Montag, 16. Mai 2016

Hagenbeck 2016

Mein Pfingsturlaub ist zuende, morgen muß ich wieder nach Frankfurt, arbeiten. War aber nett, ich hatte echt Glück mit dem Wetter. Und weil es am vorigem Wochenende so schön war, sind wir alle nach Hagenbeck getobt. Da gleichzeitig Hafengeburtstag war, hielten sich die Besucherzahlen in Grenzen, es war echt angenehm.

Als erstes haben wir die Elefanten angeguckt, wie üblich. Kanja, das Baby von diesem Jahr, ist echt süß, aber auch Anjuli hat sich prima entwickelt:



Wir gingen dann weiter und kamen zu den Gefiederten :


Vögel gibt es ja viele im Park, hier ein paar Impressionen, ohne auf den Rundgang zu achten :

WeissnackenkranichTschaja
TeichhühnerTeichhühner
TeichhühnerStörche
Sebright-HühnerSebright-Hühner
RosapelikaneRosapelikane
PelikanePelikane
NimmersattNimmersatt
NimmersattKranich

Nicht zu vergessen die Blesshühner mit ihren Jungen :



Auch Familie Tapir gab sich die Ehre


Nach den Humboldt-Pinguinen...







... und den Walrössern...

... ging es dann ins Eismeer. Hier haben wir keine Photos gemacht, zuviele Leute und zu schlechtes Licht. Warum einige Besucher nicht verstehen, daß man die Tiere nicht mit Blitzlicht photographieren soll, ist mir ein Rätsel. Anyway, nach den hochsommerlichen Temperaturen war es jedenfalls eine willkommene Abkühlung. Draußen dösten alle in der Sonne oder genossen die angenehme Wärme :

Andere Tierarten fühlten sich bei diesen Temperaturen pudelwohl :

Jungtiere gab es überall, bei den Elefanten, den Kamelen und auch den Meerschweinchen (Cutie-cute-Faktor gegen unendlich) :

Natürlich waren wir auch im Tropenhaus. Dort fand einer der Kattas mich als Kletterbaum geeignet. Ziemlich leicht und ziemlich kuschelig, diese Tiere :

Auch ansonsten war das Tropenhaus wieder einmal toll :


Für meine Fantasy-Freunde : Das hier ist ein Basilisk.

Kein Hagenbeck-Besuch ohne das Besteigen des Gebirges :
Und auch die Dinosaurier haben wir gebührend bewundert :
Dieses Mal war es relativ leer und so konnten Junior und ich endlich mal eines der klassischen Hagebeck-Familienphotos machen :
So, das war der erste Hagenbeck-Besuch dieses Jahr. Wieder ein traumhafter Tag gewesen - und hält hoffentlich bis zum nächsten Urlaub vor. :-)

Hagenbeck 2015
Hagenbeck 2012

TERRA EXTRA inside - Die Heisenbergsche Unschärferelation

In Heft 049 vom 07.08.1964 erklärt Kurt Mahr den Lesern die Heisenbergsche Unschärferelation. Heftiger Stoff für Nicht-Naturwissenschaftler.

TERRA EXTRA 049 - Clark Darlton : Attentat auf Sol


Clark Darlton : Attentat auf Sol
Krieg der Galaxien 01
Terra Extra 49, 07.08.1964
Neuauflage
Originalausgabe TERRA Sonderband 01, 1958
Titelbild : Johnny Bruck


Etwa 10000 Jahre vor unserer Zeitrechnung brach in einem anderen Teil der Milchstraße der erste galaktische Krieg aus. Zwei hochentwickelten Völker waren aufeinandergestoßen und versuchten sich gegenseitig mit allen Mitteln ihrer Technik zu vernichten. Überall in der Galxis entstanden Stützpunkte der beiden krigerischen Zivilisationen. Dann erstarrten die Fronten und beide Parteien zogen sich zurück. Sie hatten eingesehen, daß dieser gigantische Krieg nur zur Vernichtung beider Völker führen würde. Hier und da blieben Reste der Vorposten zurück und entwickelten eine eigene Kultur und Zivilisation, wobei der Herkunft meist vergessen wurde. Unter anderen Zivilisationen entstand so auch die Menschheit. Der Mensch wußte nichts mehr von alledem. Die ersten Schritte der Raumfahrt lösten das große Rätsel dieser Welt, gaben aber zum Ausgleich dafür weitere Rätsel auf, die der Lösung harrten ...
Klappentext der Mohlberg-Gesamtausgabe

Den Roman habe ich in der Originalausgabe erst vor knapp einem Jahr gelesen. Ich wunderte mich zunächst, daß er hier in den TERRA EXTRA-Heften schon wieder auftauchte, bis ich dann genauer aufs Ausgabedatum guckte : Das Original ist von 1958, die hier vorliegende Neuauflage von 1964.

Sonntag, 15. Mai 2016

Piers Anthony : Der Sand der Zeit



Piers Anthony : Der Sand der Zeit (Bearing an Hourglass)
Inkarnationen 02
Bastei SF Bestseller 22104, 1987
Originalausgabe 1984
Taschenbuch, 380 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Ralph Tegtmeier
Titelbild : Michael Whelan


Für Norton war alles zu spät- er hatte das Liebste verloren, was er besaß. die Schicksalsmächte waren nicht ganz unschuldig daran, und so machten sie ihm ein Angebot: als Chronos, die Inkarnation der Zeit, wurde er einer von ihnen, die den Lauf der Welt beherrschten. Doch eine der Inkarnationen war Satan, der Vater der Lüge, und er verfolgte den finsteren Plan, alles Gute zu zerstören. Chronos hatte die Zeit auf seiner Seite, aber Satan arbeitete mit allen Tricks...
Klappentext

Ja, ich hatte mich richtig erinnert : Der erste Roman des Inkarnationen-Zyklus war gut, der Rest ...ist Schweigen. Es beginnt schon mit den unsinnigen Parallelwelt-Sequenzen hier, die doch mehr auf dem Niveau bayrischer Schenkelklopf-Witze geschrieben sind, von dem eher feinsinnigen Humor des ersten Bandes ist nichts mehr zu verspüren. Die gesamte Story schleppt sich träge und - ein Todesurteil - effektiv langweilig so dahin, die Charaktere sind blaß, die Ideen unausgegoren.

Ich brech' dann hier mal ab und lese meine neuen Errungenschaften von Feder & Schwert, da habe ich mehr von.

Inkarnationen-Zyklus
01: On A Pale Horse (Reiter auf dem schwarzen Pferd)
02: Bearing An Hourglass (Der Sand der Zeit)
03: With A Tangled Skein (Des Schicksals dünner Faden)
04: Wielding A Red Sword (Das Schwert in meiner Hand)
05: Being A Green Mother (Sing ein Lied für Satan)
06: For Love of Evil
07: And Eternity
08: Under A Velvet Cloak

Samstag, 14. Mai 2016

Piers Anthony : Reiter auf dem schwarzen Pferd



Piers Anthony : Reiter auf dem schwarzen Pferd (On a Pale Horse)
Inkarnationen 01
Bastei SF Bestseller 22098, 1986
Originalausgabe 1983
Taschenbuch, 375 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Ralph Tegtmeier
Titelbild : Three Lions


Es begann damit, daß Zane den Tod erschoß. Und das war, wie er alsbald entdeckte, ein Fehler. Denn der Mensch, der die Inkarnarion des Todes tötete, war gezwungen, dessen Stelle einzunehmen. Danach war es sein Schicksal, selbst auf seinem schwarzen Pferd über die Welt zu reiten und das Leben anderer Menschen zu beenden. Nur – Zane war damit nicht einverstanden. Und so geschah das Undenkbare: der Tod trat in den Streik.
Klappentext

Der erste Band des Inkarnationen-Zyklus. Diesen Roman habe ich in sehr positiver Erinnerung, den gesamten Zyklus eher nicht. Ich wollte mal sehen, ob meine Wahrnehmung heute eine andere ist und habe in meinem Pfingsturlaub die Geschichten wieder angefangen.

Der erste Roman der Serie ist echt gelungen. Die personifizierten menschlichen Aspekte werden vorgestellt, Tod/Thanatos steht hier im Mittelpunkt. Der Roman sprüht nur so vor Einfällen, neben diesem unglaublich großen kreativem Potential beschäftigt sich Piers Anthony hier auch mit der gesellschaftlichen Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz des Todes, diskutiert die Sterbehilfe und macht deutlich, daß der Tod manchmal eine Erlösung sein kann. [Ich sehe das zwar anders, aber ich bin auch erst 56. Mal sehen, wie ich in dreißig Jahren darüber denke.]

Die lockere, leicht humoristische Vorgehensweise ist ein weiterer Vorzug des Romans. So gibt es als Fortbewegungsmittel neben dem Flugzeug auch den Fliegenden Teppich - und die gegenseite Anti-Werbung, die im Roman geschildert wird, ist einfach köstlich. Aber auch in dieser Geschichte werden einige Ideen nur skizziert und nicht wirklich ausgeführt. So ist etwa das Fegefeuer eine amüsante Bürokratie mit einem eigenen Fernsehkanal - doch über die Hintergründe dieser Gesellschaft erfährt man so gut wie gar nichts. Trotzdem insgesamt ein schöner Roman, der Lust auf die weiteren Bände der Serie macht.

Freitag, 13. Mai 2016

Kim Harrison : Die Zeitagentin



Kim Harrison : Die Zeitagentin (Drafter)
Drafter 01
Heyne 2016
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Gallery Books 2015
Aus dem Amerikanischen von Frauke Meier
Paperback, 640 Seiten, 14,99 €
Titelbild : Nele Schütz Design
ISBN 978-3-453-31730-7


Vierzig Sekunden können den Lauf der Welt verändern

Peri Reed ist jung, sexy und tough. Doch das ist nicht das Beste an ihr! Was sie einzigartig macht, ist ihre Gabe: Peri kann vierzig Sekunden in der Zeit zurückspringen und die Vergangenheit verändern. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn man für eine staatliche Geheimorganisation arbeitet, die Jagd auf die gefährlichsten Kriminellen der USA macht. Bis Peri eines Tages der Korruption verdächtigt wird und fliehen muss. Plötzlich zur Staatsfeindin Nummer eins geworden, ist sie fest entschlossen, ihre Unschuld zu beweisen und die Drahtzieher dieser Verschwörung ausfindig zu machen. Doch Peri kann niemandem mehr vertrauen – nicht einmal dem Mann, den sie liebt...
Klappentext


Nach den Rachel-Morgan-Romanen war ich natürlich neugierig auf die neue Serie von Kim Harrison. Diesmal aus dem SF/Thriller-Genre, inklusive Zeitreisen und Verschwörungstheorien. Positiv auf den Roman eingestimmt setzte ich mich also hin (genauer : Ich legte mich entspannt ins Hotelbett) und begann zu lesen. Wie sagte Yvonne Santjohanser auf der Heyne-Seite so treffend : "Ich hab mich deshalb richtig auf Die Zeitagentin gefreut. Peri war mir zwar von Anfang an sympathisch, jedoch fand ich sie auch etwas komisch muss ich zugeben. Manchmal wurde ich auch nicht ganz so warm mit ihr. Die Charaktere fand ich irgendwie zu langweilig , hätte mich gefreut diese näher kennen zu lernen. Auch die Action hab ich irgendwie gesucht. Nur bei ein paar Situationen kam die Autorin aus sich raus. Es wird viel spekuliert, gerätselt, jedoch kommt man nie richtig auf den Punkt." Dem muß ich leider vollumfänglich zustimmen, im Gegensatz zu "Rachel Morgan" ist der erste Drafter-Roman nicht so das Gelbe vom Ei. Ganz im Gegensatz zu der Einführung von Rachel Morgan und der Welt der Hollows ist "Drafter" nicht rund, weder von den handelnden Personen noch von dem Setting noch vom Plot her. Der zündende Funke sprang bei mir jedenfalls nicht über, dazu sind zuviele technische und inhaltliche Mängel in dem Roman drin. Auch ist mir das 40-Sekunden-in-der-Zeit-Zurückspringen und die angeblich damit einhergehenden psychologischen Probleme suspekt, imho ist das ein ziemlich schlechter MacGuffin.

Ich werde mir aber auf jeden Fall noch den zweiten Band besorgen, vielleicht kommt die Geschichte ja noch richtig in Fahrt. Denn eine Ähnlichkeit mit "Burn Notice" lässt sich ja nicht abstreiten...

Donnerstag, 12. Mai 2016

Kim Harrison : Die Rachel-Morgan-Story (IV)



Kim Harrison : Blutfluch (The Witch with no Name)
Rachel Morgan 13
Heyne 2015
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe EOS 2014
Paperback, 750 Seiten, 14,99 €
Aus dem Amerikanischen von Vanessa Lamatsch
Titelbild : Nele Schütz Design
ISBN 978-3-453-31663-8


Sie hat gegen Vampire, Hexen, Dämonen und Banshees gekämpft. Sie ist ins Jenseits gereist und wieder zurückgekehrt. Sie hat jeden einzelnen Fall in ihrer Karriere als Kopfgeldjägerin gelöst. Und nun steht Rachel Morgan vor der größten Herausforderung ihres Lebens: Sie muss einen Weg finden, die Seelen der lebenden Vampire – namentlich die ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Ivy – vor der ewigen Verdammnis zu retten. Doch wenn sie den Fluch, der auf den Vampiren lastet, brechen will, muss Rachel mehr riskieren als jemals zuvor ...
Klappentext

Mein vierter und vorerst letzter Beitrag zu Kim Harrisons Rachel-Morgan-Geschichten. Nicht etwa, weil ich die Romane nicht weiterlese, nein, Kim Harrison schließt mit diesem dreizehnten (!) Roman die Serie um die Hollows ab.

Ich sehe diesen letzten Band mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Natürlich ist es gut, richtig und zielführend, für Leser als auch Autorin, eine gute Serie nicht bis zum Tode zu reiten. Das hat a.a.O. schon zu richtig schlechten Romanen geführt. Und auch wenn ich nicht wirklich den Eindruck habe, als würde Kim Harrison an einem Mangel an kreativer Energie leiden, so finde ich es doch gut, daß sie die Serie beendet, solange noch richtig Pep darin ist.

Andererseits ist es schade, daß die Geschichten um Rachel, Ivy, Jenks und Trent hier enden. Sie haben sich zwar nie zu der Klasse von emanzipatorischen Geschichten mit sozialkritischem Unterton entwickelt, auf die ich nach der Lektüre der ersten Geschichten hoffte. Gerade nach der Einführung hatten die Romane einige echt starke und, wie ich finde, bemerkenswerte Topoi angesprochen. Doch leider versandete das etwas, die Romane wurden etwas seichter und pegelten sich auf dem Niveau einer Romantic-Fantasy-Serie ein. Dabei wurden die Geschichten aber nie wirklich trivial und hatten einen übergroßen Vorteil : Die Autorin. Denn mit den Hollows hat Kim Harrison etwas geschaffen, was vom Flair der Romane her wirklich gelungen ist. Man ist sofort, nach dem Lesen des ersten Absatzes wieder in der Welt der Hollows drin, hat alle Charaktere wieder präsent und schwelgt in dem Kitsch-Feeling, das diese Romane in sich tragen. Mehr als ein Jahr ist es her, daß ich den letzten "Rachel Morgan" gelesen habe, und trotzdem standen mir sofort alle dramatis personæ und insbesondere das Gefühl der Parallelwelt der Hollows mit ihrer ganz speziellen Bevölkerung plastisch vor Augen. Und auch während der Lektüre kamen bei einigen Triggern ("Kristen") sofort Erinnerungen hoch. So etwas macht "Rachel Morgan" sympathisch, nicht intellektuell anspruchsvoll, aber angenehm wie ein alter, komplett ausgelatschter Hausschuh, der hundertprozentig an die persönlichen Bedürfnisse angepasst ist.

