Donnerstag, 27. Februar 2014

Perry Rhodan 2732 - Uwe Anton : Der Hetork Tesser


Uwe Anton : Der Hetork Tesser
Perry Rhodan 2732, 20.12.2013
Originalausgabe
Titelbild : Swen Papenbrock


Perry und Bostich treffen in ihrem Gefängnis auf einen mitgefangenen Laren und einen Wurm, der sich ins Gehirn eines Wesens einklinken und deren Erinnerungen verändern kann. Sie fliehen, dabei verliert Bostich einen Arm.
Details

Perry und Bostich treffen also auf dem Gefängnisplaneten einen Laren. EINEN LAREN ??? Da scheint jemand in der Autorenrunde ja echt Mut zu haben, sich einen der besten Zyklen der PR-Geschichte wieder herzunehmen. Das ist gefährlich, sehr leicht rutscht man da in nostalgischen Nonsens hinein.

Nach 3459 begann die Herrschaft des Konzils der Sieben in der Milchstraße. Sie endete im Jahre 3585, als die Laren in den Dakkardimballon eindrangen, aus dem es keine Rückkehr für sie gab. In der Folge zerfiel das Konzil der Sieben. Machtstrukturen, die jahrhundertelang Bestand hatten, existierten nicht mehr. Die Existenzgrundlage der Laren war somit nicht mehr vorhanden. Als Hauptverantwortlichen für diese Geschehnisse betrachteten die Laren den Terraner Perry Rhodan. Er wurde zu einer mythischen dunklen Zerstörergestalt stilisiert, der als Hetork Tesser bezeichnet wurde.
Perrypedia

Soso, Perry ist also der Schwarze Mann der Laren.
Weil er das Konzil kaputtgemacht hat.
Wie geil ist das denn ?

Uwe Anton, Jahrgang '56, ist im gleichen Alter wie ich, er scheint den Aphilie-Zyklus auch als Fan begeistert gelesen zu haben. Hier gelingt ihm sehr elegant der Spagat zwischen Nostalgie und Moderne, er erzählt eine Geschichte, die einerseits spannend ist und die aktuelle Handlung weitertreibt, andererseits bei Uraltlesern Reminiszenzen vor dem geistigem Auge aufsteigen lassen. Dabei legt er großen Wert auf den Sense of Wonder, den er logisch, in sich und mit der Serie konsistent liebevoll in den Roman integriert. Mit diesem Stil setzt er Maßstäbe bei der Behandlung der Konzil-Historie, an die sich auch andere Autoren halten.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Perry Rhodan 2731 - Michael Marcus Thurner : Gefängniswelten


Michael Marcus Thurner : Gefängniswelten
Perry Rhodan 2731, 20.12.2013
Originalausgabe
Titelbild : Alfred Kelsner


Auf der Suche nach den Gefangenen des Atopischen Tribunals klappert die KRUSENSTERN die Dunkelsterne ab. Hier halten die Onryonen Perry und Bostich gefangen - angeblich. Als auf einem Dunkelstern-Gefängnis die Ausstrahlungen von Zellaktivatoren angemessen werden, machen sich Gucky, Icho Tolt und Avan Tacrol zusammen mit einigen Mechano-Posbis auf, die Gefangenen zu befreien. Doch diese haben schon selbst die Flucht ergriffen, die angepeilten Ausstrahlungen stammen von Zellaktivator-Attrappen.
Details

Aus irgendwelchen Gründen konnte mich dieser Roman nicht mitreissen. Wahrscheinlich persönliche Tagesform, denn interessant und spannend ist er allemal. Sehr gelungen fand ich die "Landung" der Haluter auf dem Dunkelstern-Planeten, selten wurde die andere Physiologie dieser Wesen so gelungen dargestellt. Aber irgendwie fand ich das Ende doof - wobei das im Hinblick auf die folgenden Romane aber genau so sein musste. Das dürfte auch eines der "Probleme" sein : Der Zyklus ist noch nicht zuende, erst im Nachgang wird deutlich werden, wie gut einige Romane tatsächlich sind. Und auch dieser Roman ist sozusagen der Wegbereiter für die folgenden Hefte, mit denen sich die Autoren zu neuen Höhen aufschwingen. Von daher sorry, MMT, in der Kenntnis der Folgehefte kann ich Deiner Leistung nicht die gebührende Achtung schenken.

