Mittwoch, 30. September 2015

TERRA Sonderband 52 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt und die Seuche von Dara


Murray Leinster : Der Weltraumarzt und die Seuche von Dara (Pariah Planet)
Terra Sonderband 52, 16.03.1962
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe AMAZING 07/1961
Aus dem Amerikanischen von Horst Mayer
Titelbild : Karl Stephan


Der interstellare Gesundheitsdienst hatte Sternsektor 12 lange nicht überwacht und damit eine gefährliche Situation heraufbeschworen. Dr. Calhoun, der diesen Sektor vertretungsweise übernimmt, erkennt dies sofort, als er sich mit seinem kleinen Inspektionsschiff dem Planeten Weald nähert. "Tod allen Blauhäuten!" dröhnt es ihm aus dem Empfänger entgegen. "Ein typischer Fall von Hysterie", diagnostiziert Dr. Calhoun. Die Frage ist nur: Was kann ein Einzelner tun, um die Bevölkerung eines ganzen Planeten nachhaltig von dieser Hysterie zu befreien ... ?
Klappentext

Meinem persönlichem Geschmack nach bisher die beste der Calhoun-Stories um den galaktischen Mediziner und seinen Tormal. Zentrales Thema ist weniger die Krankheit, die den Planeten Dara vor Jahrzehnten heimgesucht hat, sondern die überbordende Hysterie, die in ihrer Absurdität starke faschistische Züge annimmt. Leinster erzählt dies straightforward, die Lösung eines großen Teils des Problems - die Hungersnot auf Dara wird durch die Kaperung von als Getreidesilos dienenden Raumfrachtern gelöst - ist mir allerdings zu wenig real, zu märchenhaft-optimistisch.

Wie ich beim letzten Mal, Band 49, bereits schrieb, gibt es alle Med Service-Geschichten online in der Baen Free Library. Die Herausgeber, Eric Flint und Guy Gordon, haben dazu ein sehr treffendes Nachwort verfasst :
To modern science fiction readers, the "dean of science fiction" is a reference to Robert Heinlein. But the phrase was actually first applied to Murray Leinster, and the unofficial title was one he carried for many years.

There were three reasons he enjoyed that accolade.

The first is simply his longevity as a writer. Leinster's first science fiction story, "The Runaway Skyscraper," was published in Argosy magazine in February of 1919. And he continued to publish science fiction stories for half a century thereafter.

The second reason is that Leinster, to a large degree, set the basic parameters for science fiction. He was the first writer—or, at least, the most important one—to establish such fundamental themes as "first contact" and "alternate history" and a number of other basic story lines in the genre.

In fact, in the stories which are collected in this volume, Med Ship, Leinster established the sub-genre of the "science fiction doctor story." That sub-genre, as with so many others which Leinster created, would be explored and expanded on by later writers. Alan Nourse's Star Surgeon and James White's very popular Sector General series are the direct lineal descendants of these stories—as is the current Stardoc series by S.L. Viehl.

The third reason he was called "the dean of science fiction writers," however, is the most important. Without it, the first two would be of only academic interest. Leinster was one of a handful of early science fiction writers who placed telling a story at the center of the stage, not "illustrating science in fiction." He, probably more than any other writer in the first decades of the twentieth century, transformed science fiction into a real genre of fiction. And that is why his work survives, and why we are re-issuing these volumes.

We began with his Med Ship stories, because those are probably the best known of his works to the modern audience. This edition, for the first time, contains all eight of the stories which Leinster wrote in that setting. In the next volume, Planets of Adventure, we will present more of the best stories which Leinster wrote. As the title suggests, these all have a common theme: adventures on other planets.

It seems a fitting title. By and large, it's fair to say that Leinster created that sub-genre also. Granted, Edgar Rice Burroughs' Barsoom novels were already coming into print when Leinster was still a teenager. But Barsoom, although it claims to be Mars, is not really a planet so much as the setting for a fantasy adventure. Leinster's planets—such as the planet on which Burl struggles against giant mutated insects in The Forgotten Planet, or the ones on which Colonial Survey Officer Bordman has his adventures—are those of a science fiction writer, not a fantasist.

In truth, it's hard to think of any branch of science fiction which Murray Leinster didn't pioneer. And write wonderfully entertaining stories in the process.

Think of him as "the dean of science fiction emeritus," if you wish. Or simply, as we do, as one of science fiction's all-time greatest story-tellers.

Ich kann den beiden da nur zustimmen. Und werde mich demnächst einmal nach den Stardoc-Geschichten von S. L. Viehl umsehen, ein Vergleich ist da sicher interessant. Falls die irgendjemand kennt, wäre ich für einen Kommentar dankbar.

"Pariah Planet" kam auch in 1961 als Buchausgabe unter dem Titel "This World is Taboo" überarbeitet in einer Extended Version bei ACE heraus. Bei gutenberg.org findet man beide Ausgaben. Wer sich das Ganze vorlesen lassen will, der sei auf das Hörbuch von LibriVox verwiesen.


TERRA SF inside - Autorenportrait Murray Leinster
TERRA Sonderband 49 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt
TERRA Sonderband 52 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt und die Seuche von Dara
TERRA SF 468 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt greift ein

Dienstag, 29. September 2015

TERRA Sonderband 51 - Jerry Sohl : Das Mars-Monopol



Jerry Sohl : Das Mars-Monopol (The Mars Monopoly)
Terra Sonderband 51, 16.02.1962
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1956
Aus dem Amerikanischen von Juergen Jasper
Titelbild : Johnny Bruck


Rennpilot Bert Schaun steht auf der schwarzen Liste, weil der große Thornton McAllister ihn für den Mörder seines Sohnes hält. Bert geht zum Mars, um sich den Nachstellungen McAllisters zu entziehen. Aber Berts Chancen sind nicht die besten, denn das MARSMONOPOL duldet keine Außenseiter. . .
Klappentext

Ich hatte abends im Hotel auf den Roman keine Lust und habe den folgenden von Murray Leinster vorgezogen. War ein Fehler. Jerry Sohl beschreibt hier handwerklich perfekt eine klassische New Frontier-Story, die praktisch über jeder Seite ganz groß "Verfilmt mich!" drüber stehen hat. Ein sehr einfache, zutiefst humanistische und dabei durchaus gesellschaftskritische (ok, oberflächlich, aber vorhanden) Geschichte, sehr plastisch erzählt, sehr visuell. Eine Liebesgeschichte mit einem strahlendem Helden, einer Frau mit Vergangenheit, bösen Konzernen, noch böseren Bösen und einem ganz gemeinem Plot - Jerry Sohl lässt eigentlich keinen Typus der damaligen Filmgeschichte aus. Wer also für Filme der 50er oder 60er schwärmt, sollte diesen Roman unbedingt lesen. Mir hat er Spaß gemacht, er war so angenehm straightforward und erinnerte in seiner humanistischen Darstellung der Guten stark an die klassischen "Enterprise"-Folgen - was wiederum nicht verwunderlich ist, Jerry Sohl zeichnet ja für mehrere davon verantwortlich.


