Donnerstag, 6. November 2014

TERRA SF inside - Die erste LKS

Auf den letzten Seiten von Heft 017 vom 28.03.1958 findet man die erste LKS :


Dies dürfte nicht nur die erste LKS der TERRA-Reihe, sondern die erste LKS überhaupt sein. Oder kennt jemand frühere ?

Interessant auch der Hinweis auf die demnächst erscheinenden TERRA Sonderbände, die inhaltlich die TERRA SF-Hefte noch toppen. Aber dazu später mehr.

Die Auflösung der hier vorgestellten Umfrage habe ich schon gebracht, sie ist in Heft 21 vom 23.05.1958 enthalten : Link.

TERRA SF 018 - K. H. Scheer : Sie kamen von der Erde


Karl Herbert Scheer : Sie kamen von der Erde
Terra SF 018, 11.04.1958
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1956
Titelbild : Johnny Bruck


"Sie kamen von der Erde" heißt dieser neue Roman von K. H. Scheer. Wir sind nicht besonders überrascht, daß es der bekannte Autor mit dem vorliegenden Werk wagt, die Bewohner des Planeten Erde unerbittlich bloßzustellen. Das Raubtier . . . die Bestie Mensch, die kaltblütigsten und berechnendsten Wesen der Milchstraße, die von sich eingenommenen Bewohner der Erde stoßen in den interstellaren Raum vor, und damit beginnt für andere Intelligenzen das Verderben. Der Mensch hat sich nicht geändert, und er versteht nicht, daß er nicht das Recht hat, andere Lebewesen zu unterdrücken. Es ist ganz erstaunlich, wie treffend der Autor die menschlichen Schwächen schildert, und es ist beinahe erschütternd, wenn man im Laufe der Handlung erfährt, wie fremde Lebewesen über die Taten dieser Menschen denken müssen. Sie kommen von der Erde . . . und sie brachten den Tod!

Der Roman ist in der Art seines Aufbaues einmalig, denn diesmal ist es der Mensch, der vernichtet werden muß, wenn er nicht ein ganzes Universum erschüttern soll. Der Leser wird in ein anderes Sonnensystem versetzt, und er wird mit den Bewohnern dieses Systems denken und handeln. Unbegreiflich sind für diese Wesen die Taten der Menschen, bis sie sich aufraffen und kämpfen. Die Robot-Besatzungen der irdischen Raumschiffe handeln gnadenlos, und die Oberhäupter der diktatorischen Erd-Regierung sind noch gnadenloser, denn auf ihre Anweisung hin werden die Elektronengehirne der Roboter eingestellt. Nur wenige Menschen gibt es auf der Erde, die es wagen, sich gegen die weltweite Diktatur aufzulehnen, aber nur zwei Männer gibt es, die gegen ihren eigenen Planeten kämpfen, weil sie wirkliche Menschen sind.

"Sie kamen von der Erde" ist ein Roman, wie er bisher noch nicht geschrieben wurde. Für technische Überraschungen und verblüffende Lösungen bürgt der Name K. H. Scheer. Unser Prädikat: Hervorragend . . . außergewöhnlich . . . verständlich!
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Von Kapitän Roland geführt, befindet sich das terranische Fernraumschiff ALTAIR nach langem Flug auf dem Weg zurück zur Erde, als unvermutet das Unheil über das Schiff hereinbricht.
Die Photonamatose-Seuche beginnt zu grassieren. Menschen verformen sich spontan und werden zu reißenden Bestien, die das Schiff zu vernichten drohen und deshalb getötet werden müssen.
Nur der Kapitän und sein Chefingenieur überleben die Katastrophe. Sie kehren zur Erde zurück, ohne zu wissen, daß sich dort ebenfalls eine unheilvolle Entwicklung vollzogen hat, die es zu bekämpfen gilt.
Klappentext UTOPIA-Bestseller 10

Ein früher Scheer, geschrieben unter dem Eindruck des gerade eben zehn Jahre überwundenen Faschismus, der Unterdrückung der Freiheitsbewegungen in Osteuropa und der beginnenden Muffigkeit der 60er. Scheer schildert hier eine diktatorisch geführte Erde, in der von abweichende Meinungen mit dem Tod geahndet werden. Dabei beschreibt er präzise, wie Mitläufer des Systems dieses unterstützen und zementieren. Ein sehr antifaschistischer Roman, der unter Scheers frühen Werken besonders heraussticht.

In Teilen liest er sich wie ein Gegenentwurf zur späteren Perry-Rhodan-Serie : Es gibt eine zentrale Hauptstadt, Terrapolis, einen allgegenwärtigen Diktator, den "Erhabenen" und einen allgemeinen Konsens, die Menschheit habe als höchste Lebensform sich das Universum zu unterwerfen. Ich persönlich fand, daß der Roman ziemlich bitter geschrieben ist, KHS schreibt sich in diesem Roman seine ziemlich pessimistische Meinung über einige seiner Zeitgenossen von der Seele. Und wenn auch die typischen Scheerschen Versatzstücke in "Sie kamen von der Erde" vorhanden sind, so liest sich dieser Roman deutlich anders als seine sonstigen zu dieser Zeit geschriebenen Romane.

Mittwoch, 5. November 2014

TERRA SF inside - Werbung für andere MOEWIG-Hefte

Die Phantastik hatte im Deutschland der Nachkriegszeit keinen hohen Stellenwert. Und verkaufte sich nicht so gut wie einige andere Genres. Der größte Ausfall dabei sind die Kriegsromane, die später in die LANDSER-Reihe übergingen. Hier eine Werbung für dieses Genre auf der Rückseite von Heft 012 vom 17.01.1958 :


Derartige Romane waren zwar nicht ausgesprochen faschistisch, die Greueltaten wurden einfach verschwiegen und das Hohelied des edlen Soldaten gesungen. Von daher war es schon eine heftige Geschichtsklitterung, die in diesem Genre stattfand.

TERRA SF 017 - W. D. Rohr : Planet des Unheils


Wolf Detlef Rohr : Planet des Unheils
Terra SF 017, 28.03.1958
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1957
Titelbild : Johnny Bruck


Ein neuer Planet in der Nähe des Mars, das ist das Ergebnis der Beobachtungen eines jungen Kadetten, der in der Beobachtungsstation des künstlichen Erdsatelliten vor dem Radarschirm sitzt. Eine ungeheure Katastrophe in einem fernen Sonnensystem muß diesen Planeten in unser System geschleudert und in den Bereich der Anziehungskraft unserer Sonne gebracht haben.

Das erste zur Erkundung ausgesandte Raumschiff kehrt nicht zurück. Ein Hilfsschiff verschwindet spurlos. Erst das dritte Schiff bringt nach langer Zeit Nachricht von dem neuen Planeten. Es ist ein kleines Patrouillenschiff, und die vier Männer der Besatzung sind völlig verändert. Bewußt geben sie falsche Nachricht über ihre Erlebnisse. Eine unerklärbare Infektion bewirkt eine solche Veränderung ihrer Psyche, daß sie zu Untieren werden, zu einer ungeheuren Gefahr für das Menschengeschlecht der Erde.

Was ist es, was dieser Planet des Unheils ausstrahlt? Und dann sind es wieder vier Menschen, drei Männer und eine Frau, die sich entschließen, den Planeten des Unheils anzusteuern. Was sie erleben, ist fürchterlich. Haben sie je eine Aussicht, aus dem Bereich dieser unheimlichen, in einen fürchterlichen Kampf verstrickten Urwelt wieder zu entrinnen, oder wird ihr Schicksal das der Besatzungen der ersten Erkundungsexpedition sein?

Der vorliegende Roman "Planet des Unheils" von Wolf Detlef Rohr wurde von der literarischen Abteilung des Science Fiction Clubs Deutschland geprüft und erhielt das Prädikat als ausgezeichneter Science Fiction Roman.
Klappentext des DÖRNER-Leihbuchs

Ein insbesondere für Perry-Rhodan-Fans nicht uninteressanter Roman. Denn die Idee einer weltumspannenden amöbenartigen Pseudo-Intelligenz wird im PR 101, "Der Weltraum-Tramp", nochmals aufgegriffen. Inklusive des zombieartigen Verhaltens der vom Amöbenvirus Befallenen.

Allerdings sind die Romane bis auf das Grundthema ziemlich unterschiedlich. Rohr schreibt hier eher einen SF-Grusel-Roman im Sinne von "Alien", bleibt allerdings hundertprozentig auf der SF-Hardcore-Seite. Ich fand den Roman ganz nett, lesbar, halbwegs spannend und für seine mehr als fünfzig Jahre recht gut gealterten Roman. Allerdings bleibt er auf dem Level eines Trivialromans, die Geschichte bewegt sich nur an der Oberfläche. Weder werden die Protagonisten noch die Antagonisten differenzierter dargestellt, geschweige denn die Opfer des Amöbenvirus. Eigentlich schade, die Geschichte hat mehr Potential.

Dienstag, 4. November 2014

TERRA SF inside - Werbung für TERRA

Auf der Rückseite von Heft 001 vom 07.06.1957 findet sich die erste Werbung für die TERRA-Hefte, ganz im Stil der 50er :

TERRA SF 012 - A. J. Merak : In geheimer Mission


A. J. Merak : In geheimer Mission (Dark Andromeda)
Terra SF 012, 17.01.1958
gekürzter Nachdruck des Leihbuchs "Geheimauftrag Andromeda" von 1957
Originalausgabe 1954
Aus dem Englischen von Walter Ernsting
Titelbild : Johnny Bruck


Dieser Zukunftsroman ist das, was die Amerikaner eine SPACE OPERA nennen, damit bezeichnet man einen spannungsgeladenen, erregenden Zukunftsroman, der nicht ganz ohne das wichtige Element SCIENCE FICTION ist.

Die Handlung von GEHEIMAUFTRAG ANDROMEDA führt uns in eine weit vor uns liegende Zukunft. Schon längst haben die ersten Raketen unser Sonnensystem durchforscht und stoßen weiter vor in die unendlichen Räume der Milchstraße. Und dann - als logische Folge dieser Entwicklung - dringen sie zum nächsten Milchstraßensystem vor: zum Sternnebel Andromeda. Dort hat die Entwicklung der Intelligenzbewohner verblüffende Parallelen mit unserer eigenen. Selbst charakterlich gibt es kaum Unterschiede.

Und somit ist es nicht verwunderlich, wenn nach fast 500 Jahren friedlichen Nebeneinanderlebens die Gefahr eines gewaltigen, interstellaren Krieges akut wird, der die winzige Erde und ihre Verbündeten in anderen Sonnensystemen vernichtend treffen würde.

Da entsteht die rote Akte mit der Aufschrift: GEHEIMAUFTRAG ANDROMEDA. Agenten und Spione werden zu dem fernen Sternsystem gesandt - und man hört niemals mehr etwas von ihnen. Bis - sozusagen in letzter Sekunde ein Mann den Auftrag erhält, der nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu denken versteht. Captain Blair, der gewiegte Agent, verläßt die heimatliche Erde, um durch die Weite des Weltraums zu dem 800 000 Lichtjahre entfernten Andromedanebel zu eilen. Die restlose Ueberwindung von Raum und Zeit im Hyperspace (eine uns heute noch unbekannte Dimension) läßt ihn die Strecke in zwölf Wochen überbrücken.

Und dann ist er allein in einer feindlichen Welt. Nur seine eigene Initiative und sein fast unglaubliches Glück helfen ihm, den Gefahren zu begegnen, die von der ersten Sekunde seines Aufenthaltes an auf ihn eindringen. Die Kette seiner Abenteuer reißt nicht ab und man wird dieses Buch kaum aus der Hand legen können, ehe man nicht genau weiß, ob Captain Blair sein Wagnis mit dem Leben bezahlen muß, wie alle anderen Agenten vor ihm, oder ob es ihm etwa doch gelingt, seinen Kopf - und damit die Erde - zu retten.
Klappentext des BEWIN-Leihbuchs

Der Roman "Geheimauftrag Andromeda" wurde von der LITERARISCHEN ABTEILUNG des SFCD überprüft und wird den Lesern und Freunden der SCIENCE-FICTION-Literatur als gute SPACE OPERA empfohlen.
unter dem Klappentext :-)

Ein Spionage-Roman im Stil der Bond-Filme, gut geschrieben, aber Dutzendware. Anzumerken ist allerdings die Existenz einer weiblichen und emanzipierten Hauptperson, die bis zum letzten Absatz eigenständig agiert. Aber dann muß der Held die Heldin ja kriegen, das ging damals nicht anders.

"A. J. Merak" ist das Pseudonym von John Stephen Glasby (1928-2011), einem englischem nebenberuflichem Autor. Nebenberuflich, nicht Hobby. Denn Glasby hat in den 50ern und 60ern unzählige Romane geschrieben, oft unter einem Haus-Pseudonym. Ich zitiere dazu einmal die englische Wikipedia :
Glasby's output can be summarised briefly as follows:

- Approximately 25 speculative fiction novels, using pseudonyms such as "A. J Merak" and the Badger house names "John E. Muller", "Karl Zeigfreid" and "Victor LaSalle".
- More than 30 western novels using the house name "Chuck Adams", and ten as "Tex Bradley".
- 34 hospital romance novels written as "D.K. Jennings".
- Two crime novels and six desert adventure novels, all using the "A.J. Merak" pseudonym.
- Six James Bond-style spy novels written as "Manning K. Robertson".
- An unknown number (possibly as many as a hundred) War stories set during World War II and published under a huge range of pseudonyms.

Als sich die Marktlage änderte, hörte Glasby praktisch mit dem Schreiben auf und veröffentlichte nur noch vereinzelt einige wenige Romane. Bis dahin hat er aber zusammen mit einigen Kollegen eine Masse an Trivialromanen geschrieben, teilweise wurden diese Schmöker übers Wochendende fertiggestellt.

Nachruf auf John Glasby im Telegraph, 15.09.2011
Eintrag in der SFE

Montag, 3. November 2014

Robert Asprin : Drachenfutter


Robert Asprin : Drachenfutter (Myth Conceptions)
Myth 02
Bastei Fantasy 20049, 1983
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1980
Aus dem Amerikanischen von Sylvia Pukallus
Titelbild : Oliviero Berni


Nicht genug, daß dem Zauberlehrling Skeeve der Meister vor der Nase ermordet wird und Skeeve jetzt mit einem versehentlich beschworenen Dämonen als Lehrer durch die Lande ziehen muß: Inzwischen hat er auch noch ein Einhorn, ein hübsches Mädchen und einen ewig hungrigen jungen Drachen zu versorgen - und Drachenfutter ist teuer in Skeeves Welt. Möglicherweise hat sich deshalb auch jemand Skeeve und seinen Dämonenlehrer Aahz für einen Job ausgesucht, bei dem auch der beste Zauberer nur auf eine Art enden kann - als Drachenfutter.
Klappentext der Erstausgabe

Skeeve, der junge Zauberlehrling, hat seinen Meister gefunden - ausgerechnet den Dämon Aahz, ein grünhäutiges Monster, das sich als recht gutmütig erweist, allerdings eine unangenehme Eigenschaft hat: Es übt eine magische Anziehungskraft auf Schwierigkeiten aller Art aus. Überaus turbulente Lektionen sind damit für den tapferen Skeeve garantiert. Doch damit nicht genug. Bald hat der junge Magiker noch ein Einhorn, ein schönes Mädchen und einen vorlauten Drachen am Hals - und einen Job, bei dem auch der beste Zauberer nur auf eine Art enden kann: als Drachenfutter.
Klappentext der Neuausgabe

At Aahz’s urging, Skeeve goes to apply for the job of Court Magician in the kingdom of Possiltum. It seemed like such a cushy position, but Possiltum is under attack by a much, much larger army. Skeeve has to keep his new home from being overrun, but all he has is a force he recruited from the Bazaar at Deva.
amerikanischer Klappentext

Im Kontext zu den Asprin-Artikeln in phantastisch! 56 fällt einem sofort dieses absolut danebengelungene und nichts mit dem Inhalt zu tun habende Titelbild auf. Das war noch nicht einmal in den 80ern gut, geschweigen denn, daß es heutzutage auch nur rudimentärst akzeptabel ist. Da sind die Cover von Velez und Foglio doch deutlich besser.

Auch diesen Roman habe ich mehrfachst gelesen, so daß ich über die zweifelsohne gelungenen Gags heutzutage nur noch schmunzeln kann. Was mir auffiel : Der Roman würde heute vielleicht nicht anders, aber ausführlicher geschrieben werden. Der Bazaar auf Deva wird ebenso kurz dargestellt wie das Königreich Possiltum und die Große Armee, zu kurz, ganz im Stil der 70er und 80er. In diesem Bereich hat sich die phantastische Literatur weiterentwickelt, beide Settings würden heute ausführlicher und im Idealfall auch literarischer geschildert werden.