TERRA SF 297 - Kurt Brand : Der Ewige


Kurt Brand : Der Ewige
Weltraumreporter 01
Terra SF 297, 02.08.1963
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Mehrere journalistische Pannen zwingen den Weltraumreporter Yal, nochmals die "Schulbank" in der anonymen Nachrichtenabteilung der 1. Planetary Press Corporation, der bedeutendsten Nachrichtenagentur der Galaxis, zu drücken. Dann jedoch erhält er direkt vom ersten Vorsitzenden die Chance, das Rätsel eines uralten Geheimnisses zu lüften, und diese Gelegenheit lässt sich Yal nicht entgehen ...
Klappentext der Mohlberg-Ausgabe

Es gibt viele Sachen von Kurt Brand, die mir nicht so gefallen. Die Geschichten um Yal, den Weltraumreporter, gehören nicht dazu. Durch die Bank weg sind alle Romane spannende Geschichten, der Sense of Wonder ist in jeder Zeile deutlich zu verspüren. Das beginnt schon hier, mit dem ersten Teil der Romane um Yal, den Kurt Brand abwechselnd als auktorialer Erzähler und aus der Innenansicht des Weltraumreporters erzählt. Dies gibt dem Roman einen ganz eigenen Stil, der auch nach 50 Jahren nicht veraltet ist. Ganz im Gegensatz zu der Technik, die man nur mit einem nostalgischem Auge betrachten kann. Aber die Technik spielt auch keine Rolle für die Stories, es geht um die Menschen und ihre Geheimnisse.

Die Romane um Yal, den Weltraumreporter, wurden in den 80ern bei Bastei neu aufgelegt. Da kam ich zum ersten Mal in Berührung mit diesen Brandschen Meisterleistungen und war von Anfang an begeistert. Sie jetzt wiederzulesen macht wahnsinnig Spaß, ihre Klasse wird im Kontext der TERRA-Hefte erst richtig deutlich. Sehr angenehm auch, daß der Mohlberg-Verlag diese neu aufgelegt hat, und zwar - im Gegensatz zu den Bastei-Ausgaben - komplett inklusive einer bisher unveröffentlichten Geschichte.

Dienstag, 25. Februar 2014

Perry Rhodan 2730 - Oliver Fröhlich : Das Venus-Team


Oliver Fröhlich : Das Venus-Team
Perry Rhodan 2730, 13.12.2013
Originalausgabe
Titelbild : Arndt Drechsler


Einer Einsatztruppe des TLD gelingt es, sich Zutritt zum Schiff des Jaj Leza Vlyoth zu verschaffen. Kapern können sie es nicht, es zerstört sich selbst.
Farye Sepheroa, die in Perrys Haus in Terrania wohnt, erlebt die ersten Aktionen des Techno-Mahdi. Sie freundet sich mit Gucky an und zusammen mit Icho Tolot und Toyo Zindher gehen sie auf die Krusenstern, um Perry und Bostich zu finden
Details

In der Zwischenzeit habe ich die PRs weitergelesen. Zuerst den Roman des neuen Autors zuende. Sehr angenehm, sehr spannend, hat mir ausnehmend gut gefallen. Oliver Fröhlich erzählt hier eine packende Geschichte ohne Längen, obwohl der Roman einen Zeitraum von einem Jahr überspannt. Makellos, den Autor werde ich mir merken.

TERRA SF 296 - Theodore R. Cogswell : Die Mauer um die Welt


Theodore R. Cogswell : Die Mauer um die Welt (Story-Sammlung)
Terra SF 296, 26.07.1963
Aus dem Amerikanischem von M. Daenner und R. Rose
Titelbild : Karl Stephan

enthält die Stories
Der Generalinspekteur (The Spectre General, 1952)
Invasionsbericht (Invasion Report, 1954)
Die Mauer um die Welt (The Wall around the World, 1953)
Wolfie (Wolfie, 1954)


Dies ist die eine Hälfte der Story-Sammlung "The Wall around the World" von Theodore Cogswell. Die einzige deutsche Ausgabe. Was eine ziemliche Vernachlässigung dieses Autors ist, die Geschichten sind samt und sonders genial.

Das fängt schon mit den Inhalten an. In "The Spectre General" erzählt Cogswell von einer Instandsetzungskompanie des Imperiums, die seit 500 Jahren auf einem unbewohntem Hinterwäldlerplaneten gedrillt wird, inzwischen in x-ter Generation. Dumm nur, daß das Imperium vor 450 Jahren auseinandergefallen ist und der Weltraum von Bürokraten, Verwaltungshengsten, Intriganten und Warlords beherrscht wird.

Oder die Geschichte "Invasion Report", in der eine Horde von Rotznasen sich Pappies Weltraum-Scooter für eine Spritztour nehmen. Sie treffen auf Außerirdische, die, als sie die Erdkinder mit ihren Masterblastern spielen sehen, ganz eingeschüchtert wieder abziehen. Das waren nämlich ET-Kinder, die sich vor den mächtigen Terranern echt gefürchtet haben.

