Sonntag, 3. April 2016

D9E 08 - Holger M. Pohl : Fünf für die Freiheit



Holger M. Pohl : Fünf für die Freiheit
D9E 08 - Shelwin Klime 1
Wurdack 2015
Paperback, 288 Seiten, 12,95 €
ISBN 9783955560171
Reihenführer D9E – Die neunte Expansion


Er dachte, er hätte alles hinter sich gelassen: die Hondh, den Krieg und vor allem seine Vergangenheit. Doch seinen mächtigen Verbündeten kann er nicht entkommen. Das Den-Haag-Institut konfrontiert ihn mit dem Auftrag, an Bord eines Tributschiffes tief ins Herz des Hondh-Imperiums vorzudringen. Dort soll sein Spezialistenteam endlich einige der Geheimnisse des mysteriösen Gegners aufdecken, um einen strategischen Vorteil in der bevorstehenden Expansion zu erlangen.

Und so stellt sich für Shelwin Klime die Frage, was schwerer wiegt: seine eigene Freiheit oder die der Völker der Galaxis.
Klappentext

Vor dem Roman hatte ich so meine Bedenken. Nachdem ich Arkland so verrissen habe, hatte ich befürchtet, daß mir auch "Fünf für die Freiheit" nicht gefallen würde. Vollkommen grundlos, der Roman geht einfach so glatt runter. Fast schon routiniert erzählt Holger M. Pohl eine Infiltrationsgeschichte, die mich an den besten Stellen schon etwas an Scheers ZBV-Stories erinnert. Sehr schön, keine Hänger, präzise Charakterschilderungen, ein sich sukzessive entfaltender Plot. Die von Ralf Steinberg kritisierten erotischen Redundanzen fand ich eher passend und den Charakteren exakt angemessen. Ist aber Geschmackssache, gebe ich zu.

Allerdings stellt HMP mit seiner Infiltrationsgeschichte für mich persönlich den Wendepunkt der D9E-Serie dar. Sie wechselt von einer individuellen SoW-Einzelromanserie endgültig in den Bereich einer expokratisch gesteuerten SF-Reihe über. Das ist nicht schlecht, das ist nur anders als bisher. Bei der geringen Erscheinungsfrequenz lohnt es allerdings, diese Reihe weiter im Blickfeld zu behalten, denn ebenso wie Rettungskreuzer Ikarus kann auch D9E eine angenehme Alternative - allerdings keine Konkurrenz - zu Mainstream-Serien wie Maddrax oder Perry Rhodan werden. Mal abwarten.


D9E – Die neunte Expansion
01 - Dirk van den Boom : Eine Reise alter Helden (2013)
02 - Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen (2014)
03 - Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel (2014)
04 - Nadine Boos : Der Schwarm der Trilobiten (2014)
05 - Dirk van den Boom : Ein Leben für Leeluu (2014)
06 - Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen (2015)
07 - Matthias Falke : Agenten der Hondh (2015)
08 - Holger M. Pohl : Fünf für die Freiheit (2015)

Samstag, 2. April 2016

D9E 07 - Matthias Falke : Agenten der Hondh



Matthias Falke : Agenten der Hondh
D9E 07 - Nola 2
Wurdack 2015
Paperback, 274 Seiten, 12,95 €
ISBN 9783955560164
Reihenführer D9E – Die neunte Expansion


Manuel und Nola konnten sich nach der Katastrophe auf der Scardanelli zur Den-Haag-Stiftung auf Kermadec durchschlagen, haben aber die Befragungen durch die Mitarbeiter der Stiftung schon bald satt.

Sie erinnern sich an Kommandant Butchs Andeutungen, der angeblich von einem Agenten den heißen Tipp bekommen hatte, der sie letztendlich zu jenem seltsamen Artefakt führte. Und so beschließen sie, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Aber bevor sie aufbrechen, müssen sie Navigator Guardes, der sich in die Bordsysteme ihres Shuttles heruntergeladen hatte, noch einen Körper besorgen...
Klappentext

Eine direkte Fortsetzung von Kristall in fernem Himmel, sehr schön anschließend. Bemerkenswert, daß keine Schwächen eines zweiten Teils, wie sie sich in Trilogien so gerne einschleichen, zu bemerken sind. Matthias Falke erzählt auch hier sehr dynamisch, ganz anders als seine Enthymesis-Geschichten. Wenngleich inhaltlich keinesfalls ein Schwergewicht, liest sich "Agenten der Hondh" doch sehr als Pageturner. Und man bekommt weitere Details der Hondh-Gesellschaft präsentiert, die eben so ganz anders ist. Insgesamt ein spannender Roman, der das Thema sehr schön weitertreibt. Im Gegensatz zu den anderen Autoren der D9E-Romane allerdings mit einem gehörigem Grusel-Einschlag, Falke schreibt hier atmosphärisch sehr dicht. Lohnt sich.


D9E – Die neunte Expansion
01 - Dirk van den Boom : Eine Reise alter Helden (2013)
02 - Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen (2014)
03 - Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel (2014)
04 - Nadine Boos : Der Schwarm der Trilobiten (2014)
05 - Dirk van den Boom : Ein Leben für Leeluu (2014)
06 - Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen (2015)
07 - Matthias Falke : Agenten der Hondh 2015)

Freitag, 1. April 2016

D9E 06 - Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen



Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen
D9E 06 - Aschen 2
Wurdack 2015
Paperback, 258 Seiten, 12,95 €
ISBN 9783955560157
Reihenführer D9E – Die neunte Expansion


Nachdem man sie verraten und zurückgelassen hatte, musste Farne ein Jahr auf ERC 238 überleben – einer künstlichen Hölle, bevölkert von seltsamen Wesen. Doch nun sind sie wiedergekommen, um Farne endgültig für die Hondh zu gewinnen. Aber Farne kann sich auf ihre Freunde verlassen, sowohl auf die, die ihr in diesem harten Jahr beigestanden haben, als auch auf alte Vertraute, die sie längst verloren geglaubt hatte. Ein Kampf entbrennt, bei dem bald nicht mehr klar ist, wer noch Mensch, und wer schon längst etwas ganz anderes ist.
Klappentext

Ein Jahr Zeit zwischen den Romanen hat dem Sense of Wonder nicht gut getan. Die D9E-Bände erscheinen einfach zu selten, um die Faszination des Unbekannten zu tragen. Und so las ich "Die Seele der blauen Aschen" als netten SF-Roman mit einigen innovativen Ideen, ein Eye Opener wie "Das Haus der blauen Aschen" war er aber nicht. Nichtsdestotrotz werden die Protagonisten schön und interessant weitergeführt, der Graben zwischen den Freien Menschen und den Hondh-Bürgern wird deutlicher.

Auffallend ist, daß mir persönlich hier ein Umkippen von einem interessantem Shared Universe-Konzept in eine Standard-SF-Reihe gegeben zu sein scheint. Das ist jetzt kein Manko dieses speziellen Romans, aber nach meinem subjektivem Eindruck scheint sich die Serie schon in Richtung "Perry Rhodan" zu bewegen. Muß nicht negativ sein, muß ich mal bei den weiteren Romanen drauf achten.


D9E – Die neunte Expansion
01 - Dirk van den Boom : Eine Reise alter Helden (2013)
02 - Niklas Peinecke : Das Haus der blauen Aschen (2014)
03 - Matthias Falke : Kristall in fernem Himmel (2014)
04 - Nadine Boos : Der Schwarm der Trilobiten (2014)
05 - Dirk van den Boom : Ein Leben für Leeluu (2014)
06 - Niklas Peinecke : Die Seelen der blauen Aschen (2015)

Donnerstag, 31. März 2016

TERRA EXTRA inside - Der Stoff, aus dem die Treibstoffe sind

Auf der LKS von Heft 033 vom 13.12.1963 erzählt Kurt Mahr von Raketentriebwerken und warum man immer noch auf der Suche nach neuen Antriebsmöglichkeiten war :

TERRA EXTRA 033 - K. H. Scheer : Brennpunkt Venus


Karl Herbert Scheer : Brennpunkt Venus
Venus 02
Terra Extra 33, 13.12.1963
Neuauflage
Originalausgabe REIHENBUCH-Verlag 1953
Titelbild : Johnny Bruck


Die internationalen Verhältnisse haben sich nach der Bildung der Afrikanischen-Vorderasiatischen Union unheilverkündend angespannt. Die nun selbständig gewordenen Kolonialvölker von ehemals kennen ihre Grenzen nicht, und unter dem Diktator Abd el Mazar versuchen sie, die übrige freie Welt in einen heillosen Krieg zu stürzen.

Die Afrikanische-Vorderasiatische Union, kurz AVU genannt, rüstet mit den schärfsten Mitteln zum Kampf; ungeheuerliche Vernichtungswaffen, die von dem internationalen Kontrollrat verboten wurden, bringen die Farbigen zur Anwendung, um ihre Ziele durchzusetzen. Man fragt sich, ob der ehrgeizige el Mazar zu kurzsichtig ist, um die Wirkung seiner Kampfmittel zu ermessen, denn es genügen ja vier Explosionen eines größeren Wasserstoff-Atomsprengsatzes, um die gesamte Erde einer vernichtenden Katastrophe entgegenzutreiben.