TERRA Sonderband 10 - Jerry Sohl : Das vertauschte Ich
TERRA SF 321 - Jerry Sohl : Rebellion auf Herculum
Jerry Sohl bei gutenberg.org

Montag, 28. September 2015

TERRA Sonderband 50 - Martin Greenberg (Hrsg.) : Die Roboter und wir



Martin Greenberg (Hrsg.) : Die Roboter und wir (The Robot and the Man)
Terra Sonderband 50, 19.01.1962
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1953
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Manfred Schneider

enthält die Kurzgeschichten
John S. Browning (= Robert Moore Williams) : Das Licht (Burning bright, 1948)
Lester Del Rey : Die Götter lieben rauhe Scherze (Though dreamers die, 1944)
Lester Del Rey : In deine Hände (Into Thy Hands, 1945)
H.H. Holmes (= Anthony Boucher) : Die Androiden der Robinc (Robinc, 1943)
Joseph E. Kelleam : Rost (Rust, 1939)
Lewis Padgett (= Henry Kuttner & C. L. Moore) : Frage und Antwort (Deadlock, 1942)
Alfred Elton Van Vogt : Der letzte Befehl (Final command,1949)

nicht in der deutschen Ausgabe enthalten
John D. MacDonald : Mechanical Answer (1948)
Bernard Wolfe : Self Portrait (1951)
Robert Moore Williams : Robot's Return (1938)


Eine nette kleine Anthologie über Roboter. Liest sich zwar flüssig weg, aber gerade über dieses Thema bin ich doch von großen Stories verwöhnt. Asimov mit seinen Roboter-Geschichten oder Jack Williamsons "With Folded Hands" (später zum Roman Wing 4 aufgeblasen) setzten da doch ganz andere Maßstäbe. Von modernen Extrapolationen einmal ganz zu schweigen. Von daher fand ich die Geschichten zwar gut, aber ich kenne (deutlich) bessere.

Interessant ist aber, daß die MOEWIG-Redaktion als Jubiläumsband der TERRA Sonderbände eine Kurzgeschichten-Anthologie gewählt hat. Man merkt das Anliegen der Macher, in der damaligen SF-Szene die Kurzgeschichte als wichtigen Teil der SF im Fandom zu etablieren. Trotz des nicht gut gelaufenen GALAXY-Experiments gaben die Macher nicht auf - und setzten sich irgendwann auch dankenswerterweise durch.

Links
Joseph Everidge Kelleam (1913-1975) ist hier mit seiner ersten Kurzgeschichte "Rost" vertreten. Er hat nicht viel geschrieben, aber auf gutenberg.org ist sein Roman "Hunters Out of Space" vorhanden.

Zu Anthony Boucher gibt es hier einen lesenswerten Artikel von David Langford.

Eine wesentlich positivere Einschätzung der Anthologie findet sich, zusammen mit diversen Bildern der Originalausgabe, auf dem Gnome Press Blog von Aaron Raisey.




Mittwoch, 23. September 2015

TERRA Sonderband 49 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt



Murray Leinster : Der Weltraumarzt (The Mutant Weapon)
Terra Sonderband 49, 22.12.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1959
Aus dem Amerikanischen von W. Kohler-Eder
Titelbild : Johnny Bruck


Es war ein böser Schock für Dr. Calhoun, als die Mannschaft des Landegerüstes auf Maris III so überaus nachdrücklich zu erkennen gab, daß sie mit seinem Besuch nicht einverstanden sei! Dr. Calhoun hatte bei seinen Visiten auf den weit verstreuten Siedlerwelten der Galaxis schon alle möglichen Spielarten freundlicher Begrüßung kennengelernt. Als Vertreter des ärztlichen Dienstes, der oft nur das einzige Bindeglied zwischen den neuen Kolonien und der alten Heimat bildete, war er meist mit feierlichem Zeremoniell empfangen worden - oder zumindest mit einer gewissen freundlichen Erwartung, die einem jeden Menschen entgegengebracht wird, von dem man sich die Befriedigung seiner Neugierde erhofft. Auf Maris III jedoch wollte man Dr. Calhoun vernichten wie ein lästiges Insekt ...
Klappentext

The probability of unfavorable consequences cannot be zero in any action of common life, but the probability increases by a very high power as a series of actions is lengthened. The effect of moral considerations, in conduct, may be stated to be a mathematically verifiable reduction in the number of unfavorable possible chance happenings. Of course, whether this process is called the intelligent use of probability, or piety, makes no difference in the facts. It is the method by which unfavorable chance happenings are made least probable. Arbitrary actions such as we call criminal cannot ever be justified by mathematics.
Fitzgerald : Probability and Human Conduct

Der erste in Deutschland erschienene Roman um den Weltraummediziner Calhoun und seinen Tormal Murgatroyd. Auch hier wieder der Einsame Held mit Elektronenmikroskop und Intelligenz im Vordergrund. Calhoun verhindert eine großmaßstäbliche Invasion, bei denen biologische Waffen als Erpressungsmittel genutzt werden sollen. Nicht sehr tiefsinnig, eher in den Bereich Action zu verorten, aber sehr schön und konsistent durchdacht. Die bildhafte Beschreibung macht die Geschichte zum Pageturner, ich zumindestens hatte sehr deutliche Bilder beim Lesen vor Augen.

Die Geschichten um den Weltraummediziner sind hier in Deutschland wenig aufgelegt worden, obige Ausgabe ist die einzige deutsche von "Mutant Weapon". Im amerikanischen Original stehen aber alle Geschichten als eBook bei Baen zur Verfügung : Med Ship. Weitere Stories von Murray Leinster finden sich auf gutenberg.org.