Von daher kann ich jedem, der etwas Nettes zu Lesen sucht, die Rachel-Morgan-Story uneingeschränkt empfehlen.


Rachel Morgan
01. Blutspur (Dead Witch Walking)
02. Blutspiel (The Good, The Bad, and the Undead)
03. Blutjagd (Every Which Way but Dead)
04. Blutpakt (A Fistful of Charms)
05. Blutlied (For a few Demons more)
06. Blutnacht (The Outlaw Demon Waits)
07. Blutkind (White Witch, Black Curse)
08. Bluteid (Black Magic Sanction)
09. Blutdämon (Pale Demon)
10. Blutsbande (Perfect Blood)
11. Blutschwur (Ever After)
12. Bluthexe (The Undead Pool)
13. Blutfluch (Witch with no Name)

Die Rachel-Morgan-Story (I)
Die Rachel-Morgan-Story (II)
Die Rachel-Morgan-Story (III)

Mittwoch, 11. Mai 2016

Kage Baker : Der Amboss der Welt



Kage Baker : Der Amboss der Welt (The Anvil of the World)
Feder & Schwert 2012
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 2003
Taschenbuch, 384 Seiten, 12,95 €
Aus dem Amerikanischen von Bettina Ain
Titelbild : Oliver Graute
ISBN 9783867620826


Kage Baker, jüngst verstorbene Autorin des Steampunk-Romans "Die Frauen von Nell Gwynne's", widmet sich in diesem Schelmenroman um den pensionierten Assassinen Schmied, der nur versucht, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, aber ständig knietief in Problemen watet, der humoristischen Fantasy.

Schmied heuert als Karawanenmeister an und soll ein Gros Glasschmetterlinge sowie diverse exzentrische Mitreisende sicher von Troon in die Hafenstadt Salesh geleiten. Die prominentesten seiner Passagiere sind der dekadente Fürst Ermenwyr und seine Amme Balnshik, die beide nicht so recht sterblich sind. Schmied überlebt die Reise und kauft schließlich ein heruntergekommenes Ferienhotel in Salesh-am-Meer, das er mit Hilfe seiner begabten früheren Karawanenköchin, die ebenfalls Schmied heißt, in eine Goldgrube verwandelt. Leider geht am Vorabend des Festes, des profitträchtigsten Tages im Jahr, alles schief. Fürst Ermenwyr taucht auf der Flucht vor einem verfeindeten Hexer inkognito auf, dann erscheint die Gesundheitspolizei just in dem Moment, als ein Klatschreporter, der dafür bekannt ist, seine Opfer zu erpressen, tot aufgefunden wird. Er wurde in einem von Schmieds besten Zimmern möglicherweise mittels Magie ermordet.

Wie üblich kombiniert Baker geschickt witzige Dialoge, gute Charakterzeichnung und ein Auge für stimmige Details. Besonders denkwürdig sind ihre wahrlich schräge Karawane und Frau Schmieds unvergleichlich beschriebene kulinarische Meisterleistungen. Bakers Ausflug in die Fantasy macht Spaß und sollte allen Trash-Fantasy-Feinden auf der Zunge zergehen.
Klappentext

Also den Stil kenne ich irgendwoher :
Troon, die güldene Stadt, lag zwischen hohen Mauern auf einer tausend Meilen weiten Ebene voll goldener Gerste.

Die Kornkammern Troons erhoben sich wie Giganten über der Stadt, höher noch als die sich endlos drehenden Windmühlen. Besonders im Monat des Roten Mondes legte sich Staub auf Troons Straßen und erfüllte seine Luft, wenn lange Reihen knarrender Karren, die noch mehr Staub aufwirbelten, der wie feiner Puder aus Gold auf jeder Kuppel und jedem Turm und auf der Hütte eines jeden Feldarbeiters lag, die Ernte von der Ebene brachten.

Alle Trooner litten unter chronischen Lungenemphysemen.

Doch Troon, das sich stolz als Brotkorb der Welt bezeichnete, erduldete die Emphyseme. Keuchen galt als kultiviert, und das gesellschaftliche Ereignis des Jahres war das Fest der Atemmasken.

Im Original :
Troon, the golden city, sat within high walls on a plain a thousand miles wide. The plain was golden with barley.

The granaries of Troon were immense, towering over the city like giants, taller even than its endlessly revolving windmills. Dust sifted down into its streets and filled its air in the Month of the Red Moon and in every other month, for that matter, but most especially in that month, when the harvest was brought in from the plain long lines of creaking carts, raising more dust, which lay like a fine powder of gold on every dome and spire and harvester's hut.

All the people of Troon suffered from chronic emphysema.

Priding itself as it did, however, on bring the world's breadbasket, Troon put up with the emphysema. Wheezing was considered refined, and the social event of the year was the Festival of Respiratory Masks.

Ich persönlich finde, daß dies eine ganz hervorragende Übersetzung ist. Auch andere übersetzerische Sachen haben mir gefallen, aber davon später, zunächst zurück zum Inhalt.

Der Roman ist keine durchgehende Geschichte, sondern besteht aus drei Novellen. Nur die erste ist betitelt, sie ist als "The Caravan From Troon" in Asimov's SF Magazine im August 2001 erschienen, die anderen beiden sind Originalgeschichten und hier das erste Mal veröffentlicht worden. In "The Caravan From Troon" geht es - wie der Titel ja schon sagt, um eine Karawane, die von Troon nach Salesh zieht. Schmied (im Original : Smith [nicht verwandt]) wurde als Karawanenführer angeheuert und versucht, sich nach einer Karriere als Meuchelmörder ein zweites Standbein aufzubauen. Dabei helfen ihm Schmied, Schmied und Frau Schmied, alle nicht verwandt. [Interner Joke in dem Buch, mit dem sich Kage Baker über die Namensvergaben innerhalb von Fantasy-Romanen amüsiert. Oder kann sich jemand an die ganzen "verschiedenen" Zwergennamen bei Tolkien erinnern ?]

Man erkennt schon, daß der Roman etwas Pratchett-haftes hat und es geht auch genau so weiter. Teilnehmer der Karawane sind unter anderem Lord Emenwyr, ein kranker Halbgott, Halb- oder Viertel-Dämon und seine Begleiterin die Pflegerin Balshnik, atemberaubend, sexy und Volldämon. Und das ist nur das Ensemble der ersten Novelle, es wird auch in der Folge nicht weniger chaotisch. Dabei macht Kage Baker klar, daß die Charaktere durchaus Tiefe haben und zeigt sie in vielen verschieden Facetten.

Wer Pratchett mag, dürfte diesen Roman von Kage Baker lieben. Allerdings ist der Humor und die Satire oftmals etwas versteckt, es ist weniger der Schenkelklopfer-Witz von Pratchett als mehr der hintergründige Humor eines Loriot. Im Verlaufe der Geschichten wird der Roman auch immer ernster, wenngleich der Witz nie ganz verschwindet. Insbesondere die letzte Novelle, in der fast mainstream-mäßig ökologische Themen angesprochen und klassische Fantasy-Topoi genutzt werden, finde ich wirklich brilliant. Durchgängig werden im Roman Gimmicks und Gadgetts benutzt, die Verbindung von mechanistischer Technik (durch Uhrwerke fahrende Karawanenwagen und Schiffe beispielsweise) und einem magischem Fantasy-Ambiente lassen auch viel Raum zu Spielereien und erinnern mich zumindestens stark an die Scheibenwelt-Szenarios.

Ich werde mir auch mal den Rest von Kage Baker besorgen, ich bin doch mal gespannt, wie ihre anderen Romane so sind. Diverses ist bei Feder & Schwert erschienen, da werde ich auch zuerst einmal weiterlesen. Bedauerlicherweise ist Kage Baker 2010 gestorben, aber ich habe ja noch einiges aufzuholen, ich kannte sie nämlich vor der Lektüre dieses Romans nicht.

Zur Übersetzung nochmal : Ich finde sie echt gelungen. "Smith" mit "Schmied" statt "Schmidt" zu übersetzen halte ich für eine wirklich gute Idee, es macht den Roman irgendwie originärer. Auch ansonsten habe ich keinerlei Holprigkeiten entdeckt, ansonsten passiert es ja heutzutage leicht, daß man denkt "Ah, ja, das hat im amerikanischen Original sicherlich soundso geheißen." Ein anderes Beispiel habe ich ja schon oben zitiert, solche Übersetzungen hätte ich gerne öfter. In diesem Sinne : "Fröhliche Paarungen", wie man in Salesh zur Festivalzeit sagt.



Dienstag, 10. Mai 2016

Jerry Pournelle / S. M. Stirling : Die Söldner von Sparta



Jerry Pournelle / S. M. Stirling : Die Söldner von Sparta (Go tell the Spartans)
Falkenberg-Zyklus
Bastei SF 23155
Deutsche Erstausgabe 1994
Originalausgabe 1991
Aus dem Amerikanischen von Thomas Schichtel
Titelbild : Keith Parkinson


Die Erde ist dem Untergang geweiht, nur auf dem Planeten Sparta scheint noch ein menschenwürdiges Leben möglich zu sein. Doch die Spartaner wissen, dass sie sich gegen kommende Invasoren verteidigen müssen, deshalb heuern sie die gefürchtete Falkenberg-Legion an, Söldner, die keine Kampf scheuen. Eines aber wissen die Spartaner nicht: dass sie damit auch die Feinde der Legion auf sich gezogen haben...
Klappentext

Die früheren Falkenberg-Romane, die ich gelesen habe, hatten neben der Action (weswegen ich sie als MilSF einordnen würde) einen erheblichen Anteil an politischen und soziologischen Kommentaren (weswegen man Pournelles Romane eigentlich als Social Fiction einstufen müsste). Die linksradikalen Ideen seiner Romane, die sich gegen eine den Bürger kontrollierende Bürokratie und die Vorherrschaft von Großkonzernen richten, liessen mich seine Romane immer wieder genüßlich genießen.

Davon merkt man in der hier vorliegenden Kollaboration mit S. M. Stirling überhaupt nichts mehr. Die Geschichte bleibt eine einfache Darstellung militärischer Operationen, gesellschaftliche und politische Aspekte bleiben außen vor. Meiner Meinung nach lohnt dieses Buch nicht, die ersten beiden Bände der Falkenberg-Geschichten, "The Mercenary" und "West of Honor", sind um Klassen besser als der vorliegende Roman. Allerdings gibt es bei Baen eine überarbeitete Gesamtausgabe aller Falkenberg-Geschichten, Romane ebenso wie Stories, unter dem Titel "The Prince". Könnte sich lohnen, diesen einmal zu lesen.

Montag, 9. Mai 2016

Karl Edward Wagner : Kane



Karl Edward Wagner : Kane
Band 1 : Der Blutstein
Band 2 : Kreuzzug des Bösen
Golkonda 2014 / 2015
Paperbacks, je etwa 300 Seiten, jeweils 16,99 €
Titelbild und Innenillustrationen : Tom Edwards


Zwei Herrscher in einem Konflikt, der sich bald zum Krieg aufschaukeln könnte: der gebildete Dribeck, Herr eines Stadtstaates, der seinen Männern noch den Beweis erbringen muss, dass er auch mit dem Schwert umzugehen weiß; und Malchion, der Wolf, trinkfester Anführer der rauen Breim, der in Ermangelung tauglicher Söhne seine Tochter zur Kriegerin ausgebildet hat. Sie beide gieren darauf, ihre Position zu festigen und einander mit Spionen das Leben schwer zu machen.

Doch in einer Welt voller Geheimnisse, die bereits in Vergessenheit gerieten, als Berge und Meere noch jung waren, gehen Kreaturen um, die älter sind als die Menschheit. Eine davon ist Kane, der unsterbliche Schwertkämpfer und Gelehrte, und für ihn sind die Fürsten der Menschen und ihre nichtigen Kämpfe nur Mittel zum Zweck. Mit dem Ring aus Blutstein, der ihm in die Hände fällt, will er eines der Rätsel vergangener Zivilisationen lösen, das vielleicht besser im Dunkeln geblieben wäre ...

Mit diesem Band startet eine überarbeitete Neuausgabe der Kane-Saga, einem der klassischen Meisterwerke der Fantasy. Neben Robert E. Howards Conan und Michael Moorcocks Elric ist Karl Edward Wagners Kane die dritte zeitlose Heldengestalt, die das Genre maßgeblich geprägt hat.
Klappentext "Der Blutstein"

Etwas abgrundtief Böses regt sich in der uralten Festung des beschaulichen Ingoldi: Als Wegelagerer auf der Flucht dringt der skrupellose Orted in die zerfallende Zitadelle ein und verlässt sie wieder als Prophet eines vergessenen Gottes. In Windeseile hat er genug aufgepeitschte und hemmungslose Anhänger um sich geschart, um sie auf eine Welt loszulassen, deren untergegangene und verfeindete Reiche nur darauf warten, erobert zu werden.

Die Schneise der Gewalt, die Orteds Schwarzer Kreuzzug hinterlässt, lockt den ruhelosen Kane herbei. Stets auf der Suche nach einem Grund, seine endlose Wanderschaft zu unterbrechen, stürzt er sich in die Schlacht. Doch Kane kämpft nicht für einen Glauben oder die Freiheit, sondern allein für sich selbst. Und in den alten Göttern, die insgeheim ihre Netze spannen, hat er womöglich ebenbürtige Gegner gefunden ...
Klappentext "Kreuzzug des Bösen"

Ich habe ja ein Faible für Klassiker, für eine schöne Neuausgabe gebe ich auch gerne etwas Geld aus. Und so habe ich mir die überarbeiteten Versionen des Golkonda-Verlags besorgt und begann begeistert, sie zu lesen. Ich kenne Kane natürlich, aber eine schöne Neuausgabe macht mir immer wieder Spaß.

Diesmal habe ich aber echt ins Klo gegriffen und kann vor diesen Ausgaben nur warnen.

Nicht etwa, daß sie schlecht gemacht sind, wenn man das Buch aufschlägt, sieht man unter anderem eine upgedatete Version des Titelbilds :

So weit, so gut, doch sobald man zu lesen anfängt, kriegt man die Krise :

Ich frage mich, welcher Schwachkopf im Verlag dieses affektierte Schriftbild ausgewählt hat ! Bei jedem "s" stolpert man, der Lesefluss wird jedesmal unterbrochen. Nach siebzig Seiten habe ich aufgegeben, diese Bücher sind unlesbar. Ein schönes Beispiel dafür, wie dilettantische Dorftrottel eine ansonsten schöne Ausgabe kaputtmachen können. Von daher kann ich vor dieser Ausgabe nur warnen und empfehle, weiterhin bei der alten Bastei-Lübbe-Ausgabe zu bleiben.

Sonntag, 8. Mai 2016

Alan Dean Foster : The Man Who Used the Universe



Alan Dean Foster : The Man Who Used the Universe
Neuausgabe Warner Books, New York 1983
Originalausgabe SFBC 1983
Taschenbuch, 315 Seiten
Titelbild : Barclay Shaw


No one knows the true motives of Kees vaan Loo-Macklin. He’s a mastermind criminal who gave up his place at the head of the dark underworld to become a legitimate member of Evenwaith’s cities. But soon he was reaching out to powerful enemies—-the slimy aliens called the Nuel. Loo-Macklin negotiates an illusory peace agreement and gains precious alien secrets in the process. Is he after peace, power or pure evil? With enemy starships beginning to amass, we won’t have to wait long to find out.
Klappentext der Kindle-Ausgabe

Uch einer von den Romanen, die ich immer wieder lese. Und der mir nie langweilig wird. Was wahrscheinlich an der effektiven Tiefe des Romans liegt, die man beim ersten Lesen gar nicht so mitbekommt. Denn oberflächlich gesehen ist der Roman relativ platt : Kees van Loo-Macklin, aufgewachsen in einem Kinderheim, ist zu Beginn des Romans ein Kleinkrimineller. Geschildert wird dann der Aufbau seines kriminellen Imperiums, sein Übertritt von der illegalen zur legalen Seite und sein dortiger Aufstieg zur Position des übergroßen Politikers, effektiv der Herrschers des menschlichen und Nuel-Imperiums. Alles sehr Standard, nicht wirklich besonders.

Besonders wird dieser Roman durch eine stilistische und eine inhaltliche Komponente. Inhaltlich ist dies die Geschichte einer gequälten Seele, eines Menschen, der im Kindesalter massiv vernachlässigt wurde. Dies führte dazu, daß Kees van Loo-Macklin das unstillbare Bedürfnis hat, alles und jeden in seiner Umgebung kontrollieren zu wollen. Und da er irgendwann das gesamte Universum als seine Umgebung definiert, manipuliert er alles um sich herum, bis er seiner Meinung nach die absolute Kontrolle hat. Daher auch der Titel, der die geistige Deformität des Protagonisten sozusagen bereits vorwegnimmt. Im Roman selbst wird diese Deformierung erst auf den letzten Seiten wirklich deutlich ausgesprochen, wenngleich das Intermezzo mit seiner Heirat schon erste Hinweise darauf gibt. Inhaltlich also auf den zweiten Blick überhaupt kein Leichtgewicht, dieser Roman.

Stilistisch finde ich es jedesmal wieder faszinierend, daß Foster ohne Vorwarnung mitten im Roman plötzlich die Protagonisten wechselt. Ist im ersten Teil noch ganz klar Kees van Loo-Macklin der Hauptdarsteller, wechselt unvermittelt die Perspektive zu dem Nuel Naras Sharaf und bleibt beim zweiten Teil auch bei ihm. Dadurch gelingt es Foster, die Auswirkungen der Handlungen des keineswegs negativ dargestellten Protagonisten Kees van Loo-Macklin deutlich zu machen und die positiven Aspekte seiner Besessenheit deutlich herauszustellen. Aber auch die negativen Seiten bleiben keineswegs unausgesprochen und am Ende enthält sich Alan Dean Foster auch einer Bewertung des Ganzen - bis auf die Tatsache, daß Kees van Loo-Macklin eigentlich ein bemitleidenswerter Mensch ist.

Mir gefällt dieser Roman außerordentlich, ich kann ihn nur zur Lektüre empfehlen. Da ich ihn seit Jahrzehnten in einer langsam auseinanderfallenden amerikanischen Ausgabe lese, kann ich zu der deutschen Ausgabe (Knaur SF 5789, Dunkle Mission) nichts sagen. Aber da die amerikanische leicht lesbar ist, tut das dem Lesevergnügen auch keinen Abbruch.

Samstag, 7. Mai 2016

Norman Spinrad : The Solarians



Norman Spinrad : The Solarians
Neuauflage Leisure Books, New York 1975
Originalausgabe Paperback Library 1966
Taschenbuch, 154 Seiten
Titelbild : ???


Wieder einmal gelesen, diesen Roman. Auch nicht zum ersten Mal. Einige gute Sachen geniesst man eben immer wieder. Man kann vieles zu diesem ersten Roman von Norman Spinrad sagen, einiges – wie etwa die Kritik an der immer mehr um sich greifenden Entmenschlichung der Gesellschaft und die Statements zu sexueller und damit auch soziologischer Freiheit - habe ich beim letzten Mal bereits kommentiert Heute möchte ich noch einen anderen Punkt hinzufügen : Die zeitlose Modernität dieses Romans.

Denn die obigen Punkte passen vielleicht nicht mehr in das undemokratische Deutschland einer Kanzlerin namens Merkel, aber wir, die wir in den 60ern und 70ern im freien Teil von Deutschland aufgewachsen sind, haben eben immer noch ganz andere Ansichten vom Leben. Für Leute wie uns ist das Leben von Vielen immer noch wichtiger als das Leben eines Einzelnen, auch wenn manchmal das Wohl des Einzelnen schwerer wiegt als das Wohl von Vielen. Und so ist für uns das Handeln der Solarier, der Opfergang der "Festung Sol", um die Menschheit der Galaxis zu retten, tragisch, aber selbstverständlich. Für viele meiner Zeitgenossen ist dieser ethische Standpunkt unverständlich, für diese Leute zählt nur ihr eigenes Wohlergehen. Und da tut es gut, einen ethisch und moralisch hochstehenden Roman wie diesen von Spinrad wieder einmal zu lesen. Und sei es nur um sich zu vergegenwärtigen, daß "alle" auch einmal anders gedacht haben.

Freitag, 6. Mai 2016

Robert Asprin : Tambu



Robert Asprin : Tambu
Atlantis-Verlag 2009
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe ACE 1979
Paperback, 192 Seiten, 12,90 €
Aus dem Amerikanischen von Dirk van den Boom
Titelbild : Timo Kümmel
ISBN 978-3-941258-12-9


Der mysteriöse Tambu gilt als Schrecken der besiedelten Galaxis, als größter Feind der Verteidigungsallianz und als das Sinnbild des eroberungswütigen und rücksichtslosen Kriegsherrn. Als Erickson, ein junger Reporter, entgegen seiner eigenen Erwartung die erste Audienz eines Journalisten bei Tambu erhält, um ein Interview mit ihm zu führen, ist er voller Furcht und Misstrauen. Doch er stellt rasch fest, dass es einen Unterschied zwischen der Meinung der Mehrheit und der Wahrheit geben kann, so schwer diese Erkenntnis auch fällt...
Klappentext

Seltsam, über "Tambu" habe ich hier im Blog noch nichts geschrieben, wo doch dieser Roman seit 2009 sogar als deutsche Erstausgabe vorliegt. Dabei lese ich ihn – ebenso wie diverse andere – immer wieder.

"If the legend becomes fact, print the legend."

"Tambu" ist sozusagen der Gegenentwurf zu John Fords "The Man Who Shot Liberty Valance". In diesem Western wird gezeigt, wie eine auf falschen Tatsachen beruhende Legende zu positiven Ergebnissen führt und Menschen zu ethisch-moralischen Höchstleistungen anspornt. Auch bei "Tambu" wird eine auf falschen Tatsachen beruhende Legende – nämlich daß Tambu ein Despot sei – untersucht. Allerdings mit dem Ergebnis, daß die Wahrheit sowieso keinen interessiert und ihre Veröffentlichung keinen Unterschied macht. Und daß Begriffe wie "gut" und "böse" von der Propaganda so lange hin und her gedreht werden können, bis sie nichts mehr mit der Realität zu tun haben.