In seiner mitreißenden Darstellung schildert K. H. Scheer die Abwehr der amerikanischen Techniker gegen die Geheimagenten und Spione der AVU, deren mit unerhörter Rücksichtslosigkeit geführte Ueberfälle die Forschungsarbeit mehrerer Generationen zunichte zu machen drohen.

Doch nicht allein atemberaubende Spannung bietet ein gutes utopisches Werk, sondern auch einen umfassenden Ueberblick über die Entwicklungsmöglichkeiten der modernen Technik.

Je größer die Mittel, die der Menschheit zur Verfügung stehen, desto gefährlicher werden die Auseinandersetzungen auf der Erde und im kosmischen Raum; so stehen sich auch in dem Roman "Brennpunkt Venus" die Parteien in einem Kampf gegenüber, dessen Ausgang über das Schicksal der gesamten Erde entscheidet.
Klappentext des REIHENBUCH-Leihbuchs

Die Fortsetzung von "Stern der Rätsel", nicht wirklich besser als der erste Roman. Interessant allerdings, daß KHS hier das erste Mal vor der atomaren Aufrüstung warnt und durchaus kritischer mit atomaren Waffen ins Geericht geht. Aber das ist auch das einzige, das diesen Roman auszeichnet. Ansonsten ist er vorhersehbar und - man mag es bei Scheer gar nicht glauben - insgesamt auch ziemlich langweilig. Muß man nicht lesen.

Mittwoch, 30. März 2016

TERRA EXTRA inside - Den Anderen geht's auch nicht besser

Auf der LKS von Heft 032 vom 29.11.1963 wendet Kurt Mahr dann die Ergebnisse der relativistischen Raumfahrt, die er in den beiden vorangegangenen Heften hergeleitet hat, auf mögliche Aliens an. Und kommt zu dem Ergebnis, daß alle 100.000 Jahre ein Schiff der Aliens die Erde besuchen müsste :

TERRA EXTRA 032 - K. H. Scheer : Stern der Rätsel


Karl Herbert Scheer : Stern der Rätsel
Venus 01
Terra Extra 32, 29.11.1963
Neuauflage
Originalausgabe REIHENBUCH-Verlag 1953
Titelbild : Johnny Bruck


Bis zur Stunde gelang es den Astronomen nicht, über die Oberflächengestaltung, die sogenannte Oberflächenstruktur, der erdabgewandten Mondhalbkugel sich Klarheit zu verschaffen, vielmehr bleiben alle Angaben hierüber nur mehr oder weniger wahrscheinliche Vermutungen.

Natürlich, mit der Verbesserung der Raketentreibstoffe wird auch eine Landung auf dem Mond in den Bereich des Möglichen gerückt. Auch der Trabant Luna wird dann seine letzten Geheimnisse preisgeben müssen. Aber wären damit schon die Rätsel des Kosmos gelöst? -Nein! Auch die kommenden Generationen, denen eine Mondlandung wohl keine Schwierigkeiten mehr bereiten dürfte, bleiben doch letzten Endes im Unklaren über die tiefen Geheimnisse des Weltraumes; niemandem wird es wohl so bald gegeben sein, das zu ergründen, was sich teilweise in einer Entfernung mehrer Lichtjahre abspielt.

Es ist also kein Wunder, wenn auch die Regierungen in fünfzig Jahren ebenso erstaunt über das Erscheinen geheimnisvoller Himmelskörper sein werden, wie es unsere Generation gewesen ist, als zum ersten Mal die unheimlichen Fliegenden Untertassen über der Erde gesichtet wurden. Der technisch-utopische Roman "Stern der Rätsel" schildert das Auftauchen rätselhafter Flugkörper, die Fassungslosigkeit der Weltöffentlichkeit über diese beunruhigenden Gäste aus dem fernen Kosmos und schließlich die Machtlosigkeit des einzelnen Menschen, wenn er sich fremden Wesen gegenübersieht, fremden Wesen, die aus einer anderen Welt stammen.

"Stern der Rätsel" behandelt das ungeklärt bleibende Verschwinden zweier Forscher, die für immer der Erde verloren zu sein scheinen. Aber gerade hier vermag der Mut und die Einsatzbereitschaft eines Einzelnen die gesamte Situation zu ändern. Ohne aufhören zu wollen, wird der Buchfreund auch diesen Roman K. H. Scheers verfolgen, bis er die Lösung und Erklärung der rätselhaften kosmischen Erscheinungen gefunden hat.
Klappentext des REIHENBUCH-Leihbuchs

Die Heftroman-Ausgabe dieser Geschichte ist als TERRA SF 047 erschienen, ich hatte sie erst vor drei Jahren gelesen. Einer der schlechten KHS-Romane, die sich auch aus der Zeit heraus nicht wirklich erklären lassen. Kein Vergleich gegenüber den nur etwas später erschienenen Gesko Speed-Romanen beispielsweise. Schwamm drüber.