Die Story selbst hat ihren Charme, Skeeve & Aahz gegen eine übermächtige Armee - die eigentlich gar keine Lust mehr hat. Asprin verdreht gekonnt die Standard-Fantasy-Klischees und erzeugt allein damit eine gewisse Komik. Aber auch dies ist noch einer der Aufbau-Romane des Myth-Zyklus, es sind noch nicht alle Protagonisten eingeführt. Aber mit dem Myth-Universum ist es wie mit einer guten HBO-Serie : Man muß alle Folgen hintereinander lesen, um die späteren auch richtig würdigen zu können.

TERRA SF inside - Definition der TERRA-Reihe

Wir sind wieder ganz vorne in den TERRA-Nummern, zeitlich in den 50ern. Auf der Seite 2 von Heft 001, 07.06.1957, wir gesagt, was alles in der TERRA-Heftromanreihe erscheinen soll :


Im Rückblick kann man sagen, daß dieser Anspruch vollständig erfüllt wurde.

TERRA SF 001 - W. D. Rohr : Nichts rettet die Erde mehr


Wolf Detlef Rohr : Nichts rettet die Erde mehr
Terra SF 001, 07.06.1957
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1957
Titelbild : Johnny Bruck


Der erste, der in den Straßen von Newburgh das blaue Licht sieht, ist Julian Meridran. Er sieht auch, wie ein Auto mitten in das Licht hineinfährt und sich weißglühend in Nichts auflöst und er sieht, wie das blaue Licht nach allem was sich bewegt, gleißende Lichtstrahlen aussendet, um es zu vernichten. Kein Mensch glaubt Julian seine Erzählung. Die Polizisten, denen er berichtet, halten ihn für betrunken. Julian ist Physiker und er weiß, daß man Materie nicht einfach in Energie und Energie nicht in Materie verwandeln kann. Und doch hat er es mit eigenen Augen gesehen, wie sich eine metallisch glänzende blaue Kugel in Luft verwandelte, in gleißendes Licht und wie sich später dieses Licht wieder in eine Kugel verwandelte.

Als Prof. Maclyne dem von der Regierung eingesetzten General McKeen erklärt, daß es sich um die Invasion von einem fremden Planeten, ja wahrscheinlich um eine Invasion aus dem unserer Astronomie unbekannten transplanetaren Raum handelt, hält dieser ihn für irrsinnig. Aber es ist wahr, die blauen Kugeln greifen mit ihrem gleißenden Licht alle großen Städte der Erde an. Sie vernichten die Geschosse der Artillerie, die auf sie zufliegen. Atombomben, die auf ihre Flugkörper abgeworfen werden, lösen sich im gleißenden Licht in fürchterlichen Explosionen auf, aber sie können den Invasoren nichts anhaben. Nichts rettet die Erde mehr.

Oder gibt es doch ein Mittel, um die Körper aus blauem Licht zu bekämpfen? Wo sind die denkenden Wesen, die diese Körper lenken? Entzieht sich wirklich alles was sie tun der menschlichen Vorstellungswelt? Warum greifen die fremdartigen Körper dann die Erde an und suchen sie in Besitz zu nehmen? Wer die Erde in Besitz nehmen will, sucht dort Lebensbedingungen, die den gewohnten Bedingungen entsprechen. Nichts rettet die Erde mehr.
Klappentext des DÖRNER-Leibuchs

Ja, der Urlaub ist vorbei und ich lese wieder ganz diszipliniert meine TERRAs. Aktuell die Nachkäufe der letzten Monate, ich fange sozusagen von vorne an und schließe die Lücken.

Den Beginn macht der allererste TERRA-Roman, eine Hommage an H. G. Wells von W. D. Rohr. Und es ist auch eine Hommage, keine primitive Nacherzählung der klassischen "War of the Worlds"-Story, dazu hat Rohr viel zu viel eigene Inspiration in den Roman investiert. Ich halte diesen Roman diesbezüglich vergleichbar mit der Bradbury-Hommage von Frank W. Haubold, "Die Schatten des Mars".

Er ist auch moderner und dynamischer als Wells Originalgeschichte, wenngleich dieselben archetypischen Protagonisten auftauchen. Aber Rohr hat die Geschichte an den Sense of Wonder der Nachkriegszeit angepasst, die Aliens sind deutlich fremder als die Wellsschen Marsianer. Und mit einer Episode auf dem Heimatplaneten der Invasoren beschreibt Rohr auch sehr schön die Faszination des Alls und die Begegnung mit Außerirdischen. So gut man es in den 50ern eben verstand.

Wenn am Ende das Miauen einer Katze und der Klang der Kirchenglocken zum Tod der Aliens führt, so ist dies im Wellsschen Sinne nur folgerichtig. Ich fand den Roman jedenfalls gut, immer noch lesbar und hatte die ganze Zeit Jeff Waynes Vertonung im Ohr :


Sonntag, 2. November 2014

Robert Asprin : Ein Dämon zuviel



Robert Asprin : Ein Dämon zuviel (Another fine Myth)
Myth 01
Bastei Fantasy 20016, 1979
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1978
Aus dem Amerikanischen von Sylvia Pukallus
Titelbild : Michael Whelan


Skivs Meister ereilt der tödliche Pfeil eines Konkurrenten, als er gerade einen Dämon beschwört. Jetzt hat Skiv keinen Meister mehr, und im Pentagramm reckt sich drohend der Dämon Ahaz. Skiv sieht nur eine Chance: Der Dämon muß sein neuer Ausbilder werden.
Klappentext der Erstauflage

Nichts ist sicherer, als bei einem ordentlichen Zauberer in die Lehre zu gehen, denkt sich der junge Skeeve und wendet sich an den nächstbesten Meistermagiker. Doch der gute Lehrling täuscht sich gewaltig. Denn schon die erste Lektion verläuft ganz anders als geplant.

Während er einen Dämon beschwört, ereilt den Zauberer der tödliche Pfeil eines Rivalen. Augenblicklich gerät Skeeve in ärgste Bedrohung: Im Pentagramm vor ihm räkelt sich drohend der Dämon Aahz.

Skeeve sieht nur eine Chance: Der Dämon muß sein neuer Lehrmeister werden.
Klappentext der Neuausgaben

Mein Urlaub ist zwar vorbei, aber ich habe da immer noch ein paar gelesene Bücher nachzutragen. Und auch die Lesedisziplin hat mich wieder, morgen geht es wieder ordentlich mit den TERRA-Kommentaren weiter. Aber ich habe auch wieder einmal die Skeeve-Romane angefangen. Keine Ahnung, ob mich das Inhaltsverzeichnis von phantastisch! dazu animiert hat, mir war einfach mal wieder nach etwas Netten und Leichten.

Die Klappentexte sind Typisch, sie haben praktisch nix mit dem Inhalt zu tun. Etwas näher dran ist da schon der Klappentext der amerikanischen Ausgabe, zitiert nach mythadventures.net :

Another fine Myth - In which we are introduced to Skeeve, a would-be enchanter and petty thief. The wizard Garkin, who is Skeeve’s instructor, is shot dead by a couple of Imp assassins just as he is summoning a ‘demon’ to show off his control of the dark forces. The visitor proves to be Aahz, a ‘dimensional traveler’ from Perv, and fellow wizard. He and Garkin used to summon one another to impress their apprentices, and play practical jokes on one another. This time, he removed Aahz’s powers. No one can restore them but Garkin, and he’s dead. Aahz and Skeeve join up to protect themselves from the assassins and the evil force behind them.
Quelle

Ist auf jeden Fall ein urkomischer Roman, der sämtliche Klischees der Fantasy auf die Schippe nimmt. Vor 35 Jahren, als ich ihn das erste Mal gelesen habe, fand ich ihn auch echt zum Brüllen. Jetzt, da ich ihn etwa zum fünften, sechsten Mal lese, ist er zwar noch amüsant, aber nicht mehr. Der Einsteiger in eine witzige Fantasy-Serie eben.