TERRA SF inside - Autorenportrait Murray Leinster
TERRA SF 468 - Murray Leinster : Der Weltraumarzt greift ein

Dienstag, 22. September 2015

TERRA Sonderband 48 - Wilson Tucker : Der letzte Flug der Xanthus



Wilson Tucker : Der letzte Flug der Xanthus (To the Tombaugh Station)
Terra Sonderband 48, 24.11.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1960
Aus dem Amerikanischen von Jesco von Puttkamer
Titelbild : Manfred Schneider


Er ist ein harter Raumtramp und steht unter Mordverdacht, aber die Frau, die ihn jagt, ist noch härter als er ...
Teaser

Zusammengepfercht in der Enge einer kleinen, schrottreifen Frachtrakete, fliegen zwei Personen bis zur Grenze des Sonnensystems - ein Mann und eine Frau. Der Mann ist ein harter Raumtramp, der unter Mordverdacht steht, die Frau ist eine Agentin - beauftragt, den Mann des Mordes zu überführen ...
Vorankündigung

To the Tombaugh Station was a minor book, but certainly not intended as such. I put everything I can into each book I write, but my best efforts fifteen years ago weren’t enough. A drastically cut-down version of this book appeared in the American and British editions of Fantasy & Science Fiction, but they weren’t much to read; they were gutted and revised to fit magazine standards. Oblique references to the heroine’s vagina were deleted. And ‘toilet’ was changed to cubicle.
Wilson Tucker in SF COMMENTARY 79

Dieser Roman hat einfach nur Spaß gemacht. Ein Kammerspiel und obwohl es auch Szenen außerhalb gibt, konzentriert sich die ganze Geschichte doch auf die beengte Raumschiffkabine und die Interaktion der beiden Charaktere. In meinen Augen setzt der Roman für den Begriff "SF-Krimi" durchaus einen Maßstab, wenngleich ich zugeben muß, daß die Geschichte insgesamt doch tatsächlich eher "minor" ist und gegen die anderen Romane von Wilson Tucker abfällt. Denn es bleibt bei der Kriminalhandlung, Tucker lotet die beiden Protagonisten nicht tiefer aus. Nichtsdestotrotz ein spannender Roman, bedauerlicherweise ist dieser TERRA Sonderband die einzige deutsche Ausgabe. Bemerkenswert ist hier die Darstellung von Kate Bristol, die Bob Tucker als starke und emanzipierte Frau beschreibt, was Anfang der 60er durchaus nicht allgemein üblich war. Und der Whodunit-Faktor, denn bis zum Letzten wird man als Leser im Unklaren gelassen, wer den Mord denn tatsächlich verübt hat. Aufgefallen ist mir auch die nicht-saubere Beschreibung des Raumschiffs. Während normalerweise in den 60ern die Raumfahrt noch als sauber und keimfrei beschrieben wurde, ist Bob Tucker hier in der Darstellung einer eher dreckigen Arbeitsumgebung seiner Zeit weit voraus.

Diesen Roman sollte man gelesen haben. Möglichst in der Buchform, da die Magazin-Version - siehe oben - doch stark "redigiert" wurde. Wie es offenbar auch heute noch versucht bzw. gemacht wird, wie ich einem Thread auf SF-Fan entnehmen konnte. Eine unangenehme Verhaltensweise von Redakteuren.

Fern & Bob Tucker, Photo courtesy of Mike Resnick

Montag, 21. September 2015

TERRA Sonderband 47 - Lloyd Biggle jr : Die Unbesiegbaren

Lloyd Biggle jr : Die Unbesiegbaren (The angry Espers)
Terra Sonderband 47, 27.10.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe AMAZING 08/1959
Aus dem Amerikanischen von Walter K. Baumann
Titelbild : Johnny Bruck


Als Paul Corban, Raumpilot der Galaktischen Föderation, nach der Bruchlandung aus seiner tiefen Bewußtlosigkeit erwacht, weiß er nicht, wo er sich befindet. Paul weiß nur, daß die Fremden, die sieh um seine Heilung kümmern, Bewohner eines noch unerforschten Raumsektors sein müssen, in den seine Kurierrakete gelangte.

Die Fremden des Planeten Doniria sehen genauso aus wie irdische Menschen, und doch sind sie anders - auf eine rätselhafte, unheimliche Art anders!

Und dieser unüberbrückbar erscheinende Unterschied zwischen Mensch und Donirier ist es schließlich, der zum Krieg führt - zu einem weltvernichtenden Krieg zwischen Mensch und Übermensch.
Klappentext der Goldmann-Ausgabe

Belanglos, echt nix für den heutigen Leser. Von daher will ich mich eigentlich gar nicht lange hiermit aufhalten, allerdings sind zwei Sachen hier noch bemerkenswert : Erstens erhielt der Roman eine Honorable Mention beim Hugo Award 1962. und zweitens ist er inhaltlich dem Roman Rocket to Limbo von Alan E. Nourse sehr ähnlich. Aber, wie gesagt, lesen muß man ihn heute nicht mehr.

Freitag, 18. September 2015

TERRA Sonderband 46 - E. C. Tubb : Die Marskolonie



E. C. Tubb : Die Marskolonie (Alien Dust)
Terra Sonderband 46, 29.09.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1955
Neuauflage TERRA EXTRA 158, 1967
Neuübersetzung von Heinz Nagel in Moewig E.C. Tubb 22, 1985
Aus dem Englischen von Walter Ernsting
Titelbild : Karl Stephan


Im Jahr 1955 erreicht die Marsexpedition ihr Ziel. Männer landen auf dem roten Planeten und errichten den ersten interplanetarischen Stützpunkt der Menschheit. Sie tun dies unter unglaublich lebensfeindlichen Bedingungen, und sie geben selbst dann nicht auf, als ihre Lage völlig hoffnungslos erscheint. Die meisten von ihnen sterben im Sand der Marswüste, doch die Männer und Frauen, die den ersten Siedlern folgen, stehen ihnen in Zähigkeit und Verbissenheit nicht nach, das Unmögliche möglich zu machen. Dies ist ihre Geschichte - die Geschichte eines 35jährigen Kampfes um eine Welt.
Klappentext des E.C.Tubb-Taschenbuchs

Ein gelungener Episodenroman über die Besiedelung des Roten Planeten. Die Originalgeschichten erschienen in den Jahren 1952 - 1954 in den Magazinen "New Worlds" und "Nebula", der Fix-Up 1955 bei Boardman. Im Gegensatz zu den eher lieblosen Buchausgaben der van Vogtschen Stories hat E. C. Tubb hier nochmals die Geschichte überarbeitet, Fehler ausgemerzt und vorher kritisierte Passagen bearbeitet. Alles in allem hat die Buchausgabe meines Erachtens durchaus einen Mehrwert.

Die hier vorliegende Ausgabe als TERRA Sonderband 46 ist allerdings nicht zu empfehlen. Das Boardman-Original hatte 224 Seiten, das 95-seitige Taschenheft ist stark gekürzt. Und obwohl es zu begrüßen ist, daß dieser Roman bereits Anfang der 60er dem deutschen Publikum zugänglich gemacht wurde, so ist diese starke Kürzung doch eher kontraproduktiv und nimmt dem Roman viel von seinem Charme. Mir ist nicht klar, inwieweit das 160-seitige E.C.Tubb-Taschenbuch von 1985 den kompletten Text enthält, aber da in den 80ern mit Übersetzungen sorgfältiger umgegangen wurde, gehe ich einmal davon aus. Trotzdem wäre eine Neuausgabe des Atlantis-Verlags zu begrüßen.