Dienstag, 29. März 2016

TERRA EXTRA inside - Relativistische Raumflüge

Auf der LKS von Heft 031 vom 15.11.1963 führt Kurt Mahr seine Ausführungen zur Relativitätstheorie fort und erklärt die relativistische Raumfahrt. Dies war damals etwas Neues und noch in keinster Art und Weise Standard wie heutzutage. Um so interessanter, daß derartige wissenschaftliche Beiträge in diesen "Groschenheften" ihr Publikum fanden.

TERRA EXTRA 031 - Clark Darlton : Die Zeit ist gegen uns


Clark Darlton : Die Zeit ist gegen uns
Terra Extra 31, 15.11.1963
Neuauflage
Originalausgabe UTOPIA Großband 36 (1956)
Titelbild : Johnny Bruck


Nach Vervollständigung des Photonenantriebes ist es möglich, die Geschwindigkeit des Lichtes zu erreichen und sie - scheinbar - zu überschreiten. Die HUMAN SUCCESS startet mit Kommandant Hammond und vierzig Mann Besatzung, um Alpha Centauri zu erreichen. Man weiß, daß merkwürdige Zeiteffekte eintreten werden, aber man ahnt noch nicht die ganze Wahrheit, die ihr Schicksal grundlegend beeinflussen soll.

Unvorbereitet stehen diese Menschen plötzlich einer Situation gegenüber, die sie mit Entsetzen erfüllen muß, denn sie versperrt ihnen die Rückkehr zur Erde. Wird es ihr Schicksal sein, ein Leben lang hinter der verschollenen Menschheit herzujagen, die sie in der Zeit überholte?

Ein Roman der atemlosen Spannung und vieler unbeantworteter Fragen. Ein Roman, der Probleme aufwirft, ohne sie lösen zu wollen. Der bisher beste Roman von Clark Darlton.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs (1964)

Den Roman habe ich erst letztens gelesen, und zwar in der gelungenen Hardcover-Ausgabe des HJB-Verlags : Link. Die ist auch schon wieder zwanzig Jahre alt, aber aufgrund des gelungenen Nachworts von Gert Rottenecker bisher die beste Ausgabe eines solchen klassischen Romans, die ich kenne. Die Geschichte selbst hat ihre Macken, die Physik verlässt zwei-, dreimal den Raum, aber insgesamt bietet "Die Zeit ist gegen uns" einen Plot, der damals wie heute selten ist. Gert Rottenecker fasst dies sehr schön zusammen : >>In "Die Zeit ist gegen uns" fällt kein einziger Schuß, wird auch niemand anderweitig getötet, kommt es weder zu tragischen Mißverständnissen mit irgendwelchen Aliens, noch zu einer Meuterei an Bord der HUMAN SUCCESS, als die irdischen Raumfahrer erfahren, daß sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zeit verloren haben.<< Dieser Darltonsche Stil macht die frühen Romane von Walter Ernsting zu etwas Besonderem, etwas, das eine ganze Generation von SF-Lesern geprägt hat. Und es wäre schön, würde dies heutzutage, 60 Jahre später, jemand wieder aufnehmen.

Montag, 28. März 2016

TERRA EXTRA inside - Angewandte Relativitätstheorie

Auf der LKS von Heft 030, 01.11.1963, erklärt Kurt Mahr anschaulich die Spezielle Realtivitätstheorie und nachweisbare Folgerungen und Experimente daraus. Beiträge wie dieser haben damals das Interesse an Teilchenphysik und Quantenmechanik geweckt.

TERRA EXTRA 030 - Jack Williamson : Die Zeitlegion


Jack Williamson : Die Zeitlegion (Legion of Time)
Terra Extra 30, 01.11.1963
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe UTOPIA Großband 65 (1958)
Originalausgabe ASTOUNDING 05-07.1938
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild 1. Auflage: Johnny Bruck


Der Student Dennis Lanning erhält Besuch aus der Zeit und wird hineingerissen in den Kampf zweier weit in der Zukunft liegender Reiche. Nur eines kann Wirklichkeit werden - falls in ferner Vergangenheit das richtige Ereignis eintritt.Lanning stellt sich an die Seite der lieblichen Lethonee aus dem wunderbaren Jonbar und tritt der Zeitlegion bei, einer Gruppe wagemutiger Männer, die im Augenblick ihres Todes von einer Zeitmaschine gerettet wurden. Die Legion eilt durch Zeit und Raum und ficht einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Kräfte des Bösen, damit die Geschichte den richtigen Verlauf nimmt. Denn das verderbte Reich von Gyronchee und seine Herrscherin, die dämonisch-schöne Sorainya, dürfen niemals Realität werden.
Klappentext UTOPIA