Arno Behrend : Schuldig in 16 Fällen



Arno Behrend : Schuldig in 16 Fällen
AndroSF 39
p.machinery Murnau, August 2014
Taschenbuch, 364 Seiten, 12,90 €
Titelbild und Innnenillustrationen : Lothar Bauer

enthält die Kurzgeschichten
Sondern für das Leben lernen wir (c't 1995)
Jenseits der Schöpfung (Alien Contact 1995)
Die letzte Jagd (c't 1996)
Mit anderen Augen (Andromeda 1997)
Terradeforming (Erstveröffentlichung)
Prägenesis (Nova 2003)
Bubble-Gum Express (Erstveröffentlichung)
Der Klang der Posaunen (Erstveröffentlichung)
Undank ist der Quanten Lohn (Alien Contact 2001)
Small Talk (Nova 2001)
Die Zukunftsmacher (Nova 2003)
Messefieber (Erstveröffentlichung)
Im Feuerkreis (Erstveröffentlichung)
Blitzlichtgewitter (Nova 2010)
Die ganze Wahrheit (Nova 2012)
In deinem Geiste (Erstveröffentlichung)


Wehrlose Kinder elektronisch indoktrinieren, Schwarze Löcher manipulieren, Planeten entvölkern, Energiemonopole erzwingen, Dyson-Sphären sprengen, Zukunft und Vergangenheit manipulieren – es gibt fast nichts, was die Übeltäter von morgen nicht zustande bekommen. Ihrer Macht, ihrem Einfallsreichtum und ihrer kriminellen Energie werden sich nur wenige Männer und Frauen entgegenstellen. Ermittlungsbeamte, Wissenschaftler, Reporter und Agenten setzen Scharfsinn und Courage ein, um ihre Gegner zur Strecke zu bringen und das zu erreichen, was sie für Gerechtigkeit halten. Auch ihre technischen Möglichkeiten gehen weit über das hinaus, was wir uns heute vorstellen können. Und dennoch – lässt sich der Kampf für eine gerechte Welt überhaupt gewinnen oder geht es nur darum, wie viel Schuld jeder am Ende auf sich geladen hat?

Arno Behrend schreibt seit über zwanzig Jahren Science-Fiction-Kurzgeschichten, hauptsächlich solche mit kriminalistischem Einschlag. Renommierte Magazine wie c’t, Andromeda, Alien Contact und NOVA haben seine Werke abgedruckt. Schuldig in 16 Fällen enthält die zehn besten unter seinen bisher publizierten Geschichten und sechs noch völlig unveröffentlichte Storys, darunter den extra für diesen Band angefertigten Text »In deinem Geiste«. Für die Story »Small Talk« aus dem Jahr 2002 hat der Autor den Deutschen Science-Fiction-Preis für die beste Kurzgeschichte in deutscher Sprache erhalten.

Titelbild und Illustrationen stammen von Lothar Bauer.

Achtung! Das Buch mit vierfarbigen Abbildungen im Innenteil gibt es ausschließlich beim Verlag. Die bei Amazon gelistete Version, die Amazon direkt liefert, enthält aus technischen Gründen nur schwarz-weiße Abbildungen.
Klappentext

Mit der Herausgabe dieses Buches hat Michael Haitel sich selber übertroffen. Nachdem er mit den neuen Ausgaben von Andromeda, der Mitglieder-Zeitschrift des SFCD, bereits Maßstäbe für das graphische Layout im Bereich deutscher Phantastik gesetzt hat, toppt er mit dieser von Lothar Bauer illustrierten Ausgabe einer Anthologie diese Leistung nochmals. "Schuldig in 16 Fällen" ist ein Kurzgeschichtenband mit Stories von Arno Behrend, und jede Story hat ihr eigenes, von Lothar Bauer entworfenes Titelblatt. Ich finde dies einfach großartig, es lohnt sich alleine wegen den graphischen Ansichten, sich dieses Buch zu besorgen.

Aber auch inhaltlich hat dieses Buch mir ausnehmend gut gefallen. Jede Geschichte von Arno Behrend ist durchstrukturiert, stilistisch angenehm und inhaltlich nicht-trivial, mehr als ich von vielen anderen modernen Kurzgeschichten sagen kann, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Von daher habe ich diese Kurzgeschichtensammlung genossen, keine einzige hat mir nicht gefallen, eigentlich könnte ich zu jeder einzelnen eine Lobeshymne schreiben. Da dies aber a.a.O. bereits gemacht wurde (nicht umsonst hat Arno Behrend des DSFP für "Small Talk" erhalten), beschränke ich mich auf die Stories, die als Erstveröffentlichung gekennzeichnet sind.

Terradeforming ist ein bissiger Kommentar zu den Umweltschäden, die teilweise bewusst von der Industrie in Kauf genommen werden. In Tagebuchform (welch' absolut veralteter Stil) stellt Behrend eine umweltverseuchte Welt der nahen Zukunft dar, die zu allem Überfluß auch noch von einem außerirdischem "Terra"former für seine Rasse aufbereitet werden soll. Ganz witzig und in seiner Gänze ein bissiger Kommentar zu umweltverschmutzenden Unternehmen, Politikern sowie – last but not least – Menschen.

In Bubble-Gum-Express nimmt Arno Behrend den Wissenschaftszirkus aufs Korn und zeigt klar und deutlich auf was passiert, wenn ein Forscher tatsächlich eine bahnbrechende und lukrative Erfindung macht : Seine Kollegen bringen ihn um, um sich selbst in Besitz des Geldes zu bringen. Für diejenigen, die tatsächlich noch an die hehre und uneigennützige Wissenschaft glauben, ist diese Geschichte ein Eye-Opener, für Leute wie mich ein präziser Kommentar zum wissenschaftlichen Betrieb. Dabei ist die Geschichte weder langweilig noch belehrend, sondern spannend und dynamisch als Kriminalfall der Zukunft geschrieben. Mir persönlich hat diese Geschichte gut genug gefallen, sie für eine Nominierung für den DSFP in Erwägung zu ziehen.

Auch die folgende Geschichte Der Klang der Posaunen ist eine Erstveröffentlichung. Diese werde ich in jedem Fall für den DSFP nominieren, weil es die erste literarische Darstellung überhaupt ist, in der ich die Darstellung einer Dyson-Sphäre nicht als Nonsens-Gimmick empfinde. Der Autor schafft es, einerseits die Vorzüge einer möglichen Dyson-Sphäre um das Sonnensystem herum darzustellen, andererseits auf die Probleme hinzuweise und alles technologisch halbwegs konsistent zu schildern. Die Geschichte hat dann neben dieser Hardcore-SF zusätzlich noch einen kräftigen esoterischen Anteil und ist spannend erzählt. Das sind für mich Gründe genug, diese Story zu nominieren – obwohl es nicht diejenige der Erstveröffentlichungen ist, die mir am Besten gefallen hat.

Denn von meinen Geschmack her steigert sich die Kurzgeschichtensammlung zum Ende hin.Die nächste Geschichte ist Messefieber, in der es um Dilatationsraumschiffe geht. Es gibt keinen FTL-Antrieb, Raumschiffe sind Jahrhunderte unterwegs. Zur Einstellung neuer Mannschaftsmitglieder muß man erst Vorurteile der jeweiligen Generationen überwinden, damit deren noch formbare Kinder als Mannschaftsmitglieder gewonnen werden können. Das habe ich vor Jahrzehnten schon einmal so ähnlich in einer Langfassung gelesen, Autor war Robert Silverberg. Arno Behrend schafft es, auf 10 Seiten ein sehr ähnliches Feeling rüberzubringen und die Gesellschaft der jeglicher Generation auf der Erde entrückten Raumfahrer sehr stimmungsvoll zu schildern.

Im Feuerkreis ist Arno Behrends Antwort auf Person of Interest. In der deutschen Lotterie kann man den Jackpot gewinnen, eine von der Regierung finanzierte voll abgesicherte Privatsphäre. Angeblich. In dieser Geschichte wird sehr schön klar, was die Aufhebung der Anonymität im Internet, die gewisse Kreise mehr und mehr versuchen zu forcieren, für Konsequenzen hat. Eine gelungene Story mit Pointe, Biss und soziokulturellem Background.

Die letzte Erstveröffentlichung In deinem Geiste beschäftigt sich mit der Übertragung des Ichs in andere Körper. Auch hier geht Arno Behrend andere Wege als die meisten anderen Autoren und schildert das Thema als Arnold-Schwarzenegger-Film. Innovativ und sehr gelungen, genau mein Geschmack. Gut, ich gebe ja zu, wesentlich weniger gehaltvoll als die beiden vorhergehenden Stories, aber nichtsdestotrotz wirklich gelungen.