In "Wolfie" versucht der Protagonist, sich die Dienste eines Zauberers zunutze zu machen, um an sein Erbe zu kommen. Dazu lässt er sich mit Wolfsblut aus der Tierklinik und einem Zauber in einen Werwolf verwandeln. Allerdings gab es da in der Tierklinik ein Mißverständnis, er bekam kein Wolfsblut, sondern das Blut von Wolfie, einem verfetteten Pudel ...

Das Ganze ist in einem flüssigem Stil geschrieben, die Charaktere werden samt und sonders detailliert und präzise dargestellt. Ansonsten wäre eine so lyrische Geschichte wie "The Wall around the World" auch sehr schwierig zu lesen, denn diese Story lebt allein von der Stimmung. Insgesamt habe ich mich köstlich amüsiert, bedauerlich, daß in den vergangenen 50 Jahren nichts mehr von diesem Autor in Deutschland veröffentlicht wurde.


Montag, 24. Februar 2014

TERRA SF inside - Tom und Jerry

Ich glaube, für diese Werbung auf der Rückseite von TERRA 049 vom 30.01.1959 braucht es keine Kommentare. Ich lasse einfach einmal die nostalgischen Erinnerungen unbeschwerter Kindheitstage wirken ...

TERRA SF 295 - J. L. Powers : Vorstoß in die Galaxis


J. L. Powers : Vorstoß in die Galaxis (Black Abyss)
Terra SF 295, 19.07.1963
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1962
Originalausgabe 1960
Aus dem Englischem von Heinz Zwack
Titelbild : Johnny Bruck


Mit der Entdeckung des Hyperantriebs besaß die Menschheit endlich die Mittel, zu den Sternen hinauszufliegen. Vier Expeditionen waren bereits abgeflogen, als das fünfte Sternenschiff von Pluto startete. Ziel der Expedition war die Wega. Mit einer Besatzung aus Wissenschaftlern und Soldaten erreichten sie das Sonnensystem der Wega und stießen dort auf einen Planeten, der der Erde glich.

Und dann fanden sie ein Rätsel. Die Ruinen großer Städte, erbaut auf den Ueberresten zerschlagener Festungen - ein Beweis, daß eine große Rasse von Eroberern irgendwann einmal vor dreißigtausend Jahren auf diesem Wege gezogen war. Heute gab es kein Leben mehr auf diesem Planeten. Und als sie zur nächsten Sonne weiterzogen, fanden sie eine Zivilisation mit so fremdartigen Kräften, daß es beinahe einem einzelnen Eingeborenen gelungen wäre, sie zu vernichten und sich ihres Schiffes zu bemächtigen. Und immer noch blieb das Geheimnis, denn die Legenden des Planeten kündeten von einer Rasse von Göttern, die vor zwanzigtausend Jahren von den Sternen gekommen waren. Sie erreichten den Planeten einer roten Riesensonne und entdeckten dort eine Rasse von so unglaublich fremdartigen Geschöpfen, daß es gegen sie keine Verteidigung gab. Und erst hier lüftete sich das Geheimnis der Rasse, die vor Jahrtausenden ihren Eroberungszug zu den Sternen angetreten hatte.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Though much of his output, either solo or in collaboration, was hasty and unremarkable, he was always capable of more memorable work, especially perhaps in some early stories which showed the influence of A E van Vogt, and also in work published in his later years, no longer written within the draconian constraints of 1950s markets.
SFE

Diesem Zitat aus der SF-Enzyklopädie ist, wenn ich ganz ehrlich bin, wenig hinzuzufügen. Der Roman ist (jedenfalls vom heutigem Standpunkt aus) extrem vorhersehbar, die Charaktere werden eher holzschnittartig geschildert und in seiner sehr moralischen Darstellungsweise ist das Ganze auch bis zu einem gewissem Grad ziemlich langweilig. Laut SFE sollen ja einige der frühen und die späten Werke von J. L. Powers alias John S. Glasby relativ gut sein, dieser Roman ist es jedenfalls nicht. Und gerade im Vergleich zu den nächsten beiden TERRA-Heften fällt "Black Abyys" extrem ab.

Sonntag, 23. Februar 2014

TERRA SF inside - Ein Leserbrief

Ich lese die LKS der TERRA-Hefte ja immer mit großem Interesse. Hier fand weit vor dem Internet bereits eine intensive Diskussion zwischen Fandom und Redaktion statt. Manchmal ist diese Diskussion hochinteressant, manchmal stinklangweilig und manchmal merkt man, daß sich an den Einstellungen der Leser seit 50 Jahren nichts geändert hat. Und manchmal entdeckt man auch Historisches. Wie etwa die Teilnahme heutzutage berühmter SF-Schaffender und Fandom-Berühmtheiten an frühen SF-Wettbewerben. Oder eben diese LKS von Band 271 vom 08.02.1963, in der sich mit einem Leserbrief ein gewisser H. Gehrmann aus Köln zu Wort meldet. H. Gehrmann - ist das H. G. Ewers ?