The Legion of Time erschien zuerst 1938 als Fortsetzungsserie in Astounding. Die Handlung der Geschichte ist zwar philosophisch völlig belanglos, aber trotzdem eine wahre Wonne.
Brian W. Aldiss : Der Millionen-Jahre-Traum (BLB 24002, 1980)

Jack Williamson fabuliert hier wieder einmal in wildester Science Fantasy-Manier vor sich hin. Neben wunderschönen Frauen - die allerdings mehr oder minder Staffage für die heldenhaften Aktionen des Protagonisten bilden - sind Weltraummonster ebenso wie die Physik einer weit entfernten Parallelwelt präsent. Und trotzdem ist dieser Roman bemerkenswert. Denn Jack Williamson führt hier den Begriff des Jonbar Points ein, ein Verzweigungspunkt von Möglichkeitswelten, der bis heute im Rahmen der Zeittheorie und Alternate History ein feststehender Ausdruck ist. Die Gedankenexperimente der Historiker für alternative Geschichtsverläufe basieren ebenfalls auf diesem 1938 von Jack Williamson entwickeltem Konzept. Von daher lohnt es sich, diesen Roman auch heute noch zu lesen und John Barr (!) bei seinen Entscheidungen zu beobachten.

Samstag, 19. März 2016

TERRA EXTRA inside - Analog ist eben besser

In Heft 029 vom 18.10.1963 schildert Kurt Mahr, daß Augenmaß bei der Raumfahrt immer noch unumgänglich ist :

TERRA EXTRA 029 - Curt Siodmak : Der Weg zu den Sternen


Curt Siodmak : Der Weg zu den Sternen (Riders to the Stars)
Terra Extra 29, 18.10.1963
Neuauflage
Originalausgabe UTOPIA Großband 25 (1955)
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Johnny Bruck


Gerade in unserer Zeit, in der die Großmächte der Welt ihre Pläne zum Bau einer Raumstation bekannt geben, ist dieser Roman mehr als aktuell, denn er handelt von den Schwierigkeiten, auf die Amerika und Rußland in zwei, drei Jahren – vielleicht - stoßen werden.

Wird es jemals gelingen, den künstlichen Mond um die Erde kreisen zu lassen? Wird über-haupt jemals eine Rakete jene kritische Grenzhöhe von km überschreiten können, hinter der nichts als der plötzliche Tod lauert? Wird der eingefangene Meteor eigne Antwort auf Dr. Stantons bange Frage geben: werden wir die kosmische Strahlung abwehren können?

Drei Männer, vom Geheimdienst auserwählt, von Wissenschaftlern überprüft und vom Schicksal herausgefordert, sollen die Antwort suchen. Wer von ihnen wird sie aus dem Weltall mit zurückbringen? Die Antwort auf die Frage : Kann es jemals eine Weltraumfahrt geben?
Klappentext UTOPIA

"Technisch fragwürdig" hat ein früherer Besitzer des Heftes eingetragen. Kann ich nur bestätigen, das ganze Ding ist leicht obskur, kein Vergleich mit Donovan's Brain.

Der Grund wurde mir bei der Recherche klar : Das hier ist ein "Buch zum Film". Soweit ich das sehen konnte, war zwar das Skript ebenfalls von Siodmak, trotzdem hat der Roman diverse Macken. Das fängt an bei der leicht fragwürdigen und heutzutage überholten Physik, geht weiter über die doch sehr 50er-Jahre-klischeehaften Personenbeschreibungen und endet bei dem nur bedingt lesbaren Plot. Der Roman wurde auch in Deutschland nur 1956 im UTOPIA Großband und hier, 1963, im Rahmen der TERRA EXTRA-Reihe aufgelegt und dann vergessen. Ist auch besser so.


Der komplette Film :

Einige bezeichnende Auszüge :

Dokumentation über Ivan Tors, den Produzenten :

Freitag, 18. März 2016

DSFP 2016 : Meine Nominierungsvorschläge - Romane



So, da Jahr ist wieder rum, die Nominierungen für den DSFP nähern sich.