Jetzt habe ich soviel über die Metadaten und fast gar nichts über den Inhalt des Romans gesagt. Dabei sind die Geschichten echt lesenswert. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren beschreibt Tubb auch in klaren Worten die Mühsal und den Aufwand, den eine Besiedelung des Mars erfordert. Damit ist er seiner Zeit weit voraus, die Darstellung erinnert stärker an "Alien" als an "Enterprise". Auch die Charaktere sind keine makellosen Strahlenden Helden, sondern eher die dreckigen Frontschweine, die man für diese Grenze braucht. Ich persönlich fand sie auch recht plastisch geschildert, was aber m.E. daran liegt, daß ich in den 60ern aufgewachsen und gewohnt bin, mir beim Lesen die Hälfte dazuzudichten.

Interessant ist, daß die vielfach gerühmte Cold Equations-Story von Tom Godwin hier ihren Ursprung hat. In "Precedents", das zwei Jahre vor "Cold Equations" erschien, erzählt Tubb genau die gleiche Geschichte. Allerdings ist es dort ein Mann, ein Verwandter eines der Piloten, der sich als blinder Passagier einschleicht. E. C. Tubb sagte dazu :
‘But’ Tubb muses, ‘I think it was Tom Godwin who wrote a story – “The Cold Equation” (‘Astounding/Analog’ August 1954), where they find the stowaway on the ship, but it’s a she. And they have to throw her out. And I look at that, and I think ‘oh dear’ – and I know I was first, not that it matters because you get overlap anyway, but why didn’t I think of a GIRL? Why did it have to be his bloody son-in-law or his brother-in-law or something (it is the captain’s seventeen-year-old brother-in-law, Carl), and the moral dilemma is ‘what would the wife say?’ Because logically again, at that time it would never have occurred to me that a woman would do that. It was just one of those things. It was a good story. But he got anthologised and lauded, rightly so.
zitiert nach Andrew Darlington

Als Fazit stelle ich fest, daß E. C. Tubb mit "Alien Dust" einen faszinierenden Roman geschrieben hat, der bedauerlicherweise stark in Vergessenheit geraten ist. Da ich die farbigen Mars-Romane von Robinson noch nicht gelesen habe, kann ich über einen Vergleich der beiden nichts sagen. Doch ich glaube nicht, daß sie an den Zukunftsoptimismus und den Sense of Wonder, den E. C. Tubb hier beschreibt, herankommen. Von daher kann man diesen Roman uneingeschränkt empfehlen, auch und gerade im Hinblick auf das aktuelle Mars-Projekt.

Andrew Darlington : A Breath of Alien Dust...

Donnerstag, 17. September 2015

TERRA Sonderband 45 - Kenneth Bulmer : Forschungskreuzer Saumarez



Kenneth Bulmer : Forschungskreuzer Saumarez (Defiance)
Terra Sonderband 45, 01.09.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1957
Neuauflage TERRA EXTRA 156, 1967
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild: Karl Stephan


Dies ist die Geschichte der Männer und Frauen, die stolz darauf waren, dem Terranischen Erkundungs-Korps anzugehören. Viele von ihnen kannten die Erde nicht. Sie waren im All geboren, und ihre Heimat war die Milchstraße. Sie eilten von Sonnensystem zu Sonnensystem, um bewohnbare Welten zu finden. Ihr Leben und Wirken im All und unter fremden Sternen hat der bekannte britische SF-Autor in der Form eines erregenden Weltraumabenteuers geschildert.
Vorschau aus Heft 44

This is the story of one member of the Terran Survey Corps. His name is Loftus Tait. There are many men of his stamp in the Corps; men who possess a deep and unshakable conviction that what they are doing has a meaning in face of the great unknowns, men who, recognising the transience and minuteness of humankind, yet believe that Man has a destiny among the stars.

Not for him or his crew was there the refinement and luxury of a base ship equipped like a small world; they took their frail craft across the parsecs and set down as and when they could, and worked at their jobs, and came back - if they were lucky.

Some were not so lucky.
Klappentext des eBooks

Ein Episodenroman. Nett geschrieben, liest sich flüssig, die Geschichte bleibt aber an der Oberfläche. Mich erinnerte "Defiance" so ein bißchen an die Space Operas von E. E. Smith, nur nicht ganz so ausgewalzt. Die Charaktere bleiben blass, die Geschichte enthält diverse Logiklöcher, die auch der gefällige Stil nicht übertünchen kann. Eher eine Fingerübung, Bulmers spätere Zyklen (Ryder Hook, Dimensionszyklus, Day-Prescott-Saga) waren deutlich besser. Nur für Fans des Autors und SF-historisch interessierte Leser zu empfehlen.

Mittwoch, 16. September 2015

TERRA Sonderband 44 - Kurt Mahr : Die Milliardenstadt


Kurt Mahr : Die Milliardenstadt
Terra Sonderband 44, 04.08.1961
Originalausgabe
Neuauflage TERRA EXTRA 147, 1967
Neuauflage UTOPIA Classics 18, 1980
Titelbild : Johnny Bruck


Jahrtausende sind seit dem Tag vergangen, da der Nonexistentialismus mit seiner Forderung des Verzichts auf jeden Fortschritt zur Staatsdoktrin erhoben wurde. Seit dieser Zeit gibt es weder Wissenschaft noch Forschung. Alles stagniert, und die Menschheit scheint unaufhaltsam dem Untergang entgegenzusteuern. Da greift der junge Egan-Egan, ein Mitglied der verachteten vierten Kaste der Milliardenstadt, in das Geschehen ein. Er trägt Unruhe unter seine Mitmenschen, denn er strebt nach Wissen. Er lehnt das Erbe der Ahnen kennen und setzt es ein, um die Menschheit aus dem Dunkel der Unwissenheit wieder an das Licht der Erkenntnis zu führen.
Klappentext der UTOPIA-Ausgabe

Ein interessanter, fast schon prophetischer Roman von Kurt Mahr. Technik und Wissenschaft ist böse, die Menschen sind in Kasten eingeteilt und leben in einer riesigen Megacity. Anhand des unangepassten Egan-Egan arbeitet Mahr sehr schön die Ergebnisse einer technikfeindlichen Ideologie heraus, wie sie damals sich bereits am Horizont abzeichnete. Betrachtet man die "AKW - nee"-Bewegung und die heutige Grüne Kaste, kommt man nicht umhin, Parallelen zwischen der Realität und diesem mehr als ein halbes Jahrhundert altem Roman zu ziehen.

Stilistisch finde ich es interessant, Mahr im Rahmen der TERRA Sonderbände zwischen den Großen Autoren zu lesen. Ich fand nicht, daß seine "Milliardenstadt" gegenüber Poul Anderson oder A. E. van Vogt wesentlich abfällt. Man merkt allerdings einen eher deutschen Einfluss, Sichtweisen und Problemstellungen sind europäisch, nicht angloamerikanisch. Fand ich aber ganz erfrischend zwischendurch.