Dies schildert Asprin in einem Episodenroman, in kurzen Ausschnitten, erzählt von Tambu im Rahmen eines fiktiven Interviews. Ich fand das eigentlich nicht wirklich ungewöhnlich, aber Thomas Harbach hat zu Recht darauf hingewiesen, daß der Roman strukturelle Eigenheiten hat : Jede einzelne Episode ist exakt in Interview-Prolog, Tambus Bericht (die eigentliche Episode) und Interview-Nachbetrachtung gegliedert. Das gibt dem Roman etwas Starres, eine strenge formale Gliederung, die eigentlich jede Spannung unterdrücken müsste (schließlich ist das Ende bereits am Anfang vorweggenommen worden), es aber irgendwie überhaupt nicht tut. Der Weg ist eben das Ziel.

Ich habe ihn in einer einfachen ACE-Ausgabe, ich glaube, es ist sogar eine Erstauflage. In dieser Form lese ich "Tambu" seit Jahrzehnten immer wieder, der Roman ist einfach ein Genuß. Auch dieses Mal konnte ich mich nicht zu der deutschen Übersetzung von Dirk van den Boom überwinden, es blieb beim Schmökern der klassischen amerikanischen Ausgabe. Dabei ist die Ausgabe des Atlantis-Verlags ausnehmend liebevoll : Neben einem Vorwort von Bill Fawcett ist auch ein Nachwort von Christian Endres und eine bebilderte Biographie von Asprin enthalten. So macht der Buchkauf Spaß – denn natürlich habe ich auch diese deutsche Ausgabe im Regal. :-)

Insgesamt war der Roman wieder einmal ein Genuß, was sicher auch an seinen modernen Bezügen liegt. Denn die Geschichte von Tambu, die Darstellung einer völlig verzerrten Realität durch einseitige Propaganda, primitive Meinungsmache und komplette Verdrehung von Tatsachen ist heute wieder aktueller denn je – leider.



Andere Rezensionen
Thomas Harbach auf SF-Radio
Carina Schöning auf Fantasyguide

Donnerstag, 5. Mai 2016

Jerry Pournelle : Mars, ich hasse dich !



Jerry Pournelle : Mars, ich hasse dich ! (Birth of Fire)
Bastei-Lübbe 21124, 1980
Deutsche Erstveröffentlichung
Originalausgabe 1976/1978
Taschenbuch, 200 Seiten
Titelbild : Patrick Woodroffe
Aus dem Amerikanischem von Marcel Bieger


Garrett Pittston wird als gewalttätiges Mitglied einer Straßengang vor die Wahl gestellt - Gefängnis oder Kolonie. Er wählt die Deportation auf den Mars und trifft dort eine von Konzernen beherrschte und ausgebeutete Gesellschaft vor. Drangsaliert von den Konzernen auf der einen und schikaniert von der Erd-Administration auf der anderen Seite, beginnen die Marsianer um ihre Freiheit zu kämpfen.
Aus der letzten Lektüre

Es gibt so ein paar Bücher, die lese ich zwischendurch immer wieder. "Birth of Fire", so der Originaltitel, ist eines davon. Es hat seine Macken, ist etwas eindimensional, diverse Punkte, die Jerry Pournelle präzise voraussah, machen das Buch aber neben dem trockenen Stil zu etwas Besonderem.

Jerry Pournelle erzählt hier von der Besiedelung des Mars als Strafkolonie. Und analog zur amerikanischen Revolution werden die Kolonisten unterdrückt und wehren sich schlußendlich. Der Roman ist vor 40 Jahren geschrieben worden, doch Pournelle hat einige Entwicklungen präzise vorausgesehen. Etwa das unsinnige Steuersystem, das erdrückend jede Möglichkeit der Privatinitiative verbaut. Oder die Social Justice Warriors, denen die Beschäftigung mit irgendeiner abgehobenen Theorie wichtiger ist als das Leben von Menschen. Zusammen mit dem trockenen Humor und der Ego-Shooter-Perspektive der Erzählung macht das diesen Roman bis heute lesenswert und interessant. Zumindestens für mich...

Letzte Lesung 2011

Mittwoch, 4. Mai 2016

Wes Andrews : Blutfehde auf Alvarado



Wes Andrews : Blutfehde auf Alvarado
Frontiersmen 02
Bastei Lübbe 2016
Taschenbuch, 382 Seiten, 8,99 €
auch als Hörbuch und eBook erhältlich
Titelbild : Guter Punkt nach Motiven von Arndt Drechsler
ISBN: 978-3-404-20809-8
Leseprobe



Der Raumhafen auf dem Planeten Alvarado ist ein Sprungbrett zu vielen Randplaneten. Entsprechend gut laufen die Geschäfte. Seit Jahren schon streiten zwei Familien um die Kontrolle über diesen Umschlagplatz, und mittlerweile wird die Fehde mit harten Bandagen geführt. In diesen Kleinkrieg geraten John Donovan und seine Crew, als sie nichts weiter als ein paar Rinder verkaufen wollen. Und auf einmal muss John verdammt schnell lernen, auf zwei Hochzeiten zu tanzen, wenn er sich keine Kugel einfangen will.
Klappentext

Besser, aber noch nicht gut.

In diesem zweiten Space Western nimmt sich Wes Andrews alias Bernd Perplies den guten alten Clint Eastwood mit seinem ersten Sergio-Leone-Western vor. Wer wie ich "Für eine Handvoll Dollar" auswendig kennt, erlebt keine Überraschungen, sondern eine ganz nette Nacherzählung des Originalfilms. Und da ist auch die Crux des Ganzen : Es bleibt in weiten Teilen eine Nacherzählung, die Transkription vom Wilden Westen in den Weltraum ist in vielen Fällen nicht gelungen. Banal gesagt : Es ist noch zuviel Clint Eastwood im Roman und zuwenig Han Solo. Der Rindertransport geht ja noch, obwohl ich mich schon frage, warum nicht einfach genetisches Material von A nach B transportiert wird. Aber die Ranches und die Action dort enthält keinerlei SF-Elemente, das war schon ziemlich anachronistisch. Und stieß mir beim Lesen auch negativ auf. Und Colts passen in dieses Szenario auch so überhaupt nicht. Wesentlich besser gefielen mir die Passagen in der Raumstation, hier hat Perplies die SF-Adaption wirklich geschafft.

Die "Frontiersmen" sind Fastfood, bisher jedenfalls. Sie haben aber - und das merkt man an einigen Passagen hier im zweiten Roman sehr deutlich - ein erhebliches Entwicklungspotenzial. Schelmenromane wie die frühen Han Solo-Bücher von Brian Daley gibt es definitiv zuwenig, da passen diese Space Western sehr gut rein. Und da Bernd Perplies genüßlich seinen Fundus an Lieblingswestern plündert, kann man davon noch einiges erwarten. Gelangweilt habe ich mich auch nicht, der Roman las sich flüssig runter. Und wenn das Inhaltliche noch etwas optimiert wird, dürften uns da demnächst ein paar echte Pageturner ins Haus stehen. Ich bin mal gespannt...

Dienstag, 3. Mai 2016

Phillip P. Peterson : Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit



Phillip P. Peterson : Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit
Bastei Lübbe 2015
Neuausgabe
Taschenbuch, 478 Seiten, 9,99 €
Titelbild : ?
ISBN 9783404208432


EINE REISE ZU DEN STERNEN - ERFÜLLUNG EINES MENSCHHEITSTRAUMS ODER ALBTRAUM DER MENSCHHEIT?