TERRA SF 294 - H. G. Ewers : Intrige auf Chibbu


H. G. Ewers : Intrige auf Chibbu
Weltraumscout 01
Terra SF 294, 12.07.1963
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Lester Velie ist ein Weltraumscout. Mit seiner Tätigkeit dient er der Menschheit des Planeten Erde, der wegen akuter Überbevölkerung bald aus den Nähten platzt. Zusammen mit William, dem Roboter, der wie ein Mensch aussieht, durchstreift Lester in der kleinen, aber leistungsfähigen MEMPHIS entfernte Sektoren des Alls - immer auf der Suche nach Welten, die sich zur Besiedlung durch Terraner eignen. Dies ist die abenteuerliche Geschichte von Lester Velies Einsatz auf dem Planeten Heavy Water, dessen Bewohnern die Vernichtung droht.
Klappentext

Das erste Abenteuer des Weltraumscouts Lester Velie. Ewers sollte noch weitere sechs im Rahmen von TERRA und TERRA ASTRA folgen lassen. "Intrige auf Chibbu" ist noch in der DDR geschrieben worden, 1961 flüchtete Ewers und kam dann in Kontakt mit GMS. Dieser Roman hier ist also Ewers Debut. Und dafür liest er sich nicht schlecht. Zwar sind an einigen Stellen noch Ungeschicklichkeiten vorhanden, aber insgesamt ist der Roman flüssig und in sich konsistent. Die Figuren, allen voran der Weltraumscout und sein Roboter William, sind plastisch dargestellt und handeln logisch.

Hauptaugenmerk von Ewers in diesem Roman ist nicht der Konflikt, sondern die Verhinderung eines solchen. Damit hebt er sich wohltuend von seinen Zeitgenossen ab, der Kalte Krieg war in seiner Hochphase. "Intrige auf Chibbu" ist vielleicht nicht pazifistisch, aber in jedem Fall ein Antikriegsroman. Ich bin mal auf die weiteren Geschichten von Ewers gespannt, die in der Folgezeit noch bei TERRA veröffentlicht werden.

Samstag, 22. Februar 2014

TERRA SF inside - Wo Männer noch Männer sind

Auf der Rückseite von TERRA 022 war eine Werbung für ein anderes, damals extrem populäres Genre : MOEWIG-Wildwestromane wurden dort angepriesen. Wenn ich daran denke, wieviele Westernhefte ich damals gelesen habe ... Ich war ein echter Unger-Fan, den habe ich - analog zu Scheer - einfach verschlungen. Ernest Haycox, G.F. Barner, Louis L'Amour ... Und die Titelbilder erst. Ok, es gab auch die gut gezeichneten, aber mich haben als Kind immer die Film-Titelbilder fasziniert. Hatte schon was, diese Marotte der deutschen Western.

TERRA SF 292/293 - K. H. Scheer : Die kosmische Fackel



Karl Herbert Scheer : Die kosmische Fackel
Terra SF 292/293, 05.07.1963
Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1962
Titelbild : Karl Stephan


Er hieß Gord Melare, aber seine Freunde nannten ihn respektvoll "Hunty". Sein Spezialraumschiff "Damon" war genauso zuverlässig, wie die Männer seiner Crew verwegen waren. Hunty war Kosmonaut, Ingenieur und Tierfänger in einer Person und - er sah nicht ein, warum er den etwas rätselhaften Auftrag einer staatlichen Organisation nicht hätte annehmen sollen.

Als die "Damon" in die Tiefen des unerforschten Raumes vorstieß und der fremde Planet auf die Bildschirme sprang, beglückwünschte sich Gord Melare zu dem sauberen Manöver. Er und seine Männer waren frei, ungebunden und tatenhungrig. Ihre Heimat war der Raum zwischen den Sternen. Sie arbeiteten dort, wo es noch unbekannte Tiere gab. Es war ein gutes Geschäft, bis die "Damon" in die dichte Lufthülle jenes Planeten vorstieß, der auf den Karten nicht verzeichnet war.

Sie brachten ihre Fanggeräte in Ordnung und gingen hinaus in die finstere Nacht, um mit Energienetzen und Schockgewehren zu jagen. Es war aber nichts da, was einzufangen sich gelohnt hätte.