Dienstag, 15. September 2015

TERRA Sonderband 43 - A. E. van Vogt : Der Zauberer von Linn

Alfred Elton van Vogt : Der Zauberer von Linn (The Wizard of Linn)
Terra Sonderband 43, 07.07.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe ASTOUNDING 04-06/1950
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Johnny Bruck


Die Riss, unheimliche Monstren aus einer fernen Galaxis, sind auf dem Wege, die Erde zu zerstören. Viele Menschen wissen davon, doch sie unternehmen nichts gegen die tödliche Bedrohung aus den Tiefen des Alls. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, ihre internen Streitigkeiten auszutragen oder Arenaspiele vorzubereiten. Nur Lord Clane von Linn, der Mutant, der auf wunderbare Weise dem Schicksal entging, als Mißgeburt getötet zu werden, sieht eine Möglichkeit, die drohende Invasion der Riss abzuwehren. Doch Clane kann nicht auf Hilfe durch seine Mitmenschen rechnen. Er muß den gewaltigen Kampf allein führen.
Klappentext

Der Fortsetzung von TERRA SF 095. Genauso schwurbelig wie der erste Teil, mit Logiklöchern, in die ganze Galaxien reinpassen. Aber eine nette Action-SF, ziemlich seicht, ohne echten Tiefgang. War genau das richtige, das ich nach einem anstrengenderen Arbeitstag im Hotel goutieren konnte. Aber wie ich schon beim ersten Band andeutete, nichts für feinsinnigere Gemüter.

Interessant ist, daß dieser TERRA Sonderband bis zu einem gewissem Grad sogar eine Originalausgabe darstellt. "The Wizard of Linn" ist zwar bereits 1950 als Serial in ASTOUNDING erschienen, dies ist aber die erste Buchausgabe der Geschichte.

Montag, 14. September 2015

TERRA Sonderband 42 - George O. Smith : Die Sonnen-Ingenieure



George O. Smith : Die Sonnen-Ingenieure (Troubled Star)
Terra Sonderband 42, 09.06.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Startling Stories 1953
Neuausgabe TERRA EXTRA 181, 1968
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Johnny Bruck


Die Fremden wollen die Sonne in ein Blinkfeuer für die Navigation ihrer Raumschiffe verwandeln. Die Erde soll dazu in Stasis versetzt und verschoben werden. Die Menschheit würde damit für Jahrhunderte in ihrer Entwicklung gestoppt werden. Gibt es einen Ausweg aus dieser Situation?
Vorschau aus Heft 41

Außerirdische wollen durch das Sonnensystem einen Raumschiff-Highway bauen. Die Erde ist im Weg und muß versetzt werden. Dazu geht einer der Aliens zurück auf die Zentralwelt und besorgt dafür die entsprechende bürokratische Genehmigung. Und nur ein Mensch weiss davon und kann sich dem widersetzen ...

Kommt das jemandem bekannt vor ? Ob Douglas Adams diese Story kannte ? Er hat ja selber immer viel Nebelkerzen gezündet, wenn es um die Herkunft seiner Idee ging, da würde ich das noch nicht einmal für unwahrscheinlich halten.

Auch "Troubled Star" ist humorvoll angelegt, der Mensch, der die Erde retten soll, ist ein Schauspieler, der den großen Helden der terranischen Raumpatrouille spielt. Einer Raumpatrouille, die es nur im Film gibt, denn die Handlung spielt in der frühen Nachkriegszeit im damaligen Amerika. George O. Smith schreibt locker über die damalige Zeit, teilt sarkastische Seitenhiebe auf Hollywood, den Hays Code und seine Schriftsteller-Kollegen aus. Er lässt es sich auch nicht nehmen, die klassische Heldenverehrung eines E.E. Smith auf die Schippe zu nehmen und den Helden von seiner Heldin auslachen zu lassen. Anschmachten ist nicht in dieser Geschichte, auch wenn Held und Heldin sich am Ende kriegen.

Insgesamt ein echtes Juwel, das zu kaufen sich lohnt. Allerdings sollte man aufpassen, welche Version man sich besorgt. "Troubled Star" sollte von Galaxy Science Fiction als Taschenbuch herausgegeben werden. Diese stellten ihre Taschenbuch-Serie aber nach 35 Ausgaben ein und verkauften die Rechte an Beacon Books. Diese waren wiederum berüchtigt für ihre Softpornos, die sich offenbar gut verkauften. Und so wurden auch diverse SF-Romane "überarbeitet" : Sexy Sci-Fi. Ich muß doch mal sehen, ob ich irgendwie an diese Ausgaben herankomme...

Sonntag, 13. September 2015

TERRA Sonderband 41 - Poul Anderson : Schach dem Unbekannten



Poul Anderson : Schach dem Unbekannten (We Claim these Stars)
Terra Sonderband 41, 12.05.1961
Dominic Flandry
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1959
Aus dem Amerikanischen von Walter Ernsting
Titelbild : Manfred Schneider


Hier einige Figuren aus dem großen Spiel, das um den Bestand des terranischen Imperiums ausgetragen wird:

Dominic Flandry, Agent des terranischen Spionagedienstes. Er kämpft für eine Sache, an die er selbst nicht mehr glaubt ...
Aycharaych, ein Telepath, der sich für mächtig genug hält, die Galaxis zu regieren ...
Catherine Kittredge, ein junges Mädchen, das zur Erde fliegt, um für ihren angegriffenen Heimatplaneten Hilfe zu erbitten ...
Svantozik, ein Ardazirho, ausgestattet mit den primitiven Instinkten seiner Jägerrasse . . .
Klappentext

Die Romane, Novellen und Kurzgeschichten um Dominic Flandry finde ich immer wieder faszinierend. Auch diese Novelle - Alternativtitel sind "Hunters of the Sky Cave" und "A Handful of Stars", enthalten ist die Novelle in "Agent of the Terran Empire" - nahm mich ab der ersten Zeile gefangen. Dominic Flandry ist hier noch jung, doch ihm ist bereits klar, daß das terranische Imperium am Zerfallen ist. Die daraus resultierende melancholische Stimmung, ein Markenzeichen der Flandry-Romane, kommt im Gegensatz zu der die Zukunft darstellenden Siedlerin Catherine Kíttredge um so deutlicher zum Tragen. Sehr schön herausgearbeitet ist auch die beginnende Einsamkeit des Dominic Flandry, die in späteren Romanen noch deutlicher wird und die Melancholie der Geschichten noch verstärkt. Muß man lesen.

Dominic Flandry
Poul Anderson : Dominic Flandry
TERRA SF 226 - Poul Anderson : Geheimagent auf Altai
TERRA SF 340 - Poul Anderson : Erdmenschen unerwünscht !

Samstag, 12. September 2015

TERRA Sonderband 40 - de Camp / Miller : Die neuen Herrscher


Lyon Sprague de Camp / P. Schuyler Miller : Die neuen Herrscher (Genus Homo)
Terra Sonderband 40, 14.04.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1950
Neuausgabe Utopia Classics 13 (1980)
Aus dem Amerikanischen von Klaus Mahn
Titelbild : Johnny Bruck


In einem Tunnel eingeschlossen und der Einwirkung eines neuartigen, tiefschlaferzeugenden Gases ausgesetzt, überleben die Insassen eines Linienbusses unentdeckt den Zeitraum einer halben Ewigkeit. Als diese Menschen - eine bunt zusammengewürfelte Schar von Männern und Frauen - schließlich erwachen und an das Licht der Sonne treten, gibt es die Welt, die sie kennen, längst nicht mehr. Die Natur hat sich weitgehend verändert, und die Erde ist menschenleer. Jetzt wird die Welt von Wesen beherrscht, die längst das Erbe der Menschheit angetreten haben.
Klappentext der UTOPIA-Ausgabe

Und die Wesen, die das Erbe der Menschheit angetreten haben, sind ... Trommelwirbel ... Affen. Tatsächlich ist dies ein Vorläufer des Romans "Planet der Affen", der unter dem Titel "La Planète des Singes" 1963 erschien. Allerdings sind beide Geschichten doch sehr unterschiedlich, die spätere ist dabei deutlich besser. Was auch nicht unbedingt verwundert, dies ist de Camps erster und Schuyler Millers einziger Roman. Eine ganz nette Abenteuerstory, die bereits viel von dem späteren de Camp enthält und sich auch heute noch relativ flüssig liest. Die Andersrassigen - und das fiel mir besonders auf - unterscheiden sich auch in ihrer Gesellschaft und ihrer Art deutlich von den Menschen, ganz im Gegensatz zu der eher parabelartigen Gleichheit der Affen in "Planet of the Apes". Reisst den Roman aber nicht wirklich heraus, er bleibt ein Kind seiner Zeit und ist heute auch nur noch für SF-historisch Interessierte lesbar.

Mittwoch, 9. September 2015

TERRA Sonderband 39 - John Brunner : Bürger der Galaxis

John Brunner : Bürger der Galaxis (Slavers of Space)
Terra Sonderband 39, 17.03.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1960
Revised als "Into the Slave Nebula" 1968
Aus dem Englischen von Walter K. Baumann
Titelbild : Manfred Schneider


Der Sternfahrer wußte zuviel – er wurde ermordet. Derry Horn verfolgte die Mörder und stieß auf ein schreckliches Geheimnis – die Herstellung der blauen Androiden.
Teaser

!!! SPOILERALARM !!!

Der Sternfahrer war Lars Tallibrand, ein "Bürger der Galaxis". Derry Horn, jüngster Sproß einer reichen Industriellen-Familie, wird in den Fall verwickelt und versucht ihn aufzuklären. Dabei kommt er dem modernen Sklavenhandel mit Androiden auf die Spur und stellt fest, daß dies keine künstlichen Wesen, sondern blau gefärbte Menschen vom Rand der menschlichen Zivilisation sind.

Die Frühwerke von John Brunner sind meistens einfache Space Operas. Auch dieser Roman ist zweifelsohne eine Space Opera, allerdings mit deutlich gesellschaftskritischem Flair. Denn zum Zeitpunkt seines Erscheinens war die Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner noch ein echtes Thema, das sich wie hier auch literarisch niederschlug. Man kann "Slavers of Space" bzw. die überarbeitete Version "Into the Slave Nebula" durchaus als Perle im Frühwerk von John Brunner bezeichnen.

Interessant ist ein Vergleich mit dem drei Jahre früher erschienenen Roman "Citizen of the Galaxy" von Robert A. Heinlein. In beiden Fällen geht es um intergalaktischen Sklavenhandel, in beiden Fällen ist der jüngste Sohn einer reichen, in diesen Handel verstrickten Familie der Protagonist, in beiden Fällen wird die Arroganz und Unmenschlichkeit der Superreichen überdeutlich dargestellt. Und in beiden Fällen gibt es den Titel eines "Bürgers der Galaxis", einmal als Buchtitel, einmal als spezielle Ehrung innerhalb der Geschichte. Heinleins Ansatz gefällt mir besser, allerdings bin ich auch ein überaus optimistischer Patron. Die deutlich realistischere Darstellung von Brunner ist auch wesentlich düsterer und pessimistischer, denn effektive Konsequenzen werden nicht aufgezeigt und sind meines Erachtens vom Autor auch gar nicht angedacht. Dagegen stellt Heinleins Thorby sich auf die Seite der Guten und kann tatsächlich etwas bewegen, auch auf galaktischer Ebene. Brunners Derry Horn gelingt es maximal, auf lokalpolitischer Ebene ein Umdenken zu bewirken, inwieweit sich der Sklavenhandel dadurch tatsächlich eliminieren lässt bleibt trotz der Befreiung der Androiden offen.

Mir ist nicht ganz klar, inwieweit Brunner Heinleins Roman kannte. Ich glaube - meine persönliche Meinung, ohne Verifikation - daß beide Autoren erstens von der Situation der Afro-Amerikaner und zweitens von Rudyard Kiplings "Kim" beeinflusst waren. Meiner Meinung nach hat Brunner den Young Adult-Roman von Heinlein sogar gelesen und wollte ihm etwas Realistischeres entgegensetzen. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung, eine literaturtheoretische Betrachtung dieser beiden Romane wäre durchaus einmal angebracht.

Jo Walton - Total Immersion: Heinlein’s Citizen of the Galaxy

Dienstag, 8. September 2015

TERRA Sonderband 38 - Poul Anderson : Planet der Amazonen

Poul Anderson : Planet der Amazonen (Virgin Planet)
Terra Sonderband 38, 17.02.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1959
Aus dem Amerikanischen von Peter Mathys
Titelbild : Johnny Bruck


Sie leben auf einem Planeten, auf dem es nur Frauen gibt und sie warten darauf, daß die Männer auf ihrem Planeten landen. Als ein Mann bei ihnen landet, halten sie ihn für ein Monster, denn die Amazonen kennen Männer nur aus der Sage als überlegene Wesen und er ist es nicht. Was muß er tun, um sie davon zu überzeugen, daß er ein Mann ist, damit er seine Freiheit wiedererlangt?
Vorschau aus Band 37

Three centuries ago, a ship carrying women to a colony world was marooned on an uncharted planet. Reproducing by parthenogenesis, which produces only female offspring, the survivors told their descendents that someday others would come to the world they named Atlantis -- including men. As centuries passed, the legendary creatures called men have taken on a godlike aspect. And when a lone space explorer discovers Atlantis, the women know he can't possibly be a man -- he's just a monster who looks like a deformed woman. But he has advanced knowledge that the nations of Atlantis want, and are willing to go to war with each other to obtain....
Klappentext der BAEN-Ausgabe

