Dienstag, 24. Juli 2012

Safety last ?

In der Cloud Daten abzuspeichern ist nicht ganz ohne Tücken : Microsoft sperrt unangekündigt Nutzer-Konten.
Herr seiner Daten ist man dann definitiv nicht mehr. Uwe Post hat das auf deutsche-science-fiction.de deutlich beschrieben und eine Möglichkeit vorgestellt, wie man zumindestens seine eMails so verschlüsselt, daß nicht jeder Provider sie ohne weiteres lesen kann. Wie breitsameter im entsprechenden Thread auf SF-Fan aber so treffend sagt : Schränkt man damit nicht die einfache Nutzung unsinnigerweise ein ? Ich weiss es nicht, ich denke immer öfter an Lethal Weapon : Ich bin zu alt für diesen Scheiß.

Warlight

Wer schon einmal Risiko gespielt hat, wird dies hier lieben : Warlight





Zwischen Zwölf und Drei



Zwischen Zwölf und Drei (From Noon till Three, 1976)
Darsteller : Charles Bronson & Jill Ireland
Regisseur : Frank D. Gilroy
FSK ab 12 Jahren
99 Minuten


Graham Dorsey hat ein ganz mieses Gefühl - ein Alptraum und mehrere böse Vorzeichen deuten darauf hin, dass der nächste Coup seiner Bande schrecklich schief gehen wird. Lieber verkriecht er sich im Herrenhaus der schönen Amanda und gibt sich ihr gegenüber als ehrenwerter Gentleman aus. Als seine Kumpanen tatsächlich den Raubzug vergeigen und erschossen bzw. gehängt werden, täuscht Dorsey seinen eigenen Tod vor, um nicht mehr im Blickfeld des Sheriffs zu stehen. Doch als Amanda über ihre vermeintlich verstorbene Liebschaft ein Buch schreibt und ihn zur Westernlegende macht, tritt der Outlaw zurück ins Rampenlicht. Jedenfalls versucht er es ...
[nach dem Klappentext]

"If the legend becomes fact, print the legend." Soweit Liberty Valance. Wo aber in klassischen Western eine heroische Legende aufgebaut wird, die der Held akzeptieren muß, läuft Charles Bronson verzweifelt seiner Legende hinterher. Schließlich ist er doch der Held aus dem Bestseller von Amanda, der männliche Part der schönsten Liebesgeschichte im Wilden Westen. Doch keiner will ihm glauben, denn er entspricht so gar nicht den Beschreibungen, die Amanda ihrem Ghostwriter gegeben hat. "Wie war er denn so ?" "Groß, sehr groß. Und gutaussehend, besonders gutaussehend." Und diesem Clark-Gable-Klischee entspricht der echte Graham Dorsey alias Charles Bronson irgendwie so überhaupt nicht. Ganz davon abgesehen, daß gaaaanz viele Leute mit Graham Dorsey früher geritten sind und Graham Dorsey kennen. Und er sähe nun so überhaupt nicht so aus wie er.

Der Film zieht alle klassischen Western-Legenden seit Liberty Valance durch den Kakao. Dies wird noch durch das Spiel des Ehepaars Bronson verstärkt, die genüßlich klassische Stereotypen übersteigert darstellen. Insbesondere Charles Bronson, tough guy seit seinem erstem Film 1951, konterkariert sein bisheriges Œuvre mit sichtlichem Genuß.

Ein sehr sehenswerter Film. Ich habe leider nur die DVD, wie ich den Amazon-Kritiken aber entnehmen konnte, ist die von Koch Media Anfang des Jahres herausgebrachte Blue Ray so gut es ging restauriert worden.

Montag, 23. Juli 2012

Mission in Space : The Lost Colony



Die Kontakt zur Minengesellschaft auf NC-721 ist abgebrochen. Eine Gruppe von Marines wird zur Untersuchung des Vorfalls losgeschickt. Sie stellen fest, daß die Mine von Aliens überfallen wurde - und tun ihr Bestes, um die Überlebenden zu retten.





Mission in Space : The Lost Colony




Weites Land



Weites Land (The Big Country, 1958)
Darsteller: Gregory Peck, Jean Simmons, Carroll Baker, Charlton Heston, Burl Ives, Chuck Connors
Regisseur : William Wyler
Komponist : Jerome Moross
FSK ab 16 Jahren
159 Minuten


Zwei Rancher leben in erbittertem Streit um die einzige Wasserstelle des Tals. Haß, Gier und Neid drohen beide Familien in eine Spirale der Gewalt zu reißen, bis sich der Ostküsten- Gentleman James McKay mutig zwischen die verfeindeten Feinde stellt. Doch obwohl er mit allen Mitteln um eine friedliche Lösung kämpft, wird auch er schließlich gezwungen, Farbe zu bekennen...

Ein epischer Film, der nur durch die Leistung der Schauspieler getragen wird. Drehbuch und Story sind jedenfalls nicht sehr ansehnlich. Und wie der Hembus so richtig sagt, predigt der Film den Pazifismus, ist aber nur dann fesselnd, wenn geprügelt oder geschossen wird. Nur für Western-Fans mit Interesse an Klassikern zu empfehlen. Die FSK-Einstufung ist wieder einmal der reinste Hohn, der Film ist ideal für den Familien-Sonntagnachmittag.

Sonntag, 22. Juli 2012

Missilebreak Outvaders



Our expert team of archaeoludologists has pored over the historical record, piecing together and translating ancient artifacts. We are pleased to finally be able to present a scientifically-accurate reconstruction of one of the very first forms of electronic entertainment, in a playable form for the first time this millennium!

Eine gelungene Rekonstruktion eines archaischen Spiels, offenbar zum Training für zukünftige Kampfpiloten im Hinblick auf die bevorstehende Invasion (siehe auch die Dokumentation von Dr. David Weber). Die Doktoren Jonathansfox und Nathan McCoy konnten sogar den Härtetest für Elitekämpfer, die sogenannte "Doomsday Theory", rekonstruieren. Eine Demonstration des Trainingsprogramms findet man hier.
Viel Spaß dabei. :-)


Green Lantern



Green Lantern (2011)
Darsteller : Blake Lively, Ryan Reynolds, Tim Robbins, Peter Sarsgaard, Mark Strong
Regisseur : Martin Campbell
FSK ab 12 Jahren
123 Minuten


Im ebenso endlosen wie geheimnisvollen Universum existiert seit Jahrhunderten eine kleine, aber schlagkräftige Einheit, die für Gesetz und Gerechtigkeit eintritt: das Green Lantern Corps. Jeder Green Lantern wird durch einen Eid auf die Bruderschaft der Krieger dazu verpflichtet, in der Galaxis Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten, alle tragen einen Ring, der ihnen übernatürliche Kräfte verleiht. Doch als ein neuer Gegner namens Parallax das Gleichgewicht der Kräfte im Universum auszuhebeln droht, liegt das Schicksal der Green Lanterns und der gesamten Erde in der Hand ihres jüngsten Rekruten: Er ist der erste Mensch, der in ihre Reihen aufgenommen wurde – Hal Jordan.

Soweit der Klappentext. Und genauso ernsthaft und pathetisch wie dieser ist auch der Film. Insgesamt fand ich ihn nicht schlecht - aber auch nicht gut.

Die Geschichte von Hal Jordan wird straightforward erzählt. So geradeaus und einfach (fast schon primitiv), daß ich mir einen Cutter wünschte, der genau wie "High Noon" diesen Film korrekt schneidet. Denn durch diese Erzählweise und den Plot, der keine Fragen offen lässt, fehlt "Green Lantern" das Geheimnisvolle. Die heutige Sucht, alles rational und technologisch zu erklären, hat einen guten Film zerstört. Denn die Bilder sind teilweise herausragend, das Green Lantern Corps ist faszinierend dargestellt. Auch die Tricks werden unaufdringlich rübergebracht, keiner davon wirkt aufgesetzt. Hier haben sich die Macher extrem viel Mühe gegeben. Ganz im Gegensatz zu den Möglichkeiten eines Green Lantern. Hier hat schon mein 12jähriger Sohn bemängelt, daß die von Hal Jordan erdachten Waffen viel zu primitiv und konventionell sind. Ballermänner eben. Allerdings ist der Film einer der wenigen, die ein echt monströses Monster als Widerpart des Helden haben. Das auch nur durch eine intelligente Aktion besiegt werden kann, was wunderschön dargestellt ist. Jedoch ist der Film viiieeel zu bierernst. Warum hat der Ring kein Eigenbewusstsein ? Man denke nur an die Szene am Ende, als Held und Traumfrau sich küssen wollen, sie ihn aber erst bittet, die Maske abzunehmen. Wie laaaangweilig. Man stelle sich folgendes vor : Maske weg, Maske wieder da. Ring blinkt : "Gefahr". Green Lantern guckt sich wild um. "Wo, wo, wo ???" Grüne Schrift wird an das Fenster projiziert : "Na, Du willst mir doch nicht sagen, daß sie ungefährlich ist ?" Abspann. Oder eine andere Szene : Green Lantern will eine vulgäre Kanone, die erscheint kurz, flackert und wird durch eine futuristisch aussehende Mega-Waffe ersetzt, bei der GL nicht gleich den Abzug findet. Kommentar des Rings : "Das ist eine richtige Waffe". Diese Art von Humor, Ironie und Selbstkritik geht "Green Lantern" bedauerlicherweise vollkommen ab.

Insgesamt ein netter Film ohne Blockbuster-Potential.

Samstag, 21. Juli 2012

phantastisch! 47



phantastisch! 47
Vierfarbcover, 64 Seiten, durchgängig farbig
ISSN 1616-8437
Atlantis-Verlag 2012

Cover - Günter Puschmann

Interviews
Dirk van den Boom: Interview mit Kevin J. Anderson
Christian Endres: Interview mit Daniel Abraham

Bücher, Autoren & mehr
Christian Endres: phantastisch! im Dialog – Das Jahr, in dem die Welt untergegangen sein wird?
Christian Endres: Der kommentierte Hobbit
Horst Illmer: Zur Person: Benjamin Stein
Olaf Brill: Hoch ins All, tief ins Meer und hinab ins Innere der Erde
Heiko Langhans: Hanns Kneifel (11. Juli 1936 – 7. März 2012)
Björn Steckmeier: Die ewige Schlacht um Eternia
Günther Freunek: Zahnpasta oder Fensterkitt?
Horst Illmer: Cosmonauten im Sternenfeuer
Phantastische Nachrichten zusammengestellt von Horst Illmer

Rezensionen
Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki (Hrsg.) »Machine of Death«
David Petersen, Jeremy Bastian, Terry Moore u.a. »Mouse Guard: Legende der Wächter 1«
Bryan Smith »Verkommen«
Charles Yu »Handbuch für Zeitreisende«
Brett McBean »Das Motel«
Douglas Preston & Lincoln Child »Revenge – Eiskalte Täuschung«
Benjamin Stein »Replay«
Stephen King »Der Anschlag«
Tim Curran »Zerfleischt«
Alessandro Sisti, Ezio Sisto, u. a. »LTB Premium 2: Der neue Phantomias«

Comic & Film
Christian Endres: Moebius (1938 - 2012)
Olaf Brill & Michael Vogt: Ein seltsamer Tag – Teil 5
Markus K. Korb: Mit dem Bruder als Monster-Double

Story
Martin Beckmann: »Das Schattenherz«


Bereits im 12. Jahr erscheint phantastisch!, die Zeitschrift für Phantastik. Mit dieser Ausgabe wechselt zwar nicht das Autorenteam oder die Redaktion, aber der Verlag hat sich geändert : Nach 12 Jahren und 46 Ausgaben hat Acim Havemann den Staffelstab an Guido Latz und den Atlantis-Verlag weitergegeben. Die Nummer 47 ist die erste Ausgabe, die unter der Ägide des neuen Managements erscheint.

Die Nummer 47 ist auch die erste vollständig farbige Ausgabe. Das hat dem Magazin gutgetan, es sieht innen deutlichst besser aus. Und es soll ab sofort nicht nur ein Papierheft, sondern auch eine digitale Ausgabe geben. phantastisch! soll ebenfalls, so jedenfalls die Eingangsworte von Guido Latz, am Bahnhofskiosk erhältlich werden. Das hört sich alles gut an, ich bin mal gespannt auf die weitere Entwicklung.

Inhaltlich scheint sich zunächst wenig geändert zu haben, die üblichen Rezensionen und die Berichte aus der Welt der Phantastik von Horst Illmer sind wie üblich interessant und lesenswert. Doch gerade diese kurzen Artikel werden durch die farbigen Abbildungen aufgewertet.

Bei dem Interview von Dirk van den Boom mit Kevin J. Anderson merkt man allerdings deutlich die neue Herausgeberschaft. Die Fragen sind teilweise nicht unprovokant, die Antworten deutlich - allerdings muß man sich im Fandom auskennen, um dies zu bemerken und einige der Antworten richtig einzuordnen. Neben den "Dune"-Prequels beschäftigt sich das Interview aber auch mit den anderen Arbeiten von Kevin J. Anderson. Und obwohl zwangsläufig vieles nur oberflächlich angerissen wird, gelingt DiBoo eine umfassende Darstellung des Autors. Eine gelungene Darstellung.

Ebenso gelungen ist die Dialog-Seite, die sich diesmal und das Armageddon 2012 dreht. Christian Endres hat hier die satirischsten Kommentare zu diesem Aberglauben versammelt. Den Vogel dabei schiesst Uwe Post ab, der die Anrufe der Jahre 2012 und 2013 bei der Depressionshotline protokolliert hat. Spitze, Uwe !

Ich überspringe jetzt einige weitere lesenswerte Artikel, würde ich zu allem und jedem etwas schreiben, müsste ich hungern, denn in einer Stunde gibt es Essen. So überspringe ich den kommentierten Hobbit und Benjamin Stein (sollte ich den lesen müssen ?) und komme zu den SF-Jugendbüchern von Rolf Ulrici. Ich habe noch keines davon gelesen, sie waren etwas nach meiner Zeit. Doch natürlich habe ich sie in den Regalen gesehen, die Cover zumindest sind mir ein Begriff. Dank des ausführlichen Artikels von Olaf Brill sind mir jetzt auch die Inhalt nahegebracht worden, sehr schön. Und für die Sammler unter uns ist auch eine vollständige Aufstellung aller Ulrici-Jugendbücher inklusive Sammelbände beigefügt worden. Daumen hoch !

Der folgende Nachruf von Heiko Langhans auf den 2012 verstorbenen Autor Hans Kneifel ist einfach nur gut. Ich wünsche mir, das Atlantis die beiden bereits erschienenen Biographien der "Perry Rhodan"-Autoren neu auflegt und Heiko Langhans neue Bände über Ernst Vlcek und Hans Kneifel folgen lässt. Und Peter Terrid. Und und und ...

Ich überspringe jetzt wieder diverse Artikel, teils weil sie mich nicht interessieren, teils weil meine Frau mit dem Essen drängelt. So übergehe ich beispielsweise die amüsierte Darstellung der Masters of the Universe-Gimmicks und den einfühlsamen Nachruf auf Moebius und schließe diesen Kommentar zur neuen Magazin-Ausgabe mit demjenigen, der sie auch immer beginnt. Fast ganz am Ende ist ein langer Artikel von Horst Illmer über die Phantastik-Szene im Großraum Würzburg. Nicht nur aktuell, auch historisch stellt Illmer die gar nicht so kleine und ziemlich gewichtige SF&F-Szene in Main-Franken ab etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts dar. Sehr gelungen. [Allerdings fragt sich der überzeugte Hamburger und Großstadt-Snob, ob die stark kreative Aktivität dieser Gegend nicht vielleicht daran liegen könnte, daß in dieser abgeschiedenen Landschaft sonst nix los ist. Aber das ist ein anderes Thema.] {Ja, Horst, Du hast 'ne Gemeinheit gut. :-)}

Mein Fazit dieser 47. Ausgabe : phantastisch! wird immer besser.

Freitag, 20. Juli 2012

Der Agentenschreck (Artists and Models)



Der Agentenschreck (Artists and Models, 1955)
Darsteller : Jerry Lewis, Dean Martin, Shirley MacLaine, Dorothy Malone, Anita Ekberg
Regisseur : Frank Tashlin
Komponist : Harry Warren
FSK ab 12 Jahren
104 Minuten


Der erfolglose Maler Rick Todd (Dean Martin) und der ebenso erfolglose Kinderbuchautor Eugene Furlack (Jerry Lewis) teilen sich eine Wohnung in New York. Eugenes Vorliebe für Superhelden-Comics führt dazu, dass die beiden wieder einmal ihre Arbeit verlieren und Eugene nachts lautstarke Alpträume hat. Aus eben diesen Alpträumen entwickelt sich ein Comic-Erfolg, da Rick diese Alpträume in die Serie um "Vincent, the Vulture" umsetzt. Sie treffen die im gleichen Haus wohnende Comic-Autorin der "Bat-Lady" (Dorothy Malone) und ihr Model Bessie (Shirley MacLaine in einer ihrer ersten Rollen). Da Eugene die Geheimformel des neuen Raketentreibstoffs alpträumt, mischen Geheimdienste und Spione (Eva Gabor) das Idyll noch kräftig auf.

Ein klassischer Film mit Dean Martin und Jerry Lewis, in denen beide gekonnt vom Leder ziehen. Sich selbst, den Film und das ganze Genre nicht ernst nehmend, verhohnepiepeln sie gekonnt frühere Erfolge (Lewis "Schreibmaschine", Martins "That's Amore") und klonen elegant "Singing in the Rain". Ich hab' den Film so fünf-, sechsmal gesehen und konnte immer noch an einigen Stellen amüsiert grinsen. Mein Sohn, der ihn das erste Mal sah, hat so sehr darüber gelacht, daß er nicht nur fast vom Sofa gefallen wäre, sondern sich auch danach mit Kopfschmerzen vor Lachen erst einmal wieder in sein Zimmer zurückzog. Lohnt sich, auch wegen der überaus attraktiven Models, die den Film bevölkern. Und es ist interessant, drei große Schauspieler (Lewis, Martin, MacLaine) und eine "nur" sehr gute Schauspielerin (Malone) bei der Arbeit zuzusehen und zu vergleichen.


Donnerstag, 19. Juli 2012

Hans Kneifel (1936 - 2012)

Lieber Heiko Langhans,
danke für Deinen Nachruf auf Hans Kneifel in der neuen phantastisch!. Hans Kneifel war einer meiner Lieblingsautoren, seine frühen Romane um Jared Coln und die "Goldenen Menschen" und die drei Bände um Seymour Alcolaya waren mit das Erste, das ich im Bereich Science Fiction gelesen habe. Ich war betroffen, als ich von seinem Tod hörte, und keiner der Nachrufe, die ich damals las, entsprach meinem Bild des Autors, dessen lakonische Helden mir immer ein Vorbild waren. Erst Dein Nachruf lies Hans Kneifel und seine Romane so vor meinem geistigem Auge entstehen, wie ich ihn mir nach dem Wenigen, das ich über ihn wusste, immer vorgestellt habe. Danke dafür.

Ich erwarte auch von Dir, daß Du nach Deinen lesenswerten Biographien über Karl-Herbert Scheer und Clark Darlton jetzt einen ebenso schön geschriebenen Band über Hans Kneifel folgen lässt. Ich freue mich schon darauf.

Dein
SF-Dinosaurier

Inception



Inception (2012)
Darsteller : Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Cillian Murphy, Joseph Gordon-Levitt, Ken Watanabe
Regisseur : Christopher Nolan
FSK ab 12 Jahren
Studio: Warner Home Video - DVD
148 Minuten


Dom Cobb ist der Beste seines Fachs: Als „Extraktor“ stiehlt er wertvolle Geheimnisse aus dem Unterbewussten, wenn es im Traumzustand besonders angreifbar ist. Seine Fähigkeiten machen ihn zum begehrten Player in der Industriespionage, doch dafür muss er eine hohen Preis zahlen: Er befindet sich ständig auf der Flucht. Vielleicht bekommt er jetzt die Chance für ein neues Leben – allerdings nur, wenn ihm das Unmögliche gelingt: Diesmal geht es um Inception – er soll keine Idee stehlen, sondern sie jemandem ins Unterbewusstsein einpflanzen. Falls Cobb und sein Team Erfolg haben, gelingt ihnen das perfekte Verbrechen.
[Klappentext]

Mir gefiel der Film nicht.

Oh, nicht etwa weil er nicht gut ist. Im Gegenteil, Leonardo DiCaprio entwickelt sich, zumindestens für meinen Geschmack, immer mehr zum Garant für gute Filme. Und der Regisseur, Christopher Nolan, ist mir aus der Batman-Neuauflage durchaus ein Begriff. Auch die Geschichte ist angenehm nicht-trivial : Um eine Inception, das Einpflanzen eines Gedankens in ein Unterbewusstsein, vorzunehmen, müssen Cobb und seine Leute einen Traum in einem Traum in einem Traum durchführen. Und ebensowenig sind die dargestellten Probleme, etwa daß Cobb seine tote Frau regelmäßig in den Traum integriert, schlecht konzipiert oder dargestellt. Die nach und nach erzählte Geschichte von Mals Tod ist schon brilliant dargestellt.