Gord Melare wurde erst argwöhnisch, als sich die flüsternde Stille über den Planeten senkte. Alles war ruhig und doch schien jedes Pflänzchen zu raunen.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Einer von Scheers Standard-Romanen, wenn man die letzten Abschnitte betrachtet, ist er offenbar unter Zeitnot geschrieben worden. Ebenso wie Thomas Harbach in seinen Kommentaren zu den UTOPIA-Bestsellern bin ich der Meinung, daß aus dieser Geschichte mehr herauszuholen gewesen wäre. Ich bin mir allerdings nicht klar, ob eben dies KHS nicht selber bewusst war. Denn mit "Die Männer der Pyrrhus" hat er bis zu einem gewissem Grad ein Remake dieses Romans geschrieben. Dort sind praktisch die gleichen Protagonisten vorhanden wie sie hier beschrieben werden, der grundsätzliche Plot ist auch ähnlich, bis zur Aufopferung des Helden und seiner Mannschaft für die Menschheit. Und während "Die kosmische Fackel" nur Scheerscher Durchschnitt ist, halte ich persönlich "Die Männer der Pyrrhus" für einen seiner besten Romane. Für KHS-Fans sind beide Romane ein Muß, insbesondere im direktem Vergleich.

Freitag, 21. Februar 2014

Thomas Elbel : Megapolis



Thomas Elbel : Megapolis
Selfpublisher 11/2013
Originalausgabe
476 Seiten, 12,95 €
eBook 3,99 €
Amazon-Link


Ende des 21. Jahrhunderts ist die Erde durch einen nuklearen Holocaust weitgehend zerstört. Die Menschheit bereitet ihren Exodus auf den Mars vor, wo die Novaten, künstliche Menschen, als Arbeitssklaven eine gigantische Stadt im Krater eines Vulkans errichten. Doch dann revoltieren die Novaten gegen das grausame Joch der menschlichen Herrschaft. Die wenigen überlebenden Menschen gehen in den Untergrund.

Der Novat Seth ist Mitglied der Jäger, deren Auftrag es ist, die letzten Menschen aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. Als er im Zuge dieser Jagd auf Tessa, die schöne Anführerin einer menschlichen Terrorgruppe, trifft, glaubt sie, in ihm den Sohn des irdischen Gründers der Marskolonie zu erkennen. Seth muss sich die Frage stellen, ob sein ganzes Leben auf einer Lüge gründet.
Klappentext

I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. Time to die.
Blade Runner

In der oberen Qualitätsklasse ist Thomas Elbel allemal, aber "Elysion" ist noch nicht der Roman, den ich für den DSFP nominieren würde. Das erwarte ich aber bei seinem nächstem Buch, "Megapolis".
mein Kommentar zu "Elysion"

Es ist immer schön, mit seinen Voraussagen Recht zu behalten. Nach dem sehr visuell orientiertem Anfangswerk Asylon und dem stärker auf die Geschichte konzentriertem Elysion hat Thomas Elbel in seinem jüngstem Werk beide Stränge miteinander verbunden und legt einen im wahrsten Sinne des Wortes HBO-Roman vor. "Megalopolis" ist derart visuell geschrieben, daß man die Szenen explizit vor seinem geistigem Auge hat. Die Protagonisten haben deutlich mehr Tiefe als in seinen bisherigen Romanen und der Plot ist deutlich vielschichtiger.

"Megalopolis" ist eigentlich Thomas Elbels erster Roman, den aber ("Das ist ja SF, igittigitt!") keiner der großen Verlage veröffentlichen wollte. Also schrieb Elbel die SF-Romane "Asylon" und "Elysion" und verkaufte sie den Verlagen als Dystopien, nach denen in der Nachfolge der Panem-Filme plötzlich lt. der Marketing-Abteilung ein gewisser Bedarf existieren sollte. Nachdem man sich da (wie üblich) etwas verrechnet hatte, war plötzlich das Interesse an Thomas Elbels neuem Roman bei diesen "Publikumsverlagen" nicht mehr vorhanden. Daher erschien "Megalopolis" in Eigenregie, neu überarbeitet, korrekturgelesen und lektoriert. Was allerdings einen kleineren Bug in der Geschichte nicht verhinderte. In der ersten Hälfte erzählt Lasse, daß er mitangesehen hat, wie die Novaten beim Aufstand seine Eltern umbringen. In der zweiten Hälfte ist Tessa aber mit Lasse allein auf der Erde, die Eltern sind offenbar schon lange gestorben. Der stört nicht weiter, fällt aber auf.