Ed Walkers letzte Mission endete beinahe in einer Katastrophe. Zwar konnten er und seine Crew sich retten, doch nun fürchtet er, als der Astronaut in die Geschichte einzugehen, unter dessen Kommando die Internationale Raumstation ISS zerstört wurde. Daher kann er sein Glück kaum fassen, als er die erste bemannte Weltraummission an den Rand des Sonnensystems anführen soll.

Mit an Bord ist auch der junge Wissenschaftler David Holmes, der das mysteriöse Verschwinden dreier Raumsonden untersucht. Doch als das Raumschiff den interstellaren Raum erreicht, lautet die wichtigste Frage der Menschheit nicht mehr: Sind wir allein im Universum? Sondern: Sind wir bereit für die Wahrheit?
Klappentext

ACHTUNG, SPOILER !

Tja, das wird kein spoilerfreier Kommentar, wie mir a.a.O. gesagt wurde, hätte ich diese meine Meinung gefälligst gut zu begründen. Im Gegensatz zu den euphorischen Kommentaren anderswo finde ich diesen Roman nämlich ziemlich ...suboptimal.

Allerdings bezieht sich diese meine negative Meinung nur auf das Inhaltliche und explizit nicht auf das Stilistische. Der Peterson schreibt nämlich ziemlich gut und flüssig, das Buch habe ich – auch weil ich neugierig auf die Auflösung am Ende war – in einem Rutsch innerhalb weniger Stunden durchgelesen. Von daher bin ich mal auf seine nächsten Romane gespannt – die hoffentlich inhaltlich hochwertiger sind.

Denn inhaltlich ist "Paradox" schlicht und einfach Schrott.

Das war mir allerdings schon bei der Leseprobe klar. Denn die dort beschriebene Situation aus der Geschäftswelt kann sich nur jemand ausdenken, der von solchen Selektionsmechanismen keine Ahnung hat und irgendwo im Elfenbeinturm sitzt. Da ist ja jeder Scheer realistischer. Der Autor hat weder Ahnung von den Verwaltungsmechanismen, mit denen genau diese Vorfälle verhindert bzw. vertuscht werden (siehe "Challenger"), noch kennt er sich in politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen und Aktionen aus. Sehr naiv und, mit Verlaub, ziemlich dumm.

Aber egal, ignorieren wir den dilettantischen Anfang und lesen weiter. Eine ganz fiese Intrige der NASA-Leitung und des Centauri-Managements wird durch eine untergeordneten Psychologen zunichte gemacht. Selten so etwas Kindisches gelesen, seitdem die SF sich in den 60er Jahren weiterentwickelt hat. Viel billiger Tech-Talk, sehr detailliert, nur für Leute, die die SF der letzten 50 Jahre verschlafen haben, interessant. Simple Trivialliteratur, gegen die "Perry Rhodan" literarisch ist.

Aber das Ende sollte ja noch so einen genialen Twist enthalten. Lesen wir also weiter...

Nach einer popeligen und oberflächlichen Darstellung eines halbjährlichen Raumfluges, bei der die vier Raumfahrer auf kleinstem Raum zusammengepfercht wurden, erreicht man die Grenze des Sonnensystems. Die "tolle" Auflösung ist eine 08/15 Dyson-Sphäre, errichtet von geistig aus dem Ruder gelaufenen Nano-KIs. Und am Ende bleibt alles beim Alten. Oh, Mann ! Hier werden irrsinnige Nano-KIs gezeigt, die das Universum zu seinem eigenen Besten in Schutzhaft nehmen. Geht's noch ? Diese wahnsinnigen und vollkommen aus dem Ruder gelaufenen KIs, die nach dem Motto "Daddy knows best" die Erde und diverse andere Planeten mit intelligentem Leben unterjochen, werden weder als negativ dargestellt noch wird die Absurdität ihrer "Wir retten ja nur das Universum"-Attitüde in ihrer indiskutablen Gänze klar negativ gezeigt, stattdessen wird am Ende ein Reset nach dem Motto "Ist schon alles richtig, was die KIs tun, die Menschheit ist ja so böse" gemacht.

Das ist krank, inhaltlich fragwürdig und unmotiviert. Aber selbst wenn man das als Lösung akzeptiert : Was ist die Konsequenz ? Nix. Reset auf Null. Alles bleibt, wie es ist, der Autor propagiert eine "transzendente Lösung". Hat eigentlich keiner gemerkt, daß dies exakt die Ansicht der Sklavenhalter der Südstaaten vor der Rezession ist ? Wie man ein derartiges Werk, das den Freiheitsgedanken und die Eigenverantwortung mit Füßen tritt, für einen literarischen Preis nominieren kann, ist mir schleierhaft. Kommt als nächste Nominierung dann so etwas wie "Stahlfront" ?

Ich habe nix gegen Baller-SF und lese die auch manchmal ganz gerne. Aber derartig inhaltlich trivial, wie sich Paradox, habe ich seit Jahrzehnten nix mehr gelesen. Und ich muß mich auch bei Bernd Perplies entschuldigen, seine Frontiersmen-Spacewestern sind um Klassen besser als dieser Trivialkram, das kam vielleicht in meinem Kommentar nicht so deutlich rüber. Perplies ist wenigstens nicht naiv, und allein schon die Naivität wirtschaftlicher und politischer Abläufe hätte jedem, der in diesen Bereichen auch nur reingeschnuppert hat, sagen müssen, daß Paradox dilettantische Klein-Fritzchen-SF ist.

Vielleicht habe ich etwas mehr an deutscher SF gelesen als die meisten heutigen SF-Fans und deshalb einen ziemlich guten Überblick, welche "Innovationen" bereits vor 40 Jahren schon einmal da waren. Aus diesem Blickwinkel kann ich nur sagen, daß Scheer, Darlton und Brand – um nur ein paar zu nennen – realistischere Situationen und psychologisch fundiertere Charaktere beschrieben haben als sie im gesamten Roman von Peterson vorkommen. Und was das "technisch versierte" angeht, das dieser Roman angeblich enthalten soll : Wenn ich Tech-Talk lesen will, schnappe ich mir ein Fachbuch und nicht die unqualifizierten Ausführungen eines Möchtegern-SF-Schriftstellers. Ganz davon abgesehen, daß derartige Kindereien selbst bei Scheer nur in deutlichst reduzierterer Form vorkommen. Selbst dort !

Insgesamt sehe ich "Paradox" als Trivialroman auf dem Niveau des letzten PR-Heftchens (und entschuldige mich bei KNF für diese Abqualifizierung seiner Serie, dies dient nur der Emphase und ist keine Wertung von PR, im Gegenteil, PR ist inhaltlich diesem Möchtegernpreisträger um Klassen überlegen), aber kein Vergleich zu den soziopolitischen Daxxel-Romanen eines Dirk van den Boom, den tiefsinnigen Werken eines Frank Haubold oder der gelungenen humoristisch-erotischen Space Opera eines Guido Krain. Ein echter Reinfall, um Klassen schlimmer als die Entäuschung beim Brandhorst, selten so etwas Mißlungenes gelesen. Warum ein derartiger Quark von allen Seiten gehypt wird, ist mir schleierhaft.

Montag, 2. Mai 2016

phantastisch! 62



phantastisch! #62
Herausgeber : Klaus Bollhöfer
Atlantis 2016
Magazin, 72 Seiten, 5,30 €
Titelbild : Arndt Drechsler


Inhalt


Phantastische Nachrichten zusammengestellt von Horst Illmer

Interviews
Dirk Berger: GREGORY BENFORD: “Die Meisten von uns sehen nie die Möglichkeiten, die vor uns liegen.”
Christian Endres: ELIA BONETTI: “Zombie-Fans, wie ich einer bin, wollen ihre Zombies verstörend und furchterregend”
Carsten Kuhr: DANIEL SUAREZ: “Ängstliche Gesellschaften haben keine Visionen und scheuen jegliches Risiko.”