Nein, das Problem, das ich mit diesem Film habe, ist schlicht und einfach meine eigene literarische Vorbelastung. Ich habe Kurzgeschichten, Romane und Epen, die sich um eine virtuelle Welt drehen, in Massen gelesen und dabei einen ganz eigenen, persönlichen Kanon, wie eine solche Welt funktioniert, was dort wie möglich ist, entwickelt. Und da bleibt mir der Film, bis auf zwei Sequenzen, zu sehr Mainstream, die Bilder sind zwar wirklich gelungen (insbesondere die Bond-Anspielungen in Kombination mit "Agenten sterben einsam" fand ich sehr schön), aber für mich persönlich zu wenig phantastisch. Was möglich wäre, wird kurz in den Szenen gezeigt, in denen Cobb mit Ariadne auf Traumreise geht und eine Eschersche Stadt entsteht. Sehr gefallen haben mir auch die "Strände des Unterbewusstseins", diese Bildsprache hat mich angesprochen.

Insgesamt ein sehenswerter Film für Leute, die nicht so wie ich extrem vorbelastet sind.


Mittwoch, 18. Juli 2012

NEOShield

Was gestern noch wie ein Märchen klang, ist heute bereits Realität. Dies ist die Wirklichkeit von morgen. In Europa gibt es keine Nationalstaaten mehr. Erste Versuche zur Besiedelung des Sonnensystems werden durchgeführt. Von Holland aus wird begonnen, den Meeresboden als Wohnraum zu erschließen. Immer noch ziemlich langsam durchqueren bemannte und unbemannte Raumschiffe unser Sonnensystem. Eines dieser Raumschiffe ist die Orion, ein anderes die Enterprise. Winzige Teile eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Koordiniert von NEOShield.
Ich empfehle, bei dem obigem Video den Ton auszustellen und stattdessen folgenden Ton zu hören :


NEOShield ist ein europäisches internationales Konsortium, das die Erde vor Near-Earth Objects schützt :



Das Ziel des Projects wird auf der Homepage von NEOShield folgendermaßen definiert :
The NEOShield project has been set up to carry out a detailed analysis of the open questions relating to realistic options for preventing the collision of a NEO with the Earth. The aim of the project is to provide solutions to the critical scientific and technical issues that currently stand in the way of demonstrating the feasibility of the promising mitigation options with a test mission.
Weitere Informationen erhält man hier.
Die beteiligten Unternehmen lesen sich wie ein Who is Who der europäischen Raumfahrt :  
  • DLR Institute of Planetary Research
  • Observatoire de Paris
    • LESIA: Laboratory of Space Studies and Instrumentation in Astrophysics
    • IMCCE: Institut de Mécanique Céleste et de Calcul des Éphémérides
  • Centre National de la Recherche Scientifique (National Centre for Scientific Research), CNRS
  • The Open University
  • Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut (Fraunhofer Institute for High-Speed Dynamics, Ernst-Mach-Institut), EMI
  • The Queen's University of Belfast
  • Astrium
    • Astrium GmbH, Friedrichshafen
    • Astrium GmbH, Bremen
    • Astrium Ltd, Stevenage
    • Astrium SAS, Toulouse
    • Astrium SAS, Les Mureaux
  • Deimos Space
  • SETI Institute Corporation, Carl Sagan Center
  • Federalnoe Gosudarstvennoe Unitarnopredpriyatie, Tsentralny Nauchnoissledovatelsky Institut Machinostroeniya (TsNIIMash)
  • University of Surrey, Surrey Space Centre
  • University of Bern
Die Ideen, die hier weiterentwickelt werden sollen, lesen sich, als hätten alle, aber auch wirklich alle Wissenschaftler und Verwaltungsbeamten dieses Konsortiums seit ihrer frühesten Jugend "Perry Rhodan" gelesen :

Kinetic Impactor [Empfehlung : Ton leise stellen und das Video mit dem obigem UFO-Trailer unterlegen.]

 
Blast Deflection

Traktorstrahlen

Es scheint mir, als hätten sich hier einige Leute mit einer sinnvollen Idee durchgesetzt und den Politikern und Finanzbeamten dies als Meteoritenabwehr schmackhaft gemacht. Mit 40 Millionen Euro Budget (unbestätigte Zahl, hat meine Frau nebenbei in "Echo des Tages" auf NDR-Info gehört) auch deutlich günstiger als der EURO-Rettungsschirm. (Und wen interessiert die Rettung des Euro schon, wenn uns so ein Ding auf den Kopf fällt ?) Trotzdem habe ich persönlich den Eindruck, daß dies zuviel Aufwand für ein paar popelige Steine ist. Mir kommt dies eher wie eine moderne Version von S.h.a.d.o. vor. SID sieht man im Video zum Kinetic Impactor, die Mondbasis wird schamhaft verschwiegen, aber wo ist der Skydiver ?


Alle Bilder sind der NEOShield website (www.NEOShield.net) entnommen. Die ist übrigens relativ neu und überraschend gut strukturiert, sehr gefällig vom Aussehen her. Falls einer der Verantwortlichen für diese Website mitliest : Es fehlen noch so ein paar Gimmicks, Wallpaper zum Download beispielsweise.

Dienstag, 17. Juli 2012

Pierre Bordage : Die Krieger der Stille




Pierre Bordage : Die Krieger der Stille
Die Krieger der Stille (Les guerriers du silence, F 1993)
Terra Mater (Terra Mater, F 1994)
Die Sternenzitadelle (La Citadelle Hyponéros, F 1995)
Paperbackausgabe Heyne 2007-2010, 16 €
Taschenbuchausgabe Heyne 2012, 10 €


Bordage ist kein Amerikaner.
Was sich zunächst wie eine triviale Platitüde liest, enthält beim genaueren Hinsehen eine extreme Tiefe und erklärt zum Beispiel die unterschiedliche Rezeption seiner Romane in Frankreich und Deutschland.

Die "Gründerväter" der amerikanischen SF in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts waren deutlich Kinder ihrer Zeit. Der vor Vietnam in den Staaten fest verwurzelte Fortschrittsglaube wurde durch keine Kritik, kein Hinterfragen, auch nur ansatzweise getrübt. Wenn auch selbst die Schriftsteller des Golden Age Zweifel an der Kompetenz ihrer Mitmenschen hatten (Heinlein ist hier ein gutes Beispiel), so waren sie doch alle grundsätzlich der Ansicht, daß genügend Ausnahmeindividuen existieren würden, um die Menschheit auf rauhen Pfaden zu den Sternen zu führen. Und daß die technologische Entwicklung diesen Ausnahmemenschen dabei helfen würde. Dabei wurden auch keine Grenzen des Machbaren gesehen, man denke nur an die Romane eines Alfred Elton van Vogt oder Frank Herbert. Und wenn auch die Zeitläufte durchaus kritische Stimmen in der angloamerikanischen SF erzeugt haben, so bleibt doch bis heute der Fortschrittsglaube ungebrochen. Der Glaube, daß technologischen Innovationen keine Grenzen gesetzt sind, schimmert auch heutzutage selbst in technikkritischen Romanen durch. Und ist überall das Leitmotiv. Denn kein angloamerikanischer Roman ist denkbar ohne eine logische naturwissenschaftlich-technische Erklärung der benutzten Zukunftstechnik. Jede Abweichung von diesem Prinzip führt zur abqualifizierenden "Das ist ja Fantasy, keine SF"-Wertung. Paradebeispiel für diese Sichtweise angloamerikanisch geprägter SF-Fans ist die Wertung von "Star Wars" als Fantasy, weil die Macht der Jedi nicht rational erklärt wurde. (Dies zwang dann Lucas zur Einführung der Midichlorianer und zur Demontage seiner eigentlichen Vorstellung der "Star Wars"-Saga.)

