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Mittwoch, 23. Dezember 2015

Simon R. Green : Deathstalker Honor



Simon R. Green : Deathstalker Honor
Deathstalker 04
ROC
Originalausgabe 1998
Taschenbuch, 512 Seiten
Titelbild : ?


Following the overthrow of the tyrannical Empress Lionstone, rebel Owen Deathstalker is hailed as a hero. But being a hero is not easy, for when the fighting ends the politicking begins. And there's no place in politics for honor. But honor is the one thing Owen Deathstalker lives by. And he'll kill for it, if necessary, for the sake of an Empire beset by enemies within, and aliens without.
Klappentext

"Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende…"

Nö.
Tun sie nicht.
Überhaupt nicht.

Simon R. Green zeigt in "Deathstalker Honor" die Nachwirkungen der Revolution : Politische Machtspielchen, Armut, zerissene Biographien und ehemalige Alliierte, die sich jetzt gegen die Menschheit wenden.

Am bemerkenswertesten fand ich den politischen Ansatz. Nach dem Zerfall der bisherigen Machtstrukturen – Ironstone und die Familien-Clans wurden ja im Zuge der Revolution von der unmittelbaren Teilnahme an der Regierung ausgeschlossen – kam das bisher irrelevante Parlament wie die Mutter zum Kinde zur Regierungsverantwortung. Sofort stellten sich Machtpolitiker aller Coleur ein, beispielsweise Gutman (den ich mir übrigens immer wie Sidney Greenstreet in "The Maltese Falcon" vorstelle). Das Endergebnis ist wie vorauszusehen, eine wirklich zielgerichtete Politik findet nicht statt, es werden Partikulärinteressen bedient und die Irrgarten-Mutanten in politischen Brennpunkten verheizt.

Zusätzlich dazu werden die weiteren Ereignisse rund um die Helden der Revolution geschildert : Valentine Wolfe, Finlay Campbell und Julian Skye, Evangeline Shreck und diverse andere werden in kurzen Episoden weitergeführt. Und keinesfalls als glorreiche Helden stilisiert. Sehr schön bringt Simon R. Green zum Ausdruck, daß sich der Geist nicht einfach wieder in die Flasche zurückstopfen lässt, daß Ungeheuerlichkeiten wie etwa Finlay Campbell sie während der Revolution veruracht hat, ihren psychischen Tribut einfordern. Valentine Wolfe wird sehr gelungen zum Superschurken aufgebaut, seine Skrupellosigkeit und Unmenschlichkeit wird auf Virimonde dargestellt, als er die Überreste der toten Einwohner zur Esper-Droge verarbeiten lässt. Als Owen und Hazel ihn und seine Komplizen stellen und von Virimonde verjagen wird zum ersten Mal deutlich, daß in dem politischen System der post-imperialen Menschheit etwas ziemlich im Argen liegt.

Owen und Hazel, die jetzt als Kopfjäger für das Parlament arbeiten, werden danach nach Brahmin II geschickt. Die Hadenmen haben sich von Alliierten zu Gegnern gewandelt und versuchen die Menschen ganzer Planeten anzupassen. Owen und Hazel können dies hier vereiteln und Tobias Moon sozusagen "wiederbeleben".

In der Zwischenzeit sind Jack Random und Ruby Journey auf Loki angekommen. Dort haben sich Kolonisten gegen die vom Parlament eingesetzten Manager gewandt und sich mit den AIs von Shrub verbündet. Allerdings hatten sie auch guten Grund für ihren Protest : Die vom Parlament eingesetzten Manager wirtschaften nicht nur in die eigene Tasche, sondern auch den Planeten runter, damit finanzstarke Hintermänner ihn für 'nen Appel und 'n Ei übernehmen können. Jack und Ruby decken dieses Komplott auf und wehren die Truppen der Shrub-Computer ab. Allerdings ist Jack Random am Ende ziemlich sauer. Nachdem er sein ganzes Leben gegen die Diktatur des Imperiums gekämpft hat, sieht er sich jetzt einer neuen, einer ökonomischen Diktatur gegenüber. Er wählt den Weg des Ewigen Revolutionärs – und köpft zunächst einmal alle, Rebellen als auch Manager, die sich gegenüber den Menschen und der Menschheit schuldig gemacht haben.

In der letzten Episode dieses Romans begleiten wir Owen Deathstalker und Hazel D'Ark auf ihrem Weg nach Lachrymae Christi. Hier ist eine Lepra-Kolonie Angriffen der Hadenmen ausgesetzt. Die Lepra ist vor einigen Jahren in einer unheilbaren Form wiederaufgetaucht, die Befallenen werden wie im Mittelalter isoliert. Die Oberin Beatrice hat hier eine Mission aufgesetzt, um den Kranken zu helfen. Es ist zunächst vollkommen unklar, was die Hadenmen hier auf diesem Planeten wollen – bis Moon und Owen Kontakt zu ihm aufnehmen. Denn der Planet bzw. dessen Flora hat ein eigenes Bewusstsein entwickelt, eine Einzigartigkeit im Deathstalker-Universum. Zusammen mit dem Planeten besiegen die drei die Hademmen. Doch bei der Siegesfeier wird Hazel von den Blood Runnern entführt.

Auch hier haben wir objektiv wieder die Episodenform vorliegen, die Simon R. Green bereits bei den vorhergehenden Romanen genutzt hat. Im Gegensatz zu denen sind die Episoden hier aber kürzer, auf mich hat der Roman ganz anders gewirkt als seine Vorgänger. Ich hatte mehr den Eindruck einer durchgehend erzählten Geschichte, auf vielen Ebenen zwar, aber durchgehend.

Das zentrale Thema hier ist die Politik, die Politisierung der Revolution. Sie wird an dem Scheitern der Revolutionhelden in der nachrevolutionären Zeit dargestellt, sie können sich nicht oder nicht mehr integrieren, sind zu Ikonen des Widerstands geworden und haben in den aktuellen Machtkonstellationen nur noch Nebenrollen. Typen wie Elias Gutman übernehmen das Feld und kümmern sich in der politikerüblichen Art um die alltäglichen Probleme. Nach kurzer Zeit beginnen die Leute sich zu fragen, warum sie sich eigentlich gegen Ironstone gewehrt haben. Green gibt hier ein klares Statement zur aktuellen politischen Situation in der Realwelt ab. Wie bereits Heinlein Jahrzehnte zuvor in "Double Star". Im Gegensatz zu Heinlein ist Green aber weitaus weniger optimistisch, seine Politiker sind durch die Bank weg Unsympathen. Kann ich zwar nachvollziehen, ist aber schade. Und macht den Roman in dieser Hinsicht zumindestens etwas eindimensional.

Wie ich bereits sagte, kam mir der Roman deutlich stärker linear erzählt vor, als er es objektiv ist. Am besten wird dies in der Parlamentsszene deutlich, kurz vor Hazel und Owens Flug nach Brahmin II. Hier treibt Green es auf die Spitze und springt von Protagonist zu Protagonist, erzählt manchmal über mehrere Seiten, manchmal bleibt er nur einen kurzen Absatz bei einem Protagonisten hängen. Hat was, ich hab' das Buch ebenso genossen wie seine Vorgänger, wenngleich der himmestürmende Tenor der ersten drei Revolutionsbände jetzt doch einer starken Ernüchterung gewichen ist. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht.

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