrund der Umstände und seiner humanistischen Gesinnung wegen von einem würdigem Gegner besiegt wird. Kein Kitsch, kein Pathos, keine Heldenfanfaren, nur Blut, Dreck und Schmerz. Das passt.

Mir hat dieser Roman aus mehreren Gründen gefallen. Einmal der würdige Tod Tekeners, eine Szene, die die Gefahr, in der PR und seine Freunde stecken, einmal mehr deutlichst darstellt. Natürlich hätte das vermieden werden können, hätte Bostich nicht so scheinbar irrational gehandelt. Aber auch an den Aktionen des Imperators wurde deutlich, wie stark die Atopen in das Leben der Galaxis eingegriffen hatten. Und auch die Szenerie hat mir ausnehmend gut gefallen, eine (im wahrsten Sinne des Wortes) phantastische Darstellung der Zukunft. Und, last but not least, die Darstellung des tefrodischen Mutantenkorps. Profis ebenso wie die SolAb vor Hunderten von Heften hatte ich eigentlich nie Zweifel, daß sie Bostich und Tekener erwischen. Faszinierende Figuren, die vier, bedauerlich (aber bei den Gegenspielern auch realistisch), daß sie in diesem Heft auf drei, im nächsten auf zwei reduziert wurden.

Montag, 13. Januar 2014

Stefan Burban : Im Angesicht der Niederlage



Stefan Burban : Im Angesicht der Niederlage
Ruul-Konflikt 6
Atlantis 2013
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 280 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Allan J. Stark
auch als Paperback (13,90 €) und eBook (8,99 €) erhältlich


Der Krieg eskaliert.

Die Ruul drängen an allen Fronten gegen die Verteidigungslinien der Koalition und man ist nur mit Mühe in der Lage, die Stellungen zu halten. Aufgrund der hohen Verluste an Personal und Material sind Menschen und Til-Nara gleichermaßen händeringend auf der Suche nach neuen Verbündeten.

Zu diesem Zweck laden sie die Delegationen mehrerer anderer Völker zu einer Konferenz ins MacAllister-System ein, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Ruul zu beraten.

Doch diese wissen über die Tagung und deren Ziel längst Bescheid und schmieden ihre eigenen dunklen Pläne.

Und noch während die Konferenz tagt, holen die Ruul zu einem vernichtenden Schlag aus ...
Klappentext

Wie der Vorgängerband eine nette Mischung aus Military SF und Geheimdienst-Szenarios. Stärker noch als bisher treten die politischen und ökonomischen Aspekte in den Vordergrund. Die Motivation und die gänzlich andere Gesellschaft der Ruul wird deutlich, es bleibt abzuwarten, inwieweit Stefan Burban diese Idee noch ausbaut.

Ich hatte ja schon früher angesprochen, daß die Unterschiede zwischem den Ruul-Konflikt und dem Drizil-Zyklus doch erheblich sind. Im Drizil-Zyklus ist das terranische Hoheitsgebiet bereits zu Beginn fast vollständig unter der Kontrolle der Invasoren, dies erinnert eher an "Eine Reise alter Helden". Im Ruul-Konflikt stehen die Invasoren einem organisatorisch menschlichen und mehreren angeschlagenen, aber im Wesentlichen noch intakten außerirdischen Gemeinschaften gegenüber. Bei den Ruul ist die technologische Kapazität halbwegs ausgeglichen, während bei "Der letzten Bastion" die Drizil terranischen Schiffen deutlichst überlegen sind. Auch konzentrieren sich die Ruul-Romane auf Agentenstories, während es bei den Drizil (soweit man das von dem ersten Roman schließen kann) hauptsächlich um den Militärapparat zu gehen scheint. Von daher ist es für den MilSF-Fan kein Problem, beide Romanzyklen parallel zu lesen.

Sonntag, 12. Januar 2014

Stefan Burban : Bedrohlicher Pakt


Stefan Burban : Bedrohlicher Pakt
Ruul-Konflikt 5
Atlantis 2013
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 280 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Allan J. Stark
auch als Paperback und eBook verfügbar


Sturmwolken des Krieges ziehen erneut am Horizont auf. In dieser Zeit des Umbruchs reist Captain Jonathan Clarke vom MAD auf die Frontwelt Starlight, um den untergetauchten Verbrecher Aaron Leech ausfindig zu machen. Was zunächst wie ein einfacher Routineauftrag aussieht, entpuppt sich schnell als gefährliches Wettrennen, denn plötzlich zeigen auch die Ruul reges Interesse an dem Flüchtigen. Und der Preis des Wettrennens ist das gesamte Starlight-System ...
Klappentext

Eine nette Mischung aus Agenten-SF à la James Bond und klassisch-typischer MilSF mit Raumschlachten und ähnlichem. Stefan Burban gelingt es hier, die Bedrohung durch die Ruul an den Reaktionen von Politikern zu schildern, die für eine Welt verantwortlich sind. Man erkennt auch deutlich, daß es hier bei den verschiedensten Reaktionen verantwortungsbewusster Menschen, seien es nun heroische Verteidiger des terranischen Imperiums oder fiese Kollaborateure, nicht wirklich ein einfaches Schwarz/Weiß gibt, daß es durchaus unterschiedliche, ethisch gleichberechtigte Reaktionen auf eine Bedrohung wie die durch die Ruul geben kann. Als realistisch überlebensfähig und ideal wird der Widerstand gegen derartige Bedrohungen dargestellt - und das deckt sich ja auch deutlich mit der historischen und aktuellen Realität des tatsächlichen Lebens. Von daher ein durchaus lesenswerter Roman, auch wenn man sich fragt, wann sich der Konflikt denn endlich weiterentwickelt. [Morgen, "Im Angesicht der Niederlage" :-)]

