Seiten

Samstag, 14. Dezember 2013

TERRA SF 229 - Hans Kneifel : Uns riefen die Sterne


Hans Kneifel : Uns riefen die Sterne
Terra SF 229, 18.05.1962
gekürzter Nachdruck des gleichnamigen Leihbuchs von 1956
Titelbild : Karl Stephan


Eine geschlossene Kameradschaft kühner Weltraumpiloten im 22. Jahrhundert entreißt sich durch den Beschleunigungsantrieb von Kernspaltungsmotoren den Fesseln der Erdschwerkraft und stößt mit unvorstellbarer, doch genau berechneter Geschwindigkeit zu einem Planeten vor, der von der Anziehungskraft unseres Sonnensystems eingefangen wurde; darüber hinaus dringen diese verwegenen Männer mit gleißenden Raumschiffungeheuern in die Lichtjahre weiten Bereiche unseres Milchstraßensystems mit seinen Millionen von Fixsternen ein - in den von kosmischen Ultrastrahlen durchfluteten Raum, dessen Wunder sich diesen Pionieren einer kommenden Zeit entschleiern - im rasenden Flug zu Fixsternplaneten, deren Existenz von unserer heutigen astronomischen Forschung bereits nicht mehr bezweifelt wird.

Phantastische Ideen bewegen die Handlung des Romans - Gedanken über die Wunder des Makrokosmos- über Lebensmöglichkeiten auf lichtjahrfernen Weltkörpern und über Lebewesen, die den Menschen der heimatlichen Erde ähnlich oder überlegen sind.

Aber sind diese Gedanken phantastischer, als wenn etwa einer unserer Urgroßeltern noch vor achtzig Jahren vorausgeahnt hätte, daß der Mensch auf dem Fernsehschirm Ereignisse sehen könnte, die auf der anderen Seite des Erdballs - geschehen - daß er aus ein paar Kilogramm Materie die ungeheuren Energien der Atomkräfte entfesseln und mit Düsenkreuzern durch die Stratosphäre rasen könnte - schneller als der Schall?

Dem Menschen erschließt die kometenhafte Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik am Anfang unseres Jahrhunderts märchenhafte Ausblicke in ungeahnte Bereiche zukünftiger Erkenntnis - und ein Autor dringt mit einer frischen, ursprünglichen Phantasie in eine neue Welt vor - eine Welt des utopischen Abenteuers, die nicht phantastischer ist, als einem Ritter des Mittelalters unsere heutige Welt erschienen wäre.
Klappentext des AWA-Leihbuchs

Der erste Roman, den Hans Kneifel geschrieben hat und der veröffentlicht wurde. Ein wirklich früher Kneifel, der im Vergleich zu seinen großen Romanen noch sehr dilettantisch wirkt, aber an vielen Stellen den Stil, den Kneifel später zu seinem Markenzeichen machte, bereits anklingen lässt. Dabei ist dieser Roman ein Sprachrohr der Jugend der 50er und 60er, weniger konflikt- und gewaltorientiert als vielmehr ein Expeditionsroman, der die Faszination des Weltalls der Nachkriegszeit bestens ausdrückt. Bemerkenswert auch der Optimismus, der unbedingte Glaube an die Zukunft, den Kneifel hier zu Papier gebracht hat. Und die Melancholie, der Unfalltod von Cliff und Elca im letzten Kapitel, ihr Grab im Weltraum, nimmt spätere Szenen vorweg. Vielleicht etwas überaltert, der Roman, für Fans klassischer SF wie mich jedoch ein echtes Lesevergnügen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen