Montag, 30. April 2012

Michael K. Iwoleit : Die letzten Tage der Ewigkeit


Michael K. Iwoleit : Die letzten Tage der Ewigkeit
Wurdack-Verlag 2012, Story-Collection II
Paperback, 256 Seiten, 12,95 Euro
ISBN 978-3-938065-83-9


Diese Story-Collection ist nach "Willkommen auf Aurora", in der neue Stories von Heidrun Jänchen erschienen sind, die zweite, die der Wurdack-Verlag dieses Jahr vorlegt, "die erste Sammlung von Michael K. Iwoleits Science-Fiction-Erzählungen", wie der Verleger betont. Man kann sich also schon jetzt auf eine zweite freuen.

"Die letzten Tage der Ewigkeit" enthält sechs zwischen 1995 und 2011 entstandene Kurzgeschichten und Novellen, darunter eine erweiterte Fassung seiner Novelle »Ich fürchte kein Unglück« sowie die neue Erzählung »Zur Feier meines Todes«. Im einzelnen sind dies :

Der Schattenmann (aus Wolfgang Jeschke (Hrsg.) : "Das Proust-Syndrom", Heyne 1999)
Die letzten Tage der Ewigkeit (aus NOVA 6, BoD 2004)
Planck-Zeit (aus H.W. Mommers : "Die Legende von Eden" (Visionen 2), Shayol 2005)
Ich fürchte kein Unglück (aus NOVA 4, BoD 2003)
Zur Feier meines Todes
Wachablösung (aus Wolfgang Jeschke (Hrsg.) : "Partner fürs Leben", Heyne 1995)

Wie steht es so treffend in der Verlagsankündigung : "In Iwoleits Erzählungen geht es immer wieder um Aufbrüche in eine posthumane Welt, voller Verheißungen, aber auch voller Schrecken. Seine Figuren sind häufig Wissenschaftler oder Techniker, die an Weggabelungen des Fortschritts mit existenziellen Fragen konfrontiert werden: Was macht den Menschen aus? Was bleibt, wenn die Geschichte über den Menschen, wie wir ihn kennen, hinausgegangen ist?" Man merkt, MKIs Geschichten sind keine leichte Kost. Selbst seine vordergründig einfachen Stories enthalten tiefgründige, oftmals hochphilosophische Ideen und Gedankengänge, mit denen es sich die Auseinandersetzung lohnt. SF at its best, sozusagen. Denn bei aller Tiefgründigkeit und Philosophie vergisst MKI doch eines nie : Eine gute Geschichte zu erzählen. Und so sind seine Geschichten auch immer für den reinen Konsumenten, der sich an gut gesetzten Worten und einem interessantem Plot erfreut, ein Genuß.

Michael K. Iwoleit ist mir insbesondere durch seine Novelle "Der Moloch" aus Visionen 4 präsent. Herausragend selbst unter den Visionen-Stories erzählt hier ein deutscher Autor eine SF-Geschichte – die auch voll und ganz in Deutschland spielt und deutsche Eigen- und Gegebenheiten enthält. Für mich damals ein Novum, auch heute ganz selten in dieser Präsenz bei deutschen Autoren vorhanden ("Nebra" von Thomas Thiemeier war der letzte Roman, an den ich mich erinnere), begann für mich damals durch diesen "Moloch" die Begeisterung für deutsche Science Fiction, Fantasy und Phantastik. Von daher kann ich bei Michael K. Iwoleit nicht vollständig objektiv sein. Und will das eigentlich auch gar nicht. Mich hat das neue Konzept des Wurdack-Verlags, neben den Anthologien jetzt auch Autoren-Kollektionen herauszugeben, sowieso erfreut und beeindruckt. Daß die ersten beiden dieser Kollektionen von Heidrun Jänchen und Michael K. Iwoleit sind, fand ich ebenfalls ausnehmend gelungen. Die hier in " Die letzten Tage der Ewigkeit" enthaltenen Stories kenne ich zwar schon teilweise, so habe ich beispielsweise alle NOVA-Bände und ebenso alle 4 Visionen-Anthologien. Aber der geballte Impact von Iwoleit in dieser Kollektion hat einen gewissen Charme. Nicht nur folgt hier eine gute Geschichte der nächsten, auch werden die verschiedensten philosophischen Ideen angerissen und ausgeführt, kurz, das Hintereinanderlesen von Iwoleits Stories ist ein echter Lesegenuß.

Story-Kollektionen und Anthologien haben oftmals einen großen Mangel. Sie werden kommentarlos dem harmlosen Leser um die Ohren gehauen. Ohne Einleitung, ohne Nachwort, ohne Detail-Einleitungen zu den einzelnen Geschichten erfreut sich der Leser zwar der Stories an sich, doch oftmals fragt er sich : "Quid ?". Uschie Zietsch hat in ihrem Fabylon-Verlag bei der Uwe-Anton-Anthologie Maßstäbe gesetzt und ihn jede Story einzeln einleiten und kommentieren lassen. Soweit geht Ernst Wurdack mit dieser Anthologie zwar nicht, jedoch stösst der geneigte Leser als erstes auf ein Vorwort von Franz Rottensteiner, in dem sich dieser enthusiastisch mit der SF des Michael K. Iwoleit auseinandersetzt. Vielleicht etwas zu unkritisch, aber sehr detailliert. Ich fand das sehr angenehm und hoffe, daß der Wurdack-Verlag mehr solcher Einleitungen veröffentlicht. Das Buch endet allerdings etwas abrupt, nach der letzten Zeile kommt noch eine Seite Verlagswerbung und gut ist. Hier wünsche ich mir beim nächsten Band eine ausführliche Bio- und Bibliographie des Autors, auch gerne vom ihm selbst verfasst.

Insgesamt eine lesenswerte Story-Collection, mit der der Wurdack-Verlag sich einmal mehr als der Verlag für SF-Kurzgeschichten profiliert hat.

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