Die gilt für die angloamerikanische SF ebenso wie für die SF aus stark amerikanisch beeinflussten Staaten. Bzw. die Rezeption der SF in derartigen Ländern. Wie zum Beispiel Deutschland. Bereits in der Vorkriegszeit bestand eine stark naturwissenschaftlich-technisch orientierte Grundstimmung bei deutschen "utopischen Romanen". Durch die Besetzung der Amerikaner nach dem II. Weltkrieg wurde dieses "nüchterne" Denken in der Literatur, speziell der SF-Literatur, noch deutlich verstärkt. Der Erfolg von daraus hervorgegangenen technisch orientierten Serien wie "Perry Rhodan", "ZBV", "Ren Dhark" oder, im Fernsehen, "Raumpatrouille Orion" prägte Generationen und wirkt bis heute, ein halbes Jahrhundert später, nach. Dazu kam ein extrem starker Einfluß der "rationalen SF" durch Übersetzungen aus dem angloamerikanischem Raum, die über Jahrzehnte das Bild der SF in Deutschland prägten.

Im Gegensatz zu Deutschland ist (beispielsweise) Frankreich deutlich weniger durch "die Amerikaner" beeinflusst. Allein schon dadurch, daß keine amerikanische Besetzung stattfand (warum auch) und kein Wiederaufbau wie in Deutschland notwendig war. "Wiederaufbau" meine ich da weniger im Sinne der Reparatur von Kriegsschäden als im Sinne eine notwendigen Neustrukturierung der Gesellschaft, wie es in Deutschland unumgänglich war. Wenn auch die Legende der "Resistance" meiner Meinung nach deutlich übertrieben ist, so blieben doch die grundsätzlichen gesellschaftichen Strukturen in Frankreich vom Faschismus verschont, so daß das Leben in Frankreich nach dem Krieg prinzipiell unverändert weiterging und insbesondere Geschichte und Kultur ungebrochen weiterliefen.

In Deutschland ist es unmöglich, sich auf die "Edda" zu berufen. Selbst rudimentärste Schwenks in diese Richtung werden kritisch gesehen. So wurde beispielsweise vor Jahren auf einem Briefmarkenbogen absolut unverfängliche Runen abgedruckt, was prompt zu kritischen Kommentaren und zu einer Zweitauflage führte ("Heine"-Bogen). Dieser Teil unserer Geschichte ist von den Nazis einfach "verbrannt", ebenso wie eigentlich alle heroischen Epen der Vergangenheit (Siegfried, Roland, Barbarossa). Im Gegensatz dazu hat Frankreich kein Problem mit den Heldensagen ihrer Geschichte, insbesondere nicht mit mittelalterlichen Ritterepen.

Und genau das ist der Zyklus über die "Krieger der Stille" : Eine mittelalterliche Queste in die Ferne Zukunft projiziert. Die Menschheit hat sich ins All ausgebreitet, tausende von Jahren sind vergangen, Terra Mater, der Ursprungsplanet, ist eine Einöde, nur noch von Primitiven bewohnt. Die Menschen teleportieren sich mit Maschinen durchs Weltall, die unterschiedlichen Gesellschaftsformen der verschiedensten Planeten werden durch die Naflinische Konföderation zusammengehalten, deren Einhaltung durch die Krieger der Stille garantiert wird. Diese Krieger haben sich auf die Entwicklung des menschlichen Geistes konzentriert und ungeahnte Fähigkeiten entwickelt. Sie sind die Speerspitze der menschlichen Evolution. Doch wie jedes Licht auch seinen eigenen Schatten erzeugt, existiert als Konterpart der Krieger der Stille das Blouf, das die menschlichen Innovationen unterdrücken und die Menschen ausrotten will. Verkörpert wird es durch Künstliche Intelligenzen, Computer und Roboter, die die Menschheit ganz bewusst abgeschafft und verschrottet hat. Auf dem Planeten Hyponeros im Zentrum der Galaxis werden Androiden, die Scaythen, geschaffen, die, ähnlich den Kriegern der Stille, durch Gedankenkraft töten können. Zusammen mit den Adeligen von Syracuse und der Kirche des Kreuzes ersetzen sie die Naflinische Konföderation durch das Angsche Imperium, töten die Krieger der Stille und errichten eine Schreckensherrschaft. Die Tochter des letzten Indikkischen Meisters und ein Tumber Tor namens Tixu Oty sind dann die Kernzelle, die die Krieger der Stille wiederherstellen, der Herrschaft des Blouf ein Ende bereiten und das Potential der Menschheit, die Indikkischen Annalen, vor der Zerstörung schützen.

"Eine epische Wucht, die ihresgleichen sucht - es wäre ein Fehler, Pierre Bordage nicht zu lesen !" Soweit Andreas Eschbach, der im Klappentext zitiert wird. Wüsste ich nicht, daß Andreas nur seine tatsächliche Meinung für solche Klappentexte zur Verfügung stellt, würde ich dies als billige Werbung betrachten. Aber es ist nicht unbedingt verwunderlich, daß einem Autor wie Andreas Eschbach dieses Buch gefällt, denn er lebt in Frankreich und ist in der französchen SF-Szene ebenso zuhause wie in der deutschen. Man muß ein Faible für den nicht-amerikanischen, nicht-technikorientierten Stil von Pierre Bordage haben, um sein Erstlingswerk zu mögen. Ich habe dies (ich lese außerdem auch Fantasy), von daher kann ich im Gegensatz zu vielen deutschen reinen Hardcore-SF-Fans die epische Wucht, die Andreas anspricht, nur bestätigen. Es war für mich ein Genuß, diese Romane zu lesen, insbesondere als ich, wieder im Gegensatz zu deutschen SF-Fans, gänzlich andere Vorläufer dieser Trilogie fand, als "Dune" oder Simmons. Diese Analogieschlüsse entbehren jeder Grundlage und zeigen nur die Fixierung auf angloamerikanische SF des deutschen Fandoms.

Nein, die Geschichten um die Krieger der Stille haben Athos, Porthos, Aramis und D'Artagnan als Vorläufer, sogar der Kardinal hat seine Entsprechung im Roman. Und genauso, wie ich die "Drei Musketiere" und die beiden Folgeromane immer gerne gelesen habe und sie auch sauber bei mir im Regal stehen (und natürlich habe ich auch die DVDs), genauso habe ich die "Krieger der Stille" genossen. Die Geschichte wird nicht langweilig, gerade beim ersten Lesen war ich an vielen Stellen fasziniert von den für mich überraschenden Wendungen. Je weiter man auch in der Geschichte fortschreitet, desto mehr entfernt sie sich vom SF-Mainstream und desto stärker werden die Anklänge an klassische Epen des Mittelalters. Insbesondere die Phantastik und die Nicht-Erklärung technischer Zusammenhänge wird im Verlaufe der Trilogie immer stärker und, um im Eschbachschen Bild zu bleiben, immer wuchtiger.

Dies ist nicht jedermanns Sache, die Geschichte ist gänzlich anders, als man es normalerweise von der SF gewohnt ist. Von daher kann ich jeden bis zu einem gewissem Grad verstehen, wenn er diesen Stil ablehnt. Das heisst aber lange noch nicht, daß Pierre Bordage schlechte SF schreibt, das heisst nur, daß die eigene Leseerfahrung dafür nicht ausreicht. Ich jedenfalls habe die Trilogie genossen und kann sie jedem nur warm ans Herz legen.

Noch eines zu den Preisen : Sie sind wieder einmal brutale Abzocke. Seit Jahren wird SF&F-Fans das Geld aus der Tasche gezogen, um "hochliterarischen" Schrott querzusubventionieren. Man vergleiche nur einmal die Preise der SF&F-Büchern mit Krimis oder Western desselben Verlages oder, was noch viel heftiger ist, mit den Mini-Auflagen der Kleinverlage. Atlantis Hardcover kosten den Endverbraucher nicht mehr als die obigen Paperbacks, sind in der Herstellung aber mindestens doppelt so teuer. Daß dann als Taschenbuch nochmals ein dreiste Abzocke versucht wird (denn 10 € für ein TaBu sind schon ganz schön heftig), setzt dem Faß die Krone auf. Ich finde es jedenfalls zum Kotzen.

Montag, 16. Juli 2012

Gillian Bradshaw : Die Reiter der Sarmaten



Gillian Bradshaw : Die Reiter der Sarmaten (Island of Ghosts)
Aus dem Amerikanischem von Martin Schulte
Goldmann Taschenbuch, 415 Seiten
Originalausgabe und Deutsche Erstausgabe 1992
nur antiquarisch erhältlich


Die Sarmaten haben mit ihren Streifzügen jahrelang die römischen Donauprovinzen heimgesucht. Als es Kaiser Marc Aurel schließlich im Jahre 172 n. Chr. gelingt, sie niederzuwerfen, verlangt er als Friedensbedingung, daß sie ihre gefürchtete Kavallerie abtreten, die er in der unruhigen Provinz Britannien einsetzen will. Die ersten 1500 Reiter unter Führung ihrer drei Fürst-Kommandeure Arshak, Gatalas und Ariantes werden dem römischen Befehlshaber in Nordbritannien unterstellt und an den römischen Grenzwall verlegt, den sie gegen die Überfälle der aufrührerischen Stämme aus dem schottischen Hochland verteidigen sollen. Hier werden die an ein ungebundenes Nomadendasein gewohnten, freiheitsliebenden Sarmaten mit einer ihnen fremden Zivilisation und der strengen Disziplin der römischen Streitkräfte konfrontiert sowie in Verschwörungen und undurchsichtige Machtkämpfe verstrickt.

Aurelia Bodica, die ebenso schöne wie intrigante Britin und Frau des römischen Befehlshabers Priscus, ist Anhängerin einer extremen Druidensekte, die zur Durchsetzung ihrer Ziele auch vor Mord nicht zurückschreckt. Bodica möchte als Anführerin eines Aufstands die Römer aus dem nördlichen Britannien vertreiben und ein unabhängiges Reich errichten. Als sie versucht, die Sarmaten als Verbündete zu gewinnen, widersetzt sich Ariantes ihren verlockenden Versprechungen. Er will den Eid, den er dem Kaiser geleistet hat, nicht brechen, und er ist klug genug, um zu erkennen, daß sie gegen die römische Übermacht nur verlieren können. Doch der stolze und ehrgeizige Arshak läßt sich von Bodicas Verheißungen und Liebesbeteuerungen betören …
[Klappentext]

"Wir meuterten, als wir den Ozean erreicht hatten.
Seit einundfünfzig Tagen waren wir unterwegs, unsere drei Abteilungen, begleitet und bewacht von einer Kohorte der Dreizehnten Legion und zwei Abteilungen Auxiliarkavallerie. Ende Juli waren wir in Aquincum aufgebrochen. Wir waren durch die Augusthitze geritten, der Staub und die Fliegen hatten uns arg zugesetzt. Die meisten Armeestützpunkte, die uns auf dem Marsch mit Proviant versorgen sollten, waren auf die Verpflegung einer so großen Menge Menschen und Pferde nicht eingerichtet; niemand hatte sie benachrichtigt. Von den vorhandenen Vorräten nahmen die Römer das Beste für sich, für uns blieb nichts als saure Gerstensuppe und grobes schwarzes Brot. Wir waren diese Kost nicht gewohnt, sie machte uns krank. Die Hufe unserer Pferde nutzten sich auf den gepflasterten römischen Straßen ab, und die Tiere lahmten. Da die Römer sich weigerten, uns von ihren Ledervorräten abzugeben, schnitten wir die Lederverstärkungen der Wagenplanen auf und machten aus ihnen eine Art Sandalen für die Pferde. Schließlich, Anfang September, als wir Germanien verließen und in westlicher Richtung durch Gallien weiterzogen, begann es zu regnen. Das Wasser drang durch die lose hängenden Planen und durchnäßte alles: Schlafdecken, Proviant, Kleidung. Alles stank nach nasser Wolle, nassen Pferden, verfaulender Gerste, ungewaschenen, nassen Menschen; wir haßten den Geruch unserer eigenen Haut. Nur unsere Rüstungen und unsere Waffen waren vor dem Regen sicher: Sie waren in Aquincum wasserdicht verpackt und auf zwanzig besondere Wagen verladen worden, die von den Römern bewacht wurden.
Dann, eines Nachmittags kurz vor Mitte September - wir begannen gerade, aus dem Hügelland in die Ebene hinabzureiten -, da sahen wir es vor uns liegen: das Meer."

Soweit der Beginn des Buches. Gillian Bradshaw schreibt hier über den historisch authentischen Einsatz der Sarmaten, einem Reitervolk verwandt mit den Skythen, in Großbritannien. Dabei schreibt sie im Nachwort exakt, wo sie von der historischen Wirklichkeit abgewichen ist. Es ist nur wahrscheinlich, nicht aber abgesichert, daß die Sarmaten nach ihrer Niederlage ihre schwere Kavallerie in den Dienst des römischen Kaisers stellen mußten. Auch der "Donnersieg", auf den im Buch öfter angespielt wird, hat so nicht stattgefunden. Da die Autorin, wie sie schreibt, aber keine historische Quelle der Entscheidungsschlacht zwischen Römern und Sarmaten gefunden hat, benutzte sie dieses bei Dio Cassius beschriebene Gefecht, um die Niederlage der Sarmaten darzustellen.

Viel interessanter als diese historischen Ungenauigkeiten sind aber die Beschreibungen der Lebensart und der Denke des Nomadenvolks, der britannischen Ureinwohner und der Römer. So wird an mehreren Stellen dargestellt, daß die Sarmaten und insbesondere der Held, Ariantes, nach unseren heutigen Maßstäben ebenso wie nach den damaligen römischen Idealen ein blutrünstiger Barbar war, der besiegte Feinde skalpierte und ihre Schädel als Trinkschalen benutzte. Aber eben nicht, und das ist das eigentliche Thema des Romans, nach den Maßstäben seiner eigenen Gesellschaft. Anhand seiner Aktionen und dem Verhalten der anderen beiden Fürsten, die mit dem ersten Sarmaten-Treck nach Britannien geschickt wurden, stellt Gillian Bradshaw plastisch den Ehrbegriff der Sarmaten dar und schildert im Zusammenspiel mit den Britanniern die Lebensweise dieses Nomadenvolks.