Ich habe dieses Jahr gute neue deutsche SF gelesen. Und sehr gute. Und exzellente. Tatsächlich war dies ein außerordentlich gutes Jahr, was den Roman-Bereich angeht. Viel habe ich hier schon kommentiert, aber längst nicht alles. Und gerade auch im Kontext meiner Schmökerei in den klassischen Heftromanen, von denen einige Geschichten ja schon als Klassiker gelten, andere zu Recht vergessen sind, stelle ich fest, daß zeitgenössische deutsche Schriftsteller und Übersetzer den Vergleich mit ihren historischen Vorbildern nicht scheuen müssen. Anders sieht es auf der Verlegerseite aus, da tummeln sich schon diverse Dilettanten. Aber die werden ja auch nicht mit dem DSFP bepreist, also konzentrieren wir uns auf die Geschichten. Zuerst die Romane, was normalerweise schwieriger ist.

Aber als ich so überlegte, was denn dieses Jahr mir am Besten gefallen hat, standen sofort drei Bücher ganz vorne vor meinem geistigem Auge. Bei all den guten, sehr guten und excellenten Romanen stechen in meiner Leseliste diese drei ganz besonders heraus. Und das aus drei ganz unterschiedlichen Gründen.


Da ist zunächst einmal Frank W. Haubolds Licht von Duino, der dritte Teil seiner Götterdämmerungs-Trilogie. Eine Space Opera, aber was für eine ! Haubold hat eine gelungene Synthese von klassischer SF-Action und ästhetischen-zarten Bildern geschaffen. Rein stilistisch schon ein Genuß, das ist meine erste Nominierung.


Dirk van den Boom ist ein Garant für Kracher-SF mit Sex, Raumschiffen und Aliens. Seit einiger Zeit schreibt er aber auch deutlich gehaltvollere Fantasy und SF. Im letzten Jahr hat er mit Meran sich aber selbst übertroffen und einen bedeutenden Social Fiction-Roman vorgelegt. Das zeitgenössische Äquivalent der großen Romane angloamerikanischer Provenienz, voll in der Tradition von Cunis und Amery. SF at its best, meine zweite Nominierung.


Nach stilistischer Vollkommenheit und inhaltlichem Schwergewicht ist meine dritte Wahl gänzlich anders. Guido Krain hat mit Der brennende Rabe einen höchst amüsanten Roman geschaffen, der nie in Klamauk übergeht, sehr starke humoristische als auch erotische Szenen enthält und durch die Bank weg Spaß gemacht hat. Hervorragend geschrieben, von dem Kaliber hätte ich gerne mehr und so ist dieser Roman meine dritte Nominierung.



Stil, Inhalt und Humor - dieses Jahr haben meine persönlichen Nominierungen von jedem etwas. Wie gesagt, ein gutes Jahr, es gäbe noch viel mehr über die anderen Romane zu sagen. Kommt noch, hoffe ich, denn beruflich und privat bin ich momentan etwas sehr eingespannt. Und jetzt einmal abwarten, wie meine DSFP-Jury-Kollegen nominiert haben...

Update : Ist offenbar nicht deutlich genug, daß dies nur meine Nominierungsvorschläge sind, deshalb habe ich den Titel nochmal geändert.

TERRA EXTRA inside : Amerikanische Raketen

In Heft 028 vom 04.10.1963 stellt Kurt Mahr die amerikanischen Raketentypen dar :


Seine letzten Sätze finde ich faszinierend :
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die NOVA die mächtigste und zugleich die letzte der chemischen Raketen sein wird. Denn die Raumfahrt muß, wenn sie auf Dauer erfolgreich sein will, fortgeschrittenere Triebwerke entwickeln, zum Beispiel den nuklearen Raketenmotor.
Schade nur, daß die NASA zwischenzeitlich zu einem Politikerprofilierungsunternehmen verkam und wissenschaftliche Forschung dort nicht mehr wirklich stattfand.

TERRA SF 028 - K. H. Scheer : CC-5 streng geheim


Karl Herbert Scheer : CC-5 streng geheim
ZBV 05
Terra Extra 28, 04.10.1963
Neuauflage
Originalausgabe BALOWA 1958
Titelbild : Johnny Bruck


Die Sache begann mit Sabotageakten an jenen Raumschiffen, die erstmalig zum Mars vorstoßen sollten. Captain Thor Konnat, Spezialagent der GWA, hat das seltsamste Erlebnis seiner dienstlichen Laufbahn, als ein Mensch im leeren Raum den Druckhelm öffnet, ohne dabei zu sterben. Ein Mensch ...? In den Forschungslabors der GWA liegt das Grauen auf einem Operationstisch. Ein Biologe spricht von Metabolismus und Zellverformung. Der GWA-Chef sagt Worte, die wesentlich vernünftiger erscheinen. Damit beginnt Konnats schwerster Einsatz, der in die Geschichte der GWA eingehen sollte.

