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Dienstag, 10. Januar 2017

James Corey : Calibans Krieg



James Corey : Calibans Krieg (Caliban's War)
The Expanse 02
HEYNE 2013
Deutsche Erstausgabe
Originalausgabe Orbit 2012
Paperback, 656 Seiten, 14,99 €
Titelbild : ???
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski


Die Menschheit hat die Himmelskörper unseres Sonnensystems besiedelt. Doch der Friede bröckelt, denn die Kolonien begehren gegen die Vorherrschaft der Erde auf, und auf dem Jupitermond Ganymed haben die Kämpfe schon begonnen. Das Schicksal der Menschheit steht auf Messers Schneide ...

Das Sonnensystem ist in Aufruhr. Auf Ganymed muss eine Elitesoldatin mit ansehen, wie ihre Truppe von einem monströsen, übermenschlichen Superkrieger vernichtet wird. Auf der Erde kämpft eine hochrangige Politikerin mit aller Macht gegen den heraufziehenden interplanetarischen Krieg an. Und auf der Venus breitet sich ein fremdartiges Protomolekül aus, das an dem Planeten ungeahnte Veränderungen bewirkt und sich nun auf die anderen Himmelskörper des Sonnensystems zu verbreiten droht. Woher kommt es, und was bedeutet das für die Menschheit?

Währenddessen begibt sich Kapitän James Holden auf eine neue Mission. Von den leeren Weiten des äußeren Sonnensystems bringt er einen Wissenschaftler auf den Jupitermond Ganymed, der dort nach einem vermissten Kind suchen will – doch dass das Schicksal dieses Kindes mit der Zukunft des Sonnensystem und der
Menschheit zusammenhängt, begreift Holden erst, als es schon fast zu spät ist. Ein atemberaubender Wettlauft gegen die Zeit beginnt.
Klappentext


Der Anzug meldete sieben Ziele. Weniger als ein Drittel der Besatzung im UN-Vorposten.
Das ist doch völlig unsinnig.
Sie wies den Anzug an, in fünfhundert Metern Entfernung eine Linie in das Display einzuzeichnen. Ihren Untergebenen erklärte sie nicht, dass dies die Grenze war, von der an sie das Feuer eröffnen sollten. Das war nicht nötig. Ihre Leute würden schießen, sobald sie es selbst tat, ohne nach dem Grund zu fragen.

Die UN-Soldaten waren jetzt weniger als einen Kilometer entfernt, hatten ihrerseits aber noch keinen Schuss abgefeuert. Außerdem liefen sie nicht in Formation. Sechs kamen in einer unordentlichen Reihe vorneweg, der siebte folgte etwa siebzig Meter hinter ihnen. Ihr Helmdisplay wählte den Gegner auf der linken Seite als
Ziel aus, weil er der nächste war. Doch irgendetwas störte sie, und sie überging die automatische Zielauswahl, visierte das hintere Ziel an und vergrößerte es.Die kleine Gestalt wuchs in der Zieloptik heran. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter. Sie erhöhte die Vergrößerung abermals.

Die Gestalt hinter den sechs UN-Marinesoldaten trug keinen Schutzanzug. Genau genommen handelte es sich auch nicht um einen Menschen. Die Haut war mit Chitinplatten bedeckt, die an große schwarze Schuppen erinnerten. Der Kopf war entsetzlich. Doppelt so groß wie normal und mit seltsamen Auswüchsen übersät. Das Schlimmste waren die Hände – viel zu groß für diesen Körper und im Vergleich zur Breite zu lang. Es waren Horrorhände aus dem Albtraum eines Kindes. Die Hände eines Trolls unter dem Bett oder die Klauen der Hexe, die durch das Fenster einsteigt. Sie spannten sich manisch, als wollten sie etwas Unsichtbares packen.Die Truppen der Erde griffen nicht an. Sie flohen.

»Schießt auf das Wesen, das sie jagt«, rief Bobbie, obwohl niemand es hören konnte.

Noch bevor die UN-Soldaten die fünfhundert Meter entfernte Feuerlinie erreichten, holte das Wesen sie ein.
»Oh, verdammte Scheiße«, flüsterte Bobbie. »Oh, verdammt.«
Es packte einen UN-Marinesoldaten mit den riesigen Händen und zerfetzte ihn wie ein Stück Papier. Die aus Titanium und Keramik konstruierte Rüstung riss ebenso leicht entzwei wie der Körper, der in ihr steckte. Ausrüstungsteile und feuchte menschliche Eingeweide flogen als wirrer Haufen auf das Eis. Die übrigen fünf Soldaten liefen noch schneller, doch das Ungeheuer wurde, wenn es tötete, nicht einmal merklich langsamer.
»Schießt doch, schießt doch, schießt doch!«, schrie Bobbie, während sie das Feuer eröffnete. Ihre Ausbildung und die Technik ihres Kampfanzugs machten sie zu einer äußerst effizienten Tötungsmaschine. Sobald ihr Finger den Abzug der eingebauten Waffe berührte, jagte mit mehr als tausend Metern pro Sekunde ein Strom von zwei Millimeter großen, panzerbrechenden Geschossen auf das Wesen zu. Weniger als eine Sekunde später hatte sie bereits fünfzig Geschosse abgefeuert. Das Wesen war ein vergleichsweise langsames Ziel von annähernd menschlicher Größe, das zudem geradeaus lief. Der Zielcomputer übernahm die ballistischen Korrekturen und hätte es ihr erlaubt, ein Ziel von der Größe eines Fußballs zu treffen, das sich mit Überschallgeschwindigkeit bewegte. Jede Kugel traf.
Eine Wirkung war nicht zu erkennen.
Die Geschosse schlugen einfach durch
Leseprobe

Der zweite Band ist ja immer so eine Art Bewährungsprobe. Bei vielen Zyklen ist ein deutlicher Qualitäts-Abfall zu bemerken, nur bei gut durchgeplanten Romanserien, bei denen die Autoren sich vorher über den Gesamtablauf detaillierte Gedanken gemacht haben, ist das anders. Meistens sind das dann auch die Zyklen, die man immer wieder liest. Und "The Expanse" scheint sich in diese Stufe einzureihen.

Denn von Langeweile ist bei "Caliban's War" nichts zu bemerken. Und das, obwohl der Grundplot mit dem ersten Band nahezu identisch ist : Ein Wirtschaftskonzern experimentiert mit den außerirdischen Sporen, vollkommen skrupellos gegenüber möglichen Nebenwirkungen. Witzigerweise der gleiche Konzern, der schon die Scheiße im ersten Band angerührt hat, was sehr elegant die These vom irrsinnigen Einzeltäter widerlegt. Gelungenes Szenario !

Und es treten neue Leute auf, die Politik spielt eine viel stärkere Rolle als im ersten Band. Und das, ohne die Überlebenden des ersten Bands zu vernachlässigen. Auch wenn für meinen ganz persönlichen Geschmack die politischen Machinationen etwas naiv dargestellt werden, hat mir die Komplexität der Geschichte sehr gut gefallen. Der Leser wird zusammen mit den Protagonisten so nach und nach an die hinter den Ereignissen ablaufenden eigentlichen Handlungen herangeführt, der Krimi-Aspekt macht einen großen Charme des Ganzen aus.

Independently intelligible but best appreciated after volume one—and with a huge surprise twist in the last sentence.
Kirkus Reviews

Die amerikanischen Kritiker waren durch die Bank weg vom zweiten Teil beeindruckt und ich kann ihnen nur zustimmen. Ein schöner zweiter Band, der die Expanse-Story intelligent weiterführt. Lohnt sich !

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