Mir gefällt dieses Buch besonders wegen der Darstellung des Protagonisten. Fürst Ariantes ist ein realistisch denkender Mann, der nach dem Tod seiner Frau und seiner Kinder im Krieg stark zur Melancholie neigt. Ohne dies ausdrücklich und explizit zu betonen gelingt es Gillian Bradshaw, dies allein durch die Darstellung der Ereignisse zu beschreiben, die an Ariantes im ersten Drittel des Buches sozusagen vorbeilaufen. Man merkt, daß nur die Verantwortung, die er gegenüber seinen Kriegern verspürt, ihn aufrecht hält. Erst als er sich gegen Arshaks und Bodicas Verschwörung gegen die Römer zur Wiederherstellung eines alten Britanniens wird er lebhafter. Und wacht vollends auf, als er Pervica, eine britannisch-römische Witwe trifft. Gillian Bradshaw schildert Ariantes als einen realistisch denkenden und sehr auf seine Würde bedachten Mann. Insbesondere letzteres nimmt sie amüsiert auf die Schippe, ich frage mich, wer ihr hier aus dem RL wohl Modell gestanden hat.

Insgesamt ein sehr angenehmer historischer Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.

Sonntag, 15. Juli 2012

Gillian Bradshaw : Die Tochter des Bärenzähmers



Gillian Bradshaw : Die Tochter des Bärenzähmers (The Bearkeepers' Daughter)
Aus dem Amerikanischem von Nils-Henning von Hugo
Hardcover, Bertelsmann ca. 1990, Originalausgabe 1987
nur noch antiquarisch erhältlich


Mitten in der Blütezeit des Konstantinopels im sechsten Jahrhunderts kann nichts die Herrschaft des mächtigen Kaisers Justitian und seiner Gemahlin Theodora, einer ehemaligen Kurtisane und Tochter eines Bärenzähmers, erschüttern. Eines Tages kommt der junge Johannes von Bostra in diese exotische und pulsierende Stadt und behauptet, Theodoras Sohn zu sein. Die Kaiserin will mit allen Mittel verhindern, daß diese Botschaft bekannt wird, schließlich ist der äußerst tüchtige Mann tatsächlich ihr Sohn. Johannes findet sich schon bald in einem Netz von Lügen und Intrigen wieder - hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Mutter und dem Wunsch nach einem eigenen Leben, versucht er, diesen Verstrickungen zu entkommen und sein Glück zu finden.
[Klappentext]

Letztens suchte ich etwas zu lesen. Ich dachte so an Hardcore-Science Fiction, Space Operas oder so. Und so stand ich vor meinen Regalen und überlegte, was ich mir denn jetzt vornehmen sollte. (Ich stehe dann so vor meinen 20.000 Büchern, gucke meine Frau an, Stoßseufzer : "Ich hab' nichts mehr zu lesen." Auch nach einem Vierteljahrhundert wird die Beste Ehefrau von allen nicht müde, darüber zu lachen und mich mit dieser Marotte aufzuziehen. Aber das Buch muß eben passen - und es ist genetisch. Denn wie sagte mein Sohn letztens, abends, als wir gemütlich zur Pizza eine DVD gucken wollten ? "Was gucken wir denn ? Danach muß ich ja meinen Belag auswählen." Aber das ist ein anderes Thema.) Statt einer Space Opera blieb ich bei meinen historischen Romanen hängen. Neben Michener und Mielke stehe ich auf Gillian Bradshaw und schnappte mir einen meiner Lieblingsromane von ihr über Justinian und Theodora.

Warum ich diesen Roman anderen von ihr vorziehe ? Keine Ahnung. Wahrscheinlich liegt es an der Darstellung der Kaiserin Theodora, die die Autorin als emanzipierte Frau beschreibt, ohne historisch aus der Rolle zu fallen. Denn ebenso wie bei Michener kann ich mich bei Bradshaw darauf verlassen, daß die Geschichte halbwegs konsistent ist, in die Zeit passt und keine groben geschichtlichen Schnitzer enthalten sind. Natürlich ist die Geschichte um den illegitimen Sohn der Kaiserin Theodora an den Haaren herbeigezogen - allerdings gibt es in Prokops "Geheimgeschichte" tatsächlich einen Hinweis darauf. Jedoch ist die Geschichte, die Action, nur der Aufhänger einer faszinierenden Beschreibung der jeweiligen Epoche bei Gillian Bradshaw. Und in jedem Roman wird im Vor- oder Nachwort auch von ihr beschrieben, was Fiktion und was Realität ist und wo sie die Geschichte um der Story Willen verbogen hat.

Man sollte sich auch nicht vom Klappentext täuschen lassen. Nach dem (zugegebenermaßen kitschigem) "Leuchtturm von Alexandria" wurde Gillian Bradshaw in Deutschland in die Rubrik "historische Frauenromane, kitschig" einsortiert und danach die Klappentexte geschrieben. Der gemeine SF&F-Fan sollte aber ihre Artus-Saga kennen und wissen, daß die Autorin alles andere als Frauenkitsch schreibt. Da ich momentan nach Jahrzehnten wieder einmal alle ihre auf Deutsch erschienenen Romane lese, werde ich hier im Blog auch kurz meine Eindrücke dazu aufschreiben. So kann sich allein von den Themen her jeder selbst ein Bild machen.

Samstag, 14. Juli 2012

Urheberrecht (IX)

"Harry Potter" kennt jeder. Aber wer hat schon einmal von "Tanya Grotter" gehört ? Über diese und andere Urheberrechtsstreitigkeiten im Umfeld des Zauberlehrlings hat Timothy Wu bereits 2003 einen lesenswerten Aufsatz geschrieben, der von Ralf Hagen übersetzt wurde. Link

Kevin Costner : The Postman



The Postman
Darsteller : Kevin Costner, Will Patton, Larenz Tate
Regisseur : Kevin Costner
Komponist : James Newton Howard
FSK ab 12 Jahren
Produktionsjahr : 1997
Spieldauer : 170 Minuten


In einem postapokalyptischem Amerika kämpft Kevin Costner für den Erhalt der Zivilisation.

Dies ist ein ureigener amerikanischer Film, der insbesondere bei den Jüngeren unter uns auf absolutes Unverständnis stoßen dürfte. Im ersten Teil zeigt Costner das Amerika, das nach einer Katastrophe entstanden ist. Einzelne Dorfgemeinschaften haben überlebt, das Land wird von Warlords beherrscht. Auf der Flucht vor einem solchem Warlord findet der namenlose Protagonist ein altes verrottetes Postauto und ein Skelett mit einer Uniform. Um von den Dorfgemeinschaften zu schnorren, gibt er sich als Postbote aus. Dies wird nicht nur von den Dörflern begeistert aufgenommen, es eskaliert auch nach dem Schneeballsystem. So wird der Postdienst zum neuen Zivilisationskern.

