Seiten

Sonntag, 7. Oktober 2012

Warhammer 40.000 : Der Große Bruderkrieg 01-08




Dan Abnett : Aufstieg des Horus (Horus Rising)
Graham McNeill : Falsche Götter (False Gods)
Ben Counter : Brennende Galaxis (Galaxy in Flames)
James Swallow : Kreuzer Eisenstein (The Flight of the Eisenstein)
Graham McNeill : Fulgrim (Fulgrim)
Mitchel Scanlon : Gefallene Engel (Descent of Angels)
Dan Abnett : Legion (Legion)
Ben Counter : Am Abgrund (Battle for the Abyss)
Aus dem Englischem von Ralph Sander
Heyne-Taschenbücher
Originalausgaben 2006-2008, Deutsche Ausgaben 2009-2011


Im 20. Jahrtausend menschlicher Zeitrechnung wird eine Möglichkeit, mit Überlichtgewindigkeit durch einen Hyperraum, den sogenannten Warp, zu fliegen, entdeckt. Ein Goldenes Zeitalter der Menschheit beginnt, man begegnet Außerirdischen und gründet Kolonien auf den fernsten Sternen. Doch 5.000 Jahre später machen Warpstürme die Raumfahrt unmöglich, auf der Erde, die längst von den Lebensmittellieferungen der Kolonien abhängig ist, beginnt die Zeit der Hungerkriege und der Warlords. Zu Beginn des 30. Jahrtausends sind die Warpstürme abgeflaut und die Erde unter dem Regime des Imperators wiedervereinigt.

Um die verlorenen Kolonien wieder in das Imperium der Menschheit einzuordnen wird ein gigantischer Feldzug gestartet. Durch genetische Manipulationen hat der Imperator eine Kaste von Kriegern, die Astartes oder Space Marines, geführt von genetischen Klonen des Imperators, den sogenennten Primarchen, geschaffen, die größer und stärker sind als der "normale" Mensch. Sofern dieser überhaupt noch existiert, genetische und sonstige Manipulationen am Menschen und am menschlichen Erbgut sind an der Tagesordnung. Die Gesellschaftsordnung ist stark an das römische Imperium angelehnt, wie bereits 30.000 Jahre früher leben die Menschen in einem Zustand der Barbarei.

Der Warp ist nicht unbelebt, durch einen Unfall nehmen Warp-Bewohner, sogenannte Dämonen Besitz vom Führer des Großen Kreuzzuges, dem Primarchen Horus. Er wendet sich daraufhin gegen den Imperator und zieht die Hälfte der Astartes auf seine Seite. Ein blutiger Bürgerkrieg beginnt, den am Ende unter großen persönlichen Opfern der Imperator für sich entscheiden kann. Die nächsten 10.000 Jahre sind ein Zeitalter der Stagnation, im 40. Jahrtausend der menschlichen Zeitrechnung sieht sich dann die Menschheit durch Warp-Dämonen und Außerirdische in ihrer Existenz bedroht und steht vor dem Untergang.

Das ist die Welt von Warhammer 40.000, nicht nett und optimistisch, sondern düster, gewalttätig, wahnsinnig und dystopisch. Keine Welt, in der man leben möchte. Die ersten in der W40K-Reihe erschienenen Romane beschreiben die Zeit gegen Ende des 40. Jahrtausends, als das menschliche Imperium voll ausgeformt ist. Ein Beispiel dafür sind die "Inquisitor"-Geschichten von Ian Watson. Doch wie konnte es zu diesem inhumanem Gesellschaftsmodell, zu diesen unmenschlichen Handlungen, zu den obskuren menschlichen und halbmenschlichen Gruppen überhaupt kommen ?

Die Antwort darauf geben die Romane um den Großen Bruderkrieg, die zu Anfang des 30. Jahrtausends spielen.


Soweit der Prolog, der jedem Roman der Bruderkrieg-Reihe vorangestellt ist. Ebenso wie dieser Prolog enthalten die Romane die Darstellung einer sich massiv selbst überschätzenden Menschheit, in deren Gesellschaft kein Platz für das ist, was wir heutzutage als gut und richtig verstehen. In bodenloser Arroganz werden ehemalige Kolonien in das Imperium eingegliedert und die jeweils eigenständigen Zivilisationen vernichtet. Religion ist geächtet, nur der Glaube an den Imperator und die Naturwissenschaften ist akzeptabel. Menschen werden lobotomiert und als menschliche Roboter, sogenannte Servitoren, eingesetzt. Nicht-Menschen oder Mutanten werden als Wesen zweiter Klasse definiert und, so sie nicht für den Weiterbestand des Imperiums wichtig sind, getötet. Kämpfe der Space Marines untereinander sind an der Tagesordnung, das Leben des Einzelnen, so er nicht Imperator oder Primarch ist, zählt nicht.

Dies stellen die Autoren brilliant dar, ohne den erhobenen moralischen Zeigefinger zu benutzen. Jeder mit einem etwas anderem Stil, aber klar und deutlich, so daß ich an vielen Stellen der Romane diesen Horror nachempfinden konnte. Diese Romane sind nicht leicht zu lesen, ich schaffe meistens nur zwei oder drei am Stück. Dann brauche ich wieder etwas Positiveres, Lebensbejahenderes. Doch trotzdem sind gerade diese chronologisch ersten Warhammer 40.000-Romane faszinierend, denn effektiv sind es antifaschistische Antikriegsromane. Das Grauen dieser faschistoiden Gesellschaft der Zukunft wird derartig deutlich dargestellt, daß man sich mit Schaudern von einer solchen Ideologie abwendet. Eine Technik übrigens, die ebenso brilliant in Hans-Hellmut Kirsts "Nächte der Langen Messer" benutzt wurde.

Und angenehm langsam und detailliert, sich zeitlich oftmals stark überschneidend sind diese ersten Bruderkrieg-Romane geschrieben. Alle (?) Space Marine-Einheiten, die man aus dem Tabletop-Spiel oder dem Spielerhandbuch kennt, werden nacheinander in ihren Anfängen beleuchtet, die Unterschiede zwischen ihnen im Detail dargestellt. Auch werden Protagonisten ausgewählt, die sich noch einen Rest an Menschlichkeit bewahrt haben, an ihnen, ihren Handlungen und ihrem Untergang wird die Perversion des Systems besonders deutlich.

Insgesamt sehr lesenswerte Romane, man sollte allerdings schon moralisch gefestigt sein, wenn man sie liest. Interessant ist, daß hier keine Indizierung erfolgt. Denn dagegen ist Norman Spinrads "Stählerner Traum" harmlos.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen