Dienstag, 26. August 2014

Dirk van den Boom : Tentakelreich



Dirk van den Boom : Tentakelreich
Atlantis-Verlag 2014
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, ca. 252 Seiten, 14,90 €
auch als Paperback und eBook erhältlich
Titelbild : Allan J. Stark


Die Irdische Sphäre kämpft auf verlorenem Posten. Dem Sieg der Tentakel steht nichts mehr im Wege. Es gilt nun, die menschliche Zivilisation zu retten – im sicheren Hafen der Allianz, auf einem fluchtbereiten Kolonistenschiff oder in den wenigen Rückzugsorten auf Terra selbst. Verzweifelter Mut, das Drohen einer noch größeren Gefahr und die Enthüllung eines schrecklichen Geheimnisses – alles, bevor die Erde endgültig zum Teil des Tentakelreiches wird.
Klappentext

Schlampig! Das war das Erste, das mir nach dem Lesen dieses Abschlußbandes der zweiten Tentakel-Trilogie in den Sinn kam. Dirk van den Boom gelingt es trotz guter, teilweise brillianter Ideen nicht, die zweite Tentakel-Trilogie zu einem befriedigendem Abschluß zu bringen. Daß wichtige Personen plötzlich konträr zu ihrer Darstellung in Tentakelblut eine gänzlich andere Agenda offenbaren, hat mir zwar nicht gefallen, dem Roman an sich aber keinen Abbruch getan. Allerdings kam dies zu unvermittelt, zu wenig vorbereitet, für mich jedenfalls. Und das hat mich schon irritiert.

Gegen Sex-Szenen habe ich nichts – wenn sie reinpassen und nicht einfach nur zur Befriedigung primitiver Gelüste des Lesers dienen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Auch bin ich bezüglich Sex mit Aliens verwöhnt, wer Piers Anthony kennt, weiss was ich meine. Körpertausch-Sex von Aliens wird von Anthony wirklich als alien beschrieben, bei van den Boom bleibt es doch recht … simpel.

Und was beim letzten Roman noch cool war, ist hier ein Fremdkörper, nicht wirklich in die Geschichte integriert, sondern zur Gaudi einiger Leser zusätzlich hineingeschrieben. Ich spreche von dem Kapitel, in dem Dirk van den Boom Foristen aus SF-Fan und SF-Netzwerk auftauchen lässt, nur um sie gleich wieder umzubringen. Das passte hinten und vorne nicht zur Geschichte, hier hat das Lektorat vollkommen versagt. Denn aus diesem nicht unwitzigem Insider-Gag hätte man ohne großen Aufwand mehr machen können, ohne den Lesefluss zu hemmen. So aber wird er gehemmt, man stockt beim Lesen an dieser Stelle. Flüssig wird es erst wieder, wenn Miranda und ihre Truppe ankommt, dann geht der Roman weiter.

Man merkt, ich bin doch ziemlich enttäuscht von Tentakelreich. Denn die oben angeführten Punkte stören die ansonsten wirklich nicht schlechte Geschichte doch massiv. Hier hat der Autor den Text runtergeschrieben, ohne ihn nochmals durch den eigenen geistigen Filter laufen zu lassen. Und das Lektorat war einfach schlampig und hat diese Bugs nicht zur Kenntnis genommen.

Was wirklich, wirklich schade ist, denn Dirk van den Boom hat hier einige sehr schöne Ideen und einige geniale Szenen eingebaut. Wer Tentakelblut, den zweiten Teil kennt, erinnert sich vielleicht an die Arche, mit der eine Gruppe von Menschen vor den Tentakeln mit einem Dilatationsraumschiff fliehen will. Alles, was DiBoo hier erzählt, habe ich in bewegten Bildern und in Farbe vor meinem geistigem Auge gesehen. Die Schilderungen waren extrem gelungen, der Plot wunderschön. Klassische SF at ist best. Fast genauso gut war The Last Stand von Miranda, den der Autor in bester Heldentradition schildert. Vollkommen ohne Sentimentalitäten oder auch nur marginal übertriebenem Kitsch. Brilliant.

Diese wirklich gelungenen Teile können das Buch insgesamt nicht vollständig retten, machen es aber noch so gerade lesbar. Schade, daß es nicht mehr geworden ist. Denn dass Dirk van den Boom mehr kann, zeigt er bei den "Kaiserkrieger"-Romanen.

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