Samstag, 11. Januar 2014

Martin Kay : Kampf um Thardos



Martin Kay : Kampf um Thardos
Atlantis 2013
Originalausgabe
Titelbild : Emmanuel Henné
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 340 Seiten, 16,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich


Der Planet Thardos wird von einer fremden Macht überfallen. Nur mit Not gelingt es, einen Hilferuf in die Weiten des Alls zu entsenden. Doch das Signal benötigt fünfhundert Jahre, ehe es einen Außenposten der terranischen Kolonien erreicht. Als eine Flotte terranischer Schiffe das Ziel erreicht, müssen die Retter erkennen, dass sie nicht die Einzigen sind, die dem Notruf nachgingen. Der Planet hat sich in einen Hexenkessel verwandelt, in dem ein Konflikt um ein mysteriöses Element tobt.

Lieutenant Lance Calhern, gerade erst zum Sonderkommando PRIME versetzt, findet sich mitten in den Unruhen dreier verfeindeter Alien-Rassen auf einer fremden Welt wieder. Seine Mission: die Rätsel um das verschwundene Volk der Ureinwohner des Planeten und um das heimische Element Reamadin zu lösen. Dabei ahnt er nicht, dass er selbst ein Geheimnis in sich trägt, das den Kampf um Thardos nach langer Zeit entscheiden kann.
Klappentext

Der letzte Twist ist Mist. Da hat sich Martin Kay von seiner Thriller-Begeisterung hinreißen lassen. Das ist aber auch das Einzige, das ich an diesem Buch auszusetzen habe. Nachdem die Menschen jahrelang nach Außerirdischen gesucht haben, finden sie nicht nur eine, sondern vier außerirdische Rassen. Drei davon bekämpfen die vierte Rasse, die ein sich selbst reproduzierendes Element gefunden haben. Gießt man es einmal in eine Form, stellt es diese Form auch nach totaler Zerstörung wieder her. Das sind natürlich alle ziemlich scharf drauf ...

Soweit die Ausgangslage, von der aus Martin Kay einen überaus hervorragenden Roman entwickelt. Die Rassen sind teilweise zwar sehr menschenähnlich, agieren auch fast menschlich, doch das tut dem Sense of Wonder, den dieser Roman auf jeder Seite verströmt, keinen Abbruch. Vordergründig einfache Military SF, ist "Kampf um Thardos" eher eine legitime Fortsetzung der klassischen Enterprise-Serie, "to boldly go where no man has gone before". Und das Unerwartete, die Exotik, ist auch das, was den geneigten Leser diesen Roman nicht aus den Händen legen lässt. Dabei schafft Martin Kay es, auf primitive Schwarz/Weiß-Malerei komplett zu verzichten, niemand ist "böse", der Interessenskonflikt um das Reamadin ist eben genau das, was der Name sagt : Ein Gegensatz gleicher bzw. unterschiedlicher Interessen, den jeder für seine Rasse optimal gelöst sehen möchte.

Die Exotik wird auch durch einzelne rassenspezifische Gimmicks und Gadgets forciert. So besteht eine Rasse aus Pflanzenwesen, die den Terranern, die auf die Möglichkeiten einer solchen Lebensform nicht vorbereitet sind, gehörig einheizen. Eine weitere Rasse hat ein fünfdimensionales Teleportationsfeld entwickelt - das allerdings erst einmal eine Kartierung braucht, um zu funktionieren. Und gegen Ende reisst Martin Kay auch eine Utopie im Stile Thomas Morus an, denn was passiert, wenn es keine Abnutzung mehr gibt ? Richtig, Arbeit wird ziemlich überflüssig. Und so durchzieht der Sense of Wonder das gesamte Buch, man ist immer wieder gespannt, was als nächstes passiert, welches Faszinosum der Autor auf den Folgeseiten präsentiert.

Dabei bleibt das Buch spannend, Martin Kay gelingt es, MilSF, Thriller und Star Trek-SF miteinander zu kombinieren. Das macht (mir) Spaß, ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung, ich werde es auch für den DSFP nominieren.

Freitag, 10. Januar 2014

Martin Kay : Kalte Spuren



Martin Kay : Kalte Spuren
Atlantis 2012
Originalausgabe
Titelbild : Mark Freier
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 408 Seiten, 19,90 €
auch als Paperback erhältlich


Ein ganzes Leben kann an einem einzigen Tag völlig umgekrempelt werden, ein Weltbild aus den Fugen geraten. Diese Erfahrung muss auch Eileen Hannigan machen. Ihre Karriere als Agentin von Homeland Security endet abrupt, als ihr Partner getötet wird und Eileen sich auf der Liste amerikanischer Staatsfeinde an erster Stelle sieht. Sämtliche Bundesbehörden der Vereinigten Staaten eröffnen die Jagd auf sie. Ihr einziger Verbündeter scheint ein mysteriöser General zu sein, der behauptet, Eileen wäre vor Jahren Teilnehmerin an einem streng geheimen militärischen Experiment gewesen. Die Sache hat einen Haken: Eileen kann sich nicht daran erinnern.

Eine geheime Organisation. Undurchsichtige Geldgeber. Widersprüchliche Ziele. Ein Netz aus Intrigen und uralten Rätseln. Geheimnisse der Vergangenheit.

