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Dienstag, 30. Juni 2015

Mary Janice Davidson : Weiblich, ledig, untot



Mary Janice Davidson : Weiblich, ledig, untot (Undead and Unwed)
Betsy Taylor 01
LYX 2007
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 2004
Taschenbuch, ca. 300 Seiten, 8,95 €
auch als eBook erhältlich, 7,99 €
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Zeller
ISBN 978-3-8025-8123-6


Betsy Taylor hat eine fürchterliche Woche hinter sich — erst verliert sie ihren Job, dann kommt sie bei einem Autounfall ums Leben – und stellt schließlich fest, dass sie gar nicht wirklich tot ist! Außerdem wird sie ständig von einem unheimlichen Heißhunger auf Blut geplagt. Ihre neuen Freunde halten sie für die lange prophezeite Königin der Vampire. Betsy ist da anderer Meinung, doch die Vampire ködern sie mit einer Geheimwaffe, der sie nicht widerstehen kann: Designerschuhe. Mindestens ebenso verlockend ist der Vampir Sinclair…
Klappentext

Betsy Taylor—former model, newly unemployed secretary, 30, and still single—wakes up after being flattened by a Pontiac Aztek in a tacky coffin wearing cheap knock-off shoes. Her mother is glad she is back, albeit as a vampire, but her stepmother is enraged that Betsy has reclaimed her designer-shoe collection. With a wealthy best friend and a newly acquired doctor pal who is not susceptible to her formidable allure, she sets out to right wrongs but is abducted by Nostro, a tacky 500-year-old vampire who rules the undead roost. It seems that Betsy is an anomaly: a vampire who doesn't burn in sunlight, can fight the urge to feed, and is not repulsed by religious articles, all of which may make her the prophesied Queen of the Vampires. Teaming up with gorgeous vampire Eric Sinclair, who is in her opinion a major pervert, she takes on Nostro and his minions.
Plot Summary

Vampirschlampen in Reinkultur !
Aber echt, selten so amüsiert. Die Heldin, Betsy Taylor, ist keine von den dahinschmachtenden Rührmichtnichtanoderdochs aus "Bis(s) zum letzten Vampirklischee" oder aus den "Vampire Diaries, never fully read, cause sleep sickness took you after Episode 1.3". Sondern sie steht schon voll im Leben - und auf Designerschuhen.

Aber im Ernst, "Undead and Unwed" ist schon ein Gegenentwurf zu die Romanzen einer Stepahnie Meyer und ihrer Epigonen. Das beginnt mit der Reaktion der Heldin, als sie merkt, daß sie ein Vampir ist. Sie versucht sich nämlich umzubringen, da ihr Zustand ja anormal und - wie man ja auch aus Filmen weiss - gefährlich für ehemalige Freunde ist. Dass sie es nicht schafft und trotzdem normal bleibt (ok, so normal, wie sie vor ihrem Ableben eben war, das heisst "nicht allzu") macht einen großen Charme des Buches aus.

Den anderen Teil des Charmes der Geschichte, den weder die 5-Sterne- noch die 1-Stern-Rezensenten auf Amazon begriffen haben, ist die Verhohnepiepelung bisheriger und zukünftiger Vampir-Serien, im Fernsehen als auch in der Literatur. Betsy Taylor hat nix von der hehren Bestimmung einer Buffy (1997-2003) oder der reflektierten Persönlichkeit eines Angel (1999-2004). Sie ist zwar auch nicht simpel, aber doch eher eine Durchschnittsamerikanerin mit allen Macken, die man einer solchen Durchschnittsfrau eben andichtet. Der Tick mit den Designerschuhen ist dabei noch der harmloseste. :-)

Und Sex hat sie auch. Richtigen Sex, der hier schon hart an der Pornographie dran beschrieben wird. Kein Blümchensex, wie in den Bis(s)-Romanen und anderem Kinderkram, hier geht es heftigst zur Sache. Was die meisten Fans von Bella et.al. doch ziemlich verschrecken dürfte. Aber diese Gruppe dürfte schon dadurch verschreckt sein, daß Betsy Taylor nicht nur modern, sondern auch selbstbestimmt und emanzipiert ist. Ganz davon abgesehen, daß ihre Freunde eben nicht nur weiße Standardfiguren sind, sondern genau das, was von SJW immer gefordert wird : Divers. Das wird allerdings im zweiten Band noch deutlicher.

Insgesamt habe ich mich königlich amüsiert, auch wenn das Niveau trotz allem trashig und trivial bleibt. Was ich allerdings hier auch für ein Stilmittel halte. Anyway, jedenfalls nix für zarte Gemüter und wer Bella und Edward hinterherhechelt, sei vor diesem Roman gewarnt. Wer allerdings Buffy, Angel und insbesondere Spike mag, dem sei diese Serie ausdrücklich empfohlen.

Montag, 29. Juni 2015

Ann-Kathrin Karschnick & Torsten Exter (Hrsg.) : Krieger



Ann-Kathrin Karschnick & Torsten Exter (Hrsg.) : Krieger
Verlag Torsten Low 2013
Paperback, ca. 393 Seiten, 14,90 €
Titelbild : Timo Kümmel


"Krieger" – bei diesem Titel denke ich an Conan und Kane. An Andersons David Falkayn, Heinleins Rico, Moorcocks Corum. Diesen klassischen Vorbildern auch nur annähernd zu entsprechen, ist schwierig...

...aber nicht unmöglich. Mir kommen da deutsche Autoren wie Haubold, Krain, Burban, van den Boom und Falke ins Gedächtnis, die es durchaus schaffen, in der Moderne gute und große Romane und Kurzgeschichten (Küper nicht zu vergessen!) dieser Coleur zu schreiben.

Ich habe mir diese Anthologie auf dem NordCon 2015 aus mehreren Gründen gekauft. Zuerst und vor allem war ich neugierig darauf. Dann gab's ein Autogramm von Ann-Kathrin Karschnick, und seit wann kann ich einer gutaussehenden Blonden widerstehen ? Das wichtigste für mich war aber eine Übersicht über moderne deutsche AutorInnen aus der Fantasy (für die SF habe ich ja den DSFP), die ich aus dieser und anderen "NordCon-Anthologien" zu gewinnen hoffe.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen : Die Anthologie ist ingesamt nicht schlecht, aber qualitativ sehr unterschiedlich. Man merkt deutlich, wer sich im Genre auskennt und wer noch nie etwas von den Klassikern gelesen hat. Aber gehen wir ins Detail, denn es ist schon zielführend, jede Geschichte einzeln zu betrachten. Vorweg : ACHTUNG, SPOILER !

Helen B. Kraft : Das Dorf
Eine Kriegertruppe wird zu einem Dorf gelockt und dort von den Dörflern überfallen. Nachdem die Krieger sich verteidigt und alle umgebracht haben, wird ihnen klar, daß sie selber schon vor einiger Zeit gestorben sind und hier nur den Willen der Götter vollzogen haben.
Ganz nett, allerdings sehr pathetisch. Die Geschichte plätschert so ein bißchen vor sich hin, die Pointe ist aber gut angelegt und vorbereitet. Zuviel High Fantasy, aber das ist absolute Geschmackssache.

Heike Knauber : Windzeit, Wolfszeit
Ein britannischer Krieger gerät in die Fänge des Fenriswolfs, eine Walküre (?) versucht ihn zu retten.
Atmosphärisch erzählt. Allerdings wird Sinn und Zweck der Story nicht klar, sie bricht so unvermittelt ab wie sie anfing. Konzeptlos, von daher trotz nettem Stil eher dem unteren Niveau-Bereich zuzurechnen.

Detlev Klewer : Nebelkrieger
Die Nebelkrieger, die sich in Nebelschwaden verwandeln und so den Feind infiltrieren können, haben dem alten König die Treue geschworen. Doch sein Sohn nutzt sie für seine eigenen Zwecke...
Ganz nett, stringent erzählt, aber relativ trivial. Hat mir allerdings stilistisch gefallen, so daß ich die Story insgesamt eher positiv beurteile.

Christian Vogt : Zähne
Die Werwesen-Clans der Germanen stellen sich gegen die Römer. Doch die Werwölfe brechen aus der Phalanx aus und verraten ihre Leute. Nur die ehemalige Rudelführerin beschützt ihren Clan...
Rundum gelungen. Keine große Geschichte, aber eine gute, die auch in den Details stimmig ist. Mehr dazu später, beim zweiten Teil.

Jonas Wolf : Das Mädchen im Geierturm
Drei Krieger gegen eine Hexe...
Sehr schön. Gelungen auch der immer komplexer werdende Plot der eigentlich primitiven Geschichte. Dass auch Szenerie und Atmosphäre gut rüberkommen, runden die Story insgesamt gelungen ab. Hat mir außerordentlich gut gefallen.

Mike Krzywik-Groß : Von Deserteuren und Märtyrern
Ein Deserteur wird von der generischen Armee gefangen, bringt ihren Anführer um und wird dafür von seinem eigenen Vorgesetzten umgebracht – damit man eine Heldenlegende produzieren kann.
Ist zwar gut geschrieben, inhaltlich jedoch eher suboptimal. Gerade diesen Plot habe ich schon mehrfach besser und subtiler umgesetzt gelesen, hier ist es doch etwas sehr plakativ und einfach.

Stephanie Mühlsteph & Moritz Gießel : Lauernde Stille
Eine Wette zwischen Loki und einer Walküre beeinflusst die Menschen eines Dorfes...

Die Geschichte ist gut und flüssig erzählt, meiner Meinung nach insgesamt allerdings suboptimal. Das liegt allerdings daran, daß hier – wie an vielen anderen Stellen dieser Anthologie ebenfalls – die germanische Mythenwelt beschworen wird, ohne diese allerdings wirklich zu kennen. Die AutorInnen bleiben auf dem einfachen Niveau der Avenger-Filme und Comics und Fantasy-Serien, ohne sich tiefer in Edda und andere Werke eingelesen zu haben. Das macht die Geschichten etwas sehr platt und trägt stark zu einem nicht-positiven Gesamtergebnis bei. Ich empfehle daher, sich entweder tiefer ins Quellenstudium zu begeben oder den High Fantasy-Götter-Ansatz zu lassen.

Musste ich einfach mal loswerden und es war eine gute Gelegenheit dazu. Das heisst allerdings nu nich', daß "Lauernde Stille" abgrundtief schlecht ist, das heisst nur, daß die narrative Ebene der plottechnischen nicht entspricht. Und für jemanden wie mich, der tatsächlich die Edda irgendwo im Regal stehen hat, früher begeisterter Leser der Götter- und Heldensagen von Griechen, Germanen und Deutschen war, ist die Geschichte, obwohl sie flüssig und nicht schlecht erzählt ist, einfach nix. Hier fehlt so ein bißchen Moral, Pointe und echter Abschluß. Ganz davon abgesehen frage ich mich, was das mit Kriegern zu tun hat.

Stefanie Bender : Roter Schnee
Eine Gruppe von Kriegern wollte ein Elbendorf überfallen, wird zurückgeschlagen und auf dem Rückweg umgebracht.
Nur Stimmung, keine Handlung. Nicht mein Geschmack, aber mit 5 Seiten ein gelungenes Interludium.

