Samstag, 14. Februar 2015

TERRA SF 497 - Conrad Shepherd : Geheimagent der Erde


Conrad Shepherd : Geheimagent der Erde
Terra SF 497, 30.12.1966
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Wie in den unzähligen Geheimagentenserie im Fernsehen oder Kino sowie den utopischen Agentenstoffen erhält Wyngate einen Auftrag, eine streng geheime Mission, trifft auf eine schöne Frau, wird in diesem Fall in ein Mordkomplott verwickelt, mit dem man ihn ausschalten will, muss autark die Hintermänner jagen und schließlich überführen. In einem dramatischen Showdown ist allerdings noch eine bitterböse Pointe eingebaut, die einige der bislang als echt angenommenen Fakten als Fiktion herausstellt.
aus der Rezension von Thomas Harbach auf SF-Radio

Auch dieser Roman war für mich ein positives Leseerlebnis. Conrad Shepherd alias Konrad Schaef erzählt von Harold Wyngate, dem Agenten der terranischen Anti-Atom-Behörde, der auf einen Planeten entsandt wird, um einen Atomkrieg zu verhindern. Den Rest des Romans hat Thomas Harbach oben sehr schön und präzise zusammengefasst, "Geheimagent der Erde" hat schon einen heftigen Touch Trivialität.

Während die Story nun wirklich nicht bemerkenswert ist, sind es einige stilistische und inhaltliche Details um so mehr. Zunächst fiel mir die Ähnlichkeit von Shepherds Erzählung mit dem gleichzeitig publizierenden Hans Kneifel auf. Shepherd schreibt ebenso wie Kneifel einen sehr lakonischen Stil, ebenso wie bei Kneifel ist hier Harold Wyngate ein "Starship Trooper" im positivsten Sinn als jemand, der sich und sein Leben auf die Verteidigung der Zivilbevölkerungen vor militärischen und sonstigen Übergriffen gewidmet hat. Diese Form des Altruismus, die bei Atlan, Seymour Alcolaya als auch bei Harold Wyngate zutage tritt, ist heute mehr als unpopulär. Aber ich finde, der positivistisch-utopische Ansatz dieser Autoren ist weder veraltet noch überholt und sollte öfter bei zeitgenössischen Schriftstellern anzufinden sein.

Ein inhaltliches Detail, das mir auffiel und von Thomas Harbach ausführlich behandelt wird, ist der konträre Ansatz zu Atomwaffen, den Conrad Shepherd relativ zu Karl-Herbert Scheer hat. Scheer vertritt einen eher militärischen Standpunkt zu Atomwaffen, sieht sie als legitime taktische Waffe und geht davon aus, daß man mit dem Strahlungsproblem schon fertig werden würde. Shepherd hingegen verortet den Einsatz von Atomwaffen jenseits der Ultima Ratio, versteht ihren Einsatz als Verbrechen und geht nicht davon aus, daß die Wissenschaft durch den Einsatz atomarer Waffen hervorgerufene Schäden abmildern kann. Diese gegensätzlichen Einstellungen dürften mit dafür verantwortlich sein, daß Konrad Schaef nur drei Perry Rhodan-Romane geschrieben hat.


Links
PERRYPEDIA-Eintrag
Die Terra- Chroniken (Rezension von Thomas Harbach auf SF-Radio)

Freitag, 13. Februar 2015

TERRA SF 496 - George Henry Smith : Wie ein Feuerball


George Henry Smith : Wie ein Feuerball (The unending Night)
Terra SF 496, 23.12.1966
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1964
Aus dem Amerikanischen von Heinz Zwack
Titelbild : Johnny Bruck


It all started with a runaway chain reaction in a gigantic thermonuclear power plant on Mars, where Earth’s surplus population was trying to establish new elbow room.

Then came the horrendous explosion and, without warning, the basic unity of the solar system was disrupted. Mars moved toward Earth to exert tremendous new gravitational pressures on it.

Phoebus and Demos, Mars’ two tiny moons, were caught and pulled apart by this new influence, breaking up into large segments and falling to Earth as giant meteors. Thousands of fires raged; tidal waves swept inland; earthquakes shook the planet!

And still Mars moved closer and closer, until it was a ball of blood in the heavens, three times the size of the moon. Truly it looked as if the end of the world had come!
Klappentext der Originalausgabe

Ein sehr interessanter Roman, deutlich besser als ich es erwartete. Erzählt wird aus der Perspektive von Lee Rilke, einem theoretischem Physiker, dessen Bruder basierend auf seinen Ergebnissen zwei gigantische Fusionsrekatoren gebaut hat. Als aufgrund von Selbstüberschätzung und dem Primat des Profits über die Sicherheit der Reaktor auf dem Mars explodiert und sich der ganze Planet der Erde nähert legt der Roman erst richtig los und stellt die negativen Aspekte scheinbar großer Persönlichkeiten überdeutlich dar.

Was mich besonders fasziniert hat war die überdeutliche Fascchismuskritik, die in diesem Roman vorhanden war. Kitty Newton, die Zeitungsreporterin, wird explizit als Rassistin und Fascchistin gezeichnet, die lieber den Rest der Menschheit untergehen lässt als von ihrer Ideologie der Elite abzurücken. Der Wahnsinn einer solchen Denke wird schön beschrieben - und das 1964 und von einem Amerikaner.

George Henry Smith (1922-1996) schrieb nicht nur SF/F, sondern auch erotische Romane, teilweise Mainstream, teilweise mit SF/F-Anteil. Ich persönlich kenne bisher noch keinen weiteren Roman von ihm und kann nur auf die SFE und die Wikipedia hinweisen. Es könnte sich aber lohnen, mehr von diesem Autor zu lesen.
SFE-Eintrag
Wikipedia-Link

Donnerstag, 12. Februar 2015

Jim Butcher : Blendwerk



Jim Butcher : Blendwerk (Skin Game)
Die dunklen Fälle des Harry Dresden 15
Taschenbuch, 656 Seiten, 15,99 €
Feder&Schwert 2014
Originalausgabe 2014
ISBN 978-3-86762-219-6


Harry Dresden steht ein schlechter Tag bevor, denn als Winterritter der Königin der Luft und der Dunkelheit weiß er nie, welche Ränke Mab gerade schmiedet und wie seine Rolle darin aussieht. Üblicherweise hat sie Übles mit ihm im Sinn. Doch diesmal kommt es besonders dick.

Mab hat Harry ausgeliehen, um eine alte Schuld zu begleichen, und nun muss er einer Gruppe übernatürlicher Schurken unter Führung eines seiner gefürchtetsten und verhasstesten Feinde, Nicodemus Archleone, helfen, Zutritt zum bestgesicherten Tresorraum im Niemalsland zu erlangen. Dabei geht es darum, keinem Geringeren als Hades, dem Gott der Unterwelt, den legendären Heiligen Gral zu entwenden.
Klappentext

Auch der 15. Band der Harry Dresden-Serie wird nicht langweilig, Jim Butcher gelingt es, Stereotype zu vermeiden und trotzdem das typische Harry-Feeling hervorzurufen. Dabei begnügt er sich nicht mit einer einfachen Gangstergeschichte, sondern baut die Verschwörung innerhalb einer Verschwörung innerhalb einer Verschwörung auf. War wieder einmal ein ganz exquisites Lesevergnügen - allerdings verliere ich so etwas den Überblick über die vorhergehenden 14 Bände. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal ein Dresden-Revival einlegen ...