Poul Anderson hat bedeutende Romane geschrieben. Dies ist keiner davon. Aber "Virgin Planet" bleibt ein netter Abenteuerroman der schlichteren Sorte, den man so wegkonsumieren kann. Allerdings bleibt dem Leser heutzutage ob der scheinbar nicht vorhandenen Emanzipation doch so ein bißchen das Lachen im Halse stecken - bis man zu der allerletzten Szene kommt. Da würfeln zwei der Amazonen um den Astronauten. Und man fragt sich (ich zumindestens), ob der ganze Roman nicht eine spiegelverkehrte Parodie auf einige wirklich chauvinistische Romane sein soll. Wenn ja, dann fehlt doch so ein bißchen das Sarkastische zwischendurch. Im Endeffekt bleibt es eben ein amüsanter Roman für Pubertierende und Spätbubertierende - mir hat er folglich gefallen. :)

Montag, 7. September 2015

TERRA Sonderband 37 - Raymond Z. Gallun : Tödliche Träume


Raymond Z. Gallun : Tödliche Träume (Passport to Jupiter)
Terra Sonderband 37, 20.01.1961
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1951
Neuausgabe TERRA EXTRA 164 (1967)
Aus dem Amerikanischen von ???
Titelbild : Karl Stephan


Die Menschen sitzen an ihren Sensipsych-Geräten und finden süßes Vergessen. Doch hinter diesen Träumen lauert der Tod...
Teaser

Für mich als Perry-Rhodan-Leser nichts Besonderes. Der Roman ist ohne Zweifel gut geschrieben und hat seinen Charme, aber insbesondere das Thema der Degeneration durch fiktive Computerspiele wurde innerhalb von PR ausführlich und excellent abgehandelt. Von daher kann ich wenig Objektives zu diesem Roman sagen, ich fand ihn ganz nett, aber für mich war "Passport to Jupiter" nicht wirklich innovativ. Da merkt man (wieder einmal), wie gut "Perry Rhodan" damals war und - meiner persönlichen Meinung nach - heute noch ist.

Hörbücher auf LibriVox

Sonntag, 6. September 2015

TERRA Sonderband 36 - A. E. van Vogt : Die Waffenschmiede von Isher


Alfred Elton van Vogt : Die Waffenschmiede von Isher (The Weapon Makers)
Terra Sonderband 36, 23.12.1960
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe ASTOUNDING 02-04/1943
revidierte Buchausgabe 1952
Aus dem Amerikanischen von Lothar Heinecke
Titelbild : Johnny Bruck


Die Gilde der Waffenschmiede und Kaiserin Innelda erheben den Anspruch darauf, die Geschicke der Menschheit zu lenken und zu bestimmen.

Nur Robert Hedrock, der Unsterbliche, kann es überhaupt wagen, gleichzeitig gegen die mächtige Kaiserin und die nicht weniger mächtige Gilde der Waffenschmiede aufzutreten.

Robert Hedrock, der Mann, dem niemand traut - auch Kaiserin Innelda nicht, obwohl sie ihn liebt -, will die Selbstzerstörung der Menschheit verhindern. Er sagt den beiden Mächten der Erde die Fehde an - und muß gleichzeitig gegen die Fremden aus dem All bestehen.
Klappentext der HEYNE-Ausgabe

"The Weapon Makers" erschien als Dreiteiler 1943 bei ASTOUNDING und wurde dann überarbeitet 1952 als Buch bei Hadley und als Paperback als ACE-Double herausgegeben. Hier sind die Schnitte nicht so heftig wie bei den "Waffenhändlern", das Buch ist bereits als Einheit geplant gewesen. Doch auch hier bleiben Figuren und Setting blaß, durch die Logiklöcher können ganze Raumflotten fliegen.

Interessant ist bei den Isher-Romanen allerdings das grundlegende Szenario : Eine Gesellschaft von Waffenhändlern, die jedem Bürger die Möglichkeit gibt, sich gegen Ungerechtheiten zu wehren. Denn die Pistolen der Waffenhändlern eignen sich nicht zum Angriff, sie funktionieren nur als Verteidigung. Meiner Wahrnehmung nach sind die beiden Isher-Romane eine der wenigen klassischen SF-Geschichten, die sich mit dem Recht, Waffen zur Verteidigung zu tragen, überhaupt auseinandersetzen. Und die dahinter stehende und in den Geschichten durchaus diskutierte Moral hat einen tiefen Einfluss ausgeübt. Schriftsteller wie Stephen King, Philippe Druillet oder F. Paul Wilson haben in ihren Jahrzehnte später erschienenen Werken van Vogts Isher referenziert. Und 2010 erschien ein Blogpost mit dem Titel "Wikileaks: Our Weapon Shop of Isher". Als Autor kann man sich keinen größeren Erfolg wünschen.

Samstag, 5. September 2015

TERRA Sonderband 35 - A. E. van Vogt : Die Waffenhändler von Isher


Alfred Elton van Vogt : Die Waffenhändler von Isher (The Weapon Shops of Isher)
Terra Sonderband 35, 25.11.1960
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe fix-up 1951
Originalstories 1941-1949
Aus dem Amerikanischen von Lothar Heinecke
Titelbild : Johnny Bruck


Seit Jahrtausenden herrscht im Imperium der Menschheit das Gleichgewicht der Kräfte zwischen dem Kaiserhaus Isher und den Waffenschmieden, die allen zu Unrecht verfolgten Bürgern die Chance geben, ihr Recht mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.

Mit der Thronbesteigung durch die junge und ehrgeizige Kaiserin Innelda wird die Situation des Imperiums kritisch, zumal der Großrat der Waffenschmiede seine eigentliche Wächteraufgabe weniger gewissenhaft erfüllt als bisher.

Und als MacAllister, der Mann aus dem 20. Jahrhundert, auftaucht, spitzt sich die Lage vollends zu - und der Machtkampf, der nun entbrennt, droht die Grundfesten des Imperiums zu zerstören.
Klappentext der HEYNE-Ausgabe

"Die Waffenhändler von Isher" ist ein Fix-Up der drei Kurzgeschichten "The Seesaw" (Analog, Juli 1941), "The Weapon Shop" (Analog, Dezember 1942) und "The Weapon Shops of Isher" (Wonder Stories, Februar 1949). Eins von van Vogt schlechtesten. Wie schlecht es ist, war mir nie bewusst, bis ich die (unbedingt empfehlenswerte) Ausgabe der Isher-Geschichten im Rahmen der Reihe "Bibliothek der Science Fiction" von Heyne gelesen habe. Dort sind die Originale abgedruckt, insbesondere "The Seesaw" gewinnt hier eine ganz andere Qualität.