Sean O'Connell : Schädelspalter und Riesentöter
Zwei Zwerge wollen Riesen töten, werden von den Dorfoberen betrogen. Und alle werden von der Trollfrau und den Riesen über den Tisch gezogen.
Nett, witzig, trivial, liest sich einfach so weg. Erinnerte mich stark an deutsche Märchen. Gutes Mittelfeld, sozusagen, sehr solide.

Susanne Gerdom : Das letzte Schlachtfeld
Über den Krieg der Gefallenen Engel gegen den Himmel...
Nein. So nicht. Egal, wie gelungen erzählt die Geschichte ist (und da kann man sich wirklich nicht beschweren), für diesen Plot braucht es mehr als nur eine gut erzählte Geschichte. Wer hier gegen die Christopher Walken-Filme und "The Warhound and the World's Pain" anschreiben will, muß schon etwas mehr bringen als nur eine gut erzählte Geschichte. Hier fehlt der erweiterte Plot, das interessante Narrativ und die ganz große Story. Wer das alles nicht hat, sollte von diesem Stoff die Finger weg lassen.

Tom Daut : Das Schwert der Ehre
Wie es für einen Kämpfer Mandoys Brauch ist, hat unser Held das Schwert seines Großvaters erhalten, der ein Kriegsheld war. Doch war er das wirklich ... ?
Eine rundum gelungene Geschichte im Stil des "Ewigen Helden" von Moorcock. Tom Daut erlaubt es seinem Protagonisten allerdings auszubrechen, als dieser erkennt, wie wenig ehrenhaft das Heldentum des Kriegers im Grunde tatsächlich ist. Für meinen ganz persönlichen Geschmack eines der Highlights der Anthologie.

Nina Sträter : Die Armee der Frau Strack
Frau Strack bastelt in ihrer Freizeit Puppen – die nachts im See sich in Krieger verwandeln und von den Feen übernommen werden. Als die Feen eines Tages sich nicht mehr melden, findet Frau Strack eigene Einsatzmöglichkeiten...
Sorry, ganz nett, aber ziemlich platt und vorhersehbar. Das war nix.

Tina Alba : Jahrestag
Der Jahrestag des Sieges über die Wandler ist für Morann jedesmal wieder eine traurige Angelegenheit, da er den Toten seiner Einheit gedenkt.
Boah, eyh, ist das kitschig. So richtig schmalzig, daß es unten aus dem Buch raustropft. Wer diesen Stil allerdings mag, ist mit dieser Geschichte gut bedient, sie liest sich flüssig und kreativ.

Markus Heitkamp : Soldat & Krieger
Cornelius und Luther, Mensch und Zwerg, kämpfen im Ersten Weltkrieg eines Steampunk-Universums gegen den übermächtigen Zeppelin der Hunnen.
Heroismus und Humor in genau der richtigen Mixtur, zusammen mit einer Prise Chaos und einer dynamischen Schreibe ergibt ein weiteres Highlight der Anthologie. Den Autor muß man sich merken.

Bernd Rümmelein : Legenden
Bernd Rümmelein diskutiert in dieser Geschichte aus, was einen Krieger ausmacht und stellt die durchaus berechtigte Frage, ob es wirklich so erstrebenswert ist, einer zu sein. Selten so eine durchweg in allen Bereichen gelungene Geschichte gelesen oder gesehen. Mich hat dies stark an "The Last Shootist" mit John Wayne erinnert. Warum diese Story nicht bepreist wurde, ist mir ein Rätsel, meiner Meinung nach ist dies ein zukünftiger Klassiker.

Carsten Thomas : Umbras
Eine Geschichte über einen unbesiegbaren Gladiator - der sich am Ende selbst umbringt.
Ich verstehe schon die Intention des Autors, aber die Ausführung halte ich für schlecht. Im Gegensatz zum Vorgänger wird hier alles sehr plakativ dargestellt, die Botschaft ist wichtiger als die Geschichte an sich. Es fehlt das Story-Telling.

Andreas Zwengel : Die Ehre der Deserteure
Eine Gruppe von Deserteuren, kriegsmüde durch brutale Schlächtereien, hilft einer Gruppe Flüchtlinge.
Also die Namen der Protagonisten sind echt ... überarbeitungswürdig. "BadKar Ma" - also ehrlich. Ansonsten aber sehr schön ausgeführt, das Ende ist ganz besonders gelungen. Zwengel zeigt hier engagiert die Unterschiede zwischen Kämpfern und Nonkombattanten auf, ein bißchen schematisch vielleicht, aber gelungen, wie ich finde.

Heike Schrapper : Gotteskrieger
Ein bissiger Kommentar zu religiösen Fanatikern, platt, aber präzise auf den Punkt geschrieben und insgesamt gelungen. Auch dies eine Geschichte, die man öfter abdrucken sollte.

Thomas Plischke : Speersommer
Krieger kämpfen gegen einen Mädchenbelästiger - allerdings sind alle Protagonisten jünger als 10 Jahre.
Eine Geschichte, über die man nachdenken muß. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich davon halten soll - aber ist das nicht das Merkmal einer besonders gelungenen Story ?

Judith C. Vogt : Klauen
Die Fortsetzung von "Zähne", in der die letzten Werwölfe der damaligen Verrätergruppe in der Moderne von der alten Leitwölfin gejagt werden.
Sehr stimmungsvoll und schön erzählt. Allerdings entgeht mir so ein bißchen der tiefere Sinn der beiden Stories, das "Was will mir der Autor damit sagen?" steht mir sozusagen im Gesicht geschrieben. Ein bißchen hatte ich auch den Eindruck, daß die Geschichte noch nicht zuende erzählt wurde, sozusagen noch unfertig ist.

Torsten Scheib : Der Gejagte
Mit Rambo im Fantasy-Ambiente schliesst die Anthologie. Ein gelungener Abschluß, wie ich finde. Nichts Besonderes, aber geradeaus und schnörkellos erzählt.

Mir hat die Anthologie insgesamt gefallen, relativ wenige echte Ausfälle zusammen mit einem breitem Spektrum an Autoren und vielen herausragenden Geschichten. Und auch wenn ich die einzelnen Geschichten nicht alle mochte, so ist doch jede Geschichte schriftstellerisch auf einem hohen Niveau. An keiner Stelle habe ich mich gelangweilt, praktisch jede Story war flüssig und gut erzählt, Wertungen sind hier ganz stark Geschmackssache und eine Frage der Vorkenntnisse.

Für mich persönlich habe ich einige "neue" Autoren gefunden und das Bild anderer wurde stark korrigiert. Für das eigentliche Thema, "Krieger", waren aber meiner Meinung nach nicht genug an präzise auf den Punkt hin geschriebene Stories vorhanden, was allerdings durch mehrere gute Seitenbetrachtungen ausgeglichen wurde. Gefehlt hat mir der SF-Bereich, auch aus dem Steampunk war nur eine Geschichte da. Es scheint, daß hier eine Assoziation "Krieger=Fantasy" vorherrscht, was - wie Thomas Plischke mit seiner eher der allgemeinen Phantastik zuzurechnenden Geschichte "Speersommer" zeigt - durchaus nicht so sein muß.

"Krieger" ist die erste von mir gelesene Anthologie aus dem Bücherstapel, den ich auf dem NordCon zusammengekauft habe. Ein schöner Anfang, eine Kurzgeschichtenzusammenstellung, die ich ohne weiteres weiterempfehlen kann. Einmal etwas ganz anderes als die üblichen Fantasy-Ziegelsteine.

Freitag, 26. Juni 2015

TERRA Sonderband 11 - Clark Darlton : Vater der Menschheit

Clark Darlton : Vater der Menschheit
Starlight 02
Terra Sonderband 11, 23.01.1959
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Captain Rex Randell und seine Crew sind nach dreijährigem Aufenthalt in fernen, unerforschten Bereichen der Galaxis auf dem Rückflug zur Erde. Noch rund Lichtjahre trennen die STARLIGHT, das terranische Forschungsschiff, von der Heimatbasis, als es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen der STARLIGHT-Crew und einem Volk von Robotern kommt. Der Ausgang dieses Treffens zwischen den Sternen soll nicht nur über die Zukunft der Menschheit entscheiden, sondern auch das größte Rätsel der Menschheitsgeschichte lösen.
Klappentext der Darlton-Taschenbuchausgabe

Absurd.
Da habe ich erst letztens einen Romanzyklus von Clark Darlton gelesen, der wirklich gut war, und dann kommt der hier. Suboptimal ist noch das Netteste, das man dazu sagen kann. Stark im Mief der 50er verhaftet ist "Vater der Menschheit" kein Ruhmesblatt für Walter Ernsting. Wie auch der Nachfolger, der als TERRA 084 erschien. Ich sag' mal so : Schwamm drüber und vergessen.

Starlight-Zyklus
01 - Planet YB 23
02 - Vater der Menschheit
03 - Der Sprung ins Ungewisse
04 - Geheime Order für Andromeda

Donnerstag, 25. Juni 2015

TERRA Sonderband 10 - Jerry Sohl : Das vertauschte Ich


Jerry Sohl : Das vertauschte Ich (The Altered Ego)
Terra Sonderband 10, 26.12.1958
Deutsche Erstausgabe
Neuausgabe Ullstein 1983
Originalausgabe 1954
Aus dem Amerikanischen von Lothar Heinecke und Guenter Martell (= Günter M. Schelwokat)
Titelbild : Manfred Schneider


Unsterblichkeit ... aber für jedermann? Nur besonders verdienten Staatsbürgern wird das Weiterleben nach dem Tode zugestanden: hochkarätigen Wissenschaftlern, wichtigen Industriekapitänen und anderen, die sich auf irgendeine Weise um die Weltföderation verdient gemacht haben. Auch der Wissenschaftler Bradley Kempton gehört zu diesem auserwählten Kreis. Als er eines Tages umgebracht wird, fragt sich sein Sohn Carl, wer ein Interesse am Ableben seines Vaters haben kann.

Bradley Kempton wird »restauriert«. Als er in einem Hospital wieder zu sich kommt, kann er sich an nichts erinnern. Carl sorgt sich, denn sein Vater ist wie ausgewechselt. Und dann kommt ihm ein schrecklicher Verdacht: Der Mann, der sich als Bradley Kempton ausgibt, der Mann, mit dem er nun unter einem Dach wohnt, ist nicht sein Vater ...
Klappentext der Ullstein-Ausgabe




Ein typischer SF-Krimi dieser Zeit, gekonnt in Szene gesetzt von Gerald Allen "Jerry" Sohl. Dem heutigem Leser mag die Geschichte etwas altbacken vorkommen, aber damals, Mitte der 50er, war das etwas Neues. Ich fand ihn zwar nicht bemerkenswert, aber doch ganz nett. Ähnlich wie bei TERRA 321 hatte ich das Gefühl, daß es sich trotz eines wohlvertrauten und schon etwas abgenutzten Plots rein aus SF-historischen Gründen lohnt, den Roman zu lesen.

Mittwoch, 24. Juni 2015

TERRA Sonderband 09 - E. C. Tubb : Kinder des Weltalls

E. C. Tubb : Kinder des Weltalls (The Space Born)
Terra Sonderband 09, 28.11.1958
Deutsche Erstausgabe
Neuausgabe Atlantis 2011
Originalausgabe 1956
Aus dem Amerikanischen von Gerhard Thebs
Titelbild : Karl Stephan


Die Vorfahren der Menschen des Sternenschiffs lebten auf der Erde, von wo aus sie ihre lange Reise antraten. Obwohl schon Jahrhunderte seit dem Start vergangen sind und das Ziel des Fluges, die Sonne Pollux mit ihrer Planetenfamilie, noch immer nicht in Reichweite ist, haben die Nachkommen der ursprünglichen Crew die Erde und das planetarische Dasein nicht vergessen - dafür sorgen die Ausbildungsprogramme. Das starre, autoritäre System an Bord gibt jedoch Anlaß zu wachsender Opposition. Das System wird in Frage gestellt, und die Existenz des Schiffes und seiner Bewohner gerät in höchste Gefahr.
Klappentext

Jay West ist ein Polizist besonderer Art: Auf einem Generationenraumschiff, das seit endloser Zeit durch das All zieht, eliminiert er jeden, der älter als 40 Jahre alt wird. Doch das System droht zu kippen, als immer mehr Besatzungsmitglieder sich der Exekution entziehen und auch Männer der Schiffsführung versuchen, dem Ende zu entkommen. Als der Vater seiner Verlobten auf der Todesliste erscheint, muss Jay eine schwierige Entscheidung treffen ...
Klappentext der ATLANTIS-Neuausgabe

Eigentlich ein sehr schöner Roman, leider wirklich stark gekürzt, so daß ein großer Teil des Flairs der Geschichte verlorengeht. Inhaltlich habe ich ihn erst vor kurzem kommentiert, jedoch nicht die TERRA Sonderband-Ausgabe, sondern die Neuausgabe Die Sterngeborenen aus dem Atlantis-Verlag. Gut, das ist auch schon drei Jahre her, doch den Roman - gerade in der gelungenen Neuübersetzung - vergisst man nicht so leicht. Das, was ich damals schrieb, hat auch für diese Ausgabe bis zu einem gewissem Grad seine Gültigkeit :
Wer also moderne SF zeitgenössischen Stils sucht, ist hier fehl am Platze. Tatsächlich nimmt "Die Sterngeborenen" das aus heutiger Sicht ziemlich ausgelutschte Thema eines Generationenraumschiffs auf. Das habe ich x-mal gelesen, interessanterweise am innovativsten bei Perry Rhodan abgehandelt. Daher hat mich keine Wendung der Geschichte auch nur im Geringsten überrascht, praktisch alle Romane dieses Sub-Sub-Genres haben die gleiche Grundstruktur. Trotzdem - und deshalb kann ich den Roman auch bedingungslos weiterempfehlen - habe ich mich an keiner Stelle gelangweilt. Dies zeugt davon, wie lebhaft und interessant E. C. Tubb Geschichten erzählen kann. Wie sagte Moorcock doch so treffend ? "His reputation for fast-moving and colourful SF writing is unmatched by anyone in Britain." Dem kann ich nur zustimmen.

Ich kann den Roman nur jedem Liebhaber klassischer SF empfehlen, allerdings weniger in der TERRA Sonderband-Ausgabe, sondern besser in der schönen Neuausgabe bei Atlantis.

Neuausgabe Atlantis 2011, Neuübersetzung von Dirk van den Boom

Dienstag, 23. Juni 2015

TERRA Sonderband 08 - A. E. van Vogt : Das Reich der fünfzig Sonnen

Alfred Elton van Vogt : Das Reich der fünfzig Sonnen (The Mixed Men)
Terra Sonderband 08, 31.10.1958
Deutsche Erstausgabe
Neuauflage TERRA EXTRA 1965
Neuausgabe Bastei-Lübbe 1982
Originalausgabe ASTOUNDING 1943-1945
Buchausgabe (Fix-up) GNOME PRESS 1952
Aus dem Amerikanischen von Rainer Eisfeld
Titelbild : Karl Stephan

Sie sind Dellier, Non-Dellier und Koppelmenschen - mehr als 20.000 Jahre ist es her, daß ihre Ahnen vor den rassistischen Massakern in den Weltraum fliehen konnten. Äonenlang hielten sie sich dann im Reich der Sonnen in der Großen Magellanschen Wolke verborgen. Doch jetzt sind sie entdeckt!

Lady Gloria Laurr, Grand-Commanderdes interstellaren Schlachtschiffs Star Cluster, fordert alle fünfzig Welten auf, sich dem Erdimperium anzuschließen und unterzuordnen. Die Bewohner der Sonnen aber fürchten, erneut verfolgt und ausgerottet zu werden. Sie bereiten einen Krieg vor, der bei der gewaltigen Macht des Erdimperiums für sie verheerend enden muß.

Nur ein Mann kann die Katastrophe verhindern: Peter Maltby. Er ist Offizier der Raummarine der Sonnen, Geliebter von Grand Commander Laurr - und erblicher Führer der Koppelmenschen, ein Mann mit zwei Gehirnen, der die besten Eigenschaften von zwei Rassen in sich vereint und potenziert.
Klappentext der Bastei-Ausgabe

Wenn man einen Roman von A. E. van Vogt aufschlägt, verpackt man sein wissenschaftliches Verständnis vorzugsweise vorsichtig in mehrere Schichten gut gepolsterter Watte und stellt sich auf einen Roman ein, gegen den Burroughs "John Carter" wie ein Tatsachenbericht wird. Das ist zwar nicht bei allen seinen Romanen so, aber doch bei sehr vielen und auch "The Mixed Men" gehört dazu. Das sind nämlich Halbblut-Menschen, die aus der Vereinigung von Robotern und Normalmenschen hervorgingen und die deshalb eine spezielle Gehirnregion haben. [Ja, tut mir leid, ich weiss ja, daß empfindsame Gemüter jetzt einen heftigen Schock erlitten haben, aber das schreibt van Vogt wirklich so.]

Van Vogt beschäftigte sich zu der Zeit, als er den Roman schrieb, gerade intensiv mit Hypnose, was man einigen Szenen, in denen Peter Maltby sich mit hypnoseähnlichen Fähigkeiten aus der Bredouille heraushilft, auch deutlich anmerkt.

Der Roman liest sich zwar - wenn man sich seelisch auf van Vogt vorbereitet hat - ganz nett, ist aber keiner von seinen besten. Man merkt ihm an, daß er aus fünf Stories zusammengeschustert wurde und daß ein grundlegendes Konzept fehlt. Kann man lesen, muß man aber nicht.

Montag, 22. Juni 2015

TERRA SB inside - Leserstimmen

Auf der LKS von Ausgabe 07 vom 03.10.1958 kommen die Leser zu Wort. Die neue Reihe wird durchgehend positiv angenommen, anders als die deutschen Ausgaben von GALAXY ist den TERRA Sonderbänden, aus denen später die TERRA Taschenbücher wurden, ein langes, über zwanzig Jahre währendes Leben gegeben :

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Gruppenbild mit van Vogt

Ausgabe 07 vom 03.10.1958 überrascht den geneigten Leser mit einem Bild von Alfred Elton van Vogt auf der Rückseite :


Ich finde ja, diese Photos haben etwas. Diese Hornbrillen zum Beispiel... :-)

TERRA Sonderband 07 - James White : Die Außerirdischen



James White : Die Außerirdischen (Tourist Planet)
Terra Sonderband 07, 03.10.1958
Deutsche Erstausgabe
Neuauflagen 1967 (TERRA EXTRA) & 1979 (Pabel Utopia Classics)
Originalausgabe New Worlds 10-12/1956 als "Tourist Planet"
Buchausgabe ACE Double 1957
Aus dem Englischen von Armin von Eichenberg (= Rainer Eisfeld)
Titelbild : Karl Stephan


Sie sehen aus wie Menschen, doch sie stammen von unbekannten Welten in den Tiefen der Galaxis. Auf Schleichwegen gelangen sie zur Erde und beginnen die Menschheit zu unterwandern. Niemand weiß, wer die Fremden zur Erde bringt und welche Ziele die Initiatoren der heimlichen Invasion damit verfolgen. Dabei ist die Beantwortung dieser Fragen schicksalsbestimmend für die weitere Existenz der Menschheit.
Klappentext

There seemed to be three distinct groups of aliens now. First came the old men, harmless and fanatically uncommunicative, whose behavior had first aroused the department's suspicions. There was the group that had been responsible for the St. Armande fire, a group which almost certainly contained a large number of Earthmen. A third group, possibly of only a few individuals, were opposed to the war-breeding activities of the second group, and they disapproved of their treatment of the old men, who were group one. And, just to tangle the skein further, there was a time-traveling Earthman from two hundred years in the past.

When the World Security Organization asked Doctor Lockhart to treat their mysterious prisoner, they hadn't known that the dying old man would reply to their questions in a totally unknown language. They had expected the stranger to reveal some connection between himself and the world war which seemed imminent. But they had been thinking in terms of foreign spies - not alien beings!

Now suddenly they found themselves confronted with a Gargantuan task... They had to find a way to another world, a means of communicating with creatures they could barely imagine. They had to stop a war that was originating in the farthest stars, or else surrender the Earth unconditionally to THE SECRET VISITORS.
Klappentext der Originalausgabe

Tja, NordCon und Arbeit haben mich etwas zurückgeworfen, daher erst heute der Kommentar zum nächsten TERRA Sonderband. Der es aber in sich hat, da er offenbar schon lange in der Versenkung verschwunden ist. Ansonsten hätten nämlich die Fans der "Sector General"-Reihe - Geschichten über ein allrassisches Krankenhaus im Weltraum - darauf bestanden, diesen Roman als Prequel dort einzureihen. Denn genau das ist er, ein Vorläufer der Krankenhaus-Serie mit den gleichen Themen und ähnlichen Lösungen.

Geschrieben Ende der 50er spiegelt "Tourist Planet" sehr schön den Zeitgeist wieder. Aliens sind nichts, über das man sich wirklich wundern muß, das Auftreten außerirdischer Lebensformen wird auf allen Ebenen der Gesellschaft akzeptiert. Dies stand voll im Gegensatz zur UFO-Hysterie, von James White ganz bewusst genau so konzipiert. Deshalb ist dieser TERRA Sonderband auch eine Übersetzung der ursprünglichen "New Worlds"-Ausgabe und nicht der amerikanischen Buchausgabe, für die White ein anderes Ende konzipieren musste, um dem Geschmack des amerikanischen Lesers zu entsprechen. Siehe dazu Brian Stableford "Science Fact and Science Fiction", Routledge 2006.

Mir persönlich hat der Roman gefallen, er hatte zwar seine Macken und ist etwas veraltet, aber als Vorläufer von "Sector General" und als früher antikapitalistischer und pazifistischer SF-Roman immer noch interessant.

Dienstag, 16. Juni 2015

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Rainer Eisfeld

Von der Rückseite von Ausgabe 06 vom 05.09.1958 schaut uns ein ernster Rainer Eisfeld entgegen. Ich muß bei Gelegenheit doch einmal versuchen, ein Autogramm darauf von ihm zu bekommen. Rainer Eisfeld ist nämlich noch putzmunter, seine im DvR-Verlag herausgegebenen Reminiszenzen an die damalige Zeit sind amüsante Lektüren und unbedingt lesenswert.