Das waren nur die Erstveröffentlichungen, die anderen Geschichten sind um keinen Deut schlechter. Insgesamt eine sehr lesenswerte Kurzgeschichtensammlung, handwerklich überaus gelungen. Detaillierte Eindrücke von den kurzgeschichten als auch den Illustrationen kann man auf der zugehörigen Facebook-Seite finden, die Arno Behrend extra dafür eingerichtet hat.

Samstag, 1. November 2014

phantastisch! 56



phantastisch! 56
Atlantis 2014
Magazin, 72 Seiten, 5,30 €
Titelbild: Michael Vogt

Interviews
Christian Endres: JODY LYNN NYE: »Nach einer Stunde war klar, dass wir gut miteinander auskommen würden.«
Christian Endres: WALTER VELEZ: »Ich sah Gliep immer als liebenswerten und recht tollpatschigen Welpen mit grünen Schuppen.«
Christian Endres: PHIL FOGLIO: »Mein Artwork wird seit jeher stark mit der Serie verknüpft.«
Rüdiger Schäfer: ROBERT M. TALMAR: »Ich habe noch viel zu sagen!

Bücher, Autoren & mehr
Christian Endres: Magiker aus der Diebeswelt – Unvergesslich: Robert Asprin
Achim Schnurrer: Meister der phantastischen Kunst - Einige persönliche Erinnerungen an HR Giger (1940–2014)
Achim Schnurrer: Klassiker der phantastischen Literatur – Nathaniel Hawthorne
Sonja Stöhr: Phantastisches Lesefutter für junge Leser
Christian Endres: Vergnügliche Doktorspielchen
Olaf Brill: Logbuch der Sterne – Die amerikanische SF-Zeitschrift Starlog (1976-2009)
René Wagner: Unendliche Weiten – in beide Richtungen
Horst Illmer: Viermal Phantastik oder Hin und wieder zurück
Rüdiger Schäfer: Deutschstunde – Die Entmannung der Sprache

Rezensionen
Mark Fahnert »Edom«
Kai Meyer »Die Seiten der Welt«
Markus K. Korb »Der Struwwelpeter-Code«
Stefan Melneczuk »Wallenstein«
Jeff Vandermeer »Auslöschung« Southern Reach Trilogie 1
Paul Dini & Joe Quinones »Black Canary and Zatanna: Bloodspell«
Sascha Mamczak »Die Zukunft«
Dan Simmons »Der Berg«
Rainer Erler »Bekenntnisse eines Voyeurs«
Klaus-Peter Walter »Sherlock Holmes und die Drachenlady«
Neil Gaiman »Der Ozean am Ende der Straße«
Anthony Ryan »Das Lied des Blutes« Rabenschatten 1

Comic & Film
Steffen Boiselle: Cartoon
Olaf Brill & Michael Vogt: Ein seltsamer Tag – Teil 15
Sonja Stöhr: Rebellion der Primaten - Über den anhaltenden Erfolg des »Planet der Affen«-Franchise

Story
Christian Endres: »Wechselbiest«


Die neue Nummer von phantastisch! ist da, wieder einmal mit faszinierenden Artikeln.

Es beginnt wie üblich mit Illmers Update, einer unverzichtbaren Rubrik. Alle Blöcke dieser Rubrik sind lesenswert, mich persönlich haben insbesondere die Informationen zu "Rogues" und "Warriors" interessiert. Für mich ist George R. R. Martin mehr als Anthologist denn als Autor interessant [ich muß endlich einmal die kompletten Wild Cards der neuen Ausgabe (wieder-) lesen], von daher las sich dieser Teil wie ein Einkaufszettel.

Sehr lesenswert auch die Artikel-/Interview-Folge über Robert Asprin und Jody Lynn Nye. Wenngleich ich mir gerade bei dem Endres-Artikel einen etwas kritischeren Blickwinkel gewünscht hätte, ist der Artikel doch recht informativ. Gut, für mich war in diesem Artikel wenig Neues enthalten, da ich alle deutschen und Teile der englischen Ausgaben von Asprin im Regal stehen habe. Da fand ich für mich persönlich das Interview mit Jody Lynn Nye interessanter, da hier nicht nur die Gemeinschaftsausgaben beschrieben wurden, sondern auch die Weiterführung des Skeeve-Zyklus durch Nye alleine. Mir hat allerdings ein Interview mit Peter J. Heck gefehlt, der die Phule-Reihe weitergeführt hat. Aber auch die Interviews mit den Coverkünstlern Foglio und Velez waren interessant und rundeten den Asprin-Teil schön ab.

Interessant auch der Artikel Rebellion der Primaten, in dem Sonja Stöhr einige interessante Sachen über das "Planet der Affen"-Franchise erzählt. Mir persönlich war dieser Artikel zu stark auf die modernen Remakes bezogen, die klassische Pentalogie wurde relativ kurz und wenig kenntnisreich beschrieben. Dafür wird man allerdings durch eine sehr schöne Darstellung der Moderne entschädigt.

Achim Schnurrers Serie über Klassiker der phantastishen Literatur beschäftigt sich diesmal mit Nathaniel Hawthorne. Für jeden, der über den Tellerand eines reinen Lesers hinausguckt, ist diese Reihe ein absolutes Muß, was auch diese Ausgabe wieder eindrucksvoll bestätigt.

Sonja Stöhrs Jugendbuchrubrik lese ich nicht, weil mich Kinder- und Jugendbücher nicht interessieren. Allerdings habe ich es mir angewöhnt, diesen Teil zumindestens zu überfliegen. Und auch diesmal hat es sich gelohnt, ich wurde sozusagen vor dem neuen Brandon Sanderson "gewarnt". Der präzise Kommentar zum neu auf Deutsch erscheinenden Buch "Steelheart" von ihm gibt einen excellenten Einblick in die Jugendbuch-Serie, die Sanderson gerade schreibt, und hat mich auf jeden Fall vor einem Fehlkauf bewahrt. Wer gerne Jugendbücher liest (oder verschenken will, Weihnachten ist nah), sollte sich diese Rubrik auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Das Logbuch der Sterne, Olaf Brills Artikel über STARLOG, war für mich absolutes Neuland. Ich kannte die Zeitschrift vorher nicht, in den Zeiten, von denen Olaf Brill berichtet, war ich noch stärker auf Western fixiert. Ich fand den sehr persönlichen Artikel höchst interessant und die historische Sicht faszinierend.

Am Ende des Magazins ist eine Rubrik, der ich keine lange Lebensdauer prophezeihe. In der Deutschstunde von Rüdiger Schäfer lässt er sich diesmal über die neumodischen Feminismen der deutschen Sprache aus. Hat mir ausnehmend gut gefallen, ich kann jedes Wort von ihm nur unterstreichen, aber wie gesagt : Ein langes Leben dürfte diese Rubrik nicht haben, dazu ist sie viel zu sehr wider den SJW-Zeitgeist.

Einige Rubriken habe ich nicht genannt, weil sie mich nicht interessieren. Das ist aber auch ganz gut so, es zeigt nur das differenzierte Bild der phantastisch!. Ich jedenfalls habe auch diese Ausgabe wieder genossen und freue mich schon auf die nächste.

Freitag, 31. Oktober 2014

Robert E. Howard : Die unter den Gräbern hausen



Robert E. Howard : Die unter den Gräbern hausen
FESTA 2635, 22.08.2014
Originalausgabe
Hardcover mit Lesebändchen, 416 Seiten, 28,- €
Aus dem Amerikanischen von Manfred Sanders
ISBN 978-3-86552-238-2
Leseprobe


Inhalt
Die unter den Gräbern hausen
Der Nasenlose
Der Dunkle Mann
Der Geist von Tom Molyneaux
Das Haus von Arabu
Der Dämon des Ringes
Würmer der Erde

Solomon Kane
Blutige Schatten
Die Burg des Teufels (unvollendetes Fragment)
Die Kinder Assurs (unvollendetes Fragment)
Der Falke von Basti (unvollendetes Fragment)
Die Schwarzen Reiter des Todes (unvollendetes Fragment)
Der Schädelmond

Sekundärmaterial
Don Herron: Der finstere Barbar

Robert E. Howard (1906–1936) gilt mit seinen Geschichten um Helden wie Conan von Cimmerien, Red Sonja, Bran Mak Morn, Solomon Kane und Kull von Atlantis als der Begründer der modernen »Schwert und Magie«-Fantasy. Er war ein Schriftsteller von gewaltiger visionärer und literarischer Kraft, der leider sehr jung starb. Bis heute finden seine fantastisch-historischen Erzählungen eine enorme Fangemeinde.