Im Nachwort erzählt Thomas Elbel einiges über den Werdegang des Romans und seine Intentionen. "Megalopolis" ist unter dem Einfluß und als Hommage an PKDs "Do Androids Dream of Electric Sheep" und dem Film "Blade Runner" entstanden. Ebenso wie Frank Haubold in seinen Schatten des Mars erzählt Thomas Elbel nicht eine ähnliche Geschichte, sondern hat den ganzen Roman über Philip K. Dick und sein Spiel mit den Identitäten im Hinterkopf. Das ergibt in "Megalopolis" eine spannende Geschichte, bis hin zum wunderbar passenden Epilog.

Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen. Ich fand es spannend, nicht-trivial und angenehm kurzweilig. Die bildhafte Darstellung, mit der Elbel sich hier zum wiederholten Male profiliert, ist das Tüpfelchen auf dem i. Ich werde diesen Roman für den DSFP 2014 nominieren und bin einmal gespannt, wie er meinen Jury-Kollegen gefällt.

TERRA SF inside - TERRA-Sonderbände

Seit April 1958 erschienen die TERRA-Sonderbände, die 1965 in das TERRA-Taschenbuch übergingen. Sie waren im Format "Taschenhefte", ein Format, das mit "Perry Rhodan Neo" in der SF wieder zu Ehren gelangt ist. Mit etwas mehr Inhalt konnten die Autoren etwas gehaltvollere Romane veröffentlichen und es wurde weniger gekürzt. Na komm, Heiko, etwas weniger war es schon. :-) Hier eine Werbung für die vierwöchentlich erscheinenden TERRA-Sonderbände aus TERRA 022 vom 06.06.1958 :

TERRA SF 291 - Hans Kneifel : Der 38. Sprung


Hans Kneifel : Der 38. Sprung
Terra SF 291, 28.06.1963
Originalausgabe
Titelbild : Karl Stephan


Auf dem Weg zur Kolonie Tanack havariert das Raumschiff COMA BERENICES. Auch der Hyperraumantrieb ist defekt, nur der lichtschnelle Normalantrieb geht noch. Bei der Erkundung der näheren Umgebung entdecken die Männer der COMA BERENICES einen Elektronensturm, der sich auf Tanck zubewegt und dort in etwa 80 Jahren eintreffen wird. Die Kolonisten sind in Lebensgefahr, die Raumfahrer entwickeln Kälteschlafkammern, in denen sie die 60 Jahre Bordzeit, die der unterlichtschnelle Flug nach Tanack dauern wird, überstehen können. Zur Wartung des Schiffs in dieser Zeit entwickeln sie Roboter ...
eigener Klappentext

Hätte gut werden können, der Roman. Ist er aber nicht. Hans Kneifel ist noch weit von seiner Topform entfernt, der Roman ist ziemlich hölzern, die Charaktere nicht wirklich plastisch und die Story-Line plätschert so ein bißchen vor sich hin. Dies liegt meiner persönlichen Einschätzung auch daran, daß Kneifel keine Führungspersönlichkeit in den Mittelpunkt gestellt hat. Seine Romane über Seymour Alcolaya, Jared Coln und insbesondere auch Atlan, von denen jeder unbestritten Führungsqualitäten hat, lagen ihm deutlich besser. Dies wird auch in "Der 38. Sprung" deutlich, betrachtet man die gegenüber dem Rest wesentlich plastischeren Passagen mit Vierzehn Nova, dem Anführer der Roboter.

Auch diesem Roman ist wieder eine Widmung nachgestellt : "Dieser Roman wurde nach einer Idee von Günter M. Schelwokat geschrieben." Ich frage mich, wieviel des Erfolgs von TERRA ebenso wie PERRY RHODAN eigentlich Schelwokat und Bernhard zu verdanken sind. Solche Widmungen, ebenso wie einige der Briefe, die Inge Voltz-Mahn in ihrer lesenswerten Online-Biographie veröffentlicht hat, deuten auf starke künstlerische Impulse aus dem Back-Office hin.

Eine Sache noch, die ich bemerkenswert fand : Die Besatzung des Raumschiffs bestand nur aus Männern, die Gleichberechtigung der Frau ist hier kein Thema. Das hatte ich früher schon anders gelesen, ein seltsamer Rückschritt.