TERRA Sonderband 06 - Fredric Brown : Das andere Universum

Fredric Brown : Das andere Universum (What Mad Universe)
Terra Sonderband 06, 05.09.1958
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1949
Aus dem Amerikanischen von Rainer Eisfeld
Titelbild : Karl Stephan

Der erste Versuch, im Jahre eine Rakete zum Mond zu schießen, schlug fehl. Sie fiel zur Erde zurück und explodierte. Der Energieschock schleuderte Keith Winton in ein anderes Universum, in eine Welt, wie er sie sich gerade in diesem Augenblick vorgestellt hätte. Es ist de Welt eines Science Fiction Romans, die plötzlich reale Wirklichkeit wurde - als Vorstellung vertraut und wohlbekannt, als Realität jedoch grauenhaft und voller Gefahren für einen normalen Menschen.
Klappentext der HEYNE-Ausgabe
BUG-EYED MONSTERS ON BROADWAY
Pulp SF magazine editor Keith Winton was answering a letter from a teenage fan when the first moon rocket fell back to Earth and blew him away. But where to? Greenville, New York, looked the same, but Bems (Bug-Eyed Monsters) just like the ones on the cover of Startling Stories walked the streets without attracting undue comment. And when he brought out a half-dollar coin in a drugstore, the cops wanted to shoot him on sight as an Arcturian spy. Wait a minute. Seven-foot purple moon-monsters? Earth at war with Arcturus? General Dwight D. Eisenhower in command of Venus Sector? What mad universe was this? One thing was for sure: Keith Winton had to find out fast - or he'd be good and dead, in this universe or any other.
Klappentext des Kindle-eBooks

Der Humor, der zweifelsohne im amerikanischen Original vorhanden ist und das damalige Fandom ziemlich veräppelt haben dürfte, bleibt in dieser gekürzten Version gnadenlos auf der Strecke. Das amerikaniscche Original ist laut ISFDB 200 Taschenbuchseiten lang, die deutsche Version der TERRA Sonderbände kommt gerade eben auf 94 Seiten. Das Ergebnis ist eine relativ fade Version der Geschichte, bei der der Humor nur am Rande durchschimmert. Ein Paradebeispiel für die mißlungenen Kürzungen in deutschen Übersetzungen dieser Zeit.

Montag, 15. Juni 2015

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Hugo Gernsback

Die Rückseite von Ausgabe 05 vom 08.08.1958 ziert ein Photo von Hugo Gernsback. Man beachte die Autogrammkarte links oben.

TERRA Sonderband 05 - Clark Darlton : Die galaktische Föderation


Clark Darlton : Die galaktische Föderation
Terra Sonderband 05, 08.08.1958
Krieg der Galaxien 03
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Etwa 10000 Jahre vor unserer Zeitrechnung brach in einem anderen Teil der Milchstraße der erste galaktische Krieg aus. Zwei hochentwickelten Völker waren aufeinandergestoßen und versuchten sich gegenseitig mit allen Mitteln ihrer Technik zu vernichten. Überall in der Galxis entstanden Stützpunkte der beiden krigerischen Zivilisationen. Dann erstarrten die Fronten und beide Parteien zogen sich zurück. Sie hatten eingesehen, daß dieser gigantische Krieg nur zur Vernichtung beider Völker führen würde. Hier und da blieben Reste der Vorposten zurück und entwickelten eine eigene Kultur und Zivilisation, wobei der Herkunft meist vergessen wurde. Unter anderen Zivilisationen entstand so auch die Menschheit. Der Mensch wußte nichts mehr von alledem. Die ersten Schritte der Raumfahrt lösten das große Rätsel dieser Welt, gaben aber zum Ausgleich dafür weitere Rätsel auf, die der Lösung harrten ...
Klappentext der Mohlberg-Gesamtausgabe

Darex, der Diktator der Menschen von Alpha Centauri III, tut alles in seiner Macht Stehende, um den vor Jahren ausgetragenen Galaktischen Krieg zwischen Alphaten und Atlantern wiederaufleben zu lassen. Zuerst sind es die Erdenbewohner, die Darex Maßnahmen zu spüren bekommen, denn sie werden überfallen und mitleidlos unterjocht. Doch eine kleine Gruppe terranischer Astronauten gibt nicht auf - und ihre Stunde schlägt, als Darex den Angriff gegen den Zentralplaneten seines Erbfeinds wagt.
Klappentext der Darlton-Reihe

Der dritte und letzte Band der Trilogie um den "Kampf der Galaxien". Ich persönlich fand ihn nicht mehr ganz so prickelnd wie die beiden Vorgänger, aber auch dieser Teil hat seinen Charme. Zunächst einmal fand ich es witzig, wie Darlton beschrieb, daß der Krieg vor ein paar tausend Jahren einfach eingeschlafen ist. Kein Friedensvertrag, keine echte Verständigung, ein sich gegenseitig ignorierendes Nebenherexistieren war das Ergebnis gigantischer Kampfhandlungen. Eine sehr elegante Lösung, die den Widersinn bewaffneter Auseinandersetzungen mehr als deutlich macht.

Und die Ewiggestrigen kommen in dieser Geschichte gar nicht gut weg. Darex und seine Alphaten, die nach 10.000 Jahren einen Krieg, der nicht der ihre ist, der keinerlei von ihnen erkennbaren Zielen dient, wiederaufleben lassen wollen, werden als genauso borniert beschrieben, wie sich diese Fakten lesen. Hier schafft Ernsting in gekonnter Art und Weise den Brückenschlag zur Gegenwart der Bundesrepublik von 1958, in der tatsächlich noch eine stattliche Anzahl von Altnazis existierten.

Und sehr schön fand ich auch das vollkommen durchdachte Zeit-Paradoxon. Man merkt, daß sich der Autor wirklich überlegt hat, wie sich der Einsatz einer Zeitmaschine, mit der die unmittelbare Bedrohung Darex und seine Flotte beseitigt werden soll, auswirken würde. Ein immer noch interessanter Roman, ein schöner Abschluß eines gelungenen Zyklus.

Sonntag, 14. Juni 2015

TERRA SB inside - Herbert W. Franke zur Rezension von SF-Romanen

Auf der LKS von Ausgabe 04 vom 11.07.1958 erschien ein Artikel von Herbert W. Franke zur Bewertung von SF-Romanen. Ich finde das zwar ganz nett, aber nur für Theoretiker und Puristen interessant, die andererseits aber auch tatsächlich ein halbwegs objektives Meßkriterium brauchen.

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Gruppenbild ohne Dame

Die Rückseite von Ausgabe 04 vom 11.07.1958 zeigt ein Gruppenphoto : Lothar Heinecke, Walter Ernsting und Wolf Detlef Rohr, drei der wichtigsten Persönlichkeiten der SF der 50er.

TERRA Sonderband 04 - Wilson Tucker : Das endlose Schweigen


Wilson Tucker : Das endlose Schweigen (The Long Loud Silence)
Terra Sonderband 04, 11.07.1958
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1952
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Karl Stephan


Während Corporal Russell Gary in einem schäbigen Hotelzimmer seinen Rausch ausschläft, geht für Millionen von Menschen östlich des Mississippi die Welt zu Ende. In einem Blitzangriff aus der Luft werden alle größeren Städte vernichtet, die bakteriologische Verseuchung des Landes dezimiert die Bevölkerung innerhalb von vierundzwanzig Stunden auf ein Fünftel: Menschen, die gegen die Ansteckung immun sind.

Russell Gary ist einer von ihnen. Zusammen mit Irma, einer neunzehnjährigen Streunerin, die er beim Plündern eines Juweliergeschäftes überrascht hat, versucht er dem Chaos zu entkommen. In einer Welle von Mord, Plünderungen, Vergewaltigungen und Feuersbrünsten gehen die Stadtteile unter, die der Zerstörung widerstanden haben.Und an den Brücken über den Mississippi wird noch immer scharf geschossen. Die Soldaten auf der anderen Seite schießen auf ihre Landsleute, die vom Ostufer nach Westen wollen, denn sie tragen die Seuche in sich, auch wenn sie selbst dagegen immun geblieben sind. Für Irma und Gary beginnt der Kampf ums nackte Leben...
Klappentext der Ullstein-Ausgabe von 1973

A phenomenally good book ... The plotting is close-knit without being contrived; the style is compact and eloquent; the characters, in Faulkner's words, "stand up on their hind legs and cast a shadow." ... The book is honest, courageous, deeply felt.
Damon Knight "In Search of Wonder"

Wilson Tucker habe ich bisher nie gelesen. Der Titel "The Year of the Quit Sun" hat mich als DDR-Briefmarken-Sammler immer irritiert, andere Sachen von ihm sind mir nie untergekommen. Gut, er hat auch nicht soviel geschrieben. Aber wenn dieser Roman charakteristisch für ihn ist, dann ist mir da echt was entgangen.

"The Long Loud Silence" beschreibt eine Apokalypse in den Staaten. Östlich des Mississippi fallen Bakterienbomben, die Menschen sterben wie die Fliegen. Einige Immune können sich halten, sie werden im östlichen Landesteil eingesperrt. (Details) Das Buch beschreibt den Zusammenbruch der Zivilisation, die gar nicht so langsame Degeneration normaler Menschen zu Barbaren und Kannibalen. Tucker nimmt sich da weder ein Blatt vor den Mund, noch hat er romantische Anwandlungen, wie sie so viele Endzeitromane in sich tragen. Und obwohl der damalige Herausgeber den Autor überzeugen konnte, daß einige seiner Szenen zu hart für das damalige Publikum seien, liest sich "The Long Loud Silence" auch heutzutage noch wie eine echte Apokalypse.

Der "Held" der Geschichte ist kein Ritter in strahlender Rüstung, sondern ein egozentrischer Ex-Soldat, der noch nie in seinem Leben ehrbar war. Im Krieg hatte er einen florierenden Schwarzmarkthandel aufgebaut, zur Feier seines Dienstjubiläums sich mehrere Tage besinnungslos betrunken. Als er auf der falschen Seite der Grenze, im verseuchten Missouri, aufwacht, akklimatisiert er sich sehr schnell und sieht zu, nicht nur zu überleben, sondern alles auch zu seinem Vorteil zu drehen. Alleine durchstreift er die verseuchte Zone, bis er Jahre später von Kannibalen überwältigt und gefressen wird.

As in all of Tucker’s novels, only the ending gives full meaning to the rest of the book. At the beginning of The Long, Loud Silence, Gary seems to be just an ordinary sort of bloke who has been trapped by a catastrophe. However, the catastrophe offered him the chance to choose his own new world (which I take to be the overall theme of most of SF’s ‘post-disaster’ novels). This is the world that he chose. He has lost all those features that we call human. By the end of the novel, he lives quite alone, hunting food, killing all intruders, even other humans, who approach him. His reflexes have become like an animal’s (‘his taut nostrils held to the wintry air’) and his mind as unsympathetic and opportunistic as a wolf’s. Not only has he lost hope, but he cannot remember what hope is. The landscape itself is not hopeless; it is merely neutral. Humanity’s concrete highways are crum- bling, but ‘the plain before him was clear, white and bright with fresh-fallen snow’. Other survivors might have found beauty here; Gary sees only his own hatred and isolation reflected back at him.
Bruce Gillespie

Diese Unmenschlichkeit, dieses Abstreifen auch noch des letzten Restes an sozialer Interaktion, diese Reduziertheit auf das Dahinvegetieren habe ich in dieser krassen Form noch weder im Film gesehen oder im Buch gelesen. Moderne Apokalypsen - ich denke da beispielsweise an "The Walking Dead" - sind lange nicht so deprimierend wie dieser Roman. Für mich die Entdeckung eines höchst interessanten Autors.

Samstag, 13. Juni 2015

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Günter Schelwokat

Auf der Rückseite von Ausgabe 03 vom 13.06.1958 dann wieder ein Bild aus der Reihe "Mitarbeiter bei TERRA". Diesmal Günter M. Schelwokat, dessen Relevanz für den Erfolg der SF im Hause Moewig nicht zu unterschätzen ist :

TERRA Sonderband 03 - Clark Darlton : Zurück aus der Ewigkeit


Clark Darlton : Zurück aus der Ewigkeit
Terra Sonderband 03, 13.06.1958
Krieg der Galaxien 02
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Etwa 10000 Jahre vor unserer Zeitrechnung brach in einem anderen Teil der Milchstraße der erste galaktische Krieg aus. Zwei hochentwickelten Völker waren aufeinandergestoßen und versuchten sich gegenseitig mit allen Mitteln ihrer Technik zu vernichten. Überall in der Galxis entstanden Stützpunkte der beiden krigerischen Zivilisationen. Dann erstarrten die Fronten und beide Parteien zogen sich zurück. Sie hatten eingesehen, daß dieser gigantische Krieg nur zur Vernichtung beider Völker führen würde. Hier und da blieben Reste der Vorposten zurück und entwickelten eine eigene Kultur und Zivilisation, wobei der Herkunft meist vergessen wurde. Unter anderen Zivilisationen entstand so auch die Menschheit. Der Mensch wußte nichts mehr von alledem. Die ersten Schritte der Raumfahrt lösten das große Rätsel dieser Welt, gaben aber zum Ausgleich dafür weitere Rätsel auf, die der Lösung harrten ...
Klappentext der Mohlberg-Gesamtausgabe


1995 erfolgt der Start der SIRIUS in das Centaurus-System. Dort hofft man, Nachkommen eines der beiden Völker zu finden, die sich vor rund 10 000 Jahren im galaktischen Krieg als erbitterte Feinde gegenüberstanden.Die Raumfahrer der SIRIUS entdecken diese Menschen auf Alpha III. Doch die Alphaten erweisen sich nicht als Brüder und Freunde der Terraner - sie sind vielmehr bestrebt, den längst vergessenen galaktischen Krieg wiederaufleben zu lassen, denn sie wollen ihre Rache.
Klappentext der Darlton-Reihe

Der zweite der der Reihe "Krieg der Galaxien". Ein gutes Jahrzehnt nach dem Ende des II. Weltkriegs geschrieben, merkt man auch hier zweierlei : Erstens hatte Walter Ernsting die Nase voll vom Krieg und ideologischen Diktaturen, die ihr Gesellschaftssystem mit Waffengewalt durchzusetzen versuchen. Und zweitens war Ernsting deutlich stärker international orientiert als die meisten Menschen heutzutage. Es gibt da einen sehr schönen Absatz im Roman, der das deutlich illustriert :
Da waren der französische Antriebsfachmann Gaston Fraud, dessen Hobby das Studium alter Kulturen und insbesondere der von Atlantis war, und sein Kollege, der polnische Physiker Kattowitz. Der Kommandant Per Anderson und der Funker Jon Halley. In der Krankenstation und in der kleinen Küche der SIRIUS herrschte der Chinese Mi Fang. Den Pilotensitz teilte sich Anderson mit dem Russen Serge Iwanow. Der siebente der Mannschaft jedoch war wiederum ein Engländer, der Astronom aus Greenwich, jener Mann, der die Erde rettete : Professor Harrel.
Seite 7

Im Gegensatz zu Martynow haben Darlton und Scheer tatsächlich niemanden ausgegrenzt, ihre Romane (ich denke da beispielsweise an Scheers ZBV-Serie) sind voll von internationaler Zusammenarbeit. Und wenn es tatsächlich einmal gegen einen anderen gesellschaftlichen Block (etwa bei ZBV die Großasiatische Republik GAS) geht, wird deutlich zwischen den Menschen und dem System unterschieden.

Interessant ist in diesem Roman auch wieder der damalige Stand der Wissenschaft, den Darlton vorsichtig seinen Lesern präsentiert. Heutzutage ist die Zeitdilatation für uns etwas ganz Normales, wir wären irritiert, würde man dies in einer Geschichte unterschlagen. Damals war das anders, die Ideen Einsteins scheinen Ende der 50er im SF-Fandom noch nicht überall Fuß gefasst zu haben. (Interessierten empfehle ich den Artikel "Kritik an der Relativitätstheorie" aus der Wikipedia.) Clark Darlton nimmt die Leser sozusagen an die Hand und zeigt ihnen die Auswirkungen von Unterlicht-Raumfahrt. Mich als Physiker/Mathematiker hat er damit zwar nicht als Zielgruppe, aber diese Darstellung ist gesellschaftshistorisch faszinierend.

Auch dieser Band ist angenehm leicht lesbar und zeigt wenige Alterserscheinungen. Und dies, obwohl er stark in seiner Zeit verhaftet ist. Aber einige Aussagen sind wohl zeitlos ...

Freitag, 12. Juni 2015

TERRA SB inside - Der deutsche HUGO

In den 50ern und 60ern wurde der HUGO nicht nur auf dem Worldcon verliehen, es gab auch einen HUGO, der innerhalb der deutschsprachigen SF verliehen wurde. Auf der LKS von Ausgabe 02 vom 16.05.1958 findet sich ein Aufruf von Walter Ernsting, bei der Abstimmung mizumachen.

TERRA Sonderband 02 - Georgi Martynow : 220 Tage im Weltraumschiff


Georgi Martynow : 220 Tage im Weltraumschiff (220 dney na zwezdolete)
Terra Sonderband 02, 16.05.1958
Nachdruck der ostdeutschen Ausgabe von 1957
Originalausgabe 1955
Aus dem Russischen von Erich Ahrndt
Titelbild : Karl Stephan


Russen und Amerikaner stehen im Wettstreit um den ersten Flug zum Mars. Doch als beide Raumschiffe dort eingetroffen sind, gibt es nicht vorhergesehene Probleme und die Frage stellt sich, ob die Raumfahrer jemals wieder zur Erde zurückkehren können.
Klappentext

Bevor ich selber etwas zu diesem Roman sage, möchte ich zwei andere Rezensenten zu Wort kommen lassen. Zunächst einmal Andreas Reber, der sich auf seinem Blog Life in the 22nd Century nicht nur über Georgi Martynow allgemein, sondern auch über 220 Tage im Weltraumschiff im Speziellen ausgelassen hat :

Dem vor fast 60 Jahren geschriebenen Roman gebührt zusammen mit seinen Fortsetzungen ein Platz in der Sammlung eines jeden an Science-Fiction Interessierten. Der Autor verzichtet fast vollständig auf die damals in der Ost-SF häufig anzutreffenden Kabbeleien zwischen Ost und West. Nur das rein sportliche Interesse Charles Hapgoods, der Erste auf dem Mars sein zu wollen und der Hang seines Begleiters zu Hochprozentigem (Alkohol statt Sauerstoff!) verwundern etwas.

Die Handlung beginnt etwas gemächlich, um gegen Ende so rasante Fahrt aufzunehmen, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen mag.

Das Verhalten der Hauptfiguren ist vorbildlich. Trotz ihrer Professionalität und Ernsthaftigkeit strahlen sie Wärme und Freundlichkeit aus. Selbst der anfangs etwas wortkarge Belopolski taut nach einiger Zeit auf, und alle vier wachsen zu einer echten Schicksalsgemeinschaft zusammen.

Der andere Rezensent, den ich zu Worte kommen lassen möchte, ist Matthias Käther, der sich auf dem Zauberspiegel zwar hauptsächlich über russische SF im Allgemeinen, Martynows "Phaetonen" im Speziellem ausgelassen hat, aber auch zu dem hier vorliegenden Romanzyklus etwas sagt :

Vielleicht wird es einige Leser überraschen, dass die SF der sozialistischen Ära in der Sowjetunion heute noch ein Gegenstand wohlwollender Besprechungen ist. Es überrascht mich sogar selbst. Zwar war ich immer der Meinung, dass, von Strugatzkis Romanen natürlich abgesehen, einige wenige Werke wie Alexej Tolstois Aelita und die entzückenden Jugendromane von Kirill Bulytschow für eine enge Fangemeinde weiterleben werden – doch schien mir insgesamt vieles zu zeitgebunden und zu ideologiebefrachtet. Doch grade diese Ideologie könnte sich in Tagen dystopisch-fantasylastigen Mainstreams als erfrischende Marktlücke nicht nur für Linke, sondern auch für dekadente Genießer oder routinemüde SF-Freaks erweisen. Und wirklich - die sowjetrussische SF erlebt grade ein Comeback, in dem der totalitäre Touch nicht als lustfeindlich, sondern als angenehmer Thrill wahrgenommen wird. [...] Dass es sehr faszinierende Werke jenseits der Forschung gibt, beweist Martyrows Phaetonen-Epos auf eindringliche Weise. Aber vielleicht stehen wir ja auch erst am Anfang der großen Renaissance. Schön wärs.

Das sind beides zwei ganz schön ignorante und das Thema vollkommen verfehlende Rezensionen.

Man kann es noch so schönzureden versuchen, das Buch ist billige Sowjetpropaganda primitivsten Stils. Ich kenne diverse sehr fragwürdige SF/F beiderseits des Eisernen Vorhangs, aber diese billiger Jakob aus der Hochzeit des Kalten Krieges schlägt die meisten anderen um Längen. Dagegen sind Hubbards Scientology-Romane argumentativ wertvoll, James Bond ein Feminist und Conan ein sensibler Charakter.

Es beginnt ja recht harmlos, als Tagebuch-Roman. Aber schon auf den ersten Seiten, als das diktatorische Sowjet-System weder implizit noch explizit in Frage gestellt, sondern stattdessen sogar bejubelt wird, habe ich mich gefragt, in welchem Film ich bin. Und von Seite zu Seite wird die Story platter und die Verherrlichung der Sowjetunion zusammen mit der Verteufelung Amerikas schlimmer. Alle Sowjet-Kosmonauten sind echte Männer, die nur der Gesellschaft dienen und neverever aus Prestige-Gründen das Leben ihrer Weltraumfahrer gefährden, während die Amerikaner versoffene Schweine sind, die um einen wissenschaftlichen Wettlauf gewinnen zu können, schon einmal so ganz einfach Raumschiff und Besatzung indiskutablen Risiken aussetzen.

Diese dümmliche Schwarz/Weiss-Malerei geht auch das gesamte Buch durch in dieser primitiven Art weiter, daß ich mich bei einigen Rezensenten wirklich frage, was sie geraucht haben, bevor sie ihre unqualifizierte Lobhudelei dem Internet anvertrauten. Um es deutlich zu sagen : Dieses Buch verdient es, als "Landser im Weltall" apostrophiert zu werden. Und wer derartigen Propaganda-Müll auch noch bejubelt, stimmt genau der Ideologie zu, hinter der der "Landser" in allen seinen Spielarten steckt. Ich finde das eklig. Und ich kann nur jeder auch nur in Ansätzen sensiblen und nicht völlig verrohten Seele vor diesem Roman warnen.

