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Samstag, 1. August 2015

TERRA Sonderband 21 - J. T. McIntosh : Die Überlebenden



J. T. McIntosh : Die Überlebenden (The Fittest)
Terra Sonderband 21, 30.10.1959
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe 1955
Aus dem Englischen von Walter Ernsting
Neuausgabe HEYNE 3162, 1969
Neuübersetzung Wulf H. Bergner
Titelbild : Karl Stephan


Der Angriff war völlig überraschend für Gloria. Das Ding schlug plötzlich seine Krallen in ihre nackten Beine, in ihre Schenkel. Gloria versuchte vergebens, den Angreifer abzuwehren. Sie wurde an das offene Fenster getrieben.Dann sprang das Ding ihr an die Kehle. In blinder Angst wich Gloria immer weiter zurück ...

Das war der Anfang der Schreckensherrschaft der Paggets, die ein Wissenschaftler in seinem Labor produzierte und auf die Menschheit losließ. Und als die Horden der intelligenten Bestien sich über die ganze Welt ausbreiteten, begann das Ende der menschlichen Zivilisation.
Klappentext der HEYNE-Ausgabe

When I came back Gloria was dead.

Later I built up a complete picture of what must have happened while I was out foraging that morning. I don’t know exactly why I worked it out in such detail. It certainly didn’t give me any pleasure.

Probably I built up the story because knowing, or even thinking I knew, was better than not knowing at all, and since Gloria couldn’t tell me what had happened my guesses were all I had, all I could ever have. Did I say I loved Gloria? That was why I guessed what had happened, down to the last tiny, insignificant detail, because Gloria was my wife and there had been a time when she had mattered a lot to me.

Well, she always mattered a lot to me, right to the end. What I mean is, there had been a time when everything she did or said, everything she thought, how she looked, what she wore, how her blond hair was arranged, had meant more to me than anything else in the world.
That had been before the paggets.

My picture may be wrong here and there, but in essence it’s correct. I’m not going to be coldly scientific and stick to what I know to be true. In my memory I’ve substituted this for the few colorless traces I actually found, and this is what I remember when I think of that morning.

This is my last grim, unromantic memory of Gloria.
Prolog

"The Fittest" ist eine apokalyptische SF-Geschichte im Stil der wesentlich bekannteren "Triffids". Ein Privatwissenschaftler schafft es, das Erinnerungsvermögen von Hunden, Katzen und Ratten zu verbessern, was bereits ausreicht, um die menschliche Zivilisation zum Erliegen zu bringen.

Der Protagonist ist einer der Söhne dieses Wissenschaftlers, der nichts von den Experimenten wusste, aber von der amerikanischen Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht wird. Die Anfeindungen und Verfolgungen in den Staaten sind mit einer gehörigen Bitterkeit erzählt, J. T. McIntosh hatte da keine Illusionen. Die Szene, in der der Mob seinen Bruder und seine Schwägerin tötet, ist von seltener Eindringlichkeit. Ich persönlich fühlte mich visuell an den Omega-Mann erinnert, als die Familie Neville herausruft. Schon bemerkenswert, wie stark J.T. McIntosh hier diese Szene schildert.

Von Amerika geht unser Held über Frankreich (wo sich der Tod seiner Frau Gloria ereignet) zu seiner Schwester nach England. Hier baut er eine kleine dörfliche Gemeinschaft auf, die die Zivilisation bewahren soll. Im Vergleich zu "Einer von 300" ist interessant, daß J. T. McIntosh auch hier wieder das Szenario der Gutwilligen, die eine Gemeinschaft aufbauen wollen und zu ihr beitragen, im Konflikt mit denen, die nichts tun und von der Arbeit Anderer leben wollen, darstellt. Diese Katastrophen-Profiteure scheinen McIntosh ziemlich auf den Geist gegangen zu sein und die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit 1955, als er den Roman schrieb, noch sehr präsent.

Das ist auch der große Unterschied zu anderen Autoren seiner Zeit, insbesondere etwa zu Wyndham, Asimov oder Heinlein. McIntosh ist deutlich realistischer und zynischer, viel weniger idealistisch. Das macht - zumindestens für mich - einen großen Teil des Charmes seiner Romane aus. Auch seine Sicht auf die Geschlechter ist differenzierter, als es zu dieser Zeit üblich war. Bei ihm sind die Frauen gleichberechtigt. Allerdings differenziert er deutlich zwischen selbstständigen und emanzipierten Frauen und unemanzipierten Modepüppchen. Eine ähnliche Differenzierung gibt es bei den Männern, wobei die Zivilisationserhaltenden auf der einen und die "Drohnen" auf der anderen Seite stehen.

Meinem ganz persönlichem Geschmack nach ist dieser Roman besser als die "Triffids". Ich kann nur jedem empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen, aktuell ist der Roman als eBook von PROLOGUE SF auf Amazon erhältlich. Viel Spaß beim Lesen.

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