Festa veröffentlicht erstmals auf Deutsch seine unheimlichen Geschichten (5 Bände), darunter einige die zu H. P. Lovecrafts »Cthulhu-Mythos« gezählt werden können.

Das Bonusmaterial bilden Briefe zwischen H. P. Lovecraft und Robert E. Howard sowie Essays zu Leben und Werk des Texaners.
Verlagsangabe

Über die Howard-Ausgaben des Festa-Verlags habe ich vor zwei Jahren schon einmal etwas geschrieben. Auch der aktuelle Band enttäuscht nicht : Ein vernünftiges Hardcover mit Leseband, gut übersetzte und ausgewählte Geschichten, alle neu übersetzt, viele zum ersten Mal auf Deutsch. Aufgefallen ist mir die Sorgfalt der Edition, es werden eher Story-Fragmente veröffentlicht als die von de Camp und Carter zuende geschriebenen Geschichten.

Sehr schön finde ich persönlich auch den Solomon-Kane-Teil, den ich zwar bereits aus den alten TERRA FANTASY-Taschenbüchern kenne, der hier aber sukzessive neu übersetzt in den verschiedenen Teilen der Ausgabe besser zur Wirkung kommt. Den Abschluß bildet ein Essay von Don Herron von 1984, das sage und schreibe inklusive der ausführlichen Anmerkungen knapp 60 Seiten lang ist. Eine sehr empfehlenswerte Reihe, das einzige, das mir etwas gefehlt hat, ist eine Bibliographie der deutschen Ausgaben dieser Stories. Ich hoffe jedenfalls, daß diese Ausgabe doch noch nach dem 5. Band weitergeführt wird, kaufen werde ich mir auf jeden Fall auch den nächsten Band.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Tanya Huff : Wilde Wege



Tanya Huff : Wilde Wege (Wild Ways)
Die Hexen-Chroniken 2
Feder & Schwert 2014
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 2011
Taschenbuch, 384 Seiten, 13,99 €
ISBN 978-3-86762-208-0


Alysha Gales Base Charlotte ist mit wilder Magie geboren – sie gebietet über ungebändigte magische Kräfte, die nicht nach den Regeln der herkömmlichen Hexerei funktionieren. Im Kampf gegen Ölbohrungen vor der Küste tut sie sich mit einer Selkie-Familie zusammen. Doch der Ölkonzern hat seinerseits ein mächtiges Mitglied der Familie Gale verpflichtet: die gefürchtete Tante Catherine, die den Selkies die Robbenkleider stehlen soll. Um sie zu besiegen, muss Charlotte lernen, was es bei den Gales wirklich bedeutet, wild geboren zu sein.
Klappentext

Nicht wirklich ihr bester Roman. Der Nachfolgeband zu Der Hexenladen hat als zentrale Protagonistin Charlie, eine Musik-Magierin. Und so dreht sich auch das ganze Buch um Musik, obwohl sich am Ende herausstellt, daß es eben nicht die Musik ist, mittels der Charlie Magie wirken kann. Dieses Durchbrechen eines in sich konsistenten Magie-Systems zugunsten einer Deus-ex-machina-Funktionalität fand ich störend.

Auch ist der Roman deutlich weniger humorvoll als ihre bisherigen Werke. Er ist zwar nicht schlecht geschrieben und ich habe das Lesen schon genossen, aber in der Rückschau empfinde ich ihn als verbissen, so als müsste ein Termin eingehalten werden, ohne daß die Inspiration wirklich zuschlägt. Auch die Rolle der Frau, die in den anderen Romanen, die ich von Tanya Huff kenne, als gleichberechtigt gezeichnet wird, ist für mein Empfinden in diesem Roman verkrampft dargestellt. Das beginnt mit der Homosexualität von Charlie, geht über die inzestuösen Beziehungen der Gales bis hin zu den plakativ und wenig differenziert dargestellten Selkies.

Auch das grundlegende Thema, der Kampf von Umweltschützern gegen die Industrie, hier Ölkonzerne, ist wenig detailliert ausgeführt und bleibt bei einem einfachem Schwarz-Weiß-Schema. Da hätte man mehr daraus machen können, so bleibt es bei einem netten, aber wenig bedeutendem Roman.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Lawrence Watt-Evans / Esther M. Friesner : Das schwarze Wiesel



Lawrence Watt-Evans / Esther M. Friesner : Das schwarze Wiesel oder Der Erben drei verderben den Brei (Split Heirs)
Bastei Fantasy 20316, 09/1997
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1993
Aus dem Amerikanischem von Dietmar Schmidt
Titelbild : Richard Hescox


Es liegt einiges im argen im Lande Hydrangea, seit die schrecklichen Gorgoren eingefallen sind, angeführt vom noch schrecklicheren König Bratz Zum Beispiel wurde die schöne Prinzessin Artemisia gezwungen, den unschönen Bratz zu heiraten. Nur ihr Vetter (Tarnname: das Schwarze Wiesel) leistet als Geächteter in den Wäldern Widerstand. Nun hat Königin Artemisla Drillinge geboren - nach reizendem gorgorischen Glauben ein sicheres Zeichen dafür, daß sie Ehebruch begangen hat. Und die echt reizende gorgorische Bestrafung für Ehebruch ist: der Tod. Was tun Zwei ihrer drei Kinder müssen zum Schwarzen Wiesel in Sicherheit gebracht werden. Doch leider kommt es zu einer folgenreichen Verwechslung, zu Haar- und nicht zuletzt zu Erbspalterelen ...
Klappentext

Ich habe das Buch im Zuge meiner Sammlungskomplettierung gekauft und wollte es eigentlich noch gar nicht lesen. Ein kurzes Hereinlesen in die ersten Seiten hat mich aber dann massiv umgestimmt. Es beginnt mit der Darstellung der beiden unterschiedlichen Kulturen am Beispiel ihrer Armee-Codices :

Protocols for Military Personnel in the Service of the Ancient & Honorable Kingdom of the Hydrangeans
1. A soldier is a gentleman, and will comport himself, or in those special cases where female personnel may be employed in the armed forces, herself, as a gentleman--or, as the case may be, a lady. While a certain degree of aggressive physical activity may be required in the performance of a Hydrangean soldier's duties, this in no way implies that he or she shall at any time behave in a rude, thoughtless, or impious manner. (See Volume 1, Articles 15 through 224, for further commentary on appropriate behavior.)

2. The Hydrangean soldier will at all times, while on duty, be properly attired. While a certain degree of personal modification of the standard uniform is permissible, this must not be taken to excess. The tunic shall be of fine wool, and shall extend below the waist sufficiently to ensure proper modesty, but shall not under any circumstances cover the knee.

The tunic shall be dyed to a hue matching, as closely as possible, the official color of the lower dexter quadrant of the company's banner.

Gold embroidery may cover no more than a hand's breadth of material at the hem and shoulder, and shall not incorporate any slogans, mottos, or political commentary, nor shall any names of officers or personal acquaintances be displayed. If the name of a patron, ancestor, or member of the nobility should appear, no denigration shall be stated or implied. No obscenity or profanity may appear...


Code of the Gorgorian Warrior
First Rule: Do what your war leader tells you.
Second Rule: Don't ask questions.
Third Rule: When in doubt, kill it.
zitiert nach der Originalausgabe

Und ja, das geht genauso weiter. Die ääähhh ... feineren Spielarten des Humors sucht man hier vergebens, das gesamte Buch liest sich, als hätte die Monty-Python-Truppe das Drehbuch für einen Terence Hill/Bud Spencer-Film geschrieben - und den dann zu allem Überfluß auch noch produziert.

Nehmen wir nur einmal das Schwarze Wiesel, das sich in den Wäldern versteckt und Widerstand leistet. Natürlich kommen da keine ausgewachsenen Männer hin, die haben Besseres zu tun, nämlich ihre Familie zu versorgen. Also kommen nur Kiddies zu seinen Fahnen und dementsprechend sind auch die restlichen Tarnnamen : Purpurnes Opossum, Scharlachrote Spitzmaus, Grüner Maulwurf, Fuchsienfarbiges Frettchen und, last but not least, Magenta Murmeltier. Mehr muß man zu dieser Truppe wirklich nicht sagen.