Osteuropäische Kunst - das wissen ehemalige DDRler am Besten - konnte nur dann veröffentlicht werden, wenn es das System stützte. Genug Schriftsteller der UdSSR sind im Gulag gelandet, wenn sie auch nur in den Verdacht der Abweichung kamen. Solschenizyn ist da das prominenteste Beispiel, aber es gibt genug andere. Auch in der DDR war das nur marginal besser, ich denke, ich brauche da keine Beispiele zu bringen. Das, was im Westen veröffentlicht wurde, war entweder apolitisch oder voll auf der Parteilinie. Alleine das sollte einem schon zu denken geben, wenn man einen im Westen veröffentlichten Roman dieser Zeit bespricht. Wer so schwachsinnig ist, die Propaganda eines solchen Romans als "angenehmen Thrill" wahrzunehmen, hat den Schuß nicht gehört und auf einer Seite wie dem "Zauberspiegel" nichts zu suchen. Das sind nämlich genau die Leute, die aus genau den gleichen Gründen "Mein Kampf" nicht als lustfeindlich, sondern als angenehmen Thrill wahrnehmen.

Update
Ein wie ich finde wichtiger Einwurf von Stefan Pannor via Facebook :
"Osteuropäische Kunst - das wissen ehemalige DDRler am Besten - konnte nur dann veröffentlicht werden, wenn es das System stützte."
Das ist zu 90% richtig, der desolate Zustand weiter Teile der DDR-SF legt davon Zeugnis ab. Aber zu 10%... sagen wir mal, die Strugatzkis etwa wurden zunehmend weniger staatstragend und wurden in den meisten Fällen dennoch publiziert. "Stalker" lief in den Kinos. Autoren wie Erik Simon konnten in der DDR als Herausgeber und Autor hochsubversive Werke publizieren. Gert Prokop und Franz Fühmann schliesslich zerlegten den Staat, in dem sie lebten, komplett in einigen ihrer Bücher. Diese Dinge finden wir, sicher als Ausnahme, aber sie sind da.
Quelle

Donnerstag, 11. Juni 2015

TERRA SB inside - Forrest J. Ackerman über neue amerikanische Filme 1958

Auch die TERRA Sonderbände hatten eine LKS. Auf der des ersten Bandes vom 18.04.1958 wird von der Redaktion die neue Reihe im Taschenheft-Format vorgestellt. Danach kommt dann ein Bericht von Forrest J. Ackerman über moderne amerikanische Filme - die ein paar Ältere vielleicht noch als Klassiker kennen ?

TERRA SB inside - Mitarbeiter bei TERRA : Forrest J. Ackerman

Auf der Rückseite der ersten Ausgaben der TERRA Sonderbände waren Bilder der Macher der Serien abgedruckt. Auf Nummer 01 vom 18.04.1958 findet sich Forrest J. Ackerman zusammen mit einer attraktiven Schauspielerin. Hat irgendwer 'ne Auhnung, wer sie ist ?

TERRA Sonderband 01 - Clark Darlton : Attentat auf Sol


Clark Darlton : Attentat auf Sol
Terra Sonderband 01, 18.04.1958
Krieg der Galaxien 01
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Etwa 10000 Jahre vor unserer Zeitrechnung brach in einem anderen Teil der Milchstraße der erste galaktische Krieg aus. Zwei hochentwickelten Völker waren aufeinandergestoßen und versuchten sich gegenseitig mit allen Mitteln ihrer Technik zu vernichten. Überall in der Galxis entstanden Stützpunkte der beiden krigerischen Zivilisationen. Dann erstarrten die Fronten und beide Parteien zogen sich zurück. Sie hatten eingesehen, daß dieser gigantische Krieg nur zur Vernichtung beider Völker führen würde. Hier und da blieben Reste der Vorposten zurück und entwickelten eine eigene Kultur und Zivilisation, wobei der Herkunft meist vergessen wurde. Unter anderen Zivilisationen entstand so auch die Menschheit. Der Mensch wußte nichts mehr von alledem. Die ersten Schritte der Raumfahrt lösten das große Rätsel dieser Welt, gaben aber zum Ausgleich dafür weitere Rätsel auf, die der Lösung harrten ...
Klappentext der Mohlberg-Gesamtausgabe

Die Sonne steht im Begriff, sich in eine Nova zu verwandeln. Obwohl nur vier Jahre bis zum Untergang der Erde und ihrer Bewohner bleiben, ist eine ganze Anzahl von Astrophysikern, Astronomen und Raketentechnikern nicht bereit, sich ins Unabänderliche zu fügen. Diese Wissenschaftler und Techniker ermöglichen den Start des Raumschiffs TERRA, das den Ursprung dessen finden soll, was Sol zur Novabildung anregt. Die TERRA ist erfolgreich - und im Zuge ihrer Mission erreicht sie eine Welt, die das böse Erbe einer zehntausendjährigen Vergangenheit bewahrt.
Klappentext der Darlton-Reihe

Die TERRA-Sonderbände beginnen mit dem ersten Roman eines Zyklus von Clark Darlton. Nicht unbedingt einer meiner Lieblingsschriftsteller, meiner Erfahrung nach hatte er diverse Hänger, die einige seiner Romane meiner persönlichen Meinung nach sehr suboptimal werden liessen. Dies ist keiner davon, und das Umfeld (siehe Rezension morgen), in dem dieser und der Folgeband erschienen, zeigt, welche Klasse deutsche Autoren dieser Zeit hatten. Und meiner Meinung nach wird an diesem Roman auch deutlich, warum die später erscheinende Serie "Perry Rhodan", an der Darlton maßgeblich mitgearbeitet hat, gerade in den Anfangsjahren diesen Riesenerfolg hatte.

Einzelne Teile – etwa der Sonnensatellit, der eine Nova hervorrufen soll – kamen mir als klassischem PR-Leser auch sehr bekannt vor. Diese wurden später, bei PR, recycelt, ohne daß sich Darlton hier selbst plagiiert hat. Tatsächlich sind zwar einzelne Elemente wiedererkennbar, die Geschichten aber doch sehr unterschiedlich.

Interessant und bemerkenswert ist allerdings die Internationalität der Darltonschen Figuren, seine Vorurteilsfreiheit gegenüber den verschiedenen Nationen und der extrem demokratische Ansatz, der diesen Roman durchzieht. Das wird im zweiten Teil noch deutlicher, aber selbst hier im ersten Teil der Trilogie um den "Galaktischen Krieg" ist die implizite Betonung des Grundgesetzes und die ebenfalls in diesem Teil noch implizite Ablehnung jeder diktatorischen Gesellschaftsform nicht nur deutlich zu spüren, sie macht auch einen überraschend großen Charme des Romans aus.

Was mich weiter beeindruckt hat, ist die Antikriegshaltung, die dieser Roman ausströmt. In dem er die Ruinen eines vor 10.000 Jahren stattgefundenen Krieges zeigt, stellt Darlton deutlich den Irrsinn des II. Weltkriegs, an dem er selber noch teilgenommen hat, explizit dar. Ohne sich allerdings für die eine oder andere Seite auszusprechen. Darlton nimmt hier keine Partei, sondern verdammt den Krieg an sich als Mittel der Politik.

Das alles soll aber in keinem Fall heißen, daß "Attentat auf Sol" in irgendeiner Weise modern ist. Tatsächlich ist die Diskussion um die Einsteinsche Relativitätstheorie und die Lorentz-Transformationen mehr als amüsant und geben dem Roman so richtig schön klassische Patina. Ist also nur etwas für Liebhaber klassischer SF, für diese aber deutlich zu empfehlen.

Mittwoch, 10. Juni 2015

TERRA Sonderbände


Terra Sonderband ist gewissermaßen der Vorläufer des Terra-Taschenbuchs. Ab 1958 erschienen hier 96-seitige Bände und zwar in monatlicher Erscheinungsweise. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Übersetzungen bekannter anglo-amerikanischer Autoren. A.E. van Vogt, Isaac Asimov, John Brunner und E.C. Tubb gehörten dazu. Hinzu kamen einzelne Romane deutscher Autoren, in erster Linie von Clark Darlton und Kurt Mahr. Ab 1965 wurde die Reihe als Terra-Taschenbuch fortgesetzt.
Uwe Weiher im Zauberspiegel

Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich jetzt unbedingt mit den TERRA Sonderbänden und den TERRA Taschenbücchern beschäftigen wollte. Denn man kann ja einiges an ihnen kritisieren, aber die Qualität der Veröffentlichungen war extrem hoch. De Camp, die Smiths, Anderson, van Vogt - die Autoren der TERRA Sonderbände sind da schon eine Klasse für sich. Auch später bei den Taschenbüchern geht es auf diesem Niveau weiter und sie hätten durchaus eine extrem ernstzunehmende Konkurrenz zu den HEYNE-Taschenbüchern werden können.

Dass sie es nicht geworden sind, liegt an einem Faktor, der bei den Heftromanen deutlichst geringer zu Buche schlug : Den Kürzungen. Bei den Heften war es möglich, einen Roman auf zwei Hefte aufzuteilen, so daß die Kürzungen eher geringfügig waren. (Ja, gut, die Lensmen waren so stark zusammengestrichen, daß man sie lesen konnte, für Puristen ein Greuel. :-) ) Aber bei den Taschenbüchern bzw. Taschenheften ging das (meistens) nicht, hier hat man sich damals von der Redaktion aus auf eine einheitliche Länge verständigt und die Romane darauf getrimmt. Das Ergebnis war ... suboptimal, ich kenne mindestens einen Roman ("Call me Conrad" von Roger Zelazny), dem aufgrund dieser Kürzungen einiges an Flair verlorengegangen ist. Von daher stimme ich hier voll mit Heiko Langhans und H. J. Alpers überein und werde auch in der Folge einige böse Kommentare zum Thema "Kürzungen" zum Besten geben.

Ansonsten bin ich einmal auf die einzelnen Romane gespannt...

Dienstag, 9. Juni 2015

TERRA - Things to come


So, die Terra SF-Reihe ist abgeschlossen. Seit Juli 2013, zwei Jahre habe ich gebraucht, um die Hefte durchzulesen, die zwischen 1957 und 1967 erschienen sind. Etwas vor meiner Zeit, ich bin da mehr aus der TERRA ASTRA-Generation. Es war auf jeden Fall interessant, die Hefte zu lesen, da waren einige brilliante Geschichten zwischen. Für ein Resumee ist es noch zu früh, ich will da nochmal genauer in die einzelnen Zeitabschnitte einsteigen, das wird etwas aufwendiger.

Als nächstes wäre chronologisch eigentlich TERRA NOVA dran. TERRA EXTRA liegt auch noch bei mir rum, da sind zwar meistens Neuauflagen enthalten, aber einige lesenswerte Artikel sind da auch drin. UTOPIA in seinen Spielarten liegt auch noch im Regal und wartet darauf, gelesen zu werden. Aber ich mache etwas ganz anderes und nehme mir jetzt die TERRA Sonderbände und die ersten GALAXIS-Ausgaben vor.