Auffallend bei diesem 15. Band ist zweierlei. Erstens die Kreativität, die Butcher an den Tag legt. Wobei mir nicht ganz transparent ist, ob dies eine reine Schriftsteller-Kreativität ist oder sich mehr ins Rollenspiel-Entwickeln verlagert hat. Denn der Raid auf Hades' Schatzkammer erinnerte schon sehr stark an gute alte AD&D-Zeiten. Das zweite Auffallende ist die relativ geringe Weiterentwicklung der Hauptfigur selbst. Nach 14 Romanen und einem Kurzgeschichtenband erwartet man schon eine Weiterentwicklung, die sich auch in den Beziehungen von Harry zu seinem Umfeld und seinen Freunden wiederspiegelt. Aber es scheint, als hätte Jim Butcher gewisse Vorbehalte dagegen, sozusagen die Angst, daß Harry zu seßhaft werden würde. Mal den nächsten Band abwarten, ob dort die Entwicklungen der letzten Zeit konsolidiert werden.

Blogeinträge
Jim Butcher : Dresden Files
Jim Butcher : Nebenjobs

Mittwoch, 11. Februar 2015

D9E 03 - Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel



Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel
D9E 03
Wurdack Verlag, 2014
Taschenbuch, 304 Seiten, 12,95 €
alternativ als eBook erhältlich (8,99 €)
Titelbild : Ernst Wurdack
ISBN-10: 3955560120
ISBN-13: 978-3955560126
Kindle-ASIN: B00JDSYJ7K


Der Schwere Prospektorenraumer SCARDANELLI operiert in abgelegenen Tiefen der Galaxis.

Als die Crew nach langem Überlichtflug die Schlafkojen verlässt, muss sie feststellen, dass die Position des Schiffes unbestimmt ist. Die Telemetriedaten sind spärlich und sie ergeben absolut keinen Sinn. Auch Navigator Guardes, der das Schiff gesteuert hat, vermag nichts zur Aufklärung beizutragen.

Auffällig ist jedoch, wie sehr sich Igor Nastow, der Bordkybernetiker, vor den Navigator stellt. Während die Crew noch darum kämpft, Licht in das Dunkel zu bringen, taucht in der sternlosen Ferne eine riesige kristallomorphe Struktur auf ...
Klappentext

Das hab' ich so oder so ähnlich schon mehrmals gelesen. Denn Matthias Falke schreibt hier eine gelungene Melange aus "Alien" (dem Original des Franchise) und "Ten little Niggers" (der klassischen Agatha-Christie-Geschichte). Und er schreibt sie gut, sehr bildhaft, der Leser kann sich der Bilder praktisch nicht erwehren. Dabei gelingt es ihm, der Geschichte mehrfach einen vom Leser unerwartetem Twist zu unterwerfen und - was ich persönlich für am besonders schön fand - am Ende das Ganze noch in ein offenes Fast-Happy-End münden zu lassen.

Wie bei Matthias Falke nicht anders zu erwarten liegt das Hauptaugenmerk auf den Figuren, weniger auf der Technologie. Ralf Steinberg hat das in seiner Rezension auf fantasyguide.de schön beschrieben :
Falkes Figuren sind selten sympathisch und auch seine Besatzung der Scardanelli enthält keine Lichtgestalten der Raumfahrt. Der Kapitän ist ein Säufer, sprunghaft und cholerisch, sein Stellvertreter ein aalglatter Schönling, hinzu kommen noch ein perverser Techniker, ein intriganter Gierschlund, eine Hondh-Gläubige, ein fetter Faulsack, eine drogensüchtige Technikerin mit Minderwertigkeitskomplexen und als Zugabe, der unbeleckte Neuling. [...] Diesem Konflikt opfert Falke einige Konsistenzen in technischer Hinsicht. So gibt es zwar Geräte, die allerlei Dinge beliebig herstellen können und auch technischen Sachverstand ist vorhanden, diese einzusetzen. Am schlechten Gesamtzustand des Schiffes ändert dies jedoch nichts. Hier gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen den beschriebenen Möglichkeiten und ihrer Verwendung.

Insgesamt gesehen ein kurzweiliger Roman, der Stoff für eine Fortsetzung enthält. Ich persönlich fand ihn ausgezeichnet, im Lesezirkel auf sf-netzwerk.de kam er allerdings eher schlecht weg. Aber da sollte sich jeder sein eigenes Bild machen.

Dienstag, 10. Februar 2015

D9E 02 - Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen



Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen
D9E - 02
Taschenbuch, 248 Seiten
Wurdack 2014
Titelbild : Alexander Preuss
ISBN-10: 3955560112
ISBN-13: 978-3955560119
Kindle-ASIN: B00HUW0JWK


Als eine junge Astrophysikerin die Gelegenheit erhält, eine Expedition zu dem rätselhaften Zwergstern ERC 238 auszurüsten, ist ihre Freude groß, mehr noch, weil ihre große Liebe mit von der Partie sein wird.
Doch dann häufen sich unerklärliche Vorfälle: Der Bordarzt verschwindet und wird durch eine undurchschaubare Kollegin ersetzt, Geräte fallen aus, Spuren einer untergegangenen Zivilisation werden entdeckt. Bald scheint eine Rückkehr mehr als unwahrscheinlich.
Und ERC 238 hat sein letztes Geheimnis noch nicht preisgegeben …
Klappentext

Der zweite Roman der D9E-Reihe aus dem Wurdack-Verlag. Niklas Peinecke hat hier einen schönen SoW-SF-Roman vorgelegt, der gänzlich andere Aspekte des Hondh-Universums vor dem Leser ausbreitet, als es der Opener von Dirk van den Boom getan hat. Hier geht es weniger um die gute alte Erde, sondern mehr um den Rest der Menschheit, der sich im Universum ausgebreitet hat.

Nach einer langsamen und gefühlvollen, trotzdem aber handlungsbetonten Einführung geht es erst recht spät an das eigentliche Thema, die Erkundung von ERC 238, heran. Das lässt dem Leser Zeit, sich an die Protagonisten zu gewöhnen, Menschen ebenso wie KIs. Der Plot an sich ist nichts Neues, die Ausführung und der Spaß, den der Autor beim Schreiben hatte und den er zum Leser weitertransportiert, machen die Lektüre aber zu einem Genuß. Florian Breitsameter hat dies in seiner Rezension auf SF-Fan wunderbar ausgedrückt :
Der Humor ist manchmal eher subtil eingesetzt, an anderen Stellen wird er etwas offensichtlicher. Zwei Textbeispiele zeigen dies ganz schön: »Die derzeitige Lieferzeit beträgt 39 Monate.« (…) »In der Zeit könnte ich meine eigene Crew gebären, und bei Auslieferung des Schiffes wären sie alt genug, um das Ding zu fliegen.« und »Statt einer Antwort wackelte Hackbot mit den Steuerdüsen, ließ probeweise das Triebwerk anlaufen und kritzelte mit einem Laserscanner etwas Obszönes in den Staub auf dem Fußboden. »Es sollte gehen«, schnarrte er.«
Mit einem Cliffhanger nach einem aktionsreichem letzten Drittel schliesst der Roman. Ich fand ihn sehr gut lesbar, interessant und freue mich schon auf die Fortsetzung.

Angelegt ist die Aschen-Geschichte auf drei Romane. Und da kommt auch mein einziger Kritikpunkt an der Trilogie : Die Abstände von einem Jahr sind mir persönlich zu lange. Als ich diesen Punkt im Lesezirkel auf SF-Fan ansprach, erwiderte Dirk van den Boom
Aber unter den ökonomischen Bedingungen, unter denen wir nun einmal arbeiten, ist mehr nicht drin. Und nein, das Autorenteam künstlich aufzublasen hilft auch nicht, da der dadurch entstehende Koordinierungsaufwand von niemandem betrieben werden kann.
So lange die Verkäufe sich nicht in einem Bereich bewegen, der wirkungsvoll und nachhaltig zum Lebensunterhalt der beteiligten Autoren beitragen kann, sind das verständliche Wünsche interessierter Leser, die ja auch sehr schmeichelhaft sind. Aber zumindest ich habe eine Familie zu ernähren und möchte Nachts gerne auch mal schlafen - und hin und wieder auch mal was anderes tun als schreiben, man glaubt es kaum. Sorry. Aber so funktioniert es einfach nicht.
Niklas Peinecke fügte hinzu :
Alfred, es gibt immer noch Autoren die noch mehr als Diboo schreiben. Die nennt man dann Wolfgang E. Hohlbein ;) Spaß beiseite, wenn man hauptberuflich schreibt, kann man das bringen, aber dann würde ich auch nicht mehr SF-Romane pro Jahr schreiben, weil ich mich dann nämlich auf profitablere Schienen verlegen müsste: Thriller, Krimi, Frauenromane. Eine nette Buchhändlerin hat neulich zurückhaltend reagiert auf mein Lesungsangebot: Ja, Lesungen machen sie, aber SF lieber nicht, denn SF-Leser kommen nicht zu Lesungen. So einfach ist das, leider.

Tja, da kann man wohl nichts machen. Bis zum Abschluß der Trilogie Anfang 2016 werde ich wohl noch ein bißchen warten müssen.

Montag, 9. Februar 2015

Frank Lauenroth : Black Ice



Frank Lauenroth : Black Ice
Originalausgabe
Begedia 2014
Taschenbuch, 264 Seiten, 12,50 €
alternativ als eBook erhältlich (5,99 €)
Titelbild : Susan Gerardi
ISBN 978-3-95777-012-7


Seit Jahren ist Frankie mit seinem Raumfrachter Corona allein im Overstream unterwegs. Er arbeitet hart und achtet die allzu wandelbaren Gesetze der Planeten in den äußeren Systemen.

Als sich beim Anflug auf Clarion Prime jemand auf sein Raumschiff portiert, ahnt Frankie noch nicht, dass sich durch diesen Fremden sein gesamtes Leben ändern wird.

Vielleicht hätte er die Ladung BLACK ICE - eine perfekte, wunderbar nebenwirkungsfreie Droge - nicht stehlen sollen. Auf der Flucht vor Duistermach, dem weithin gefürchteten, psychopatischen Vollstrecker der mächtigen Handelsgesellschaft, gewährt er nach und nach mehreren Verfolgten auf seiner Corona Zuflucht.

Als sich Duistermach auch noch Kopfgeldjäger anschließen, versucht Frankie mit seiner stetig wachsenden Crew das Geheimnis des Black Ice' zu lüften und so - vielleicht - ihr aller Leben zu retten.
Klappentext

Nach den grauenvollen letzten Jahrzehnten des letzten Jahrtausends hat sich offenbar in diesem Jahrhundert eine neue alte, aber immer wieder gute Tradition in der deutschen SF etabliert : Das Storytelling. Während man in den 80ern und 90ern noch die Botschaft vor die Geschichte stellte, hat mit dem neuen Aufschwung deutscher SF seit etwa einem Jahrzehnt das Primat des Handwerklichen wieder der "Message" den Rang abgelaufen.

Und das ist auch gut so, denn so werden Romane wieder aus den einzigen Gründen gemacht, aus denen sie publiziert werden sollen : Um den Leser zu unterhalten. Es werden nicht nur die (literarischen) Romane von beispielsweise Frank W. Haubold und Michael K. Iwoleit veröffentlicht, sondern ebenfalls reine Unterhaltungsromane wie die von Anja Bagus und Frank Lauenroth. Und damit haben wir auch den Bogen zu diesem Roman gefunden, denn preiswürdig ist er nicht. Aber wahnsinnig unterhaltsam, wer einen gelungenen Mix aus "Star Wars", "Farscape" und "Firefly" sucht, ist hier genau richtig. Frank Lauenroth leistet sich die nach an diesen (und anderen bekannten) Serien liegenden Klischees, um sie umzumodeln, zu verfeinern und schlußendlich etwas ganz eigenes daraus zu kreieren. Herausgekommen ist ein spannender Pageturner, der - ähnlich wie seine Marathon-Romane - immer noch einen weiteren Twist in die Story bringt. Und sie so, das soll an dieser Stelle einmal angemerkt sein, wesentlich konsistenter als die reinen Heldengeschichten macht. Wer also einen kurzweiligen SF-Unterhaltungsroman auf hohem Niveau sucht, ist mit "Black Ice" bestens bedient.

Homepage Frank Lauenroth
Begedia-Verlag

Sonntag, 8. Februar 2015

DSFP 2015 - Meine Nominierungen / Romane (01)

AutorRomanZyklus
Anja BagusAethersymphonieAnnabelle Rosenherz 3
Sean BeckzIn der Tiefe singen sie
Ralf BoldtDer Temporalanwalt
Nadine BoosDer Schwarm der TrilobitenD9E 4
Andreas BrandhorstDas Kosmotop
Darius BuechiliLucys VerwandlungGrenzgänger 1
Stefan BurbanIm Angesicht der NiederlageRuul 7
Stefan BurbanBrüder im GeisteRuul 8
Dietmar DathFeldeváye: Roman der letzten Künste
Tom DautDer gefallene ProphetAnno Salvatio 423 1
Tom DautDie Sinistra
Marc ElsbergZero - Sie wissen, was du tutst
Andreas EschbachDer Jesus-DealJesus-Video 2
Matthias FalkeKristall in fernem HimmelD9E 3
Matthias FalkeDer Terraformer
Jón FarasEuropaSolheim 1
Peter Georgas-FreyDie Heimkehr
Petra HaschaNamuhs
Tom HillenbrandDrohnenland
Alex JahnkeNeues aus Neuschwabenland
Inge K. Jung65 Die Entsorgung der Alten
Anette KannenbergDas Mondmalheur
Ralph KloosKolonie 7
Sylvia KamlVerschlagene FreundeGrauzone Erde 1
Sylvia KamlBlutfehdeGrauzone Erde 2
Daniel KrinkeJenseits der Götter
Robin LiDer Grendel verbannt in alle Ewigkeit
Markus MayerDie Kapsel
Matthias NawratUnternehmer
Gecko NeumckeEin Totes im See'Bolo
Susanne Offermann-BurckartKonserviertes Leben
Markus OrthsAlpha & Omega
Niklas PeineckeDas Haus der blauen AschenD9E 2
Phillip PetersonTransport
Uwe PostSterne in Asche
Sören PrescherDer Flug der Archimedes
Leon ReiterJetzt
Jan ReschkeDie ummauerte Stadt
Ulrike SchmitzerEs ist die Schwerkraft, die uns umbringt
Claudia SchusterDie Schwärze hinter dem Licht
Klaus SeibelDas Erbe der ersten MenschheitErste Menschheit 2
K. T. SpreckelsenVernichtungRo'ha 1
Martin StottmeisterDie letzte KatastropheWeltenerbe 3
Rea SturmIloy
Andreas SuchanekHeliosphere 2265 Band 7-24
ThariotBrennende WeltenGenesis 2
ThariotDie verlorene SchöpfungGenesis 1
ThariotSonnenfeuer - Der Frieden war nah
Dirk van den BoomAufgehende SonneKaiserkrieger 7
Dirk van den BoomEin Leben für LeeluuD9E 5
Dirk van den BoomHabitat CCasimir Daxxel 2
Dirk van den BoomStürmischer HimmelKaiserkrieger 8
Dirk van den BoomTentakelreichTentakelkrieg 6
Sascha VennemannZeit-Gezeiten & Augenblicke und EwigkeitenEon 2
Nils WesterboerKernschatten

Ächz ! War echt heftig dieses Jahr, wirklich viel an SF-Romanen und Kurzgeschichten herausgekommen. Da ich mich auch stärker auf den Kurzgeschichten-Bereich konzentriert habe, konnte ich auch nur einen Teil der über 50 Romane lesen. Die bereits gelesenen habe ich in grün, die noch geplanten in blau markiert. Gottseidank bin ich nicht alleine, meine Jury-Kollegen lesen ja auch 'ne ganze Menge und wir ergänzen uns derart, daß praktisch jeder Roman und jede Kurzgeschichte gelesen wird. Soweit es mich persönlich angeht ist das Rennen gelaufen : "Drohnenland" ist mein persönlicher Favorit dieses Jahr und daranzukommen scheint mir echt schwierig. Aber ich habe ja den "Terraformer" von Falke und die Space Opera von Post noch vor mir ...

Anja Bagus : Aethersymphonie



Anja Bagus : Aethersymphonie
Annabelle Rosenherz 3
Taschenbuch, 466 Seiten
CreateSpace, 19. Mai 2014
ISBN : 978-1499612769


Æther gestaltet die Welt neu. Jeden Tag werden Entdeckungen und Erfindungen gemacht, die das Leben, die Technik, Tiere und Menschen verändern. Heute noch Luftschiffkapitän, morgen ein Monster mit Fell und Krallen, Flügel und Schnabel. Niemand weiß, ob er am nächsten Tag mit einer seltsamen Fähigkeit erwacht. Annabelle Rosenherz ist so eine Veränderte. Mit ihrer grünen Hand kann sie heilen und töten. Während die Welt sich langsam an die neuen Gegebenheiten gewöhnt, vermisst sie immer noch schmerzhaft ihren Vater, der nun seit zwei Jahren verschwunden ist. Eine Spur führt nach Prag. Annabelle lädt ihre Freunde zu einer Fahrt auf der »Delfin«, einem experimentellen Luftschiff, ein. Während sie sich bemühen, der goldenen Stadt ihre Geheimnisse zu entlocken, werden Sucher zu Gesuchten und schließlich zu Gejagten.
Klappentext

Der dritte Teil der Annabelle Rosenherz-Romane, diesmal in Prag auf der Suche nach dem Golem und Annabelles Vater. Ebenso wie die beiden vorherigen Teile sehr leicht mit der Betonung auf den Beziehungen der Charaktere untereinander. Am Ende vergalloppiert sich die Autorin etwas, hier hätte ich mir weniger bedeutungsschwangere Ereignisse gewünscht. Tatsächlich fand ich den zweiten Band mit seinem unprätentiösem Fall, der wenig mit "Welt retten" und mehr mit "Umgebung von Baden-Baden unter dem Einfluss des Aethers erkunden" zu tun hatte, bisher noch am besten.

Insgesamt gesehen sind die Annabelle Rosenherz-Romane eine angenehm leichte Lektüre. Anja Bagus gelingt es, gekonnt den LORE-Roman mit Steampunk zu koppeln. Hört sich erst einmal seltsam trivial an, ist aber meiner Erinnerung nach das erste Mal, daß eine Verbindung von Liebesroman zu SF geschrieben wurde. Wohlgemerkt, "Liebesroman", kein Sex-Dödeldings, von letzteren gibt es wohl mehr als genug. Und auch wenn die Autorin im dritten Band übertreibt und insgesamt auch die historische Realität doch sehr durch die moderne Brille sieht, ist das Endergebnis zumindestens gut geschriebene Unterhaltung, anders als das meiste, das sich sonst in diesem Genre tummelt.

Die Aetherwelt-Romane sind auch meiner Meinung nach deutlich besser und hochwertiger als die meisten Vampirschlampen-Romane, von Ausnahmen wie Kim Harrisons "Rachel Morgan" einmal abgesehen. Das macht die Romane auch umso interessanter, als sich hier vielleicht ein neuer Trend abzeichnen könnte. Naja, "Waldesruh" ist für den "Seraph" nominiert und zum jetzigen Zeitpunkt habe ich den noch nicht gelesen. Also mal abwarten.

Links
Homepage Anja Bagus
Aetherhertz (eBook)
Aetherresonanz (eBook)
Aethersymphonie (eBook)
Anja Bagus auf Facebook

Samstag, 7. Februar 2015

Anja Bagus : Aetherresonanz



Anja Bagus : Aetherresonanz
Annabelle Rosenherz 2
Taschenbuch, 406 Seiten
CreateSpace, 25. November 2013
ISBN : 978-1494217747


Baden-Baden 1912: Das Amt für Ætherangelegenheiten wurde gegründet, um die Forschung über die Auswirkungen des Æthers zu bündeln. Aber die Menschen im Kaiserreich wollen immer noch nicht wahrhaben, dass die Welt sich unwiderruflich verändert hat.

Annabelle Rosenherz versucht, in der Gesellschaft Verständnis für die Veränderten zu wecken. Sie selbst kann aber nicht vergessen, was ihr wegen ihrer eigenen Veränderung angetan wurde. Um dem ewigen Grübeln zu entfliehen, geht sie einem Hinweis auf ihren vermissten Vater nach und besucht einen alten Freund der Familie. In dem Anwesen des reichen Industriellen Rudolf Bader begegnet sie nicht nur der Vergangenheit, sondern auch den Auswirkungen, die viele falsche Entscheidungen auf die Gegenwart haben. Während die Polizei mithilfe des Amtes unerklärliche Todesfälle untersucht, kommen sie bei ihren Ermittlungen den ewig stampfenden Dampfmaschinen der Bader-Æther-Werke immer näher. Verbirgt die Fabrik einen Mörder oder sucht man an der falschen Stelle?

Æther und Maschinen, Liebe, die den Tod nicht akzeptieren will und falsche Entscheidungen: Ætherresonanz ist Steampunk aus Deutschland, dessen Dampfdruck die Kessel zu sprengen droht.
Klappentext

Der zweite Teil der Annabelle Rosenherz-Romane. Interessanterweise deutlich flüssiger als der erste und für meinen ganz persönlichen Geschmack auch innovativer. Die Verbindung von Aether und Computern, die Darstellung einer Babbage-Maschine und die Auswirkungen einer Verbindung von Mensch und Maschine hatten was. An die historischen Ungenauigkeiten hatte ich mich gewöhnt und konnte so die Geschichte entspannt genießen. Auch dies ist wieder ein Liebesroman mit Steampunk-Elementen, wobei die Autorin den Roman nutzt, um die weitere Umgebung von Baden-Baden auszubauen und die Nebenfiguren des ersten Bands stärker zu differenzieren. Für Steampunk-Fans mit einem Hang zum Kitsch unbedingt empfehlenswert.

Freitag, 6. Februar 2015

Anja Bagus : Aetherhertz



Anja Bagus : Aetherhertz
Annabelle Rosenherz 1
Taschenbuch, 400 Seiten
CreateSpace, 6. Mai 2013
ISBN : 978-1484903537


Seit der Jahrhundertwende steigt grüner Nebel über den Flüssen auf. Æther ist für die Industrie ein Segen, für die Menschen ein Fluch. Luftschiffe erobern den Himmel, Monster bevölkern die Auen.
Wir schreiben das Jahr 1910: Im mondänen Baden-Baden scheint die Welt noch in Ordnung. Doch während die Kurgäste aus aller Welt durch die Alleen und den Kurpark flanieren, sterben junge Frauen an einer mysteriösen Vergiftung.
Das Fräulein Annabelle Rosenherz versucht die Ursache herauszufinden und gerät dabei selbst in große Gefahr, denn sie hat schon lange ein Geheimnis. Als sie der Wahrheit zu nahe kommt, nimmt man sie gefangen.
Auf den finsteren Höhen des Schwarzwalds verliert sie fast ihren Verstand und es entscheidet sich, ob Annabelle sich selbst akzeptieren kann, und ihre erste Liebe stark genug ist, den Widerständen der Gesellschaft zu trotzen.
Klappentext

1910 in Baden-Baden : Ein interessantes Setting. Doch während sich die Geschichte entfaltet, komme ich nicht umhin, zwei gravierende Inkonsistenzen zu bemerken. Weder ist die Situation der Frau noch die Homosexueller auch nur annähernd korrekt dargestellt.

Frauen waren zu dieser Zeit weder selbstbestimmt noch in die Männergesellschaft integriert. Bestes Beispiel für die Unterdrückung der Frau in dieser Zeit ist die Ausgrenzung aus dem Studium :
Als die Züricher Universität in den 1870er Jahren als erste deutschsprachige Universität Frauen zum Studium zuließ, löste das im Deutschen Reich eine heftige Debatte über das Für und Wider des Frauenstudiums aus. Eine Vielzahl von Streitschriften wurden verfasst. Die Gegner des Frauenstudiums aus Politik, Wissenschaft und Berufsorganisationen versuchten zu belegen, dass Frauen aufgrund ihrer "weiblichen Natur" unfähig seien zu studieren und einen akademischen Beruf auszuüben. Vor allem von Hochschullehrern wurde darüber hinaus argumentiert, dass Frauen das wissenschaftliche Niveau beeinträchtigten und die Sittsamkeit an den Universitäten gefährdeten. Andere Gegner fürchteten den Verlust der "Weiblichkeit" von Studentinnen, da wissenschaftliches Arbeiten die empfindsame weibliche Seele zerstöre.
Quelle

Zur Situation der Homosexuellen verweise ich auf die Ausführungen zum $175 in der deutschen Wikipedia :
Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gefängniß zu bestrafen; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.
Quelle

Die nicht wirklich historische Darstellung in "Aetherhertz" bezüglich dieser beiden Punkte hat mich schon irritiert und mich sozusagen das ganze Buch durch "gejuckt". Insbesondere, als ich aus diesem Setting "Maschinengeist" im Hinterkopf hatte. Aber wenn man die Inkonsistenzen der Annabelle Rosenherz-Romane ignoriert, entfaltet sich vor dem Leser eine gelungene Liebesgeschichte. Ich sage extra nicht "Abenteuerroman", denn der Fokus liegt definitiv auf dem Verhältnis von Annabelle und Paul, weniger auf der durch den Aether hervorgerufenen Action. Eine Steampunk-Love Story, sozusagen. Dass sie ihre Beziehung gegenüber einem fiesen Veränderten, der die Weltherrschaft an sich reißen will, verteidigen müssen, ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Wer also eine Steampunk-Liebesgeschichte lesen will, ist hier richtig.

Donnerstag, 5. Februar 2015

TERRA SF inside - TERRA EXTRA jetzt wöchentlich

Nach den philosophischen Ausführungen der letzten Tage heute etwas Leichteres. Auf Seite 65 von Heft 466 vom 24.06.1966 wird auf die veränderte Erscheinungsweise von TERRA EXTRA hingewiesen. Diese Serie, die seit 1962 erschien und sich nur mit Nachdrucken beschäftigte, war so erfolgreich, daß sie auf eine wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt wurde. Zusammen mit TERRA und PERRY RHODAN hatte der Verlag damit drei auflagenstarke SF-Heftromanserien am Kiosk.

TERRA SF 494/495 - Robert A. Heinlein : Zwischen den Planeten



Robert A. Heinlein : Zwischen den Planeten (Between Planets)
Terra SF 494/495, 16.12.1966
Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1955
Originalausgabe 1951
Aus dem Amerikanischen von Kurt Seibt
Titelbild : Karl Stephan


Aufregende Erlebnisse eines jungen Mannes, der als Kurier von der Erde zur Venus und Mars reist und in einen interplanetarischen Kolonialkrieg gerät.

Kurz vor Abschluß seiner Internatszeit auf Terra erhält der junge Don Harvey von seinen Eltern, die als Forscher auf dem Mars tätig sind, die Aufforderung zur unverzüglichen Heimreise. Im Weltraum unterwegs, gerät er jedoch in die Wirren des Kolonialkrieges, der zwischen der Erde und der aufständischen Venusbevölkerung ausgebrochen ist. Ohne sein Wissen reist er als Geheimkurier einer interplanetaren Gesellschaft. Er befördert einen Ring, in dem wichtige Nachrichten verborgen sind. Als er wider seinen Willen auf der Venus gelandet ist, übergibt er ihn einer jungen Dame zur Aufbewahrung. Mehrmals entkommt er den Fängen der Geheimpolizei, wird endlich Soldat und hat noch mancherlei Abenteuer zu bestehen, ehe er seine Mission glücklich zu Ende führt.

Wie alle Romane Heinleins ist auch dieser mit Humor gewürzt. Der unerschöpflichen Phantasie des beliebten Erzählers entspringen mancherlei skurrile Geschöpfe anderer Sternenwelten. Eine Fülle toller Einfälle hält den Leser in Atem, mit wachsender Anteilnahme folgt er dem jungen Don auf das fremdartige Gelände der Venus, und die Rätsel einer Raumfahrt mit ungewissem Ziel steigern die Spannung bis zuletzt. Nebenbei erfährt man viel Neues über die Elektronentechnik der Zukunft und die Astrophysik.
Klappentext der Gebr. Weiss-Ausgabe

Auch dieser Jugendroman von Robert A. Heinlein bietet dem geneigten Leser eine gute Unterhaltung, auch wenn man heute weiß, dass die Venus ganz anders aussieht. Ähnlich wie viele andere Autoren seiner Zeit sieht Heinlein in der Venus einen urweltlichen Dschungelplaneten, der sich heftig gegen die Siedlungsversuche der Menschen wehrt. Aus diesem Grund sind die Kolonisten, die auf der Venus geboren wurden, ein ganz anderer Schlag als die Erdgeborenen. Außerdem machen sie sich keine Illusionen, denn sie wissen ganz genau, dass sie nicht den hohen Lebensstandard der Erde haben. Aber dennoch wollen sie ihre Unabhängigkeit erkämpfen und finden dabei Unterstützung bei den intelligenten, drachenähnlichen Ureinwohnern der Venus. Auch die Darstellung des terranischen Militärsystems ist interessant, denn dies erinnert stark an jenes, das man jahrzehntelang in Südafrika hatte. Die Kolonisten sind Menschen zweiter Klasse, und jeder, der mit ihnen zusammenarbeitet, hat seine Bürgerrechte verspielt. Wer sich zu den Kolonisten bekennt oder sie unterstützt, hat Repressalien zu fürchten - wie der alte Freund von Dons Eltern, der sich lieber selbst tötet, als mit den irdischen Behörden zusammenzuarbeiten. Auch die Behandlung von Don selbst zeigt, dass auf der Erde ein System existiert, bei man schuldig ist, egal ob man das Gegenteil beweist oder nicht.
Kommentar von Andreas Schweitzer auf fictionfantasy

Between Planets taught me that a kid never knows when the demands of adulthood will tap him on the shoulder. There are worse things that could happen.
L. Neil Smith : Robert Heinlein Remembered

The best of Heinlein's juveniles
Kommentar auf amazon.com

"Zwischen den Planeten" kam 1955 bei den Gebrüdern Weiss und dann 1966 hier bei TERRA heraus. Nach zwei gekürzten Fassungen des Albert-Müller- und Tosa-Verlags wurde dieser Roman dann erst 1982 bei Heyne in einer ungekürzten und illustrierten Neuausgabe herausgegeben. Kein Wunder also, daß diese beiden TERRA-Hefte seit Jahrzehnten zu meiner Sammlung gehören.

Der Roman beginnt düster. Don Harvey ist auf einem ländlichem Jungen-Internat und erhält einen Brief von seinen Eltern, er solle sofort nach Hause, auf den Mars kommen. Auf den folgenden paar Seiten schildert Heinlein dann in der Reaktion der Klassenkameraden und Lehrer die Situation auf der Erde und im Sonnensystem : Die Erde ist eine Diktatur Orwellschen Stils, Kolonien auf dem Mars und der Venus werden unterdrückt und Freiheitsbewegungen auf der Erde als auch in den Kolonien brutal zerschlagen.

Nachdem Don auf der Raumstation angekommen ist und auf sein Schiff zum Mars wartet, wird die Raumstation überfallen, besetzt und schlußendlich zerstört. Don, Kind eines terranischen Vaters und einer venusischen Mutter, geboren im Transit von Venus nach Mars, bekommt als Staatenloser dann Probleme - insbesondere, weil er sich keinem Nationalismus anschließen kann und will. Am Ende kommt er zur Venus, versucht dort, seine Eltern auf dem Mars zu erreichen. Die Venus wird von Einsatztruppen der Erde besetzt, die in ziemlich brutaler Art und Weise alles niederbrennen und jeden töten, der nicht pariert. Don flieht, tritt in die Venus-Guerilla-Armee ein und kommt am Ende zwar nicht zu seinen Eltern, aber doch zu der Verschwörergruppe, zu denen sie gehören und die technologische Innovationen gegen die Erdbesetzungen einsetzen wollen.

Der Roman endet damit, daß sich Don im Anflug auf den Mars befindet. Kein Happy-End, die Geschichte geht noch weiter, aber Heinlein ist fertig mit dem, was er erzählen wollte. Das irritiert und befriedigt mich jedesmal wieder, wenn ich diesen Roman lese. Einerseits ist es gut, daß Heinlein sich dem Kitsch hier verweigerte, andererseits fehlt er mir so ein bißchen.

Aufgefallen ist mir sein Wissenschaftler-Optimismus. In diesem Roman schildert er explizit (Natur-)Wissenschaftler als die besseren Menschen mit dem weniger verqueren Weltbild und begründet das mit ihrer Beschäftigung mit der Realität. Ein falscher Standpunkt, den Heinlein schon damals hätte besser wissen sollen, das III. Reich hat diese These bereits ad absurdum geführt. Und wenn man sich heutige Wissenschaftler und "Wissenschaftler" ansieht, so ist Heinleins damaliger Optimismus für diese Gesellschaftskaste vollkommen irreal gewesen.

Beim diesmaligen Lesen fiel mir ebenfalls die Ähnlichkeit zwischen Heinleins und John Ringos Romanen auf. Beide stehen auf dem Standpunkt "Live free or die" und bekräftigen das auch in ihren Geschichten. Wahrscheinlich gefällt mir als Heinlein-Fan deshalb John Ringo auch so gut.

Zu den dystopischen Szenarien von Robert A. Heinlein hier noch ein Link zu einem Artikel von Jo Walton auf tor.com : The Dystopic Earths of Heinlein’s Juveniles. Interessanterweise hat sie keine Besprechung von "Between Planets" geschrieben, jedenfalls habe ich keine gefunden.

Mittwoch, 4. Februar 2015

TERRA SF inside - Jürgen vom Scheidt : SF als Modell der Wirklichkeit (3)

Und hier die letzten beiden Teile der Betrachtung der SF als Modell der Wirklichkeit. Man beachte : Dieser Artikel ist von 1966, also ein halbes Jahrhundert alt. Trotzdem scheint er irgendwie nicht gealtert zu sein - zumindestens für mich als Naturwissenschaftler nicht.

LKS aus Heft 472 vom 29.07.1966, Seite 1
LKS aus Heft 472 vom 29.07.1966, Seite2

LKS aus Heft 473 vom 05.08.1966, Seite 1
LKS aus Heft 473 vom 05.08.1966, Seite 2

TERRA SF 493 - Ernst Vlcek : Safari zu den Sternen


Ernst Vlcek : Safari zu den Sternen
Terra SF 493, 09.12.1966
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan

enthält die Kurzgeschichten
Der 13. Adam
Safari zu den Sternen
Die kosmischen Freibeuter
Blütezeit


Eine Kurzgeschichtensammlung von Ernst Vlcek, geniale Einfälle gelungen ausgeführt. Es beginnt relativ standardmäßig, in "Der 13. Adam" versuchen die letzten nach einer kosmischen oder hausgemachten Katastrophe überlebenden, selbst von einer tödlichen Seuche befallenen Menschen durch Klonen die Menschheit zu erhalten. Es brauchte aber 12 Anläufe dazu.

Wesentlich besser ist die zweite Story, "Safari zu den Sternen". Eine Jagdgesellschaft stellt fest, daß das außerirdische Wild, auf das sie aus sind, intelligente Ureinwohner des Planeten sind - und beginnen den Dialog mit ihnen. Wunderschön geschildert, ich hatte zwischendurch den Eindruck, in einem Riddick-Film zu sein. Und unheimlich optimistisch, Vlcek verkneift sich hier eine billige Pointe und lässt die Story in einer Utopie enden. Wirklich lesenswert und in keinster Weise gealtert.

Auf dem gleichen Niveau ist "Die kosmischen Freibeuter". Havarierte Schiffe dürfen geplündert werden, was eine Gesellschaft von Piraten auf den Plan ruft. Die romantische Verklärung dieser Gruppe wird allerdings zerstört, als sich ein Piraten-Kartell bildet, das nicht auf einen Unfall warten will ... Diese Geschichte mit ihrer absurden Ausgangslage ist weniger eine Piraten- oder Abenteuergeschichte, sondern eine deutliche Anklage gegen die Machenschaften realexistierender Wirtschaftskonzerne, gegen die man sich nur zur Wehr setzen kann, wenn man jegliche Romantik beiseite lässt und sich der bitteren Realität stellt. Gelungen !

Die Story-Sammlung endet mit "Blütezeit", einer Expeditionsgeschichte, in der Menschen und Pflanzen eine Symbiose eingehen. Vlcek lässt hier offen, ob die Expedition von den Pflanzen übernommen und eine Gefahr für die Menschheit darstellt, oder ob dies der erste Schritt zur Unsterblichkeit gewesen ist. Nett, kann aber den beiden vorherigen Stories nicht das Wasser reichen.

Insgesamt eine schöne Kurzgeschichtensammlung, die auch im Laufe der Jahrzehnte mehrfach nachgedruckt wurde. Lohnt sich auch heute noch, sich diese Geschichten zu besorgen.

Dienstag, 3. Februar 2015

TERRA SF inside - Jürgen vom Scheidt : SF als Modell der Wirklichkeit (2)

Und weiter geht es mit dem Scheidt-Artikel, diesmal aus Heft 469 und 470.

LKS aus TERRA 469 vom 15.07.1966, Seite 1
LKS aus TERRA 469 vom 15.07.1966, Seite 2
LKS aus TERRA 470 vom 22.07.1966, Seite 1
LKS aus TERRA 470 vom 22.07.1966, Seite2

TERRA SF 492 - Kris Neville : Tödliche Strahlung

Kris Neville : Tödliche Strahlung (Earth Alert!)
Terra SF 492, 02.12.1966
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1953
Aus dem Amerikanischen von Birgit Bohusch
Titelbild 1. Auflage: Karl Stephan


Ein wirklich witziger Roman, voll in der Tradition der Invasionsmärchen der 50er. Aliens entführen seit Jahren Kleinkinder, um sie zu Mutanten zu modifizieren und auf die Menschen der Erde zu hetzen. Damit die Aliens die Erde für sich haben. Aber diese fiesen Aliens haben nicht mit der typischen, amerikanischen Doris Day-Singlefrau gerechnet ...

Ok, der Roman ist weder politisch korrekt, noch auch nur ansatzweise feministisch. Und das, obwohl eine Frau Protagonistin und durchaus als allen Männern überlegen dargestellt wird. Aber das ist eben nicht alles, auf der Ebene der Gleichberechtigung versagt der Roman vollkommen.

Andererseits dürfte Frau Kappelhoff Spaß an dieser Rolle gehabt haben, hätte man sie ihr damals angeboten. Denn die Darstellung der Frau im Amerika der 50er, insbesondere im Hinblick auf ihren Drang, einen Ehemann zu kapern, diesen ihren Freundinnen zu präsentieren und insgesamt ein rechtes Spießerleben zu führen, diese Darstellung ist derartig überhöht, daß sie in sich selbst schon wieder eine herbe Kritik an eben diesen gesellschaftlichen Konventionen ist.

Der Roman liest sich flüssig und recht amüsant. Deutlich besser, als ich es von einem amerikanischem Autor, dessen Namen ich nicht kenne, erwartet habe. Ein Blick in die SFE zeigte mir auch den Grund für meine Unkenntnis : Kris Ottman Neville, geboren 1925, schrieb seine Romane und Stories hauptsächlich in den 50ern und veröffentlichte in den letzten 20 Jahren vor seinem Tod 1980 praktisch gar nichts mehr. Es ist auch wenig von Kris Neville in Deutschland veröffentlicht worden, und ich kann John Clute nur zustimmen, wenn er schreibt : "He was one of the potentially major writers of Genre SF who never came to speak in his full voice."

Der Roman ist im Original auf gutenberg.org vorhanden, hier ein Auszug aus dem dritten Kapitel, der einen der ersten (telepathischen) Kontakte unserer Protagonistin mit einem Mutanten beschreibt :
She realized that she had thought her last statement, and that he (she was sure that the voice belonged to a he) had answered it nevertheless. She was exchanging thoughts with someone!
Hello, she thought weakly. She gulped. What do you look like? How many arms and legs do you have?
Two of each.
Her mind was very alert and active. She could think with great clarity. Describe yourself. She received a mental impression of him.
She let out her breath. He was human, after all; as human as anybody. And handsome.
She laughed softly with relief: since he has never been able to find anyone like himself, he thought I was from another planet!
Eh?
Describe yourself again.
He complied.
Suddenly she knew with absolute certainty that this was the one she was looking for. Out of all the people on earth, here was a man made for her.
Could you put your hand through a wooden door?
Of course.
She smiled happily. She meant to have him.
Hello.
Hello.
There was silence.
She wrinkled her forehead and tapped her knee. He had ceased transmitting.
He'll be back, she thought with satisfaction. I wonder what size suit he wears? I think I'll buy him a nice wool one. I want my husband to look presentable.