Wer ist Professor Edward G. Sintkol? Ein Wahnsinniger, oder ein von Gott beauftragter Mensch mit besonderen Qualitäten? Was verbirgt sich hinter einer Aufrührer-Gruppe, die sich "Wissenschaftliche Sozialisten" nannte? Das gewaltige Räderwerk der Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr läuft schon auf vollsten Touren, ehe Captain Konnat noch in den Einsatz geht. Sie erleben eine hervorragend geschilderte Handlung von einmaliger Präzision. Nichts wird vergessen, nicht ist unklar. Unklar erscheinende Dinge werden so vorzüglich erklärt, daß sie verständlich werden müssen.

Die GWA kämpft gegen einen unerbittlichen Feind, dessen hervorstehende Wesensart nur mit den Mitteln der Parapsychologie erfaßbar ist. Zwei Männer mit anormalen Gehirnen und ein telepathischer Mutant dringen in die vulkanische Unterwelt eines Landes ein, wo sich Dinge ereignen, die über jedes Begriffsvermögen hinausgehen, ohne daß sie unverständlich werden. Konat entfesselt die Hölle, die andere Lebewesen hervorrufen wollten. Der Roman "CC-5 streng geheim" ist zweifellos der beste UTO-Krimi-Roman, der von K. H. Scheer bisher geschrieben wurde. Unglaublich erregend, spannend und einmalig sauber im logischen Aufbau.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Den habe ich erst letztens als TERRA-Heft gelesen (TERRA SF 092). Meinem damaligem Kommentar habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Bis auf die Titelbilder. Beide von Johnny Bruck, beide gehen auf den Inhalt ein, beide machen einen starken Eindruck auf mich. Das war damals selten, heute ist es deutlich besser. Allerdings bin ich durch Bruck, Stephan und die heutigen Kleinverlags-Titelbilder auch echt verwöhnt...

Donnerstag, 17. März 2016

TERRA EXTRA inside - Weltraumaktivitäten 1962

Weltraumaktivitäten 1962, von Kurt Mahr in Heft 027 vom 20.09.1963 zusammengestellt. Davon kann man heute nur träumen...


Und zu dem Firmenstempel sag' ich jetz mal nix...

TERRA EXTRA 027 - Clark Darlton : Die Schwelle zur Ewigkeit


Clark Darlton : Die Schwelle zur Ewigkeit
Terra Extra 27, 20.09.1963
Neuauflage
Originalausgabe UTOPIA Großband 54 (1957)
Titelbild : Johnny Bruck


Mit bewundernswerter Logik hat Darlton ein Werk geschaffen, dessen Probleme auf den ersten Blick gesehen, schwer verständlich scheinen, dann jedoch mit bestechender Genauigkeit erklärt und gelöst werden. Meisterhaft schildert der Autor das Schicksal eines Raumschiffes, das durch ein technisches Versagen in eine andere Dimension verschlagen wird, in der es nur ewige Nacht und sonst nichts weiter gibt. Erst nach Jahren soll das Schiff wieder entdeckt werden.
Klappentext

Die Fortsetzung von "Und Satan wird kommen". Allerdings ganz untypisch für die damalige Zeit, Clark Darlton macht hier einen 2000-Jahre-Sprung. Das dürfte Perry-Rhodan-Fans aufmerksam werden lassen und ja, diese beiden Romane nehmen durchaus architektonische Strukturen der späteren PR-Serie vorweg.

Die Ereignisse aus Band 1 sind nur noch Legenden, ebenso wie die Außerirdischen. Allerdings ist die Legende noch so stark, daß sich um Terra herum ein Verteidigungsring gebildet hat. Die Venusianer wurden von den Erdenmenschen vor dem Aussterben bewahrt, auch andere Rassen friedlich in das Terranische Imperium integriert. Die Roboter, mit denen die Menschen zusammenarbeiten, sind intelligent, keine reinen Maschinen und die Bedrohung von Außen wird als nebensächlich betrachtet.

Wenngleich Darlton auch hier wieder technisch-naturwissenschaftliches Chaos anrichtet (ich bin sicher, er ist der Grund für die Einführung der Datenblätter bei PR, ich sage nur "Schabezahn"), so ist der Roman doch gerade im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Geschichten deutlich innovativer, kreativer und mehr sciencefictionesk. Bisher einer der besten Einzelromane von Darlton, die ich gelesen habe.

Mittwoch, 16. März 2016

TERRA EXTRA inside - Raumstationen

In Heft 026 vom 06.09.1963 erzählt Kurt Mahr über die Vorteile einer Raumstation. Und doch sollte es noch über zwanzig Jahre dauern, bis die "Mir" endlich erbaut wurde.