Eileen Hannigan steht nahezu allein auf weiter Flur, als sie versucht mehr über die Drahtzieher der Organisation und ihrem Erzfeind, dem Syndikat Gaia's Dawn, herauszufinden. Eine Handvoll gefälschter Ausweise, eine unerschöpfliche Kreditkarte und die Assistentin des Generals, Gwendolyn Stylez, sind die einzigen Mittel mit denen sie sich gegen den Rest der Welt behaupten muss.
Klappentext

Also wer Verwirrspiele, heutzutage "Thriller" genannt, mag, ist hier genau richtig. Nix ist so, wie es scheint und über allem liegt ein mysteriöses Geheimnis. Martin Kay schlägt in diesem Roman mehr Haken, als ein Fuchs bei der Flucht vor den Jägern. Wer also eine straightforward erzählte Geschichte sucht, ist hier absolut falsch, hier muß man auch als Leser derart um die Ecke denken, daß sich einem die Gehirnwindungen verknoten. Wer Derartiges mag, ist mit "Kalte Spuren" hervorragend bedient.

Donnerstag, 9. Januar 2014

TERRA SF 269 - Clifford D. Simak : Der Mond-Prospektor


Clifford D. Simak : Der Mond-Prospektor (The Trouble with Tycho)
Terra SF 269, 25.01.1963
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1961
Aus dem Amerikanischem von Heinz Zwack
Titelbild : Karl Stephan


Jahre bevor Arthur C. Clarke einen myteriösen Monolithen im Mondkrater Tycho verortete, hat Clifford D. Simak dort bereits seine exoterrestrische Lebensform angesiedelt. Im Gegensatz zu Clarke bleiben Simaks Protagonisten allerdings mehr als irdisch. Stark den Pulp-Magazinen verhaftet erzählt Simak die Geschichte von Chris Jackson auf der Suche nach dem großem Fund auf dem Mond. Und bringt (natürlich?) auch eine weibliche Schatzsucherin mit hinein, so daß die herrlich schmalzige Liebesgeschichte sich entfalten kann. Eine ziemlich dünne Story ? Stimmt, trotzdem ist der Roman heute noch lesbar, tatsächlich hat er wenig von seinem Charme verloren. Dies liegt an den vielen Details, die Simak in die Geschichte integriert hat. Etwa das "Waschen" eine Raumanzugs durch das Vakuum, die finanzielle Versorgung von Chris Jackson durch die Honoratioren seines Heimatdorfes undsoweiter undsofort. Diese Details geben dem Roman einen unverwechselbaren Stil, ein typischer Simak eben.

Dies ist übrigens die einzige deutsche Ausgabe der Geschichte, Nachdrucke als Taschenbuch oder in Samplern existieren nicht. Ich sollte wohl mal eine Aufstellung aller Romane machen, die genau und nur als Heftroman erschienen sind.

Mittwoch, 8. Januar 2014

TERRA SF 266 - W. W. Shols : Der große Zeitsprung


W. W. Shols : Der große Zeitsprung
Der prokaskische Krieg 2
Terra SF 266, 11.01.1963
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1959
Titelbild : Johnny Bruck


Das GEHIRN, das an der Spitze der terranischen Regierung steht, hat Perry Barnett selbst den Auftrag erteilt: Mit dem Raumschiff CORA und zwei PROKAS an Bord den Sitz der prokaskischen Regierung anzusteuern und einen Vorschlag zur Beendigung des seit Jahrhunderten tobenden galaktischen Krieges zu unterbreiten.

Aber das Unternehmen mißglückt. Durch unbekannte Kräfte wird die CORA zur Landung auf einem Planeten, der außerhalb des galaktischen Systems liegt, gezwungen. Die Etaner, intelligenzmäßig Menschen und Prokas weit unterlegen, besitzen die unvorstellbare biologische Fähigkeit, in eine andere Zeit zu wechseln, sooft sie es wollen. Es ist eine Welt, wie sie sich die Bewohner der heimischen Milchstraße, ob Prokas oder Menschen, überhaupt nicht vorstellen können.

Ein Besatzungsmitglied nach dem anderen verschwindet vor den Augen seiner Freunde - Perry Barnett steht dem unheimlichen Geschehen fast allein gegenüber. Wird auch er den großen Zeitsprung tun müssen? Wird man auch ihn sezieren und in vervielfältigter Form wiederherstellen, wie es schon mit seinen Freunden geschah? Oder hat er noch eine Chance, mit dem Rest seiner Mannschaft und seinem Raumschiff CORA zur Erde zurückzukehren?
Klappentext des DÖRNER-Leihbuchs

Sehr modern für 1959, kein Wunder, daß Shols Anfang der 60er so bekannt war. Es gelingt ihm auch in diesem Roman das Wechseln zwischen verschiedenen Zeitebenen für den Leser transparent und in sich konsistent darzustellen. Dabei ist der Roman auch überraschend innovativ, viele einzelne kreative Ideen verbinden sich zu einem großem Ganzen. Zwar in der Darstellung der Charaktere etwas altbacken, aber trotzdem meines Erachtens auch heute noch lesenswert.

Auch hier ein Wort zu den Veröffentlichungen : Die Geschichten erschienen Anfang der 60er als Leihbuch und in gekürzter Version bei UTOPIA und TERRA. Der obige Roman ist Band 2 der Serie, nicht Band 1, wie der Cover-Aufdruck suggeriert. Band 1 erschien bei UTOPIA, was man bei TERRA offenbar ignorierte. Vierzig Jahre später, 2000 und 2001, brachte der Mohlberg-Verlag den gesamten Zyklus in zwei Paperbacks als 001 und 003 seiner Serie "Utopische Welten" heraus. Eine sehr empfehlenswerte Ausgabe, Fans klassischer deutscher Vor- und Nachkriegs-SF kommen - wie man an diesem Beispiel wieder einmal sieht - um den Mohlberg-Verlag nicht vorbei.

