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Mittwoch, 6. Juli 2016

TERRA EXTRA 086 - Leigh Brackett : Am Morgen einer anderen Zeit


Leigh Brackett : Am Morgen einer anderen Zeit (The Long Tomorrow)
Terra Extra 86, 07.01.1966
Neuauflage
Deutsche Erstausgabe UTOPIA Großband 110, 1959
Originalausgabe Doubleday 1955
Aus dem Amerikanischen von M.F. Arnemann
Titelbild : Johnny Bruck


80 Jahre nach der Stunde Null.

Die wenigen Überlebenden des atomaren Infernos haben harte Konsequenzen gezogen, um durch die Verteufelung der modernen Technik und urbaner Ballungen ein für allemal eine Wiederholung der Katastrophe auszuschalten. So verbietet zum Beispiel der 13. Zusatz der US-Verfassung die Duldung von Ansiedlungen von mehr als 2000 Personen und 200 Gebäuden pro Quadratmeile. Doch 80 Jahre nach dem Atomschlag sind bereits wieder Kräfte am Werk, die einer Expansion der städtischen Zivilisation das Wort reden. Zudem scheint nach wie vor Bartorstown zu existieren, die verborgene Stadt, deren Bewohner mit Computern operieren und sich des geächteten Atomfeuers bedienen....
Klappentext der UTOPIA CLASSICS-Ausgabe


Unhappily, as the story progresses, it seems more and more to support Koestler's assertion that literature and science fiction cancel each other out. Most of the book, particularly the early part, is compellingly written, but not speculative... as the invented elements of the story grow more important, the vision dims... This novel illustrates a problem which science fiction writers are going to have to solve before long: how to write honestly about a mildly speculative future without dragging in pseudoscientific props by the cartload.
Damon Knight : In Search of Wonder

Ist mir vollkommen unklar, was alle haben ? Ich mein', klar, der Roman ist Spitze, ist schließlich einer von Brackett auf der Höhe ihrer Kreativität. Sie stellt nicht nur die Dystopie des untergegangenen Amerikas dar, sondern ebenso die Beschränkungen der Humanisten - und schafft es am Ende der Geschichte, die individuelle Freiheit unter die gesamtgesellschaftliche Utopie unterzuordnen, ohne dies wirklich negativ klingen zu lassen. Für uns, die Beobachter der Geschichte ein halbes Jahrhundert später, ist dies natürlich eine fragwürdige Lösung, aber zum damaligen Zeitpunkt (und auch noch Jahrzehnte später) war sie richtig.

Dies ist aber auch die Sicht eines Europäers, der Brackett zwar mag, aber innerhalb seiner eigenen Geschichte verhaftet ist. Amerikaner sehen das anders, dort wird dieser Roman in den höchsten Tönen gepriesen. Gary K. Wolf hat ihn in American Science Fiction: Nine Classic Novels of the 1950s aufgenommen und Nicola Griffith überschlägt sich ja fast, so genial empfand sie den Roman. Auch ansonsten sind die amerikanischen Kritikerstimmen seit der Originalausgabe extrem euphorisch : Link. Ich persönlich finde den Roman zwar gut, denke aber, daß es bessere gab. Gerade bei Leigh Brackett bin ich beispielsweise auf die Marsgeschichten eingeschworen. Und das Subgenre des zerstörten Amerika fand ich an mehreren anderen Stellen besser dargestellt. Aber das kann eben auch Geschmackssache sein. Und eine Frage der (eigenen) Geschichte...

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