Die Geschichte dreht sich darum, daß die Königin Drillinge bekommt, was nach gorgorischem Glauben bedeutet, daß sie mit zwei anderen Männern geschlafen hat. Das Mädchen und einen Jungen will sie von ihrer betagten Kammerzofe beim Schwarzem Wiesel in Sicherheit bringen. Die Kammerzofe ist aber schon etwas tüddelig und nimmt die beiden Jungen mit. Auf ihrem Weg zum Schwarzen Wiesel trifft sie dann einen alten Verehrer, Odo den Schafhirten, wieder. Und bedauerlicherweise überlebt sie den Sex mit ihm nicht - und Odo hat keine Ahnung, wer die beiden Gören sind, die sie dabei hatte. So leben also die beiden Jungen draußen an der frischen Luft und das Mädchen wird als Erbe im Palast aufgezogen. Ja, die männliche Form ist hier richtig, denn ihre Mutter verschweigt ihr ihr Geschlecht und lässt sie im Glauben, ein Junge zu sein, aufwachsen. Wie sich alle wiedertreffen, was für eine Rolle ein in einen Drachen verwandeltes Schaf dabei spielt, wie die schneidigen Gefährten des Schwarzen Wiesels die Situation äähhh ... retten und warum die Königin vor Lachen hysterische Purzelbäume schlägt, kann man auf den folgenden Seiten nachlesen.

Ausnehmend komisch, ich habe mich selten so amüsiert und muß mir unbedingt mehr von den beiden Autoren besorgen.

Homepage Lawrence Watt-Evans
Homepage Esther M. Friesner
Split Heirs - Leseprobe, Entstehungsgeschichte und mehr

Dienstag, 28. Oktober 2014

Daniel H. Wilson : Das Implantat



Daniel H. Wilson : Das Implantat (Amped)
Droemer 2014
Originalausgabe 2012
Paperback, 366 Seiten, 14,99 €
Aus dem Amerikanischem von Markus Bennemann
Titelbild : FinePic


Amerika, Zukunft. Neurale Implantate, die ins Gehirn gepflanzt werden und die intellektuellen oder körperlichen Fähigkeiten des Trägers unermesslich steigern, sind der letzte Schrei. Sogar neurale Krankheiten können damit geheilt werden. Doch Implantate sind teuer, und nur die Wohlhabenden können sie sich leisten. So bildet sich schnell eine Widerstandsgruppe von Nicht-Implantierten, die gegen die sogenannten “Amps” eine Reihe diskriminierender Maßnahmen durchsetzt.

In diesem aufgeheizten Klima würde der Lehrer Owen sein Implantat, dass seine Epilepsie unter Kontrolle halten soll, am liebsten verheimlichen. Doch dann findet er eines Tages heraus, dass sein Implantat viel mehr kann. Es verleiht ihm Fähigkeiten wie keinem Menschen vor ihm. Als eine neue Welle von Verfolgungen auf die Amps zukommt, muss Owen die Stadt verlassen und Schutz in einem nur von Implantierten bewohnten Ort suchen. Denn durch sein Implantat ist er mitten zwischen die Fronten von Amps und Nicht-Implantierten geraten.
Klappentext

Das Buch zeichnet die faschistischen Tendenzen der amerikanischen Gesellschaft nach. Am Beispiel einer möglichen Technologie beschreibt Wilson die Reaktionen der Menschen darauf, in Romanform, unterbrochen von Informationsschnipseln wie etwa dem Werbeprospekt für einen Amplifier oder ein Gerichtsurteil, das Menschen mit Amplifiern zum Freiwild für jeden Dorftrottel macht, der sich aufgrund seiner mangelnden Intelligenz benachteiligt fühlt.

Und präzise das passiert auch im Roman, in sehr emotionaler Weise schildert Wilson die Ausgrenzung einer Gruppe von Amerikanern, die anders ist. Anders, nicht besser, denn oftmals dienen die Implantate nur zur Korrektur von Krankheiten. Die Parallelen zum III. Reich sind offensichtlich und Wilson macht in seinem Roman deutlich, daß die Wurzeln sehr wohl auch in der amerikanischen Gesellschaft vorhanden sind. Dabei beschreibt er sehr schön, wie eine solche Hyterie von den entsprechenden Interessengruppen erzeugt, geschürt, zu ihrem eigenen Vorteil benutzt werden kann und - wenn man sich die aktuelle #GamerGate-Diskussion ansieht - auch benutzt wird.

Auch wenn die Geschichte für mich nicht wirklich neu war, fand ich das Buch angenehm zu lesen. Wie Klaus N. Frick in Die Redaktion empfiehlt ... feststellt, wird das Buch wohl kein Klassiker werden, bietet aber einen "spannenden Blick in eine mögliche Zukunft". Das sehe ich genauso.

"Das Implantat" ist nach Robocalypse der zweite Roman von Daniel H. Wilson, der mir untergekommen ist. Und beide fand ich nicht überragend, aber auch nicht schlecht, wobei "Das Implantat" wesentlich weniger Ecken und Kanten als Wilsons Erstling hat. Es scheint, als müsste man den Autor im Blick behalten, ich bin einmal gespannt auf seinen nächsten Roman.

Montag, 27. Oktober 2014

Mike Resnick : Walpurgis III



Mike Resnick : Walpurgis III
Knaur SF 1986
Originalausgabe 1982
Aus dem Amerikanischen von Peter Pape
Titelbild : Kevin Johnson


Er hatte Millionen Menschen auf dem Gewissen und Foltermethoden erfunden, die sich kein menschlicher Geist ausdenken konnte. Er wurde auf fast allen Welten der Galaxis gesucht, aber keine Fotografien, Fingerabdrücke, Holo- oder Videoaufnahmen existierten von ihm. Sein Geburtsplanet war unbekannt. Viele Männer hatten ihm gedient, aber bis auf sieben waren alle tot - und diese sieben hatten ihn nie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen. Er war der größte Verbrecher der Galaxis - und er war auf der Flucht.

Er hieß Conrad Bland, und er hatte sich nach Walpurgis III zurückgezogen. Hier, auf der Heimatwelt der Kulte, Sekten und Teufelsanbeter, fühlte er sich sicher - aber Jericho, der geschickteste und skrupelloseste Attentäter eines ganzen Sternenreiches, war ihm schon auf den Fersen ...
Klappentext

Ein sehr religiöses Buch, das weniger kirchlich als mehr christlich orientiert ist. Die Intention von Mike Resnick wird sehr schön in seiner Synopsis deutlich, die in I have this nifty idea - now what to do with it? veröffentlicht wurde. Er sagt dort über Sable, den Kommissar :

[...] As the book ends, Sable has re-examined his religious convictions and found them wanting, and we know that, having come face-to-face with the evil that he worshiped all his life, he will continue to search for some other belief that better fits the world in which he must live.

Ich fand das Buch spannend, an einigen Stellen aber echt heftig. Das Grauen, hervorgerufen durch die Anbeutung des Teufels, wird mehr als deutlich und die Irrationalität eines solchen Glaubens überdeutlich. Resnick rechnet hier mit absurden Kulten ab, die sich in den letzten Jahrzehnten in Amerika aber auch weltweit verbreitet haben. Er zeigt auf, was passiert, wenn irgendjemand diese Glaubenssysteme tatsächlich ernst nimmt und bis zum letzten i-Punkt realisiert. Dabei sagt er nicht, daß die christliche Kirche das Nonplusultra ist, sondern stellt klar, daß jede religiöse Glaubensrichtung eine positive und lebensbejahende Weltsicht enthalten muß. Lesenswert, aber nichts für empfindsame Gemüter.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Robert Asprin : Die Chaos Kompanie


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Robert Asprin : Die Chaos-Kompanie (Phule's Company)
Bastei-Lübbe 23114, 09/1991 (2. Auflage)
Aus dem Amerikanischem von C. T. Bauer
Deutsche Erstausgabe 300 Seiten
Sie sind die verrücktesten Soldaten des Universums, und sie bekommen den Commander, den sie verdient haben: Willard Narrisch, seines Zeichens Multimillionär und Abenteurer, wurde auf den abgelegenen Planeten Haskin versetzt, weil seine Querschläger so manchen Auftrag vermasselt haben. Zusammen mit seinem selbtsamen Butler soll er die mißliebige Kompanie auf Vordermann bringen - und sich aus allen Angelegenheiten der Space Lagion heraushalten. Doch leider haben sich ein paar Aliens gerade seinen Planeten als Ziel ihrer Invasion ausgesucht - und die Chaos-Kompanie wird zur letzten Hoffnung der Menschheit.
Klappentext