Dienstag, 7. Januar 2014

TERRA SF 265 - A. E. van Vogt : Das andere Gesicht


Alfred Elton van Vogt : Das andere Gesicht (The Mind Cage)
Terra SF 265, 04.01.1963
gekürzter Nachdruck des Leihbuchs von 1959
Aus dem Amerikanischem von Jesco von Puttkamer
Titelbild : Johnny Bruck


Wade Trask, der große Wissenschaftler, hat Geheimnisse der Natur entdeckt, die die Weltanschauung des Jahres 2140 n. Chr. völlig umwerfen. Die Gruppenidee, vom Diktator und Weltbeherrscher aufgestellt, hat sich nach seinen Experimenten als unmöglich erwiesen. Doch man glaubt ihm nicht. Zu stark unterscheidet sich seine Theorie von der angewandten Praxis dieser Zeit - zu revolutionär sind seine Ideen. Er wird aufrührerischer Umtriebe für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Doch hat man nicht gewußt, wie weit Trask mit seinen Experimenten inzwischen vorgeschritten ist. Was nutzt ein Todesurteil gegen einen Mann, der seinen Geist in den Körper eines anderen übertragen kann? Nur David Marin kommt allmählich hinter die Gedanken des Wissenschaftlers. Doch da scheint es bereits zu spät, da hat Trask bereits Marin aus Trask und Trask aus Marin gemacht. Marin steckt mit seinem Geist, seinen Erinnerungen im Körper von Wade Trask und umgekehrt. Kann David in sein eigenes Ich zurückfinden?
Klappentext des DÖRNER-Leihbuchs

Eine sehr chaotische Geschichte, in der van Vogt seine Leidenschaft für Körpertausch-Stories bis zum vollkommenen Unverständnis des Lesers auslebt. Obwohl andere Autoren dieses Thema auch behandelten ("I will fear no evil" von Heinlein beispielsweise) war A.E. van Vogt der unbestrittene Meister dieser Thematik. Allerdings sind seine späteren Romane besser ausgeführt, diesem hier fehlt vollkommen die Logik hinter dem Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen.

Interessant ist die Veröffentlichungshistorie in Deutschland. "The Mind Cage" wurde erstmalig in der Übersetzung von Jesco von Puttkamer 1959 als Leihbuch veröffentlicht, 1963 in gekürzter Form als TERRA 265. Im selben Jahr wurde er als "Die Denkmaschine" in der Übersetzung von Tony Westermayr bei Goldmann veröffentlicht, als Z42 und als Taschenbuch. Erstmalig wieder ungekürzt wurde dieser Roman dann erst 1985 bei Bastei im van Vogt-Sampler (SF Special 24077) in der Übersetzung von Bernd Müller. Warum dieser Schmarrn so oft wiederaufgelegt wurde, während andere, deutlich bessere Romane nach ihrer Veröffentlichung bei TERRA in der Versenkung verschwanden, bleibt mir verborgen.

Montag, 6. Januar 2014

TERRA SF 264 - Hans Kneifel : Die Gilde der Mutanten



Hans Kneifel : Die Gilde der Mutanten
Terra SF 264, 28.12.1962
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Statt eines Klappenetxtes hier den Scan der LKS dieses TERRA-Hefts, in der Kneifel selbst einiges zum Roman sagt :

LKS TERRA 264

Der Roman wendet sich energisch gegen die Rassendiskriminierung, die damals, Anfang der 60er, noch in keinster Weise überwunden war. Ausgangspunkt ist die Mutation von Raumfahrern durch kosmische Strahlung, so daß eine eigene Kaste von Mutanten entsteht, gegen die sich der Rest der Welt energisch abschottet. Kneifel zeigt in seinem Roman die inhumane und heuchlerische Gesinnung der Abschottungsparteien auf und lässt die Mutanten zu Rettern der Welt gegen (hirnlose) Außerirdische, die Kolonien überfallen und alles Leben dort auslöschen, werden.

Interessant ist, daß Kneifel den Roman mit vielen indischen Elementen angereichert hat, meiner Meinung nach um dem Kastengedanken mehr Gewicht zu verleihen. Und ich finde die Widmung am Ende ebenfalls sehr interessant :

Dieser Roman wurde nach einer Idee von Günter M. Schelwokat geschrieben.

Wie auch die Einleitungs-LKS zeigt, hat Schelwokat massiven Einfluss auf die Autoren gehabt und Kneifel gerade am Anfang sehr stark unter seine Fittiche genommen. Es wäre interessant, diesen Einfluß in den 60ern bei TERRA mit dem Einfluß des Perry-Rhodan-Redakteurs des neuen Jahrtausends zu vergleichen. Denn hier wie da scheint es mir, oftmals außerhalb der offiziellen Seriengeschichte, gewisse Key Player zu geben, deren Beitrag zu den Serien stark unterschätzt wird.