TERRA SF inside - Das Ende der ersten TERRA-Serie

Und plötzlich war es vorbei. Aus irgendwelchen Gründen, die auch die Redaktion ziemlich überrascht hat, wurde TERRA und TERRA EXTRA eingestellt und stattdessen TERRA NOVA aus der Taufe gehoben. Auch die Planungen der Redaktion wurden umgeworfen, Carlos Rasch, der ursprünglich für TERRA 562 vorgesehen war, erschien jetzt erst als TERRA NOVA 17. Wäre einmal interessant, die Begründungen dafür nachzulesen.

Informiert wurden die Leser erst in den letzten beiden Heften der TERRA-Reihe. Hier ein Scan aus Heft 554 vom 29.12.1967 :


Auf der Rückseite des gleichen Heftes wird dann TERRA NOVA beworben :


Die LKS schweigt sich dazu aus, erst in Heft 555 vom 05.01.1968 wird etwas zu TERRA NOVA gesagt. Über die Hintergründe für diesen marketingtechnischen Wechsel schweigt man sich allerdings auch da aus, es wird eine Vorschau der ersten Hefte gebracht :

TERRA SF 555 - Conrad Shepherd : Attentat aus dem Weltraum


Conrad Shepherd : Attentat aus dem Weltraum
Terra SF 555, 05.01.1968
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Die Menschheit hat die Grenzen des Sonnensystems verlassen, neue Welten entdeckt und besiedelt. Lange Zeit begegnete man nur Rassen, die der Menschheit technologisch und intellektuell unterlegen gewesen sind. Erst kürzlich stießen sie allerdings in den Bereich des Garm-Dominiums vor, einem Volk, das fast wie ein außerirdisches Spiegelbild der aggressiv expandierenden Menschen wirkt. Ein zukünftiger Konflikt war absehbar und hat die Erde an den Rand der atomaren Vernichtung gebracht. Danach schlossen die beiden Rassen einen brüchigen Frieden.

Zu Beginn des Romans wird der ehemalige Raumsoldat Wyngate von einer schönen Frau zum Drogenkonsum animiert. Er lehnt das Angebot brüskiert ab. Dann ergreifen ihn Agenten des Geheimdienstes. Anscheinend interessieren sich die einzelnen Gruppen sehr für ein Ereignis aus seiner Vergangenheit. Sein jahrelanger Freund ist nach einer Geheimmission mit seinem Raumschiff abgestürzt und hat auf einen kleinen Zettel ein geheimnisvolles Wort und Wyngates Namen geschrieben. Das Problem ist nur, das sich Wyngate an nichts erinnern kann.
Inhaltsangabe von Thomas Harbach

Der inhaltlich erste Teil der beiden Hagar Wyngate-Romane, der zweite erschien als TERRA 497. Inhaltlich ist es ein typischer Agentenroman der damaligen Zeit, der Held weiss ebenso wie der Leser zunächst gar nicht, worum es eigentlich geht und muß nach und nach die Verwicklungen aufklären. Wäre nicht weiter bemerkenswert, wäre nicht der unbedingte Friedenswille des Autors hier klar und deutlich in jeder Zeile zu spüren. Der Krieg zwischen Menschen und Garm wird als absurd und gesellschaftsschädlich dargestellt, Wyngate ist ein Veteran, der nach seinem letzten Einsatz zu einem erheblichen Teil mit Prothesen versorgt werden musste und die Freidensgespräche werden als überaus positiv dargestellt. Ein gelungener Abschluß der TERRA SF-Reihe.

Uwe Weiher : Männer der Zukunft - Conrad Shepherd

Montag, 8. Juni 2015

Terra SF inside - Der Perry-Rhodan-Con 1967

Einen ausführlicheren Bericht über den Perry-Rhodan-Con 1967 in Frankfurt findet man auf der LKS von Heft 540 vom 29.09.1967. Hier erzählt Wolfgang Kempe, der Vorsitzende des PR-Clubs Frakfurt/Main, wie er das Treffen erlebt hat :

TERRA SF 554 - Clark Darlton : Die Gravitationssonne


Clark Darlton : Die Gravitationssonne
Hurricane 11
Terra SF 554, 29.12.1967
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Die TERRA-Serie neigt sich dem Ende zu, aber bevor sie zusammen mit TERRA EXTRA in TERRA NOVA mündet kommen nochmal zwei sehr gute deutsche Romane, die exemplarisch den hohen Stand deutscher SF der damaligen Zeit belegen. Der erste ist der letzte der HURRICANE-Reihe. Bill Hawkins und Ted Ringer erkunden zusammen mit Wissenschaftlern und Militärs der Erdregierung ein Black Hole.

Keine Kämpfe, keine Action, nur Sense of Wonder. Und Clark Darlton gelingt es, damit einen kurzweiligen Roman zu füllen. Das alleine ist schon faszinierend. Noch interessanter aus heutiger Sicht ist die Darstellung des Black Holes, hier als "Gravitationssonne" bezeichnet. Man merkt hier sehr deutlich, wie stark sich das Wissen von damals von den heutigen Erkenntnissen unterscheidet. Allein die Tatsache, daß ein Planet um das Black Hole kreisen könnte, auf dem sich außerirdisches Leben in menschlicher Form entwickelt hat, ist aberwitzig. Aber passt wunderbar in die positiv-optimistische Stimmung, die Clark Darlton mit diesem Roman verbreitet.

Übrigens : Würde der Autor nicht vorne auf dem Cover stehen, könnte man alleine anhand der Namen der Nebenfiguren ziemlich präzise auf Walter Ernsting als Urheber schließen. Einer davon heisst nämlich Bings, so benannt nach Henry Bingenheimer. Der andere heisst Artner, ein weiteres Pseudonym von Walter Ernsting, das er für Kollaborationen mit Ulf Miehe nutzte.

HURRICANE-Zyklus
01 - UTOPIA stirbt
02 - Planet der 1000 Wunder
03 - Stadt der Automaten
04 – Das Raum–Zeit Experiment
05 – Der Eisenfresser
06 – Rastor3 – senden Sie!
07 – Das Geheimnis der Handelsflotte
08 – Kosmischer Schwindel
09/10 – Das Riff der Andromeda
11 – Die Gravitationssonne
TERRA SF inside - Clarke Darlton über die "Hurricane"-Romane
Thomas Harbach - Clark Darltons HURRICANE-Zyklus


Daß hier nicht zu jedem Roman ein Link vorhanden ist, liegt zwar einerseits daran, daß mir die Hefte fehlen (02 & 06), andererseits aber auch daran, daß die Romane um die Hurricane nicht alle bei TERRA erschienen sind, sondern auch bei UTOPIA (alle anderen nicht verlinkten). Und die habe ich ja noch nicht gelesen. Außerdem sind alle Hefte bei TERRA EXTRA erschienen, eine Serie, die ich demnächst in Angriff nehmen werde.

Sonntag, 7. Juni 2015

Terra SF inside - Perry Rhodan im Bild (02)

In Heft 538 vom 15.09.1967 sind auf den Seiten 64 und 65 Auszüge aus dem Heft 002 der Comic-Reihe "Perry Rhodan im Bild" abgedruckt :


Auch künstlerisch eine faszinierende Reise in die Vergangenheit.

TERRA SF 553 - Robert Tralins : Invasion der Kosmozoiden


Robert Tralins : Invasion der Kosmozoiden (The Cosmozoids)
Terra SF 553, 22.12.1967
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1966
Aus dem Amerikanischen von Marlen Scherm
Titelbild : Karl Stephan


Also das Heft ist Schrott, darüber lohnt es sich überhaupt nicht, weiter drüber zu sprechen. Eine Amazon-Rezi bringt es präzise auf den Punkt :
Terrible cliche outer space invasion written in 1960's pulp style. Jim the astronaut is the hero, and his damsel is the deferring Dottie. Not only is the writing bad, the science is plain wrong. Jim has developed psychic powers from being in space, and they are just the thing to combat this weird alien invasion of Cosmozoids lead by an evil Cosmopath. Alien goo and mind control play big roles. Parts were so bad I laughed, but overall I disliked the book and can't recommend it.
Quelle

Interessanter als dieser Roman scheint mir der Autor selber zu sein. Robert Tralins (1926-2010) schrieb in diversen Genres, meistens Sex-Versionen der eigentlichen Genre-Konventionen (SFE-Eintrag). Am bekanntesten ist Robert Tralins offenbar als Ghostwriter und Memoirenschreiber gewesen. In den 60ern veröffentlichte er die Memoiren der Madame eines Nobelbordells, in dem u.a. angeblich auch der ägyptische König Farouk verkehrte. Tralins gewann einen Rechtsstreit gegen den König, in dem sich dieser über die in dem Buch "Pleasure was my Business" aufgestellten Behauptungen zu wehren versuchte. (Link / Link)

In jedem Fall ist "Invasion der Kosmozoiden" der einzige ins Deutsche übersetzte SF-Roman von Robert Tralins und ich glaube, das ist auch ganz gut so.

Samstag, 6. Juni 2015

Terra SF inside - SFCD- und Perry-Rhodan-Con

Auf der LKS von Heft 538 vom 15.09.1967 berichtet Walter Ernsting vom Besuch zweier Cons. Soweit ich das sehen kann, hat sich da in 50 Jahren nicht soviel geändert ...

TERRA SF 552 - Hans Kneifel : Das Syndikat der Mächtigen


Hans Kneifel : Das Syndikat der Mächtigen
Die interstellaren Freihändler 08
Terra SF 552, 15.12.1967
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Also die Dinger sind echt schwer zu lesen. Dieser Roman ist zwar eher schon Kneifelsch, aber auch immer noch weit weg von der Qualität seiner sonstigen Romane dieser Zeit. Inhaltlich allerdings eine absolute Katastrophe : Die Interstellaren Händler sind reich geworden und leben gemütlich vor sich hin. Um die Gruppe aufzurütteln, verbündet sich einer der Händler mit einem galaxisweiten Verbrechersyndikat und lässt seine Freunde entführen. Den Rest dieser abstrusen Geschichte spare ich mir, es lohnt sich auf jeden Fall immer noch nicht, die Reihe weiter zu lesen.