Bücher, Autoren & mehr
SONJA STÖHR: phantastisch! im Dialog – “Lang lebe Utopia!?”
ARMIN MÖHLE: Vergessene Welten
ACHIM SCHNURRER: Die ersten Pop-Ikonen
ACHIM SCHNURRER: Holger Much – Unikum und Multitalent
OLAF BRILL: Mr. Jones lebt hier nicht mehr
JAN NIKLAS MEIER: Ein Lied von dunklen Zeiten?
BERND JOOSS: Die “Southern Reach´”-Trilogie – das wahre “Lost”
CHRISTIAN ENDRES: Messerscharfer Cyberpunk aus Südafrika
SONJA STÖHR: Phantastisches Lesefutter für junge Leser
HORST ILLMER: Hallelujah Anyway


Rezensionen
Douglas Preston/Lincoln Child “Labyrinth – Elixier des Todes”
Uwe Hermann “Das Amt für versäumte Angelegenheiten«
Monica Byrne “Die Brücke”
Sergej Lukianenko “Die Wächter – Licht und Dunkelheit”
Dan Wells “Nur über deine Leiche”
Oliver Henkel “Wechselwelten”
Andreas Brandhorst “Das Schiff”
Peggy Große, G. Ulrich Großmann, Johannes Pommeranz (Hrsg.) “Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik”
Stephen King “Basar der bösen Träume”
Tad Williams “Das Beste von Tad Williams”

Comic & Film
STEFFEN BOISELLE: Cartoon
OLAF BRILL & MICHAEL VOGT: “Ein seltsamer Tag” – Teil 22
SONJA STÖHR: Vorstellung & Verlosung – Der Gratis Comic Tag 2016

Story
JEFF VANDERMEER: “Fragmente aus den Notizen eines toten Mykologen”

Und da liegt sie wieder, die neue Ausgabe von phantastisch!. Wie ich feststellen konnte, eignet sie sich hervorragend, um die Funklöcher im Zug zu überbrücken. Deshalb habe ich sie relativ schnell gelesen und hiermit auch kommentiert.

Seit Jahren auf einem gleichbleibend hohem Niveau ist auch diese Ausgabe, die 62te, ein Genuß. Durch die Bank weg hochinteressante Artikel, teilweise auf Universitätsniveau, wechseln sich mit Interviews, Comics und der obligaten Kurzgeschichte ab. Ich werde hier – wie schon bei früheren Kommentaren zu phantastisch! - nicht auf jeden einzelnen Artikel eingehen, sondern nur meine individuellen und ganz persönlichen Highlights und Vorlieben der aktuellen Ausgabe herausstellen.

Was mir zum wiederholten Male auffällt, ist das für mich ganz persönlich die Anzeigen, speziell die ganzseitigen von Atlantis, Exodus und Wurdack, durchaus eine Art Inhalt und weniger Werbung darstellt. Die künstlerischen Qualitäten der Cover sprechen mich außerordentlich an und mit dem Stark (Alan J., nicht Eddard) auf Seite 4 kann ich wesentlich mehr anfangen als mit den Muchschen Kostproben, die auf den Seiten 34 bis 39 von Achim Schnurrer vorgestellt werden. Obwohl diese – und das sehe sogar ich Kunstbanause – qualitativ deutlich hochwertiger sind. Ist übrigens ein ganz netter Artikel, der allerdings etwas an meinen persönlichen Interessen vorbeigeht und den ich deshalb nicht wirklich würdigen kann.

Aber weiter im Heft. update von Horst Illmer ist natürlich Standard, da kommt man als interessierter SF-Fan nicht dran vorbei, egal welche Vorlieben man hat. Mein nächstes Highlight war dann der Alternate History-Artikel von Achim Möhle, Vergessene Welten. Sehr schön, sehr liebevoll und vor allen Dingen ausführlich stellt Möhle hier klassische Alternativweltenromane jenseits der heutzutage allseits bekannten vor. [Mich als SF-Dinosaurier hatte er schon, als ich auf der ersten Artikelseite 'nen alten Goldmann-Schmöker sah.] Der nächste Artikel, den ich begeistert aufnahm, waren Einige Gedanken anlässlich des Todes von Rudi Wäscher : Die ersten Pop-Ikonen. Wunderbar erzählt Schnurrer hier über die Figuren von Hansrudi Wäscher – und ausführlich, ohne langatmig zu werden. Das mag ich auch ja so an phantastisch!, hier sind hetzt man nicht von Artikel zu Artikel, sondern kann und muß sich Zeit nehmen, die Inhalte zu goutieren. Und die Autoren nehmen sich auch Zeit, scheinen in keinster Weise platztechnisch beschränkt zu werden. Es ist schon sehr angenehm, ein Thema qualifiziert und detailliert dargestellt zu bekommen, statt wie in den meisten Fällen einen Artikel, der selbiges nur oberflächlich angerissen präsentiert, zu lesen. Ich mag diese Fachartikel.

Much war nicht so mein Fall, Bowie nie einer meiner Lieblingsmusiker (Ich höre beides : Country und Western :-) ). Obwohl GRRM und seine Splatterschmöker nicht meine Lieblingslektüre darstellen, sieht es mit der cineastischen Umsetzung ganz anders aus. Und jedem Fan, egal ob Buch oder Film, kann ich den Artikel Ein Lied von dunklen Zeiten von Jan Niklas Meier nur empfehlen. Nicht nur geht er der Frage nach, wieviel reales Mittelalter denn tatsächlich in ASOIAF, er zeigt auch sehr schön auf, wo sich Gegenwart, Mittelalter und Fiktion treffen. Interviews sind nicht so mein Fall, deshalb habe ich das mit Daniel Suarez ebenso wie das frühere mit Gregory Benford nur überflogen. Wie gesagt, nicht mein Ding, mein oberflächlicher Eindruck ist aber, daß beide Interviews sehr qualifiziert und sehr faktenreich sind. Und was mich auch so gar nicht interessiert, ist die Southern Reach-Trilogie von Jeff Vandermeer. Das weiss ich allerdings erst seit der Lektüre des ganz hervorragend gelungenen Artikel von Bernd Jooß. Er stellt sie im Detail dar, bewertet das Ganze und drückt sich sehr elegant um die billigen Inhaltsangaben, aus denen die meisten "Rezensionen" zu 95% bestehen, herum, stattdessen reduziert er die Handlungen auf ihr Wesentliches um sie sehr präzise zu analysieren. Selten so etwas Gutes gelesen.

Das war's eigentlich schon mit meinen persönlichen Highlights der Ausgabe, wenngleich Halleluja Anyway den kindlichen Chaos-Faktor in mir durchaus angesprochen hat. Was mir aber auffiel : Ich habe zum wiederholten Mal bei Sonja Stöhrs Kinderbücher-Ausgabe Phantastisches Lesefutter für junge Leser angehalten und jeden einzelnen Buchkommentar zumindestens überflogen. Obwohl das alles gar nicht mein Ding ist, scheint diese für meinen Lese-Geschmack vollkommen irrelevante Rubrik ihren ganz eigenen Charme zu haben. Interessant...



Frühere Hefte
phantastisch! 62
phantastisch! 61
phantastisch! 60
phantastisch! 58
phantastisch! 56
phantastisch! 55
phantastisch! 53
phantastisch! 50
phantastisch! 49
phantastisch! 47
phantastisch! 45/I
phantastisch! 45/II

Sonntag, 1. Mai 2016

TERRA EXTRA inside - Perry Rhodan (20)

Parallel zu TERRA EXTRA gab es ja seit 1961 auch die PERRY RHODAN-Serie. In Heft 047 vom 10.07.1964 wurde dafür Werbung gemacht - mit einem der prominentesten Charaktere der frühen Serie : Lemy Danger