Sonntag, 5. Januar 2014

Sharon Lee / Steve Miller : I Dare



Sharon Lee / Steve Miller : Showdown für Clan Korval (I Dare, Teil 1)
Sharon Lee / Steve Miller : Korvals Nemesis (I Dare, Teil 2 + Moon on the Hills)
Atlantis-Verlag, Allgemeine Reihe
Deutsche Erstausgaben 2012/2013
Originalausgaben 2002
Paperbacks, ca. 250 Seiten, 12,90 €
Titelbilder : Timo Kümmel
Übersetzung : Dirk van den Boom


Die Abteilung für Innere Angelegenheiten treibt ihre Verschwörung zur Übernahme der Macht auf Liad weiter voran. Doch Clan Korval zu vernichten, ist keine leichte Aufgabe - vor allem nicht, wenn Val Con und Miri Robertson sich beharrlich weigern, den Intrigen und Attentaten ihrer Feinde zum Opfer zu fallen. Selbst allein und verzweifelt handelnde Clanangehörige beginnen, Vorbereitungen für den Schlag gegen die Abteilung zu treffen. Der Showdown für Clan Korval rückt immer näher.
Klappentext "Showdown für Clan Corval"
Der Kampf um die Herrschaft über Liad tritt in die entscheidende Phase. Anstatt sich von der Abteilung für Innere Angelegenheiten die Ereignisse diktieren zu lassen, hat Clan Korval die Initiative ergriffen – und nicht nur der Clan, sondern auch manche, mit deren Eingreifen man niemals gerechnet hätte. Dennoch steht das Schicksal Liads auf Messers Schneide, und es ist gut möglich, dass ein Sieg über die Abteilung gleichzeitig eine Niederlage für Clan Korval werden könnte …
Klappentext "Korvals Nemesis"

Und mit einem fulminanten Action-Feuerwerk bringt das Autoren-Ehepaar die Geschichte von Clan Korval zu einem vorläufigem Ende. Nicht ganz so atemberaubend wie in "Agent of Change", aber unheimlich spannend und stärker auf politische Aktionen fixiert. Auch in diesem Roman wird das Liaden-Universum noch erweitert, man erfährt Genaueres über die Yxtrang, einige kleine Hinweise auf die Historie der Liaden und es wird deutlich, daß die Psi-Fähigkeiten der Dramliza alles andere als einfach verständlich und naturwissenschaftlich erklärbar sind. Der Fokus geht auch deutlich weg von den beiden Paaren Val Con / Miri und Shan / Priscilla, es werden einige weitere Clan-Mitglieder eingeführt und - ganz im Gegensatz zu einem gewissem Fantasy-Telefonbuch - auch plastisch und tiefergehend charakterisiert. Wenn auch die Geschichte hier deutlich detaillierter als in den Vorgängern erzählt wird, so bleibt es doch spannend, man kann das Buch nicht so einfach zur Seite legen.

Mein Fazit nach den ersten fünf Liaden-Bänden : Unbedingte Leseempfehlung, die Geschichte lohnt sich.

Ein Wort zur Aufteilung der Geschichte in zwei Bände : Das ist ok. Wir, die wir SF lesen, sind ja mit diesen Aufteilungen der deutschen Ausgaben nicht verwöhnt, oftmals werden sie - gerade von den großen Verlagen - aus reiner Abzocke so herausgegeben. In diesem Fall ist die Trennung aber in Ordnung, es sind jeweils so roundabout meiner Schätzung nach etwa 300-400 Taschenbuchseiten einer normalen Heyne-Ausgabe. Die Aufteilung auf zwei Bände macht die Atlantis-Ausgaben daher handlicher, als wenn man das Ganze in einem Ziegelstein verlegt hätte. Die Bonus-Story "Moon on the Hills", die die Ankunft von Korval auf Surebleak schildert, rundet die Ausgabe wunderbar ab. Ich bin jetzt einmal gespannt, welchen Teil der Liaden-Zyklen Atlantis als nächstes herausbringt.

Samstag, 4. Januar 2014

Dirk van den Boom : Tentakelblut



Dirk van den Boom : Tentakelblut
Tentakel 05
Atlantis 2013
Titelbild : Allan J. Stark
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 240 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich


Gibt es wirklich kein Mittel gegen die grausamen Tentakel-Eroberer? Auf der Erde bricht die staatliche Ordnung langsam zusammen und die von den Menschen kontrollierten Gebiete schrumpfen. Einige planen die Flucht, andere müssen sich in Gefangenschaft und Exil behaupten. Nur das Heimatsystem der Allianz scheint gegen jeden Angriff geschützt, ein sicherer Hafen für Flüchtlinge aus der ganzen Galaxis, oft die letzten Überlebenden ganzer Zivilisationen. Doch was ist, wenn auch diese letzte Bastion zu fallen droht? Und was passiert, wenn die Bedrohung durch die Tentakel durch eine viel größere in den Schatten gestellt wird?
Klappentext

Sehr positiv aufgefallen ist mir bei diesem zweitem Band der neuen Tentakel-Trilogie der Sense of Wonder, den Dirk van den Boom hier zum Leser transportiert. Neben klassischen MilSF-Actionszenen zeigt er gerade in den Teilen, die in der Alien-Enklave spielen, eine fantastische Phantastik. Und weg von der einfachen Haudrauf-Geschichte gelingt es ihm mit diesem Band, das Tentakel-Universum viel größer und vielfältiger darzustellen, als man es bisher wahrgenommen hat. Auch die menschliche Gesellschaft auf der Erde wird stärker differenziert als bisher, insgesamt ist dieses Mittelstück einer Trilogie ein echter Höhepunkt der Tentakel-Romane. Ich bin einmal gespannt, wie der dritte Band wird, ob Dirk van den Boom dies noch toppen kann.