Robert Asprin : Das Chaos-Kasino (Phule's Paradise)
Bastei-Lübbe 23132, 11/1992
Aus dem Amerikanischem von Ralph Tegtmeier
Deutsche Erstausgabe 317 Seiten
Die verrückteste Kompanie des Universums vor einer schlichtweg aberwitzigen Mission: Ausgerechnet diese Armee der Verlierer soll die heißeste Lasterhöhle des Alls bewachen - das Casino von Loreley. Doch wer sagt, daß Verlierer nicht auch mal gewinnen können? Die Abzocker stehen jedenfalls vor Lachen kopf, als Captain Narrisch und seine seltsame Truppe auftauchen. Bald aber vergeht den Mobstern der Spaß, denn dei Chaos- Kompanie mischt alles gründlich auf. Und wo die Chaoten hinlangen, heißt es endgültig: Nichts geht mehr - rien ne va plus.
Klappentext

Robert Asprin & Peter J. Heck : Viel Rummel um Nichts (A Phule and his Money)
Bastei-Lübbe 23238, 07/2001
Aus dem Amerikanischem von Ruggero Leo
Deutsche Erstausgabe 440 Seiten
Hauptmann Willard Narrisch hat seine Legionöre in Top-Form gebracht. Diesmal soll seine Kompanie einem unterentwickelten Planeten helfen. Doch wie immer wählt er unkonventionelle methoden, um sein Ziel zu erreichen. Seinen Vorgesetzten sträuben sich die Haare, als er den Planeten zum größten intergalaktischen Rummelplatz aller Zeiten machen will...
Klappentext

Ich brauchte einmal was Leichtes, was Nettes zum Lesen zwischendurch. Und kam wieder einmal auf die Asprin-Geschichten um Willard Narrisch und seine Chaos-Truppe. Da hatte ich 2011 schon einmal etwas zu geschrieben : Link. Hat auch dieses Mal wieder Spaß gemacht, die Bücher zu lesen. Es gibt noch weitere aus der Serie, allerdings noch nicht ins Deutsche übersetzt. Ich glaube, die besorge ich mir bei Gelegenheit.

Im SF-Netzwerk wurde ich letztens gefragt, ob diese Bücher eher Brachialhumor oder eher geistreich seien. Ich habe sie als "witzige, machmal auch nicht unintelligente MilSF" beschrieben. Aber die Frage hat mich doch länger beschäftigt. Ich glaube, die Bücher sind tatsächlich so ein Mittelding, weder hochgestochener Literaten-Humor noch platter Lederhosen-Witz. Asprin stellt seine Protagonisten schon als Exzentriker heraus, die sich ihre Lebenseinstellung finanziell leisten können und deshalb nicht unbedingt vor jedem proleten kuschen müssen. Die Geisteshaltung, die Willard Narrisch und sein Butler zelebrieren, stellt die Absurdität der Alltäglichen Welt nur um so deutlicher dar. Das ist schon nicht ganz trivial. Andererseits, wenn im Zukunfts-Playboy die "Granaten der Kompanie, die es in jeder Größe gibt" abgelichtet werden, ist das doch schon etwas, ein ganz kleines Bißchen weniger geistreich. Und zwischen diesen Polen schwankt es immer hin und her. Von daher denke ich, daß die Geschichten auch für Freunde etwas niveauvolleren Humors etwas sind.

Samstag, 25. Oktober 2014

Jim Butcher : Nebenjobs



Jim Butcher : Nebenjobs
Der Harry-Dresden-Kurzgeschichtenband
Feder & Schwert 2014
Originalausgabe 2010
Aus dem Amerikanischem von Dominik Heinrici
ca.480 Seiten, Taschenbuch, 12,99 €
ISBN 978-3-86762-206-6


Harry Dresden ist der beste und technisch gesehen auch der einzige professionelle Polizeiberater für magische Angelegenheiten im Chicagoer Telefonbuch. Daher kommt die Polizei auch zu ihm, wenn wieder mal ein Fall die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Denn die Welt der Normalsterblichen ist im Moment ziemlich voll von seltsamen und magischen Dingen – und die wenigsten von ihnen vertragen sich gut mit Menschen. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen stolpert Harry im Umgang mit dem Übernatürlichen ständig von einer Krise in die nächste –nennen Sie es Berufsrisiko. Es gelingt ihm stets, auf der falschen Seite zu stehen – sei es nun gegen Werwölfe, Feen oder Vampire. Hier kommen seine sehr speziellen Talente zum Tragen …
Klappentext

Ach ja, Urlaub. Da lässt die Lesedisziplin doch schon etwas nach. Wenn ich nicht mehr abends brav ins Hotel trabe (aktuell übrigens das Savoy in Frankfurt, aus den besten Jahren raus, aber aufgrund des Service sehr zu empfehlen) und meine TERRA-Hefte auspacke, bleibt das Weiterlesen der Heftromane doch etwas auf der Strecke. Was insbesondere daran liegt, daß ich zuhause ja die Qual der Wahl habe. Deshalb kommen diese Woche ein paar Kommentare zu den Nicht-TERRA-Romanen, die ich in den letzten zweieinhalb Wochen gelesen habe.

Den Anfang macht Harry Dresden, der in Deutschland in sehr schönen Ausgaben bei Feder & Schwert herausgegeben wird. Der aktuelle Band beinhaltet Kurzgeschichten, die zwischen den einzelnen Romanen angesiedelt sind. Alle kommentiert, mit Einführung und "Produktionsgeschichte". Ein sehr lesenswertes Buch, sehr schön herausgegeben.

Über die Dresden-Files habe ich letztes Jahr schon mal was gesagt : Link. Harry Dresden ist der Philip Marlowe der Phantastik, genauso abgebrüht, wie Bogart und später Mitchum den Marlowe dargestellt haben. In den Kurzgeschichten geht es dann auch nicht um die Rettung der Welt bzw. Chicagos, sondern es sind mehr die kleinen Begebenheiten zwischendurch (etwa an Harrys freiem Tag), die hier erzählt werden. Sehr lakonisch werden hier kleinere Geschichten und Fälle im Stil des klassischen Film Noir erzählt, unprätentiös und wahnsinnig unterhaltend.

Es sind nicht alle Kurzgeschichten um Harry Dresden enthalten. Jim Butcher sagt dazu auf seiner Website :
The stories that weren’t written/published early enough to be included will be compiled in a future anthology (no release date yet), tentatively titled Brief Cases.
Da bin ich ja mal gespannt drauf ...

Und obwohl ich Englisch und Amerikanisch fließend lese (besser letzteres als ersteres), werde ich hier doch die deutschen Ausgaben von Feder & Schwert abwarten. Denn ersten liest meine Frau mit und zweitens sind sie einfach optisch ein Genuß. Und nachdem die Fehlerquote, die ich in meinem Post 2013 noch bemängelte, deutlichst heruntergegangen ist, kann ich die F&S-Ausgaben vorbehaltlos empfehlen.

Freitag, 24. Oktober 2014

TERRA SF inside - OSS 117

Auf der Rückseite von Heft 463 vom 03.06.1966 findet man Werbung für den ersten Band von "Geheimagent OSS 117 - Ein neuer Boss für Kalkutta" in deutscher Sprache :


OSS 117 ist hier in Deutschland wesentlich weniger bekannt als 007. Dabei war er zuerst da, der erste OSS117-Band erschien 1949 in Frankreich, der erste Bond erst 1953. Obwohl die Serie in Frankreich deutlich bekannter ist, ist die deutsche Wikipedia hier sehr aussagekräftig :

OSS 117 ist der Deckname des fiktiven Geheimagenten Hubert Bonisseur de la Bath, eine Erfindung des französischen Schriftstellers Jean Bruce (1921-1963), der 1949 die erste Geschichte um den weltmännischen Frauenschwarm niederschrieb. Bis zu seinem Tod schrieb Bruce 88 Romane. Die Reihe wurde dann von seiner Frau Josette um 143 weitere und seinen Kindern François und Martine um nochmals 24 Geschichten ergänzt; die letzte erschien 1996. In Deutschland erschienen die Romane als Taschenbücher beim Moewig Verlag.

Im wirklichen Leben war die Codenummer 117 William L. Langer, Chef des Research and Analysis Branch des OSS zugewiesen.
Quelle

Dies ist schon ziemlich ausführlich, denn im Netz ist wenig nicht-französischsprachiges zu finden. Eine detaillierte Darstellung findet sich aber auf Englisch im Blog von Matthew Bradford : double 0 section.

Und Filme gabe es auch über OSS 117. In der Moderne von Kalkofe verulkt, sind es doch herrliche Zeitzeugnisse :