Donnerstag, 20. Februar 2014

TERRA SF inside - "Frankenstein" von Rainer Eisfeld

Rainer Eisfeld ist hier in meinem Blog schon öfter aufgetaucht, allerdings nur als Übersetzer. Was ihm in keinster Weise gerecht wird, denn er ist einer der wenigen kritischen SF-Fans der ersten Stunde. Seine Reminiszenzen "Die Zukunft in der Tasche" und seine Artikelsammlung "Abschied von Weltraumopern" habe ich beide begeistert gelesen. Beide sind in dem kleinen, aber feinen Verlag Dieter von Reekens erschienen und meiner Meinung nach Standardlektüre für den deutschen SF-Fan. Die Inhalte werden am Besten durch die vollständige Titel beschrieben :

Die Zukunft in der Tasche
Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik. Die Pionierjahre 1955–1960
Abschied von Weltraumopern
Science Fiction als Zeitbild und Zeitkritik. Kommentare aus 25 Jahren

Ich muß mir auch unbedingt nochmal seine von-Braun-Biographie "Mondsüchtig" besorgen, mit der scheint er ja 1996 in ein Wespennest gestochen zu haben. Man merkt vielleicht, ich bin ein echter Fan von ihm. Und so war ich auch fasziniert, als ich im TERRA-Heft 022 auf einen Artikel stieß, den er verfasst hat. Da ist noch so überhaupt nichts von seinen erzählerischen Fähigkeiten zu merken, die seine Bücher zu Pageturnern machen, die Darstellung von "Frankenstein" im Film erschöpft sich in einer reinen Aufzählung. Trotzdem ist es faszinierend, auf derart uralte "Dokumente" zu stoßen.

TERRA SF 290 - Isaac Asimov : Die Ringe des Saturn


Paul French (= Isaac Asimov) : Die Ringe des Saturn (Lucky Starr and the Rings of Saturn)
Lucky Starr 06
Terra SF 290, 21.06.1963
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1958
Aus dem Amerikanischem von Heinz Zwack
Titelbild : Karl Stephan


Der Saturn, der zweitgrößte Planet des Sonnensystems, bietet mit seinen Ringen ein außergewöhnliches und beeindruckendes kosmisches Schauspiel. Zu ihm flieht ein Spion der Sirianer mit den wichtigsten Daten des terranischen Verteidigungssystems, die, in den falschen Händen, die Erde jedem Angriff schutzlos preisgeben. Lucky nimmt mit seinem schnellen Kreuzer, der "Shooting Starr", die Verfolgung auf. Aber der Spion bringt die Kapsel mit den Daten in eine Umlaufbahn irgendwo um den Saturn und zerstört sich mit seinem Schiff.
Klappentext der Bastei-Ausgabe

Der sechste und letzte Band der Lucky-Starr-Romane. Ein siebenter war zwar angeblich von Asimov noch angedacht, wurde aber nie geschrieben. Was vielleicht auch ganz gut war, denn die Qualität der Geschichten hat doch stark abgenommen. Hier, bei den "Ringen des Saturn" kann man auch schon nicht mehr von einem Jugendbuch reden, es fehlt die Leichtigkeit, die Naivität und der ungebremste Optimismus der ersten Romane. Kurz nach dem Start des sowjetischen Sputnik-Satelliten geschrieben, stellt der Roman hier doch deutlich das durch diesen ersten Satelliten im All das amerikanische Trauma dar und den Kalten Krieg in den Vordergrund. Der gesamte Roman ist ein einziges Taktieren gegen die Sirianer, die ihrerseits mit politischen Winkelzügen das terranische System zu destabilisieren versuchen.

Interessant auch hier wieder die Anklänge an die Elijah-Bayley-Geschichten. In Kapitel 10 gibt es einen Dialog mit einem Sirianer, der einerseits eine übervölkerte, am Rand der Hungersnot stehende Erde beschreibt und auf der anderen Seite die egalitäre Rassismus-Ideologie der Kolonialplaneten darstellt. Ich zitiere hier einmal den Auszug aus der englischen Wikipedia :

"We have kept our descent pure; we have not allowed the weaklings in, or those with poor genes. We have weeded out the unfit from among ourselves so that we are now a pure race of the strong, the fit, and the healthy, while Earth remains a conglomerate of the diseased and deformed. [...] To the Outer Worlds, Councilman Starr, Earth is a terrible menace, a bomb of sub-humanity, ready to explode and contaminate the clean Galaxy. We don't want that to happen; we can't allow it to happen. It's what we're fighting for: a clean human race, composed of the fit."

Starr, speaking for Asimov, retorts:

"Composed of those you consider fit. But fitness comes in all shapes and forms. The great men of Earth have come from the tall and the short, from all manner of head shapes, skin colors, and languages. Variety is our salvation and the salvation of all mankind".
Wikipedia

Es ist deutlich zu merken, daß Asimov von den Jugendbüchern weg hin zu der mehr erwachsenen Science Fiction von "Caves of Steel" gewandert ist. Was zu dem Lucky-Starr-Szenario in keinster Weise passt, das war doch gerade auch in den Archtypen wie beispielsweise Bigman Jones doch mehr für jüngere Leser angelegt.

