Samstag, 6. Oktober 2012

Dirk van den Boom : Tentakelwacht



Dirk van den Boom : Tentakelwacht
Titelbild : Allan J. Stark
Atlantis-Verlag 2012, Hardcover mit Lesebändchen, ca. 240 Seiten, 14,90 €
auch erhältlich als Paperback, ca. 240 Seiten, ISBN 978-3-86402-037-7, 12,90 €


Über einhundert Jahre sind seit der ersten Invasion der außerirdischen Tentakel vergangen. In den kläglichen Resten der Irdischen Sphäre, dem heimatlichen Sonnensystem, hat sich eine Militärdiktatur etabliert, die mit eiserner Hand über die letzten Menschen regiert. Die Tentakelwacht steht bereit, sollten die Invasoren die Menschheit ein zweites Mal heimsuchen. Doch viele glauben schon nicht mehr daran, dass die Tentakel jemals zurückkehren werden. Als die Aliens dann aber doch wieder erscheinen, wollen die aggressiven Eroberer kein Risiko mehr eingehen: Sie haben eine Streitmacht aufgeboten, die es ohne Weiteres mit den Verteidigern aufnehmen kann. Die Menschheit steht diesmal endgültig vor dem Abgrund.

Soweit der Klappentext. Der, ebenso wie bei "Die Gänse des Kapitols", ein deutliches Understatement darstellt. Im Gegensatz zu Frank W. Haubold legt Dirk van den Boom jedoch nicht viel Wert auf stilistische Feinheiten. Da ich beide Romane direkt hintereinandergelesen habe, ist "Tentakelwacht" relativ zu der lyrisch-literarischen Prosa von "Götterdämmerung 01" eine ziemliche Ernüchterung. Jedoch nicht schlecht, überhaupt nicht. Während Haubold sich eher an Stilisten wie Delany oder Brin orientiert, schreibt DiBoo locker drauflos und erinnert mich zumindestens an frühe Stories und Romane von Asimov oder Pohl. Das wird nicht sofort deutlich, man muß (gerade bei einem solchen Vorgänger) dem Roman eine Chance geben. Hat man sich aber erst einmal eingelesen, lässt "Tentakelwacht" einen nicht los.

Aufgefallen ist mir, daß Dirk van den Boom einige Szenen nicht ausreichend ausgeführt hat. Gut, das fällt vielleicht nur Dinosauriern wie mir auf. Aber die Eingangssequenz, in der Roby und Slap in die Anti-Tentakel-Armee gepresst werden, erinnerte mich doch sehr stark an eine sehr ähnliche Szene in "Mars, ich hasse dich !", Originaltitel "Birth of Fire", von Jerry Pournelle (Link). Dagegen fällt Dirk van den Boom gnadenlos ab, Jerry Pournelle hat die Szene eleganter und inhaltsreicher geschrieben.

Trotz solcher Mängel, die mir als Vielleser aufgefallen sind und Jüngere gar nicht bemerken dürften, macht der Roman Spaß. DiBoo fabuliert genüßlich vor sich hin und breitet vor dem Leser ein buntes Szenario aus. Getreu seinem Motto "Echte SF hat Raumschiffe, Aliens und Sex !" kommt von allen drei Boomschen SF-Eckpunkten genug vor. Wobei auch hier ein Vergleich mit Haubold faszinierend ist : DiBoo ist, ebenso wie seine gesamte Geschichte, bei Sex-Szenen mehr prosaisch-deutlich, während Haubold auch hier eher lyrisch-romantisch wirkt. Ich verkneife mir an dieser Stelle weitere Vergleiche und überlasse diese dem geneigtem Leser.

Interessant ist die literarische Weiterentwicklung von Dirk van den Boom. Während die erste Tentakel-Trilogie noch nett, aber irrelevant war, hat sich der Autor seitdem merklich weiterentwickelt. Seine Alternate History "Kaiserkrieger" ebenso wie der stark unterschätzte Roman "Eobal" deuteten das schon an, sehr deutlich wird es aber, wenn man diesen ersten Roman der zweiten Tentakel-Trilogie mit den ersten drei Romanen, deren erster wiederum vor 4 Jahren erschien, vergleicht. Dirk van den Boom schreibt jetzt deutlich sorgfältiger und lotet das Genre tiefer aus, als er es noch in den ersten Tentakel-Romanen gewagt hat. Ich bin einmal auf den nächsten Roman, "Tentakelblut", gespannt.

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