Eines sollte man allerdings nicht verschweigen : Die Tentakel-Romane sind Trash, purer Pulp. Dirk van den Boom sagte dazu im Lesezirkel auf SF-Fan :
Die Tentakel sind meine sündige Versuchung. Da darf ich Schwein sein. Und primitiv. Und niveaulos. Und laut. Es ist, gewollt, eine andere Art von Roman und Lektüre. Ich glaube sogar, dass ich die Tentakel immer noch zu anspruchsvoll schreibe.
Zitat DiBoo

Das ist natürlich stark übertrieben, trifft aber im Kern die Sache. Dirk van den Boom lässt hier sein Motto "Echte SF enthält Aliens, Raumschiffe und Sex !" sich selbst bestätigen, alle drei Teile sind in ausreichenden Portionen im Roman enthalten. Und weil es so schön ist bringt der Autor in dieser zweiten Tentakel-Trilogie reihenweise SF-Fan-Foristen um. Wer also im dritten Roman (oder in der dritten Trilogie) verewigt werden möchte, sollte Dirk van den Boom (Forumsnick "DiBoo") auf SF-Fan widersprechen, dann klappt's schon mit dem Sterben. :-)

Sharon Lee / Steve Miller : Flucht nach Lytaxin



Sharon Lee / Steve Miller : Flucht nach Lytaxin (Plan B)
Atlantis 2010
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1999
Paperback, 270 Seiten, 12,90 €
Übersetzung: Dirk van den Boom
Titelbild: Timo Kümmel


Auf der Flucht vor ihren Häschern suchen Miri Robertson und ihr Lebensgefährte Val Con Schutz und Hilfe bei Freunden auf der Randwelt Lytaxin. Doch die erhoffte Ruhepause ist kürzer als erwartet: Die kriegerischen Yxtrang haben sich Lytaxin als neues Ziel in ihrer Expansion ausgesucht, die Abteilung für Innere Angelegenheiten ist entschlossen, Clan Korval endgültig zu vernichten und so scheinen sich alle galaktischen Mächte gegen sie verschworen zu haben. Aus der Flucht nach Lytaxin wird ein verzweifelter Kampf ums Überleben...
Klappentext

Nahtlos geht die Geschichte von Val Con und Miri weiter. Und nach und nach wird das Liaden-Universum immer dichter, die Informationen sickern langsam und tröpfelnd zum Leser. Statt eines Infodumps stellt das Autorenehepaar viele kleine Infromationshäppchen bereit, so daß man sich langsam und gemächlich an die vielen verschiedenen "Fakten" gewöhnen kann.

Und diese wandelnden Schildkröten-Panzer, genannt Clutch Turtles, haben ja wirklich einen unglaublichen Charme. Man hat bei jedem Auftritt ins Riesengroße verwandelte TMNT vor Augen. Mir zumindestens ging es so. Das hat was, unbestritten. Insbesondere die gänzlich nicht-menschliche Ethik dieser Rasse finde ich besonders gelungen dargestellt.

Der Übersetzer hat gewechselt, der Stil des Romans ebenfalls. Dies liegt allerdings weniger an der Übersetzung, sondern an den 10 Jahren, die seit der Erstveröffentlichung von "Carpe Diem" ins Land gezogen sind. Die Übersetzung ansonsten ist ok, allerdings hätte ich mir ein etwas aufmerksameres Lektorat gewünscht. So hat die Söldnertruppe von Miri Robertson in den verschiedenen Übersetzungen insgesamt drei verschiedene Namen und das stört schon. Ansonsten ist der Wechsel des Übersetzers ohne große Brüche vor sich gegangen, auch wenn nach meinem Eindruck (ich kenne die Originale nicht) Dirk van den Boom deutlich weniger flachsig übersetzt hat als Ingrid Müller-Nytko.

Sehr positiv aufgefallen ist mir allerdings das Buchformat. Ein Paperback, wie Heyne es seit langem rausbringt. Allerdings nicht gesetzt für Sehbehinderte, sondern in einem relativ kleinem Satz. Als Taschenbuch wären das meiner Schätzung nach so 600-700 Seiten, so daß man das Preis-Leistungs-Verhältnis, das hier deutlichst günstiger als bei Heyne oder Bastei ist, deutlich herausstellen muß. Der einzige Wehmutstropfen dabei ist, daß die Liaden-Romane (bisher ?) noch nicht als Hardcover und noch nicht als einheitliche Gesamtausgabe bei Atlantis herausgekommen sind. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Insbesondere, als die Atlantis-Ausgaben ja offenbar einen derartigen Erfolg hatten, daß "Flucht nach Lytaxin" bereits in zweiter Auflage mit neuem Cover herausgegeben wird.

Freitag, 3. Januar 2014

Köln

Beruflich bin ich stark mit Köln verbunden. Der Hauptsitz unserer Unternehmensberatung befindet sich dort. Und Junior ebenso wie die Beste Ehefrau von allen schwärmen immer noch vom Sommerfest vor drei Jahren. Das führte dann dazu, daß ich, nachdem ich auf der Startseite von Atlantis einen Blogeintrag zum Video "Die vom Krieg verschont gebliebene Stadt Köln" sah, mir sofort das zugehörige Alternativwelt-Video angesehen habe. Sehr sehenswert, finde ich.


Und in den Vorschlägen auf Youtube bin ich dann noch auf zwei weitere sehenswerte Dokumentationen bzw. Dokumentationstrailer gestoßen. In "Karrneval bei Hitler" wird die Rolle der Karnevalsvereine und des Karnevals im Faschismus beleuchtet. In dem 10-Minuten-Trailer zur Doku "Köln im Dritten Reich" kommen Augenzeugen zu Wort, die die Zeit damals in Köln und ihre Rolle darin recht offen darstellen. Kann ich beides nur empfehlen.