Mittwoch, 19. Februar 2014

TERRA SF inside - TERRA-Werbung (II)

Ebenfalls in Heft 011 war eine Titelliste der bis dahin erschienenen Romane. Sie werden heutzutage auf ebay für 10-20 € angeboten. Hätte man wohl damals zuschlagen sollen ...

TERRA SF 289 - Kurt Mahr : Die Ratten


Kurt Mahr : Die Ratten
Terra SF 289, 14.06.1963
Originalausgabe
Titelbild : Johnny Bruck


Als letzter Überlebender einer Raumschiff-Havarie landet Lymmrick auf einem unbekannten Planeten. Die dort lebenden Menschen beten die Ratten an. Doch es sind nicht wirklich die Ratten, die den Planeten beherrschen ...
eigener Klappentext-Entwurf

Kurt Mahr wird mit jedem Roman, den ich im Rahmen der TERRA-Hefte von ihm lese, besser. Ein nicht geringer Einfluss darauf dürfte seine Übersiedelung in die USA im Dezember 1962 gewesen sein, denn "Die Ratten" enthält deutlich stärkere Anleihen bei amerikanischen Romanen als bei den deutschen. Dies zeigt sich einerseits an der Leichtigkeit, mit der Mahr die Geschichte präsentiert, ganz anders als die bedeutungsschwangeren Romane davor, andererseits am Thema außerirdischer Einflußnahme, das meiner Erinnerung nach etwa zu diesem Zeitpunkt in den Staaten en vogue gewesen ist. Auf jeden Fall ein netter, kurzweiliger Roman, den man auch heute noch mit Genuß liest.

Dienstag, 18. Februar 2014

TERRA SF inside - MOEWIG-Krimis

Die SF war Anfang der 60er ein neues Genre, ganz im Gegensatz zu alteingesesseneren wie etwa dem Kriminalroman. Hier eine Anzeige für MOEWIG-Krimis von Heft 011 vom 03.01.1958. Wenn ich Titel wie "Nachtclub zum Hahnenschwanz" oder "Ich suche Corinne" lese, läuft es mir kalt den Rücken runter ... :-)

TERRA SF 288 - R. Lionel Fanthorpe : Welt des Verderbens


R. Lionel Fanthorpe : Welt des Verderbens (Doomed World)
Terra SF 288, 07.06.1963
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1962
Originalausgabe 1960
Aus dem Englischem von Heinrich R. Arenz
Titelbild : Johnny Bruck


George Mallory wollte nichts anderes, als ein wenig auf die Jagd gehen. Er war ein ganz normaler Engländer in gewohnter Umgebung, bis sein Jagdausflug vom Anfang der größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte unterbrochen wurde - unmittelbar vor seinen Füßen zerschellte ein nicht von unserer Erde stammendes Raumschiff.

Das schreckenerregende Wesen, das aus dem Wrack hervorkam, sah so abscheuerregend aus, daß wohl kaum jemand vermutet hatte, es könnte sich hier um den Angehörigen einer intelligenten, kulturell hochstehenden und freundlich gesinnten Rasse handeln.

In seinem Schreck schoß Mallory, ohne lange zu fragen. Mit letzter Kraft belegte der Außerirdische die Erde mit einem wissenschaftlichen Fluch, dessen Auswirkungen außerhalb des menschlichen Begriffsvermögens lagen. Er gab eine Strahlung frei, welche die gesamte Tierwelt zum erbitterten und unversöhnlichen Gegner des Menschen machte. Der einzige Ausweg schien im Weltraum zu liegen - aber die fürchterliche Wirkung der kosmischen Strahlung griff den Verstand der Raumschiffsbesatzung an und hetzte sie in tödlicher Feindschaft gegeneinander. Wie wird der schreckliche Konflikt zwischen Mensch und Tier ausgehen?

"Welt des Verderbens" ist ein Science-Fiction-Meisterwerk aus der geübten Feder R. Lionel Fanthorpes - es braucht wohl kaum eine weitere Empfehlung.
Klappentext des BALOWA-Leihbuchs

Über Robert Lionel Fanthorpe habe ich schon früher etwas geschrieben : TERRA 223. Hier lässt er seine spätere Berufung deutlich durchscheinen und predigt dem Leser. An vielen Stellen belehrt er ihn über wissenschaftliche Tatsachen, diese Traktate sind nicht wirklich lesbar. Auch insgesamt empfand ich den Roman als ziemlich moralinsauer, da fehlte so vollkommen der Pep.

Interessant nur das Ende : Die Menschen haben die Erde an die intelligent gewordenen Tiere verloren und können sich nur noch in einer kleinen Enklave halten. Erinnert mich an deutlich spätere Zombie-Romane, in denen dieses Szenario praktisch Standard wurde.