Derartige Fix-Ups von van Vogt lassen auch die (nicht unberechtigte) Kritik an Kürzungen in deutschen Ausgaben relativiert erscheinen. Das unbedingte Hängen am Originaltext ist eine Mode der Moderne, zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war man noch ganz anders drauf. Von Verleger- als auch Autorenseite. Jahrzehnte später war das anders, da wurden stilistische Merkmale als "überflüssig" entfernt und haben den Ausgaben (insbesondere bei TERRA-Taschenbüchern) nicht gut getan.

Das liegt allerdings auch daran, daß später literarische SF geschrieben wurde, während van Vogt noch voll der Ideen-SF zugewandt ist. Gerade in den Isher-Romanen sind seine Charaktere eindimensional, seine Beschreibungen überarbeitungswürdig, sein Weltenbau - in dem jeder Haupt- und Nebendarsteller andauernd von der Welt, in die er hineingeboren ist, überrascht wird - suboptimal. Trotzdem haben die Isher-Romane ihr eigenes Flair und ich lese sie eigentlich immer gerne wieder. Alfred Elton van Vogt konnte eben erzählen.

Freitag, 4. September 2015

TERRA Sonderband 34 - Tom Godwin : Sie starben auf Ragnarok

Tom Godwin : Sie starben auf Ragnarok (The Survivors)
Terra Sonderband 34, 28.10.1960
Deutsche Erstausgabe
Neuauflage TERRA NOVA 132, 1970
Originalausgabe 1958
Aus dem Amerikanischen von Guenter Martell
Titelbild : Karl Stephan


Eine Gruppe von Menschen wird von einer feindlichen Rasse auf einem Planeten ausgesetzt, der ihnen kaum ein Chance zum Überleben gab. Doch sie überlebten und schafften es, die Ressourcen des Planeten für ihre Zwecke zu nutzen. Und als der Feind nach Jahren zurück kam, da erlebte er eine unvorhergesehene Überraschung.
Klappentext

Tom Godwin dürfte am bekanntesten durch sein Story "The Cold Equations" sein. "The Survivors" ist dagegen Standard-SF im Vogtschen Sinne, mit einer für die damalige Zeit typischen stark überhöhten Darstellung der menschlichen Rasse. Interessant fand ich hier die episodenhafte Darstellung der auf Ragnarok ausgesetzten Menschen. Der Roman beschreibt in kurzen, aber erstaunlich präzisen Pastiches die Entwicklung der Ausgesetzten über mehrere hundert Jahre bis hin zu ihrer Rache an den Germs, die ihre Vorfahren überfallen und dem Tod überlassen haben. Sehr innovative Ideen und ein gutes Feeling für das Szenario können aber nicht über den stark pulphaften und insgesamt ziemlich oberflächlichen Inhalt des Romans hinwegtäuschen. Meiner Meinung nach ist die Geschichte nur für historisch interessierte SF-Fans lesbar.

SFE-Eintrag

Donnerstag, 3. September 2015

TERRA Sonderband 33 - Donald A. Wollheim : Projekt Mikrokosmos

David Grinnel (= Donald A. Wollheim) : Projekt Mikrokosmos (Edge of Time)
TERRA Sonderband 33, 30.09.1960
Deutsche Erstausgabe
Neuausgabe TERRA ASTRA 340, 1978
Originalausgabe 1958
Aus dem Amerikanischen von ???
Titelbild : Karl Stephan


Projekt Mikrokosmos – ein kurzlebiges Universum von Menschengeist erschaffen, in dem die Zeit viel schneller abläuft, als in der normalen Welt. Doch es gibt Kräfte, die die Wesen des Mikrokosmos über das bevorstehende Ende informieren. Können sie dem drohenden Untergang entkommen?
Teaser

Ein Reporter und seine Kollegin gehen Schattenbildern nach, die in einigen amerikanischen Provinzdörfern die Bewohner beunruhigen. Dort wurden Dinosaurier gesichtet, die sich aber nach kurzer Zeit wieder auflösten und spurlos verschwanden. Waren, der Reporter und Marge, die Photographin kommen einer Gruppe von Wissenschaftlern auf die Spur, die ein in sich abgeschlossenes mikroskopisches Universum im Labor erzeugt haben. Deren Forschungen erlauben es, das Leben auf den Mikro-Planeten zu beobachten und sogar aktiv einzugreifen. Und so erleben die Reporter die Entwicklung eines Universums - und dessen Untergang.

Donald A. Wollheim hat nicht viele gute Romane geschrieben. Dies ist einer davon. Jedesmal, wenn ich ihn wiederlese, nimmt er mich sofort ab der ersten Zeile gefangen. Das ist weniger stilistisch bedingt, Wollheim war kein begnadeter Schriftsteller. Aber der Sense of Wonder, den er in diesen Roman gepackt hat, ist einfach überwältigend. Man merkt der Geschichte an, daß der Autor von der Idee fasziniert war. Dabei war Donald A. Wollheim nicht der erste, der darüber schrieb, "The Girl in The Golden Atom" von Ray Cummings (All-Story 1919) oder Peyton Wertenbakers "The Man In The Atom" (Science And Invention 1923) sind frühe Beispiele ähnlicher Geschichten. Und natürlich "The Incredible Shrinking Man" von 1957, obwohl der Mikrokosmos erst am Ende kurz gezeigt wird. "Edge of Time" reiht sich hier nahtlos ein, gewinnt dem Thema aber neue Facetten ab und betrachtet es mehr vom wissenschaftlichen Standpunkt als aus der philosophischen Perspektive, ohne letzteres aus den Augen zu verlieren. Und so wird aus einer vergleichsweise einfachen Story auch ein Plädoyer für die Humanität, das positive Sicheinmischen.

Heutzutage liest sicher "Projekt Mikrokosmos" etwas schwierig, besonders für jüngere SF-Fans. Wollheim hat hier die frühen 50er deutlich beschrieben, etwa das Bild der Frau im damaligen Mainstream. Die Emanzipation steckte noch in den Kinderschuhen, eine selbstbewusste Photographin war ein Novum, das die Männerwelt nicht wirklich ernst nehmen wollte. Wollheim ist hier seiner Zeit voraus, wenn er Marge als selbstbestimmt und durchsetzungsfähig darstellt, ohne in die übliche Waiting-for-Mr-Right-Routine zu verfallen. Aber auch der Kalte Krieg und die daraus resultierenden Agententätigkeiten, die im Buch eine Nebenhandlung abgeben, sind für Jüngere, aufgewachsen mit primitiven Abhöraktionen und billiger Wirtschaftspionage, nicht mehr en vogue und wahrscheinlich unverständlich. Für etwas Ältere ergibt dies aber eher eine zeitliche Patina, die den Roman an sich noch lesbarer macht. Ich habe die Geschichte, wie ich bereits eingangs sagte, wieder einmal genossen, ein schönes Beispiel für einen heute leider vergessenen Klassiker.