Montag, 2. Februar 2015

TERRA SF inside - Jürgen vom Scheidt : SF als Modell der Wirklichkeit (1)

Neben Leserbriefen, Kommentaren und Vorankündigungen brachte TERRA auch immer wieder längere Ausführungen über SF-Themen auf der LKS. 1966 wurde dort Jürgen vom Scheidts Artikel über die SF als Modell der Wirklichkeit abgedruckt. Dieser war vorher in PIONEER, einem Fanzine, erschienen, aber man war sich nicht zu fein, einen Nachdruck zu produzieren. Hier die ersten beiden Teile der Artikelserie, aus den Heften 465 und 468 :

LKS von Heft 465 vom 17.06.1966, Seite 1
LKS von Heft 465 vom 17.06.1966, Seite2

LKS von Heft 468 vom 08.07.1966, Seite 1
LKS von Heft 468 vom 08.07.1966, Seite2

TERRA SF 491 - Jürgen Wolf : Im Banne der Farben


Jürgen Wolf : Im Banne der Farben
Terra SF 491, 25.11.1966
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Die Erde trifft auf Außerdische, die seit Jahrhunderten andere Außerirdische versklaven. Mit der Unterstützung eines uuuuralten Robotgehirns werden die einen Außerirdischen befreit und die anderen auf den Weg der Zivilisation zurückgeführt.

Nicht wirklich gelungen, dieser Roman. Inhaltlich klischeehafter Standard empfand ich ihn beim Lesen auch nicht als stilistisch irgendwie aus der Reihe fallend. Für mein Empfinden ein echter Ausfall und eigentlich zu diesem Zeitpunkt in TERRA gar nicht passend, denn die um ihn herum erschienenen Romane waren qualitativ inhaltlich als auch stilistisch doch deutlich höher anzusiedeln.

Interessant auch, daß dieser Roman von Jürgen Wolf offenbar auch sein einziger im SF-Bereich gewesen ist, zumindestens unter diesem Namen. Ich konnte auch im Netz nichts über diesen Autor herausfinden, "Im Banne der Farben" scheint eine echte Eintagsfliege gewesen zu sein. Was eigentlich bedauerlich ist, denn abgesehen von seiner Plattheit war der Roman schon ziemlich glatt und flüssig geschrieben, mit inspirierteren Ideen wäre der Autor vielleicht jetzt ein deutscher SF-Klassiker.

Sonntag, 1. Februar 2015

TERRA SF inside - Perry Rhodan (19)

Und ja, es gab Gewinner des Perry Rhodan-Preisausschreibens. Sie wurden alle (!) in den TERRA- und Perry Rhodan-Heften veröffentlicht. Hier sind die ersten drei :

Terra 490 vom 18.11.1966, Seite 35

Der dritte Platz sollte bei PR-Fans eigentlich ein Glöckchen zum Klingen bringen : "Perry Rhodan - unser Mann im All". Der Slogan, der kurze Zeit später die Comics schmückte, hatte hier seinen Ursprung.

Aber es gab noch weitere Slogans :

Terra 491 vom 25.11.1966, Seite 35
Terra 492 vom 02.12.1966, Seite 35

Auch die 500 Taschenbuch-Gewinner wurden in den folgenden Heften veröffentlicht, leider ohne Slogans, daher verzichte ich auf die jeweiligen Scans.

Arno Endler : Am Anfang



Arno Endler : Am Anfang
AndroSF 44
Originalausgabe
p.machinery, Murnau 2014
Taschenbuch, 224 Seiten, 9,90 €
Titelbild : Christian Günther
ISBN 978 3 95765 017 7

enthält die Stories
Am Anfang
Return to Sender
Am Strand von Nueva Danmarka
Gefangen
Elegie an eine einsame Insel mitten im All
Superstau
Das Prinzip Liebe
Feldversuch
Das Ende




Acht bislang unveröffentlichte Kurzgeschichten und ein Kurzroman.

Eine Entführung in eine Zukunft, in der sich die Menschheit die Frage stellen muss, ob Glaube, Liebe und Hoffnung das Ende allen Lebens auf Erden aufhalten können. Reisen zu »Odins Auge«, zum Mars und zu »Magelanta Vier«. Ein Blick auf das Ende der Zeit.
Die Auswirkungen eines Superstaus, die seltsamen Blüten, die die kapitalistische Welt treibt, Erfindungen, die nicht immer nur das gewünschte Ergebnis zeigen.
Und die Flucht des Privatermittlers John Mayer aus Gefangenschaft.

Arno Endler, bekannt durch seine zahlreichen Kurzgeschichten im c‘t-Magazin, lädt ein, ihn zu begleiten.
Klappentext

p.machinery legt mit "Am Anfang" eine gelungene Kurzgeschichtensammlung von Arno Endler vor. Dieser Band, an dem beide, Autor und Verleger, jahrelang gearbeitet haben, enthält einen charakteristischen Querschnitt durch das Oeuvre Arno Endlers dar. Dabei sind die enthaltenen Geschichten keine Neuausgaben bereits publizierter Stories, sondern Originalausgaben, die vielleicht früher geschrieben, für "Am Anfang" jedoch komplett überarbeitet wurden. In einem Fall ("Feldversuch") ist die Kurzgeschichte bereits in mainstreammäßiger Form publiziert worden (c't 03/12), die in "Am Anfang" veröffentlichte Fassung ist aber die von Endler angedachte Originalfassung, die Veröffentlichung sozusagen ein "Director's Cut".

Rein vom Stilistischen her habe ich durch die Bank weg alle Stories genossen. Man merkt vielleicht schon meine Vorbehalte, aber schriftstellerisch habe ich an keiner Kurzgeschichte etwas auszusetzen. Nein, meine Probleme an mehreren Stellen sind rein inhaltlicher Natur. So ist beispielsweise der Kurzroman "Am Anfang", der den größten Teil der Sammlung einnimmt, handwerklich und stilistisch brilliant. Aber der Inhalt, die schriftstellerische Vision, spricht mich so überhaupt nicht an, ich fand das (positiv dargestellte) Verhalten der Aliens als eine Art Vergewaltigung der Menschheit. Ebensowenig kann ich mich inhaltlich mit der "Elegie ..." anfreunden, in der der letzte Mensch auf dem Mars nach dem geheimnisvollen Verschwinden aller anderen Menschen einfach aufgibt. Dagegen mochte ich "Return to Sender", bei dem der Mensch die KIs zwar eigentlich stört, aber eben immer noch gebraucht wird. Außerdem fand ich die Pointe am Ende wirklich gelungen.

Insgesamt habe ich zwar keine in meinen Augen preiswürdige Story gefunden, aber eigentlich jede Geschichte genossen. Endlers Stil hat schon was, die Geschichten kann man einfach so weglesen. Und wer den etwas nihilistischeren Touch bei SF-Stories mag, ist hier sicherlich gut bedient.