Karrneval bei Hitler, Teil 1/3

Köln im "Dritten Reich"

Uwe Post : SchrottT



Uwe Post : SchrottT
Atlantis 2013
Originalausgabe
Titelbild: Ines Korth
Hardcover, ca. 230 Seiten, 14,90 €
Paperback 13,90 € / eBook 8,99 €


2022

Die Bundesregierung versteigert in allen Bundesländern das Recht zur Ausübung der Polizeigewalt, vorgeblich um die Staatsfinanzen zu sanieren. In Baden-Württemberg sorgt fortan die sizilianische Mafia für Recht und Ordnung, in Thüringen der Vatikan samt Schweizergarde und in Nordrhein-Westfalen die Nigeria-Connection.

Durch diese Deutschland-Karikatur tourt Colin Free mit seiner Crap-Metal-Band »SchrottT«, gegängelt und verfolgt von privaten Sicherheitskräften, Medienvertretern und Zensur-Consultants, umgeben von Freunden, die ein falsches Spiel spielen, und hofiert von einem braunen Schergen, der aus dem Erfolg der Band politischen Profit schlagen will …
Klappentext

Dieser Roman ist gut, sehr gut. Beklemmend erzählt Uwe Post eine Entwicklung aus der Jetztzeit heraus, die viel zu nahe an der Realität dran sein könnte, als daß die scheinbare Komik wirken kann. Seine Extrapolationen sind ziemlich exakt und lassen dem Leser das Lachen im Halse steckenbleiben. Das ist alles nicht komisch, das ist zu nahe an der heutigen Bundesregierung und ihrer Ideologie, als daß ich mich darüber amüsieren könnte. Wenn auch die Ausgangssituation laut Klappentext witzig scheint, bin ich doch beim Lesen viel zu sehr betroffen gewesen, als daß mir die Geschichte Spaß gemacht hätte. Wer anspruchsvolle SF im Stile des Schockwellenreiters sucht, ist hier richtig, zartere und vor allem harmlosere Gemüter seinen jedoch vor "SchrottT" gewarnt.

Sharon Lee / Steve Miller : Gestrandet auf Vandar



Sharon Lee / Steve Miller : Gestrandet auf Vandar (Carpe Diem)
Liaden 03
Heyne SF 52209, 2007
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1989
Aus dem Amerikanischem von Ingrid Herrmann-Nytko
Titelbild : Dirk Schulz


In Tausenden von Jahren : Die Menschheit hat zahllose Planeten in der Galaxis besiedelt. Gigantische Handelsschiffe verbinden diese Planeten miteinander - Schiffe, die vom Volk der Liaden gesteuert werden, eine sagenumwobenen Händlergilde, die hinter der Kulissen das Schicksal der Menschheit zu beeinflussen scheint. Doch mit welchem Ziel ?

Dies sind die Abenteuer des Liad-Agenten Val Con und der Söldnerin Miri Robertson, die es auf eine Verbotene Welt verschlägt, wo sie sich unter primitiven Bedingungen zurechtfinden müssen. Und bald merken, daß sie auch dort nicht vor ihren Verfolgern sicher sind ...
Klappentext

Nach dem die ersten beiden Liaden-Bände vollständig voneinander unabhängig sind und in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können, schliesst der dritte Band direkt an die Ereignisse aus Band 2 an und beginnt, die Handlungsstränge zusammenzuführen. Dabei gibt es eine relativ geringe Entwicklung in diesem Band, stattdessen wird das Liaden-Universum erweitert und die verschiedensten neuen Protagonisten dem Leser vorgestellt. Miri und Val stranden auf Vandar und können von dort wieder entkommen, das ist praktisch der gesamte Plot des Buchs. Der Pageturner-Effekt von "Gestrandet auf Vandar" ergibt sich auch weniger aus diesem Plot, als aus den Geschehnissen in der restlichen Galaxis, die langsam, aber unausweichlich auf einen Kulminationspunkt zulaufen. Gut, daß ich schon die restlichen Bücher aus dem Atlantis-Verlag habe, um die Geschichte weiterlesen zu können.

Ich weiss nicht, wer bei Heyne entschieden hat, diese Reihe nicht weiterzuführen. Aber es scheint ja momentan bei den großen Verlagen Mode zu sein, Bestseller frühzeitig an andere Unternehmen abzugeben. Man denke da nur an "Harry Dresden" (Knaur --> Feder&Schwert). Aus meiner persönlichen beruflichen Erfahrung heraus halte ich es für suboptimal, potentielle Bestseller-Autoren nicht weiter zu veröffentlichen. Aber - wie man auch an der Schreibweise sieht - ich bin ja schon etwas älter, ich bin sicher, die hinter dieser Entscheidung stehenden jungen dynamischen (internen und externen) Mitarbeiter der Publikumsverlage haben sich etwas dabei gedacht. Ob das allerdings so zielführend ist, wage ich doch massiv zu bezweifeln.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Michael Haitel (Hrsg.) : BLACKBURN



Michael Haitel (Hrsg.) : BLACKBURN
AndroSF 33
p.machinery Murnau, August 2013
Originalausgabe
Taschenbuch, 56 Seiten, 5,90 €
ISBN 9783942533706
als eBook: in Vorbereitung
Titelbild : Lothar Bauer


Mogadischu, Somalia. Irgendwann 1993 fällt der Soldat Blackburn aus einem Black Hawk und wird verletzt. Der Hubschrauber stürzt ab, ein weiterer Black Hawk folgt. Soldaten sterben, werden verletzt, müssen sich gegen die Warlords und ihre Milizen, die nicht nur die Stadt, sondern auch das Land beherrschen, verteidigen. Die Verluste sind hoch, aber die Amerikaner lassen niemanden zurück.