TERRA EXTRA 026 - Clark Darlton : Und Satan wird kommen


Clark Darlton : Und Satan wird kommen
Satan 01
Terra Extra 26, 06.09.1963
Neuauflage
Originalausgabe UTOPIA Großband 44 (1956)
Titelbild : Johnny Bruck

Die Aufhebung der Schwerkraft ist ein alter Wunschtraum der Menschheit. Irgendwo auf dieser Welt, in irgendeinem Lande - vielleicht in mehreren - wird an diesem Problem gearbeitet. Und eines Tages wird es gelungen sein: Die Schwerkraft, jene Kraft, die uns alle an der Erde festhält und uns an sie fesselt, existiert nicht mehr. Irgendeine Metalllegierung kann das Wunder vollbringen - wenn die Schwerkraft eben nichts weiter sein sollte als ein Strahldruck.

Und, wie immer, werden die Agenten der Nachbarnationen versuchen, dem Schnelleren, Glücklicheren, das Geheimnis zu entreißen - und damit vielleicht auch Erfolg haben. Und genau in dieser Sekunde beginnt unser Roman...

Doch jener amerikanische Agent, der in seiner Brusttasche die größte Erfindung des Jahrhunderts verbirgt, bringt sie nicht zu seinen Auftraggebern. Er hat andere, ganz andere Pläne. Zusammen mit seinem Freund konstruiert er ein Raumschiff, das mit Hilfe der gestohlenen, Erfindung ohne Schwierigkeiten die Erde verläßt und in den Weltraum vorstößt. Es ist das Ziel des Agenten, sowohl den Amerikanern wie auch den Russen bei der Eroberung des Mondes zuvorzukommen, um ein für allemal die Errichtung eines militärischen Stützpunktes dort zu verhindern und somit eine ständige Bedrohung der Menschheit zu vermeiden.

Mit seinen Freunden erreicht er den Mond und betritt als erstes irdisches Wesen eine vollkommen tote Welt. Doch sie sind nicht allein...

Wie kommen Fußspuren auf den toten Mond? Existiert bereits ein Stützpunkt?

Wer hat ihn errichtet, wenn es die Menschen nicht taten...? Rätsel und Probleme, verbunden mit unheimlichen Gefahren, türmen sich vor den kühnen Raumfahrern auf. Doch es muß noch einen Ausweg für sie selbst - und damit für die gesamte Menschheit geben. Es kommt darauf an, ob sie ihn finden...
Klappentext UTOPIA

Ich hab' ein Physik-Diplom in der Tasche. Also hat es mir ob der technisch-phyikalischen Beschreibung von Darlton wieder einmal die Zehnägel hochgerollt. Wenn der Mann etwas nicht konnte, waren das Naturwissenschaften und naturwissenschaftliche Extrapolationen. Das war einfach nicht Ernstings Ding, das merkt man jedem seiner Romane an.

Und so war ich bis zu einem gewissem Grad vorgewarnt, die Strahldruck-Gravitation *schauder* hat mir nur kurz einen Gänsehautschauer den Rücken runterlaufen lassen, ohne mich wesentlich im Lesefluß zu stören. Der Roman ist - auch das typisch für Darlton - höchst idealistisch geschrieben. Ein Geheimagent gibt das Geheimnis des Strahldrucks nicht seiner Regierung, sondern versucht, statt Atombomben seine eigene Version der "Enterprise" zu bauen. Das klappt und auf dem Mond treffen die Menschen dann auf Overlords. Siehe dazu Arthur C. Clarkes "Die letzte Generation" (1953). Im Gegensatz zu Clarke sind Natas und Konsorten aber nicht nett, sondern für alle negativen Großereignisse der letzten paar tausend Jahren (mit-) verantwortlich. Nach kurzem Kampf werden sie überwältigt und die Menschen nehmen ihr Schicksal in die eigenen Hände.

Hier liegt auch mein Kritikpunkt, viel wichtiger als Darltons Science Fantasy-Abwege. Wie in diversen anderen SF-Romanen versucht Darlton hier, die Schuld beispielsweise am II. Weltkrieg auf außerirdische Einflüsse abzuschieben. Wie gesagt, kein Einzelfall in der SF-Literatur, gab es durchaus häufiger. Und es sollte noch lange dauern, bis sich hier als auch im restlichen Bereich der Literatur das Prinzip der eigenen, nicht wegzudiskutierenden Schuld als Standard etablierte.

Aber wie gesagt, abgesehen davon - und von der Physik *schauder* - ein sehr angenehm lesbarer Roman. Er wird allerdings durch den Folgeband noch getoppt.