Die interstellaren Freihändler
01 - Freihändler der Galaxis
02 - Die Milliarden von Aikmon
03 - Die Jäger der goldenen Pelze
04 - Wettlauf in der Galaxis
05 - Geheimauftrag für Ronrico
06 - Der Kampf um das Vulkan-System
07 - Die unheimlichen Feinde
08 - Das Syndikat der Mächtigen

Freitag, 5. Juni 2015

Terra SF inside - Perry Rhodan im Bild (01)

1967 war nicht nur das Jahr des Perry-Rhodan-Films, es war auch das Jahr als die Perry-Comic-Serie begann. Hier eine Ankündigung aus Heft 536, Seite 64, vom 01.09.1967 :


Im der darauffolgenden Woche, genauer auf der Rückseite von Heft 537 vom 08.09.1967, wurde dann massiv für die neue Reihe geworben :

TERRA SF 551 - Ivan Howard (Hrsg.) : Der Mensch und das Universum



Ivan Howard (Hrsg.) : Der Mensch und das Universum (Novelets of Science Fiction)
Terra SF 551, 08.12.1967
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1963
Aus dem Amerikanischen von Birgit Ress-Bohusch
Titelbild : Karl Stephan

enthält die Kurzgeschichten
Arthur C. Clarke : Das Vermächtnis des Schwarms (The possessed, 1953)
Lyon Sprague De Camp : Der Gott mit dem Pfeifchen (Ultrasonic god, 1951)
Lester Del Rey : Der Diktator (I am tomorrow, 1952)
Milton Lesser : "A" wie Androide ("A" as in android, 1951)
Frank Belknap Long : Die Furcht vor dem Dunkel (Night fear, 1953)
Clifford D. Simak : Die grosse Wahrheit (...And the truth shall make you free, 1953)

es fehlen die Stories
Poul Anderson : The Chapter Ends • (1954)
James Blish : Testament of Andros • (1953)


Ivan Howard gab in den 60ern zehn Anthologien bei Belmont heraus, von denen drei ins Deutsche übersetzt wurden. Neben der vorliegenden sind dies Terra 452 und das TERRA Taschenbuch 175. Ebenso wie die frühere Anthologie kann ich auch diese hier nur empfehlen, sie bringt eine schöne Auswahl lesenswerter Stories.

Milton Lesser : "A" wie Androide
Aliens beginnen, getarnt als Tanzmädchen von Hyperion, eine Invasion der Erde. Unser Held, eine Inspektor der Androidenbehörde, die hinter den Tanzmädchen illegale Androiden vermutet, wird von den Aliens überwältigt und selbst in einen Androidenkörper versetzt. Als Android hat er keine Rechte, niemand glaubt ihm und so muß er der schleichenden Übernahme der Erde tatenlos zusehen.
Stilistisch nicht so der Bringer, Milton Lesser war eben keiner der ganz großen Autoren. Inhaltlich dagegen ist die Story ausnehmend gut gelungen, Naivität und rassistische Ausgrenzung werden schön und präzise dargestellt.
SFE-Eintrag

Clifford D. Simak : Die grosse Wahrheit
Eine vergessene Story aus dem "City"-Zyklus, melancholisch und bitter. Es wundert mich nicht, daß Simak am Ende "City" doch anders ausgelegt hat.
Mensch, Kugel, Hund und Spinne landen auf der lange verschollenen Erde. Im Universum spielt der Mensch nur eine Nebenrolle, ein geschickter Bastler eben, alle anderen Rassen sind ihm überlegen. Die Erde ist nicht leer, das Erkundungsteam trifft auf in einfachsten Verhältnissen lebende Menschen. Der Mensch des Teams erfährt die Wahrheit und den Grund, warum die Menschen eben nicht die Galaxis erobert haben. Auf dem Höhepunkt der menschlichen Zivilisation baute die Menschheit einen Gigantcomputer und fragten ihn nach dem Sinn des Lebens. Und die Antwort war : Es gibt keinen, alles ist irrelevanter Zufall. Deshalb zogen sich die Menschen in sich selber zurück und wurden ein "einfaches Volk". Den anderen Rassen haben sie dies nie gesagt und werden es auch nie sagen.
Wie ich oben schrieb, sehr bitter und melancholisch, depressiv und absolut pessimistisch. Doch alles in dem von Simak gewohnten genialen Stil, so daß die Lektüre trotzdem ein echter Genuß war.
SFE-Eintrag

Frank Belknap Long : Die Furcht vor dem Dunkel
Der kleine Johnny stellt fest, daß sein jetziger Lebensbereich nicht wirklich sein Zuhause ist. Das stimmt, denn er lebt auf dem Mond.
Unprätentiöse Geschichte, ein echter Lückenfüller. Daß sie trotzdem nicht langweilig wird, liegt an dem Präzise auf eine Pointe hinarbeitenden, leicht horrormäßigem Stil, den Long meisterhaft beherrscht.
SFE-Eintrag

Arthur C. Clarke : Das Vermächtnis des Schwarms
Vor Äonen (also echt schon lange her) hat ein Schwarm außerirdischer Viren die Erde gefunden. Sie degenerierten zu Lemmingen.
Bedeutungsschwanger geschrieben, die Auflösung ist eher fade. Stark in den beginnenden 50ern verhaftet, ist die Geschichte heutzutage eher veraltet. Kann man lesen, muß man aber nicht.
SFE-Eintrag

Lyon Sprague De Camp : Der Gott mit dem Pfeifchen
Eine von de Camps herrlich ironischen Geschichten über die Menschheit im Weltall. Die Menschen haben alle ihre irdischen Macken mitgenommen und müssen oft genug vor sich selber gerettet werden. So auch hier, wo ein Held einen Diktator stürzt, der die eingeborenen Lebensformen unterdrückt. Unser Held kriegt auch die hilflose Maid, die von diesem Diktator gefangengehalten wurde - und kann am Ende nichts anderes tun, als sich schnellstmöglich einen anderen Einsatzort weit weg von ihr zu besorgen. Denn sie ist das Klischee eines Social Justice Warriors, mit dem man nicht zusammenleben kann.
De Camps Stories haben vielfach (immer ?) einen starken selbstironischen Unterton. Denn der Autor war im Gegensatz zur Campbell-Gruppe der Meinung, daß die Menschen insbesondere ihre schlechten Angewohnheiten mitnehmen, wenn sie in eine andere Umgebung gelangen. Egal, ob in einem Fantasy-Ambiente oder in einer hochtechnisierten Zukunft, die Macken der Menschen bleiben immer gleich. Und de Camp malt in seinen Geschichten genüßlich aus, was denn das für Konsequenzen hätte. Dies ist zeitlos, so daß eigentlich alle seine Geschichten auch heute noch amüsant und lesbar sind.
SFE-Eintrag

Lester Del Rey : Der Diktator
Absolute Macht korrumpiert absolut. Das zeigt Lester del Rey sehr elegant in dieser Zeitreise-Story, in der der "Held" selbst mit den besten Vorsätzen nicht verhindern kann, der von allen verhasste Diktator der Welt zu werden. Wenn auch die Frauenrollen deutlich auf die Zeit, in der die Geschichte geschrieben wurde, hinweisen, so ist der Rest doch angenehm frisch und noch heute eine nette Lektüre.
SFE-Eintrag

Donnerstag, 4. Juni 2015

TERRA SF inside - Festival des phantastischen Films Triest 1967

Das Festival des phantastischen Films in Triest gibt es schon lange, genauer gesagt seit 1962. In diesem Jahr findet es im Oktober/November statt (Link), 1967 lief es vom 08. - 15. Juli. Walter Ernsting war dabei und hat über seine Eindrücke auf der LKS von Heft 534 vom 18.08.1967 berichtet :


Also ich kenne keinen der angesprochenen Filme, können ein paar der Cineasten dazu vielleicht etwas sagen ?

TERRA SF 550 - Alan E. Nourse : Die Schwelle zur anderen Welt

Alan E. Nourse : Die Schwelle zur anderen Welt (The Universe Between)
Terra SF 550, 01.12.1967
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe ANALOG 1951
Fix-up McKay 1965
Titelbild : Karl Stephan


To save Earth, Bob Benedict must venture once more into the invisible, dangerous world of The Thresholders. If he fails to return — sane — Earth, and all those who inhabit the planet, will be hurled into oblivion.
Klappentext des Kindle-eBooks

An exploratory push past the point of absolute zero opens a door to a bizarre, parallel universe. Seventeen-year-old Gail Talbot is the last to enter it and the only one to return intact. She turns thumbs down on the frantic men of science and keeps the secret of what she saw there, realizing that no adult mind, even her own, could cope with it. But eventually she passes her knowledge on to her son, who some twenty years later must act as liaison between the two worlds when science once mere tears the fabric between them. The result of this new breakthrough is catastrophic until Robert manages to communicate with the "Threshholders" and an agreement is reached. The ""Universe Between"" becomes a channel for matter transference and man gains the stars as well as new resources for a depleted earth. But there are some startling problems and some even more astonishing discoveries in store. Highly imaginative; posits some challenging concepts to the young scientist.
Kirkus Review, 08.10.1965

Daran, daß die Kirkus Review zu einem erheblichen Teil aus der Inhaltsangabe besteht, merkt man schon, daß der Roman nicht ganz so prickelnd ist. Er ist eben aus den frühen 50ern, Dutzendware, oberflächliche Charaktere und eine wilde wissenschaftliche Story. Aber man langweilt sich nicht, Alan E. Nourse ist ein großartiger Geschichtenerzähler. Und obwohl er keiner der ganz Großen ist, habe ich bisher noch jeden Roman von ihm gerne gelesen.

Ich möchte an dieser Stelle einmal etwas anderes ansprechen, nämlich einen der Gründe, warum ich so gar keine Probleme mit den Perry-Rhodan-Silberbänden habe. Dies sind überarbeitete und modernisierte Buchversionen der Heftromane, von den Autoren (Willi Voltz, Horst Hoffmann, Hubert Haensel) selbst bearbeitet. Hardcore-Heftroman-Fans sprechen hier von "Geschichtsklitterung" und "Zensur". Ich habe das nie so gesehen - weil mir immer bewusst war, daß derartige Fix-Ups klassischer Standard waren, den auch und gerade die großen Autoren immer wieder gerne gemacht haben. Hier ist es Alan E. Nourse, ein anderes Beispiel ist A. E. van Vogt, der die Technik innerhalb der SF sozusagen entwickelt hat :
In Reflections of A.E. van Vogt: The Autobiography of a Science Fiction Giant, with a Complete Bibliography (1975), van Vogt uses the term "fix-up" (or Fixup) in the sense which we have adopted for this encyclopedia: a book made up of previously published stories altered to fit together – usually with the addition of new cementing material – the end product being marketed as a novel. It is possible that van Vogt invented the term for, although fixups are not unknown outside sf, the peculiar marketing circumstances of the genre in the USA encouraged their creation, and certainly van Vogt wrote (or compiled) more fixups than any other sf writer of stature. It was during his time of relative inactivity as a creator of original material – the 1950s and early 1960s – that he began producing these numerous fixups, including titles already mentioned (see above). Further fixups incorporating Golden-Age material include >The War Against the Rull< (stories April 1940-February 1950 Astounding; fixup 1959), >The Beast< (stories July 1943-April 1944 Astounding; fixup 1963; vt Moonbeast 1969) and >Quest for the Future< (stories January 1943-July 1946 Astounding; fixup 1970).
SFE

Auch "The Universe Between" ist ein Fix-up, das Original wurde in zwei Teilen 1951 in ANALOG veröffentlicht. Man merkt es dem Roman an, daß er zusammengeschustert wurde, es ist ein definitiver Bruch enthalten. Aber der Autor (!) hat das Teil so zusammengeschrieben, die obige Kirkus-Kritik bezieht sich auch auf das FixUp-Buch. Von daher denke ich immer, was van Vogt und Alan E. Nourse Recht war, sollte auch für "Perry Rhodan" gelten. Und deshalb hatte und habe ich überhaupt keine Probleme mit deutschen oder angloamerikanischen FixUps.


Einen ausführlichen Artikel über Alan E. Nourse von Don D'Ammassa mit vielen Kommentaren zu seinen Büchern findet man hier