Der Film beginnt langsam. In den ersten 45 Minuten zeigt Costner das Amerika nach der Katastrophe. Erst dann findet er die Postboten-Uniform zusammen mit uralten Briefen und der eigentliche Film beginnt. Und auch wenn zwischendurch ganz bewusst langsamere Passagen eingebaut wurden, nimmt der Film ab diesem Zeitpunkt ähnlich wie eine Lawine immer mehr Fahrt auf. Diese Choreographie ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, mir hat es gefallen.

Viel wichtiger als der handwerkliche Stil ist aber die Botschaft, die Costner damit rüberbringt. In der Tradition von John Wayne zelebriert er den echten American Way of Life, der in den letzten Jahrzehnten vielfach verlorengegangen ist. Indem er den späteren Postman in dem ersten Teil als egoistischen Herumtreiber und Streuner darstellt, wendet er sich gegen die Bigotterie des Establishments. Dies greift Costner später noch einmal auf, wenn er den Bürgermeister einer dörflichen Enklave als ehemaligen Rockstar identifiziert. Der Film sagt klar und deutlich, daß sich eine Zivilisation nur auf den amerikanischen Grundwerten basierend aufbauen lässt : "Life, liberty and the pursuit of happiness". Dies widerspricht den "Geiz ist geil"- und "Arbeiten, arbeiten, arbeiten"-Slogans, die seit einigen Jahren als alleinige Wahrheit proklamiert werden. Von daher wundert es mich nicht, daß dieser Film an den Kinokassen floppte. Ich habe ihn genossen und kann den "Postman" nur jedem weiterempfehlen.

David Brin : The Postman (1985)
IMDB
The American Way of Life


Freitag, 13. Juli 2012

High Line

Wer kennt sie nicht, die High Line ?
Vielleicht nicht den Namen, aber das ist die U-Bahn-Strecke, die in diversen New Yorker Filmen auf Stelzen durch die Gegend rattert. Jetzt gibt es sie nicht mehr, die Stecke wurde 1980 stillgelegt.
Stattdessen ist daraus ein Park geworden, ein Grünfläche über den Dächern von NY.


Dies sind nicht meine Bilder, sondern ein Screenshot eines der Flickr-Albums der "Friends of the High Line". Auf Flickr kann man die Photos auch in Originalgröße bewundern, ich finde es faszinierend. In den verschiedenen Alben kann man auch noch andere interessante Photographien ansehen. Lohnt sich. Und wer sich für die Geschichte der High Line interessiert, wird auf der (englischen) Wikipedia fündig.

Hier ein TIME-Bericht über den Park :

Superhelden : Hulk, Thor und Captain America



Hulk
Darsteller : Edward Norton, Liv Tyler, Tim Roth, William Hurt, Tim Blake Nelson
Regisseur : Louis Leterrier
FSK ab 16 Jahren
Produktionsjahr : 2008
Spieldauer : 113 Minuten

Bruce Banner auf der Flucht vor dem Militär. Bisher die schlechteste Superhelden-Verfilmung der Neuzeit, die ich gesehen habe. Die Story ist platt, wie in den Comics ist Hulk eine Mischung aus King Kong und Dr. Kimble. Allerdings mit beeindruckenden Special Effects. Doch trotzdem gelingt es den Schauspielern nicht, dieser Story Leben einzuhauchen. Was meiner Meinung nach weder am Regisseur, noch am Drehbuch, noch an den Akteuren liegt. Alle geben ihr Bestes, fast hat der Hulk so etwas wie eine Persönlichkeit und fast ist die Geschichte sinnvoll. Aber eben nur fast, die Vorlage ist einfach Mist, der Film etwas besser, aber auch noch unterirdisch. Ein echter Ausfall unter den Marvel-Filmen.


Thor
Darsteller : Chris Hemsworth, Natalie Portman, Anthony Hopkins
Regisseur : Kenneth Branagh
FSK ab 12 Jahren
Produktionsjahr : 2011
Spieldauer : 115 Minuten

Die Geschichte von Thor ist genauso dümmlich wie die des Hulk. Der Donnergott, Sohn Odins, als profaner Superheld. In den Comic-Zeichnungen im 70er-Jahre-Outfit. Gruselig. Hab' ich mir nix von versprochen, wollten wir aber im Hinblick auf die "Avengers" gucken. Und zu meiner Überraschung sehe ich einen großen Film mit beeindruckenden Bildern, einer nicht-trivialen Story und sehr schön motivierten Protagonisten. Die Asen sind keine Götter, sondern eine hochtechnologisierte Rasse, die seit Urzeiten gegen eine andere Rasse, die Eisriesen kämpfen. Nach einer seiner üblichen Eskapaden kriegt Thor von Odin einen Tritt und fliegt raus aus Walhalla, direkt auf die Erde. Loki ist sein Stiefbruder, ein Waisenkind der Eisriesen, von Odin an Sohnes Statt angenommen. Und schon immer eifersüchtig auf Thor. Der Rest ist Geschichte, sehbar auf DVD oder im Kino. Das Einzige, das mir an diesem Film nicht gefallen hat, war die in meinen Augen zu schnelle Wandlung des Helden vom Saulus zum Paulus, ein echter Schönheitsfehler. Aber davon abgesehen ist "Thor" ein Film, den man sich auch als Nicht-Superheldenbegeisterter ansehen sollte.


Captain America
Darsteller : Chris Evans, Hayley Atwell, Sebastian Stan, Tommy Lee Jones, Hugo Weaving
Regisseur : Joe Johnston
FSK ab 12 Jahren
Produktionsjahr : 2011
Spieldauer : 124 Minuten

Captain America ist eine Propaganda-Figur des II. Weltkriegs. Da gehört er hin, heutzutage hat er eigentlich keine Funktion mehr. Und die Geschichte ist auch überholt - sagte derjenige, der diesen altmodischen "Hellboy" schon mehrfach gesehen hat. Hätte mich warnen sollen, denn der Film ist alles andere als altbacken oder überholt. Wie bei Hulk wird Steve Rogers durch ein nicht-wiederholbares Experiment (der geniale Wissenschaftler wird von Nazi-Agenten umgebracht) zum Superhelden. Als Anschauungsexemplar wird ihm eine wichtige Rolle beim Militär übertragen : Er darf durch die Staaten tingeln und Kriegsanleihen verkaufen. Wie er doch noch zum Kriegshelden wird und am Kriegsende im Ewigen Eis eingefroren wird schildert dieser Film. Selbstironisch nimmt er dabei die eigene Comic-Geschichte auf die Schippe, die Macher zeigen die damalige Propaganda, ohne in amerikanischen Hurra-Patriotismus zu verfallen. Zwei weitere Punkte machen diesen Film dann endgültig sehenswert. Zunächst wird Captain America dargestellt als jemand, der nicht Feinde töten, sondern Unschuldige beschützen will. Das wird explizit im Film gesagt und glorios in der letzten WWII-Szene dargestellt. Dann hat der Regisseur definitiv alle Indiana-Jones-Filme gesehen. Das Ergebnis sind diverse Action-Szenen, die das Ganze zu einem gelungenem Abenteuerfilm machen. Ich habe ihn genossen und kann "Captain America" nur weiterempfehlen.