Die beiden Söhne des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton befinden sich unter den gefallenen Soldaten. Clinton will Vergeltung.

Ende Oktober 1993 detonieren über Mogadischu zwei taktische Atombomben der Amerikaner und zerstören die Stadt. Vollständig.

Anfang November werden ganz Somalia, Djibuti, der Südosten Äthiopiens und der Nordosten Kenias mit taktischen Neutronenbomben bombardiert, bis kein Leben mehr existiert.

Die Amerikaner verlieren das Interesse an der Region.

Die Region ist ohne Leben.

In vier Geschichten schildern Matthias Falke, Merlin Thomas, Michael Weinberger und Urs Wolf, was danach geschieht.
Klappentext

Nach dem Riesenerfolg der durch David Bowie inspirierten SF-Anthologie "Hinterland" fühlte sich Michael Haitel, seines Zeichens Eigentümer des p.machinery-Verlages und Herausgeber der SFCD-SF-Reihe "AndroSF", selber inspiriert, solche Themenanthologien zu veröffentlichen. Nach dem Wegfall der Wurdack-Antologien und der reduzierten Ausgabepolitik von Begedia ist dies um so verdienstvoller. Und gleich bei der ersten Antholgie, die ich las, haben wir einen Volltreffer zu verzeichnen. Aber der Reihe nach.

"Blackburn" basiert auf dem Film "Black Hawk Down", der in einer Alternativwelt gänzlich anders abgelaufen ist, als wir ihn aus den Kinos kennen. Der von Michael Haitel verfasste Klappentext "Was davor geschah" fasst dies kurz, knapp, präzise und spannend zusammen. Es folgen dann die Stories :
Urs Wolf : Homo radians
Matthias Falke : Die Mörserstellung
Michael Weinberger : Anomalie
Merlin Thomas : Operation Heal
Die ersten drei Stories sind ziemlich belanglos, seltsamerweise schafft nicht einmal Matthias Falke, das Thema innovativ und interessant zu gestalten. Hier merkt man, daß Michael Haitel als Anthologiegestalter noch lange nicht die Klasse des Teams Jänchen/Rößler geschweige denn Mommert/Kraus hat. Das inhaltliche Lektorat ist hier suboptimal. Noch, denn ich bin sicher, p.machinery wird sich steigern.

Die letzte Story entschädigt allerdings für Vieles. Merlin Thomas erzählt die Geschichte der "Operation Heal", einer nach Außen altruistischen Wiederaufbauaktion der Amerikaner. Zynisch, aber präzise schildert der Autor die Abfolge dieser Aktion, er benutzt dabei die Brunnersche Technik der Collage aus Zeitungsartikeln, Aufzeichnungen von Sicherheitskameras und anderen Informations-Schnipseln. Die bitterböse Auflösung der tatsächlichen Gründe für diese Wiederaufbauaktion ist das Tüpfelchen auf dem i, daß diese Geschichte preiswürdig werden lässt. Und auch wenn mich der Antiamerikanismus dieser Geschichte etwas stört, werde ich sie doch zu Recht für den diesjährigen DSFP nominieren.

Sharon Lee / Steve Miller : Der Agent und die Söldnerin



Sharon Lee / Steve Miller : Der Agent und die Söldnerin (Agent of Chance)
Liaden 02
Heyne SF 52208, 2007
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1988
Aus dem Amerikanischem von Ingrid Herrmann-Nytko
Titelbild : Dirk Schulz


In Tausenden von Jahren : Die Menschheit hat zahllose Planeten in der Galaxis besiedelt. Gigantische Handelsschiffe verbinden diese Planeten miteinander - Schiffe, die vom Volk der Liaden gesteuert werden, eine sagenumwobenen Händlergilde, die hinter der Kulissen das Schicksal der Menschheit zu beeinflussen scheint. Doch mit welchem Ziel ?

Dies sind die Abenteuer von Val Con, Agent des Planeten Liad, der - selbst auf der Flucht - die attraktive Söldnerin Miri Robertson vor dem Zugriff des Gangstersyndikats Juntavas rettet. Doch das Syndikat reizt man nicht ohne Konsequenzen ...
Klappentext

Die Action, die man beim ersten Band vielleicht vermisst, ist hier mehr als ausreichend vorhanden. Fulminante Verfolgungsjagden, Attentate, Explosionen [für "Burn Notice"-Kenner : Nicht mit C4, aber ebenso enthusiastisch wie bei Fiona], Schießereien wechseln einander ab, daß man als Leser nicht wirklich zu Atem kommt.

Dabei ist dies kein hirnloses Rumgeballere, bei aller Action kommt auch der Sense of Wonder nicht zu kurz. Die Autoren führen schildkrötenartige Aliens, die Clutch-Turtles ein, so "anders", wie Aliens eben sein können. Das fängt bei ihrer Gesellschaft und den andersgearteten sozialen Konventionen an und endet bei dem von den Clutch-Turtles benutzten Raumschiff-Antrieb. Denn warum soll man hastig sein, wenn man mehrere tausend Jahre lebt ? Dann kann man auch einen etwas langsameren, aber weltraum-ökologisch sauberen Antrieb benutzen.

Wie man an den Namen der Protagonisten sieht, sind die ersten beiden Bände voneinander unabhängig, die Lesereihenfolge ist egal. Im dritten Band sollen die beiden Geschichten zusammengeführt werden. Ich bin einmal gespannt, was das wird.