Donnerstag, 5. Januar 2012

Rettungskreuzer Ikarus 13-15





Sylke Brandt : Das Leid der Schluttnicks
Martin Kay : Phönix
Dirk van den Boom : Die abwartende Dominanz


Ein Chemieunfall in einer ihrer Fabriken ruft die Crew zum Planeten der Schluttnicks, Schluttnick Prime. Die Schluttnick-Gesellschaft ist eine rein kapitalistisch orientierte, von Sylke Brandt bis ins Absurde übersteigert dargestellt. Je erfolgreicher ein Händler ist, desto dicker darf er werden. Nur die "Hungerhaken" des Schluttnick-Militärs sind schlank. Da die Ikarus-Crew bereits einen gewissen Ruf hat, versprechen sich die Schluttnick-Händler viel davon, sie auf ihre Seite zu ziehen. Dazu wird die Crew hypnotisiert und auf Schluttnicksche Werte programmiert. Mit amüsanten Folgen …
"Phönix" heisst das Schwesterschiff der Ikarus. Wie ein Phönix wird auch An'ta in den Klonlabors der Grey neugeboren, ein ganz normaler Vorgang bei diesem Volk. Sie wird allerdings noch während der Aufwachphase von Kopfgeldjägern entführt, die sie Kronprinz Joran, der sein Mütchen an ihr kühlen will, ausliefern wollen. Die Übergabe schlägt jedoch fehl und zusammen mit der Crew des Ikarus-Schwesterschiffs, die auf einen Notruf von An'ta aktiv wurden, können sie einen Vorposten der Invasionsflotte der Outsider zerstören.
Am Kaiser vorbei versucht Kronprinz Joran, die Pronth-Hegemonie dem Multiimperium einzuverleiben. Die Ikarus-Crew, herbeigerufen um dem bei einem Attentat verwundeten Hegemon zu helfen, wird in die Kämpfe verwickelt.

Sylke Brandt hat hier mit "Das Leid der Schluttnicks" einen amüsanten und humorvollen SF-Roman abgeliefert, eine Seltenheit in diesem Genre. Ich fand diesen Band auch deshalb ausnehmend gut, weil ihr die Gratwanderung zwischen Klamauk und Humor gelang und die Schluttnick-Gesellschaft nur witzig und eben nicht lächerlich ist. Dies setzt sich fort in den Folgen der Hypnose bei der Ikarus-Crew, als sie nicht nur einen unbändigen Fressdrang bekommen, sondern auch nicht wenig zunehmen. Gerade das Gefühlsleben von Sonja DiMersi wird amüsant, präzise und sehr einfühlsam beschrieben. Von dieser Klasse wünsche ich mir mehr Romane. Und da der nächste Schluttnick-Roman qualitativ genauso hochstehend ist, bin ich bereits sehr auf die Romane außerhalb des Ikarus- und sonstiger Serien-Universen von Sylke Brandt gespannt.

An diesen drei Romanen sieht man sehr schön eine der Stärken der Ikarus-Serie : Die konsistent beschriebenen, sich wesentlich voneinander unterscheidenden politischen Systeme. Die Schluttnick-Gesellschaft ist eine extreme Ausprägung eines kapitalistischen, rein leistungsorientierten Systems. Das Multiimperium ist eine hierarchisch strukturierte Diktatur mit dem Kaiser und seinen Beratern im Zentrum. Das Raumkorps wird von einer anarchischen Gemeinschaft unterschiedlich aufgebauter Staaten gebildet, die durch eine Händlervereinigung zusammengehalten werden. Die Pronth-Hegemonie dagegen ist, ebenso wie etwas später die Tomakk-Gesellschaft, eine eher sozialistisch eingestellte Gesellschaft, die durch Assimilation expandiert. Die Idee der "abwartenden Dominanz", die Dirk van den Boom hier darstellt und zu einem positivem Ende kommen lässt, kannte ich in dieser Form noch nicht in der SF.

Genau wie beim letzten Blogeintrag möchte ich mich auch hier zu den Titelbildern äußern. Die eBook-Titelbilder sind meinem Eindruck nach qualitativ hochstehender als die der Print-Ausgaben. Sie sind auch imho stärker am Inhalt des Romans dran. Trotzdem finde ich die Titelbilder der Print-Ausgaben, Einzelromane als auch Sammelband, charmanter. Geschmackssache ?

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